Autor: Nedzad Hurabasic

"Hey, bewegt euren Arsch, ihr seid nicht zum Ausruhen hier", bellt es den GI's entgegen, als sie sich beim Sturm auf den Häuserblock eine Auszeit nehmen. Und wahrlich: Company of Heroes, das neue Echtzeitstrategiespiel aus dem Hause Relic, gönnt dem Spieler keine Ruhepausen und scheucht uns von einem Einsatz zum Nächsten.

Auf jeden Angriff folgt eine Gegenattacke. Warum das Spiel trotz ausgelutschtem WW2-Szenario locker in die Top10 der diesjährigen Spiele-Hits eingehen wird, haben unsere Kriegsreporter bei ihrem Frontbesuch in Erfahrung gebracht.

Company of Heroes - Trailer: DX9 vs. DX106 weitere Videos

Eins vorweg: Company of Heroes ist kein Spiel für Weicheier oder Anfänger. Zartbesaitete werden mit der oftmals brutalen Action und der soldatisch-rabiaten Umgangsweise wenig anfangen können. Außerdem stellt das anspruchsvolle Spielgeschehen schon auf niedrigeren Schwierigkeitsgraden viele Hürden auf - für Anfänger trotz eines umfangreichen vierteiligen Tutorials mit Grundlagentraining mitunter zu hohe.

Selbst RTS-Veteranen sehen sich einem häufig sehr forderndem Gameplay gegenüber, das gleichzeitig aber auch höchst motivierend ist. Anfangs noch moderat, steigt die Schwierigkeit schnell an - nix für Nervenschwache! Sollte euch all das nicht abschrecken, erwartet euch allerdings ein ausgezeichnetes Spiel. Vielleicht sogar das Beste in den letzten Jahren.

Company of Heroes - Das beste Strategiespiel des Jahres im Test. Wir haben uns für euch in die Schlacht geworfen.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 35/411/41
Realistisch: Panzer mit defektem Motor können noch feuern, aber nicht mehr fahren.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Für die Wahl des Hintergrundszenarios wird Entwickler Relic sicher keinen Originalitätspreis ergattern. Wie oft ich in Computerspielen schon den D-Day erlebt und den Strand von "Omaha Beach" oder "Utah" gestürmt habe, wie oft ich dort mein virtuelles Blut vergossen und die Nazis in den Bunkern gegrillt habe lässt schon lange nicht mehr zählen.

Und doch: Irgendwas fasziniert uns immer wieder an dieser bereits als Ur-Konflikt zwischen Gut und Böse geltenden Auseinandersetzung, die sich in diesem Fall auf den Kampf von Amerikanern und Deutschen beschränkt. Gerade beim Sturm der Normandie werden immer wieder Erinnerungen an Steven Spielbergs Spielfilm "Saving Private Ryan" geweckt. Vor allem auch deshalb, weil Zwischensequenzen und die extrem detailgetreue Darstellung eine verdammt authentische Atmosphäre erzeugen.

Gründe dafür gibt es eine Menge. Zum einen die in famoser Grafik erstellte, interaktive Umgebung, die einen bisher ungekannten Detailgrad erreicht. Gesetzt den Fall, euer Rechner lässt euch dabei nicht im Stich.

Company of Heroes - Das beste Strategiespiel des Jahres im Test. Wir haben uns für euch in die Schlacht geworfen.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 35/411/41
Mittels sogenannter Kommandopunkte können spezielle Fähigkeiten erworben werden.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Bumm! Links fällt krachend das Haus unter dem Beschuss des Panzers zusammen, eine Artillerie-Granate reißt ein metertiefes Loch und schleudert die getroffenen Einheiten zur Seite.

Zurückbleibende Krater sind aber nicht reiner Selbstzweck, sondern werden von den Soldaten als Deckung verwendet. Alle Häuser können von den Soldaten, die immer in Trupps agieren, betreten und genutzt werden. Infanterie reißt Fenster und Türen auf und ballert aus den taktischen Positionen auf ihre Feinde, was das Zeug hält. Die Gebäude zerfallen bei Beschuss langsam und legen so die Einheiten frei Stück für Stück frei.

Fast alle Objekte der Karten fallen bei Kriegshandlungen in Schutt und Asche, wodurch ein unheimlich glaubwürdiges Kriegsszenario geschaffen wird. Oft bleibt von den französischen Städtchen nicht mehr als ein Ruinenhaufen. Mitzittern ist angesagt, wenn die eigenen Einheiten plötzlich auf ein Maschinengewehrnest der Wehrmacht stoßen und sich zu Boden werfen, um dem tödlichen Beschuss zu entgehen. Festgenagelt suchen sie verzweifelt nach Deckungsmöglichkeiten, von denen es drei verschiedene Güteklassen gibt.

Ohne Deckung sind die GI's ziemlich am Arsch, denn sie werden festgenagelt und können das Feuer nicht erwidern. Dieses fast schon natürliche Verhalten der Soldaten zieht sich durch das gesamte Spiel und vermittelt Dramatik pur.

Wenn sie vorrücken, nutzen sie jede Möglichkeit, Deckung zu suchen. Fast autark agierend kämpfen sie gegen feindliche Einheiten, sobald diese in Reichweite gelangen und nutzen natürliche wie künstliche Hindernisse zum Vorstoß. Oft steht man vor schwierigen Aufgaben, etwa vernichtendem Kreuzfeuer ausgesetzt zu sein.

Company of Heroes - Das beste Strategiespiel des Jahres im Test. Wir haben uns für euch in die Schlacht geworfen.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 35/411/41
Gebäude können Stück für Stück zerstört werden und fallen spektakulär in sich zusammen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Wenn Panzer das Schlachtfeld zum Erzittern bringen, dann sind das wahre Kolosse, deren Proportionen realen Größenverhältnissen gut nachempfunden sind. Infanterieeinheiten frontal attackieren zu lassen gleicht Massenselbstmord. Doch auch die zerstörerischen Stahlmonster haben ihre Schwachstellen und sind an den Seiten und vor allem am Heck für Angriffe anfällig.

Ein weiteres Indiz für die hohe Authentizität: Fällt der Motor aus, kann die Besatzung trotzdem noch weiterfeuern, bis der Panzer völlig vernichtet ist. Das gilt auch für einzelne Einheiten, die auch weiterhin aktiv bleiben, wenn alle anderen Soldaten ihrer Squad bereits aufgerieben wurden.

In Sachen Gameplay sind Anleihen Dawn of War (ebenfalls von Relic) nicht zu übersehen. Grundsätzlich geht es in den über ein Dutzend Missionen von Company of Heroes darum, verschiedene Sektoren der Karte zu sichern. Nur auf diese Weise können die Haupt- und Nebenaufgaben an der Front gelöst werden. Durch die Eroberung von Wegmarken und damit auch der der Sektoren wird quasi nebenbei noch eine andere wichtige Komponente ins Spiel gebracht: Das Sammeln der drei wichtigen Ressourcen. Arbeitskraft wird für das Herstellen von Fahrzeugen und Einheiten, Munition für Handgranaten oder Sprengstoff und Treibstoff für schwere Fahrzeuge, Gebäude und andere Verbesserungen benötigt.

Erst damit wird der Grundstein zu einem erfolgreichen Feldzug gelegt, denn anfangs startet der Spieler natürlich nur mit einem sehr begrenzten Kontingent an Soldaten und Fahrzeugen in die Missionen, gelegentlich steht auch schon ein Hauptquartier zur Verfügung. Je mehr Sektoren der Spieler beherrscht, desto höher ist die Grenze seines Bevölkerungslimits.

Allerdings müssen dabei auch taktische Variablen beachtet werden, die schnell zu einer "Unbekannten" werden können. Damit der Nachschub fließt, müssen die Rohstoff-Sektoren miteinander verbunden sein. Erst durch die Verbindung eingenommener Gebiete werden alle Vorteile aktiv. Wer dem Feind so richtig in die Suppe spucken möchte, versucht also, dessen Nachschublinien zu unterbrechen oder zumindest einzuschränken und gleichzeitig für sich zu gewinnen.

Company of Heroes - Das beste Strategiespiel des Jahres im Test. Wir haben uns für euch in die Schlacht geworfen.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 35/411/41
Munitionslager legen den Grundstein für Upgrades von Truppen wie beispielsweise Granaten.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Grundsätzlich stehen in Company of Heroes drei verschiedene Einheitstypen zur Verfügung: Infanterie, Luftwaffe und Panzerverbände, die teilweise über spezielle Fähigkeiten verfügen und Verbesserungen wie automatische Maschinenpistolen erhalten können. Helden wie in anderen Spielen gibt es jedoch nicht. Dafür stehen durch das Sammeln von Erfahrungspunkten Kommandopunkte bereit, mit denen spezielle Fähigkeiten wie Fallschirmjägereinsatz, Artilleriebeschuss oder das Reparieren von Fahrzeugen im Einsatz freigeschaltet werden.

Die Einheiten selbst können in drei Schritten zu Veteraneneinheiten aufsteigen, womit ihre Effektivität verbessert wird. Das ohnehin spannende, oft nervenaufreibende Kampfgeschehen wird noch abwechslungsreicher, weil Soldaten umherliegende Waffensysteme wie MGs, Bazookas oder auch große Geschütze aufnehmen und verwenden können.

Pioniere bauen nicht nur wichtige Gebäude wie Baracken, auch Stellungen und Verteidigungsanlagen gehören zu ihrem "Repertoire". Sie legen Stacheldraht und Minen aus, bauen Sandsackwälle, Maschinengewehrnester und reparieren natürlich beschädigte Fahrzeuge und Häuser. Allzu viel Zeit wird glücklicherweise nicht mit Bau von Basen vergeudet, mehr als ein gutes halbes Dutzend an Gebäuden steht nicht zur Verfügung. Dafür können normale Häuser zu Baracken ausgebaut und befestigt werden. Dort ist dann die Produktion von weiteren Einheiten möglich.

Besonders faszinierend und fordernd ist das hin und her wogende Schlachtgeschehen. Nie kann man sicher sein, dass einmal eingenommene Positionen nicht erneut von Wehrmachtssoldaten attackiert werden. Ständig muss mit Gegenangriffen gerechnet werden. Ob das nun Nadelstiche mit wenigen Einheiten sind oder gleich mehrere feindliche Panzer auftauchen, hängt von den Missionen ab. Diese Dramatik ist zum Teil für die packende Atmosphäre verantwortlich, auf der anderen Seite artet das aber auch häufig in nervenzerfetzenden Stress aus, wenn zum x-ten Mal eine schon zehn Mal eingenommene Stellung von den Feinden überrannt wird.

Obwohl das Interface vorbildlich gelungen ist und auch die Mini-Map sowie die taktische Karte keine Fragen offen lassen, bleiben auch bei einem Spiel wie Company of Heroes kleinere Unzulänglichkeiten, zum Beispiel beim Einheiten-Management.

Company of Heroes - Das beste Strategiespiel des Jahres im Test. Wir haben uns für euch in die Schlacht geworfen.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 35/411/41
Gleich in der ersten Mission gehts in Normandie: Der D-Day steht auf dem Programm.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

So viel Spaß es auch macht, die eigenen Truppen mittels Mikromanagement exakt zu steuern, den Scharfschützen günstig zu platzieren, verschiedene Waffengattungen zu schlagkräftigen Trupps zusammenzustellen oder Pioniere zum Reparieren abzukommandieren: Kleinere Macken trüben die Glückseligkeit.

So geht dummerweise geht die Gruppenzuordnung flöten, wenn Einheiten ein Gebäude betreten, sie Geschütze besetzen, oder andere Aufgaben übernehmen. Auch teilweise aufgeriebene Teams zeigen solche Tendenzen. Im Eifer des Gefechts verliert man dann schnell einmal den Überblick. Das führt zu Frust.

Etwas nervig ist auch, dass man aus dem "Kriegsnebel" heraus beschossen wird. Bumm, fällt ein Haubitzengeschoss oder eine Granate vor unsere Füße, aus einem Gebiet, das sich noch gar nicht einsehen lässt. Warum kann die KI auf Positionen feuern, die sie noch gar nicht sehen kann?

Ansonsten bieten die computergesteuerten Feinde einen guten Kampf und auch die eigenen Einheiten wissen durch gute Wegfindung zu überzeugen. Sollten die eigenen Truppen so schwer unter Beschuss geraten, dass sie sich nicht mehr rühren können und abgemetzelt werden, hilft nur noch eins: Rückzug! Wird dieser angeordnet, flitzen die Soldaten zurück zum Hauptquartier und retten nur ihr nacktes Leben. Sieht cool aus und ist effektiv!

Company of Heroes - Das beste Strategiespiel des Jahres im Test. Wir haben uns für euch in die Schlacht geworfen.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 35/411/41
Während der Kämpe ändert sich die Umgebung ständig und es entsteht neue Deckung z.B. in Kratern.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Neben der hervorragenden Optik kann auch der Sound vollkommen überzeugen: Satte Explosionen, durchringende MG 42-Salven, zusammenbrechende Häuser, rumpelnde Panzer, einschlagende Granaten, die Schreie der Soldaten, Hilferufe - alles wirkt authentisch und lässt uns die Welt um uns herum vergessen.

Bestens gelungen ist auch die Vertonung, bei den Sprechern gibt es nix zu meckern. Abzüge in der C-Note gibt es für etwas zu lange Ladezeiten, die aber eher zur Erholung vom spannenden Geschehen genutzt werden können.

Neben einem Skirmish-Modus gibt es natürlich jede Menge Einsatzmöglichkeiten an der Mehrspielerfront. Der Mehrspielermodus unterstützt bis acht Spieler. Gut gelungen ist dabei die übersichtliche Lobby, in der geeignete Partner problemlos gefunden werden können.

Durch die Beschränkung auf zwei Fraktionen tretet ihr immer in Teams gegeneinander an: beispielsweise 2vs2 oder 4vs4. Als Modi stehen natürlich die "Zerstöre den Feind" (Deathmatch)-Variante genauso zur Verfügung wie der Kampf um wertvolle Sektoren.