Viel haben sich die Macher von „Command & Conquer“ anhören müssen: Weil sie nun auf die Free-to-Play-Schiene setzten, sei alles viel zu einfach und die Serie werde sich selbst untreu; geldgeil seien die Macher sowieso, und das Free-to-play-System ohnehin tot. Auf der gamescom gibt es die Möglichkeit, zumindest die ersten drei Behauptungen per Hands-on zu überprüfen.

Command & Conquer“ ist eine Legende; die Serie war eine der größten Marken auf dem PC-Markt. Echtzeitstrategie galt als Action-Version der vormals dominanten Rundenstrategie. Doch RTS-Titel haben es in den vergangenen Jahren schwer, Blockbuster sind kaum zu finden. Nun also „Command & Conquer“, für das sich Victory Games und Electronic Arts ein Free-to-play-Konzept ausgedacht haben. Auch im Spiel selbst sind einige Dinge anders. Es ist nicht nur der Versuch, einer Marke neues Leben einzuhauchen, sondern auch einem ganzen Genre.

Geschichte als unnötiger Ballast

Dafür versetzt uns Victory in die Welt im Jahr 2023: Drei große Fraktionen stehen miteinander in globalem Konflikt. Da ist die Asiatisch-Pazifische Allianz APA, die Europäische Union, die sich inzwischen zu einem singulären Staat zusammengeschlossen hat, und die Globale Befreiungsarmee GLA. Ein Sammelsurium von Terroristen, die sich auf spezialisierte Unternehmungen konzentriert.

Command & Conquer - Weniger Handlung, mehr Strategie: Wie viel „C&C“ steckt noch im Free-to-play-Ableger?

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Die Idee einer konsisenten Geschichte wurde gemeinsam mit dem Namenszusatz Generals 2 über Bord geworden.
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Vor wenigen Monaten noch hatte das Spiel den Zusatz „Generals 2“. Nun sind die Generäle selbst geblieben, der Untertitel aber ist verschwunden. Das neue „Command & Conquer“ sollte eine simple Sache werden: Auf die Website gehen, klicken, spielen, fertig. Geschichte, wer braucht das? Davon sind Victory wieder abgerückt.

So soll es im kommenden Jahr auch Kampagnenmissionen geben. Darin übernimmt der Spieler offenbar die Rolle der – noch – weltdominierenden APA und muss sich gegen ein aufstrebendes Europa sowie die intrigante GLA zur Wehr setzen. Unabhängig von zusammenhängenden oder einzelnen Missionen hat jede der drei Fraktionen seine Eigenheiten. Die asiatisch-pazifische Allianz spielt sich wie eine aufgemotzte Hightech-Armee mit viel Infanterie und Panzern. Die Europäer hingegen sind vielseitig und die von Terroristen durchsetzte Globale Befreiungsarmee setzen auf wenige, aber spezialisierte Truppen.

Geld regiert die Welt

Keine Seite kommt jedoch ohne anständige Basis aus – ganz klassisch kommen die Fußtruppen aus der Baracke gelaufen, Panzer rollen aus der Maschinenfabrik und Orcas steigen vom dem Landeplatz auf. Nur eine Ressource muss ich sammeln – und wenn heutzutage die Konsumkritiker auf die Straße gehen, dürften sie im Jahr 2023 einfach schreiend von der Klippe springen; die einzige Ressource der nahen Zukunft ist Geld. Zwar können auf den Karten neben den Ressourcenzentren auch Ölquellen angezapft werden, aber der einzige Unterschied ist die Geschwindigkeit, in der die Dollars aufs Konto kullern.

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Die Serie scheint sich, trotz Free-to-play-Konzept, tatsächlich treu zu bleiben.
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Der Ressourcenabbau ist also denkbar einfach. Dazu kommt nur noch die Energieverwaltung: Wie bei der Serie üblich brauchen Gebäude Strom, den Kraftwerke liefern. Fehlt er, erlahmt der komplette Nachschub. Auch eine Form der Kriegsführung. Ist das alles zu einfach? Nun, zumindest ist es weit entfernt von verwirrenden Auswüchsen à la „Tiberium Alliance“. Im positiven Sinne. Ansonsten macht der neue Teil beim Anspielen nicht den Eindruck von zu wenig Komplexität für längere Sitzungen.

Bedanken können sich die Spieler dahingehend auch bei den Generälen, die unterschiedliche Spezialfähigkeiten mitbringen. Da können etwa die eigenen Einheiten während des Kampfes geheilt werden, per Cyber Command die Schaltkreise der gegnerischen Panzer sabotiert oder Kampfverbände mit Artillerie abseits der Karte bombardiert werden. Der grimmige, grobschlächtig anmutende APA-Kommandeur unter den wählbaren Charakteren hat als einziger im Portfolio von derzeit 16 Generälen eine Infanterieeinheit mit Flammenwerfern unter seinem Befehl. Auch andere Köpfe haben besondere Einheitentypen unter sich.

Command & Conquer - Schicke Eindrücke vom Echtzeitschlachtfeld

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Zu Beginn sollen Spieler auf fünf verschiedenen Karten ihre Kämpfe austragen können, wahlweise im PvP oder PvE. Die gamescom-Version enthielt fünf weitere Spielmodi: Tournament PvP, Team Battle, Custom Skirmish, Practice PvE und Onslaught. All diese sind jedoch – und hier kommt erstmals das Free-to-play-Modell ins Spiel – nur mit einem Premium-Account verfügbar. Wer zahlt, bekommt den Standard, die anderen können sich austoben.

Spielt sich flüssig, echt, gut: Her mit der „Command & Conquer“-Kampagne.Ausblick lesen

Spannend klingt hier vor allem Onslaught, ein Kooperativmodus gegen die KI, der in Stufen abläuft, ähnlich wie Open Quests bei MMORPGs. Wer für eine solche Aufwertung seines Spielerkontos zahlt, bekommt zudem 50 Prozent mehr Erfahrungspunkte gutgeschrieben. Damit steigt der General im Level auf und neue Spezialfähigkeiten werden freigeschaltet.

„Command & Conquer“ spielt sich in der gamescom-Version flüssig, ist unterhaltsam und sieht gut aus. Hier ist definitiv das Original drin. Die Steuerung ist Echtzeitstrategie-Standard. Sich selbst untreu zu sein sähe anders aus.