Commandos: Strike Force (PC Review)
von Nedzad Hurabasic

Schon zum vierten Mal heben die Pyro Studios ein Spiel ihrer Commandos-Reihe aus der Taufe und doch ist vieles nicht mehr so, wie es einmal war. Zwar hat sich am Setting nichts geändert - nach wie vor kämpfen wir als alliierte Soldaten gegen die Nazis im Zweiten Weltkrieg.

Doch statt eines actiongeladenen Strategiespiels wird uns nun ein strategisches (taktisches) Actionspiel präsentiert. Damit will sich das Studio in dem Genre der Taktik-Shooter etablieren. Ob dieser Gameplay-Umschwung gelungen ist?

Commandos: Strike Force - Trailer 2Ein weiteres Video

Commandos: Strike Force - Schleichen, schießen, umnieten: Die Commandos-Reihe versinkt im Mittelmaß

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Commandos-Veteranen werden also radikal umdenken müssen, wenn sie der Spielereihe treu bleiben wollen. Statt einer Top-Down-Ansicht agiert ihr aus einer First-Person-Perspektive und steuert jeweils eines von bis zu drei Mitgliedern der titelgebenden Strike Force. Einer Spezialeinheit, die aus einem Scharfschützen, einem Spion und einem Green Beret besteht. Serien-Kennern wird aufgefallen sein: Für Diebe, Taucher und Pioniere ist kein Platz mehr. Für Abwechslung ist aber dennoch gesorgt. Sowohl Schleich- als auch Actionfreunde kommen auf ihre Kosten, auch wenn beide Aspekte des Spiels qualitativ nicht an die jeweilige Genreelite wie SWAT 4 auf der einen oder Call of Duty 2 auf der anderen Seite heranreichen.Commandos Strike Force versucht sich spieltechnisch zwischen diese beiden Stühle zu setzen und macht das teilweise gar nicht schlecht, auch wenn die Umsetzung nicht immer einwandfrei ist und die eine oder andere Macke für Minuspunkte sorgt. Nicht in allen 14 Missionen der Singleplayer-Kampagne ist jede der Spielfiguren wählbar, je nach Einsatz ist meist nur der Zugriff auf ein bis zwei Charaktere möglich. Nur in ganz wenigen Ausnahmefällen sind alle drei Einheiten beteiligt, oft schlägt sich aber beispielsweise der Spion als Einzelkämpfer durch die Szenerie. Abgesehen vom Kampagnen-Modus gibt es übrigens noch einen Online-Mehrspielermodus, der aber mangels Spielserver, respektive Spielern, nicht getestet werden konnte.

Wie nicht anders zu erwarten, hat jede der drei Einheiten spezielle Fähigkeiten. Der Scharfschütze schaltet seine Feinde natürlich in erster Linie aus großer Distanz aus und kann zu diesem Zweck auch seinen Atem anhalten, um die Präzision zu erhöhen.
Sobald diese Funktion aktiviert wird, schaltet das Spiel in eine Art Zeitlupenmodus, in dem es praktisch unmöglich, ist sein Ziel zu verfehlen. Der Green Beret ist die Nahkampfeinheit, ein mit allen Wassern gewaschen Action-Veteran, der auch schwere Waffen und alle Arten von Maschinenpistolen benutzen kann. Außerdem kann er einige Waffenarten auch beidhändig führen und mit Granaten um sich werfen. Die interessanteste und vielseitigste Figur ist aber wohl der Spion.

Packshot zu Commandos: Strike ForceCommandos: Strike ForceErschienen für PC, PS2 und XBox kaufen: Jetzt kaufen:

Ihm obliegt es, sich hinter feindliche Reihen zu schleichen und seine Aufträge möglichst unerkannt auszuführen. Sei es das Sabotieren von feindlichen Einrichtungen oder die stille Liquidierung gegnerischer Offiziere in Bordellen oder Garnisonen. Um seine Aufträge erledigen zu können, ist es dem Spion möglich, die Uniformen getöteter Soldaten anzuziehen und sich so unerkannt in Feindesnähe zu bewegen.

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Dabei ist es aber wichtig möglichst ranghohe Uniformen zu stehlen, da die Feinde das falsche Spiel sonst zu schnell durchschauen.

Das hört sich leider etwas besser an, als es in der Praxis ist. Zu oft wird der Spion von Soldaten enttarnt, die das eigentlich gar nicht können dürften. Dabei entpuppt sich die Feindes-KI als einer der großen Schwachpunkte dieses Spiels und hat die Bezeichnung Intelligenz nicht wirklich verdient. Oft traben die computergesteuerten Gesellen im Gänsemarsch an und lassen sich so problemlos abballern. Oder man tötet einen direkt neben ihnen stehenden Kameraden und sie reagieren in keinster Weise.

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Oft stehen sie auch viel zu stationär herum, bewegen sich also auch bei Feuergefechten nicht auf den Spieler zu und lassen sich so bequem über den Haufen schießen.

Wenn dem Spieler mehr als eine Einheit zur Verfügung steht, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass er auch beide einsetzen muss, um seine (vorgegebenen) Ziele zu erreichen. So gibt es Teil-Missionen, bei denen der Sniper im Hintergrund anwesend, aber sein Einsatz gar nicht möglich ist, da jeder Beschuss Alarm auslöst und somit die Mission scheitert. An dieser Stelle darf nur der Spion agieren.Ansonsten kann der Spieler per Tastendruck beliebig oft zwischen den Teammitgliedern wechseln, in SWAT 4-Manier wird dabei jeweils der inaktive Part per Bild-im-Bild-Funktion eingeblendet. Textnachrichten geben darüber Aufschluss, wenn die andere Figur verletzt wird. Nimmt sie zu viel Schaden, kann sie so lange nicht kontrolliert werden, bis sie medizinisch versorgt wurde.

Wie bei vielen Shootern gibt dabei ein Kurzstrecken-Radar an, wo sich potenzielle Gefahren, sprich Gegner, aufhalten und in welchem Modus sie sich befinden (alarmiert / ruhig).

Außerdem werden Missionsziele angezeigt, sodass die Orientierung in den Leveln eigentlich recht einfach fällt, auch wenn diese nicht immer übersichtlich entworfen sind. Insgesamt ist das Spielgeschehen sehr linear gehalten. Es besteht kaum Gefahr, sich zu verlaufen oder vom Weg abzukommen.Das widerspricht zugespitzt teilweise sogar der taktischen Ausrichtung des Spiels, da Mitdenken oft nicht gefragt ist und Aufgaben nur auf eine bestimmte Art und Weise erledigt werden können. Trotz aller Bemühungen erscheint das Spielgeschehen daher holzschnittartig. Löblich ist aber, dass die ersten Missionen als Tutorial aufgemacht sind und der Spieler so die Grundlagen des Gameplays in der Praxis erlernen kann.

Von den drei Hauptschauplätzen der Story kann nur Norwegen wirklich Neues bieten, die Normandie und Stalingrad haben Shooter-Fans wirklich oft genug besuchen beziehungsweise befreien dürfen. So sehr sich die Entwickler auch bemüht haben, die Missionen auf die Eigenschaften der Spielfiguren anzupassen: Eigentlich lassen sich fast alle Aufgaben auch immer mit purer Gewalt lösen. Letztendlich kann man sich also durch sehr viele Missionen einfach durchballern, was dem Taktik-Anspruch absolut widerspricht.

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Am Ende einer jeden Teil-Mission erhält der Spieler eine Auswertung über Effektivität und andere mehr oder minder wichtige Aspekte der erfüllten Missionsaufgaben. Je nach Erfolg werden dann neue Spiel-Features freigeschaltet (bis zu 36), die aber nur aus leidlich interessanten Artworks und Videos bestehen.

Visuell kann das Spiel nicht vollends überzeugen, aktuelle Shooter-Hits sind diesem Titel deutlich überlegen. Zwar ist die Atmosphäre stimmig und der Hintergrundstory angemessen. Die Texturen sind aber zu matschig, es fehlen Details, wohin man blickt.Mehr als solider Durchschnitt ist in dieser Wertungskategorie nicht drin. Das trifft leider auch auf die Soundkulisse zu, wo sich vor allem die eher amateurhafte Vertonung der Sprecher negativ bemerkbar macht. Hier kommt kein Esprit rüber und alles wirkt eher unmotiviert vor sich hin gesprochen. Immerhin ist die Lokalisation aber vollständig auf Deutsch erfolgt. Die Soundeffekte sind dabei ebenfalls nur Mittelmaß, die Waffen hat man in vielen Spielen schon besser gehört, an ein authentisch wirkendes Kriegswirrwarr a la Call of Duty 2 mit um einen herum einschlagenden Granaten reicht das lange nicht heran.