Commandos 3 (PC-Test)
(von Manfred Duy)

Die Commandos-Reihe gehört nicht nur zu den innovativsten Strategie-spielen aller Zeiten, sondern auch zu den schwersten. Daher Ehre, wem Ehre gebührt: Wer es schafft, dieses taktische Schwergewicht ohne Schummeleien durchzu-spielen, darf sich getrost zu den Meisterstrategen zählen.

Um die insgesamt zwölf Missionen zu knacken, benötigen Sie aber nicht nur ein ausgeprägtes strategisches Händchen, sondern darüber hinaus Nerven aus Titan, mehr Glück als Gustav Gans, die Hartnäckigkeit eines Inspektor Columbo sowie last but not least den eisernen Willen niemals aufzugeben.

Im Gegenzug erhalten Sie dafür aber auch ein außergewöhnlich spannendes und hochintelligentes Strategiespiel, das sich wohltuend vom sonstigen strategischen Einheitsbrei abhebt.

Zeitlich angesiedelt ist das detailverliebt in Szene gesetzte Szenario mitten im Zweiten Weltkrieg. Dort soll Ihre aus sechs Spezialisten bestehende alliierte Agententruppe die deutsche Kriegsmaschinerie durch Sabotageaktionen ins Stocken bringen. Die drei, einzeln anwählbaren Kampagnen verfügen über eine durchgehende Storyline und führen Sie zu legendären Kriegsschauplätzen wie Stalingrad, Paris, Berlin und die Normandie.

Ihre Truppe agiert meistens hinter den feindlichen Linien, sabotiert dort den gegnerischen Nachschub, bringt wichtige feindliche Personen um die Ecke, sprengt Munitions-lager, infiltriert den Gegner, stört den gegnerischen Funkverkehr, legt Hinterhalte, entführt Züge - der übliche Zeitvertreib halt, mit denen sich Spione im Krieg so bei Laune halten.

Commandos 3: Destination Berlin - Schwierig, schwieriger, am schwierigsten! Commandos 3 im Härtetest!

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Durchdachte Aktionen
Zwar hat die Anzahl der wilden Feuergefechte - verglichen mit den Vorgängern -zugelegt, im Allgemeinen sind aber nicht blindwütiges Herumgeballere, sondern klug durchdachte, kleine Aktionen angesagt, bei denen Sie möglichst wenig auffallen sollten. Denn wenn auch nur einer Ihrer Männer stirbt, oder Sie vielleicht auch nur eine einzige Kugel an der falschen Person verschwenden, dann ist Ihr Auftrag praktisch schon gescheitert.

Jede Mission lässt sich in mehrere kleine Teilaufgaben aufsplittern. Wenn Sie etwa ein Munitionslager in die Luft sprengen sollen, müssen Sie zunächst mal an den Wachen vorbei.
Dann sollten Sie vielleicht die gegnerischen Scheinwerfer ausknipsen - denn die im Dunklen sieht man ja bekanntlich nicht. Danach gilt es aus einer Kaserne Sprengstoff zu stibitzen, diesen unbemerkt zum Munitionslager zu transportieren, um es im geeigneten Moment in die Luft zu jagen und danach vielleicht auch noch ungesehen zu entkommen.

Packshot zu Commandos 3: Destination BerlinCommandos 3: Destination BerlinErschienen für PC kaufen: ab 37,25€

Oftmals tritt inmitten einer Mission eine überraschende Wendung ein, auf die es zu reagieren gilt. Etwa wenn inmitten eines Einsatzes in Zwischensequenzen gezeigt wird, wie urplötzlich feindliche Fallschirmjäger vom Himmel regnen.

Mehrere Wege führen zum Ziel
Angenehm: Es gibt bei jedem Einsatz mehrere Möglichkeiten, wie dieser zu bewältigen ist, mehrmaliges Durchspielen ist also durchaus lohnenswert. Und nicht immer ist ein entdeckt werden gleichbedeutend mit dem Scheitern des Einsatzes - macht ihn aber zumeist erheblich schwieriger. Denn feindliche Soldaten patrouillieren in

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Hülle und Fülle durch die extrem großen Einsatzgebiete und trotz der neuen Möglichkeit, sich sämtliche Gegner farblich anzeigen zu lassen, werden sie nur allzu leicht übersehen, wenn sie etwa hinter einem Gebüsch lauern oder grau getarnt vor einem grauen Gebäude stehen. Das alles hört sich schon ganz schön schwierig an, meinen Sie? Ist es auch, da hilft auch das zweistufige Tutorial, das ein paar Grundelemente des Spielsystems verrät, nicht viel weiter. Verglichen mit den Vorgängern sind die Einsätze eher noch schwieriger geworden, auch reagieren die Gegner nicht ganz so stereotyp wie bei »Commandos 2«, ändern etwa völlig überraschend ihre Wegroute oder tauchen nach dem Laden eines Spielstandes urplötzlich an einer anderen Stelle auf. Völlig unverständlich daher, dass »Commandos 3« nur über einen einzigen Schwierigkeitsgrad verfügt. Zumal einige Einsätze auch noch mit einem krassen Zeitlimit versehen wurden. Etwa wenn es einer Ihrer Männer im Alleingang mit einer ganzen Garnison Feinde aufnehmen muss und er nur 15 Minuten Zeit hat, alle über den Jordan zu schicken.Überleben mit der Quickload-Taste
Daher ist Ihr mit weitem Abstand wichtigstes Hilfsmittel weder MP noch Artillerie, sondern die QuickSave-/Quickload-Taste. Denn dass Sie Dutzende Anläufe benötigen und dabei unzählige Tode sterben werden, bevor Sie auch nur einen einzigen Einsatz zu einem glücklichen Ende geführt haben, ist so sicher wie der nächste »schwere Ausnahmefehler« Ihres Computers. Aber genau das, nämlich der »Einmal-probier-ichs-noch-aber-diesmal-ganz-anders«-Effekt macht halt auch den immensen Reiz dieser Tüftelei für Kenner aus.

»Gibt´s keine andere Möglichkeit, an diesem Wachposten vorbei zu kommen? Wird der Hund nicht anschlagen, wenn ich an ihm vorbei robbe? Ich könnte mal versuchen, aus dem Fenster zu springen, um so aus dem Funkraum zu flüchten. Soll mein als deutscher Offizier verkleideter Spion unbemerkt den Sprengsatz aus dem Munitionslager klauen oder soll mein Scharfschütze die Wachen ausschalten und danach lässig in das Vorratslager hereinmarschieren?Hm, der hat aber nur wenig Munition, die ich bestimmt später noch brauche werde - oder vielleicht doch nicht?« Erst probieren, dann studieren und dann wieder probieren, heißt denn auch die Parole - Fehlschläge inklusive.

Da unfairerweise die Reichweite der Gegnerwaffen meist über der Ihrer eigenen liegt, bedeutet entdeckt zu werden meist das sichere Ende. Insbesondere gilt es daher, die Spezialfähigkeiten Ihres »Sixpacks«, das sogar feindliche Fahrzeuge lenken kann, gezielt einzusetzen: Die enorme Reichweite des Scharfschützen, der virtuose Umgang des Pioniers mit Sprengstoffen und schweren Waffen, die Tarnfähigkeit des Spions, die Geschicklichkeit des Diebs und die Schwimmkünste Ihres Tauchers (der leider nur einmal zum Einsatz kommt). Zum Glück werden in den meisten Missionen nur wenige der sechs Leute benötigt, denn eigentlich hat man schon alle Hände voll zu tun, sich auch nur um einen einzigen Mann zu kümmern.Und es geschieht immer wieder mal, dass Ihre anderen Jungs während des Wartens vom Feind entdeckt werden. Vor jeder Aktion sollten Sie auf jeden Fall genauestens den Feind beobachten: Welche Wege er patrouilliert, wann ein Gebäude für einen Moment unbewacht ist, wann der Offizier für einen Augenblick abgelenkt ist und so weiter.

Es gilt den richtigen Moment zum Zuschlagen abzuwarten. Denn entscheidend für den Erfolg ist das richtige Timing, schon ein Sekundenbruchteil kann darüber entscheiden, ob eine Aktion gelingt oder fehlschlägt.

Nichts für schwache Rechner
Verglichen mit den Vorgängern hat »Commandos 3« nur einige zarte Reförmchen zu bieten, die sich im Wesentlichen auf die Optik und die Steuerung beschränken. Letztere wurde ein wenig überarbeitet. Die ausblendbare Menüleiste ist geschrumpft, was einen größeren Bildausschnitt und etwas mehr nervige Rumklickerei bei der Suche nach dem passenden Aktionsknopf zur Folge hat.

Commandos 3: Destination Berlin - Schwierig, schwieriger, am schwierigsten! Commandos 3 im Härtetest!

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Das klappt insgesamt ganz gut, nur bei wilden Schießereien erweist sich die Bedienbarkeit als hinderlich, da zu umständlich. Die Möglichkeit durch Schlüssellöcher in Innenräume zu spähen, den Bildschirm zu teilen, ihn in 90-Grad-Schritten zu drehen und zu zoomen, erleichtert das Kriegshandwerk auch nur unwesentlich. Denn die eine Sekunde, die das Bild zum Umschwenken benötigt, ist manchmal genau jene, die Ihre Mission scheitern lässt. Die Grafik soll zwar komplett überarbeitet worden sein, schaut aber erstaunlicherweise noch genauso aus wie einst im Mai (und ruckelt bei hoher Auflösung selbst auf einem mit 256 MB RAM bestückten Gigahertz-Monster ganz erbärmlich).

Und dass die Gegner an Intelligenz zugelegt haben, lässt sich auch nicht so leicht beweisen. Zwar sind die Burschen wie bereits erwähnt unberechenbarer geworden und reagieren manchmal unterschiedlich auf exakt dieselbe Situation, aber nach wie vor kann man aufrechten Schrittes direkt hinter einem feindlichen Soldaten vorbeimarschieren, ohne dass es dieser bemerkt. Schmerzlich vermisst wurden zudem einige taktische Finessen der Vorgänger, etwa dass sich Ihr Green Beret neuerdings nicht mehr eingraben kann, um so den Gegner von hinten zu übertölpeln. Umschwenken benötigt, ist manchmal genau jene, die Ihre Mission scheitern lässt. Die Grafik soll zwar komplett überarbeitet worden sein, schaut aber erstaunlicherweise noch genauso aus wie einst im Mai (und ruckelt bei hoher Auflösung selbst auf einem mit 256 MB RAM bestückten Gigahertz-Monster ganz erbärmlich).

Und dass die Gegner an Intelligenz zugelegt haben, lässt sich auch nicht so leicht beweisen. Zwar sind die Burschen wie bereits erwähnt unberechenbarer geworden und reagieren manchmal unterschiedlich auf exakt dieselbe Situation, aber nach wie vor kann man aufrechten Schrittes direkt hinter einem feindlichen Soldaten vorbeimarschieren, ohne dass es dieser bemerkt. Schmerzlich vermisst wurden zudem einige taktische Finessen der Vorgänger, etwa dass sich Ihr Green Beret neuerdings nicht mehr eingraben kann, um so den Gegner von hinten zu übertölpeln.