Noch mehr Infos zu Kane, Tiberium und den Scrin: Im Rahmen der C&C 4-Vorschau sprachen wir mit Producer Jim Vesella über das finale Kapitel der Reihe. Hier enthüllte er den neuen „Casual“-Ansatz der Entwickler, spricht über schwierige Designentscheidungen und verrät, ob mit Teil vier tatsächlich das Ende des C&C-Universums gekommen ist.

Command & Conquer 4: Tiberian Twilight - Auf Wiedersehen Kane! Unser Video Review zum letzten Teil der Serie12 weitere Videos

Das Ende von C&C?

gamona: Jim, “Command & Conquer 4” ist ja nicht das erste Spiel der Reihe, an dem du beteiligt bist. Wie weit gehen deine Erfahrungen mit Kane und Co. zurück?

Jim Vesella: Ja stimmt. Ich habe an “Command & Conquer 3: Tiberium Wars” mitgearbeitet, beim Addon “Kanes Rache“ fungierte ich sogar als Lead Producer. Zuletzt habe ich mich um „Alarmstufe Rot 3“ gekümmert. Man kann also sagen, dass ich ein Veteran bezogen auf das „C&C“-Franchise bin.

Command & Conquer 4: Tiberian Twilight - Im Gespräch mit Produzent Jim Vesella

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Jim Vesella ist seit "Tiberium Wars" als Produzent im Team.
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gamona: Ihr sagtet ja, dass „Command & Conquer 4“ das finale Kapitel der Serie sei. Bedeutet das etwa, dass wir nie wieder von Kane und dem Tiberium hören werden? Endet damit die Marke C&C vielleicht sogar als Ganzes?

Jim Vesella: Nein, das würde ich nicht sagen. Mit „C&C 4“ ist es unser Ziel, die Tiberiumsaga zu einem Abschluss zu bringen. Über die Jahre haben sich so unglaublich viele Handlungsstränge angesammelt, die wir jetzt einfach auflösen wollen – das sind wir den Fans einfach schuldig. Aber: Unser Team liebt C&C, die Fans lieben C&C – es wäre doch Quatsch, die Reihe jetzt einfach zu begraben. Wir können noch nicht ins Detail gehen, was wir für die Zeit nach „C&C 4“ geplant haben. Aber soviel kann ich verraten: Command & Conquer hat noch einen langen Weg vor sich (grinst).

gamona: Was ist eigentlich mit dem Untertitel passiert? Nach „Der Tiberiumkonflikt“, „Tiberium Sun“ und „Tiberium Wars“ waren wir etwas Überrascht, dass jetzt lediglich eine schnöde Zahl den Titel ergänzt.

Jim Vesella: Gut erkannt. Wir haben da eine coole Sache am Laufen. Dieses Mal sollen die Fans den Titel mitbestimmen dürfen. Auf unserer Website kann jeder einen Vorschlag einreichen, der tatsächlich berücksichtigt wird. Bisher haben wir haufenweise Postings im Forum – von „Tiberium Twillight“ bis „Tiberium Dusk“. Noch ist aber nichts entschieden – also macht mit!

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"C&C 4 ist der Abschluss der Saga - nicht der ganzen Reihe."
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gamona: Nach all den Jahren in denen sich „Command & Conquer“ quasi nie geändert hat, birgt der vierte Teil nun eine völlig neue Spielerfahrung. Woher der späte Gesinnungswandel?

Jim Vesella: Wir machen diese traditionellen Echtzeitstrategiespiele nun schon eine ganze Weile, genau genommen seit mehr als einer Dekade. Die Kernmechanismen haben sich seit „Alarmstufe Rot“ eigentlich nie wieder verändert: Du baust deine Basis, wirfst Armeen auf das Schlachtfeld und überrennst den Gegner. Das war schon ein Heidenspaß für die Hardcore-RTS-Spieler, aber wir glauben, dass Neulinge davon abgeschreckt wurden und sich vor allem nicht an den Mehrspieler-Modus getraut haben. Es war einfach verdammt schwer zu begreifen, was da auf dem Schlachtfeld gerade vor sich geht, denn es kann sehr schnell gehen überrannt zu werden. Mit „C&C 4“ wollen wir einer neuen Generation von Spielern eine Plattform bieten, mit der sie sich austoben können. Vor allem der Mehrspieler-Modus wird von den neuen Elementen profitieren, denn wir stoßen damit stärker in die Casual-Richtung vor.

Wo sind die Scrin?

gamona: Um ehrlich zu sein sind wir trotzdem geschockt, dass ihr die Scrin als dritte Fraktion einfach über Bord geworfen habt. Schließlich wurden sie erst in „Tiberium Wars“ mit viel Tamtam eingeführt – nur um jetzt abgeschossen zu werden.

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"Die Scrin sind zwar nicht spielbar, aber das heißt nicht, dass sie nicht Teil der Geschichte wären.
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Jim Vesella: Naja, wir haben sie ja nicht wirklich abgeschossen. Die Scrin sind immer noch ein großer Teil der Mythologie – die beiden verbliebenen Fraktionen GDI und Nod haben zum Beispiel einen Großteil der Alien-Technologien in ihre eigenen Waffen integriert. Wir werden also manche Einheiten in veränderter Form wieder sehen. Zudem sind die Scrin zentraler Bestandteil der Story. Wir wollten uns aber auf den großen, klassischen Ur-Konflikt zwischen GDI und Nod konzentrieren.

gamona: Ihr habt bereits angekündigt, dass wir endlich alle Details zu den Vergessenen, dem Scrin-Turm und den Tacitus erfahren. Ein Name hat uns in der Liste jedoch gefehlt: Was ist mit Cabal aka Legion – habt ihr den Nod-Supercomputer etwa vergessen?

Jim Vesella: Nun, Cabal und Legion sind mittlerweile unverzichtbar für die Tiberium-Storyline geworden. Ich kann zwar noch nicht exakt verraten, ob und wie sich der Supercomputer auf das Finale auswirkt und die Handlung beeinflusst, aber…[Jim überlegt einen kurzen Moment]… – sagen wir es so: Wir sind sehr zufrieden damit, wie sich Cabal und Legion in „Kanes Rache“ entwickelt haben, und es wäre sehr cool sie zurückzuholen . Ich will nichts bestätigen – aber auch nicht verneinen.

gamona: Das neue Klassensystem erinnert uns stark an das Spielprinzip aus „Kanes Rache“. Dort konnte man eine Unterfraktion wählen, woraufhin bestimmte Einheiten ausgetauscht wurden oder andere Fähigkeiten erhielten. Können wir uns die C&C4-Klassen in diesem Stil vorstellen oder spielen sich Offensive, Defensive und Unterstützung wirklich komplett anders?

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"Die Klassen in C&C 4 spielen sich fast wie eine andere Fraktion."
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Jim Vesella: Bei „Kanes Rache“ war es schon toll mit den verschiedenen Unterfraktionen zu Felde zu ziehen, aber wir finden, dass die Unterschiede zu gering waren. Man hatte nicht wirklich das Gefühl eine grundlegend andere Ausrichtung zu spielen. Mit den Klassen in „C&C 4“ werden wir das ändern: Jede Klasse fühlt sich komplett anders an, als die anderen. Tatsächlich wird es nur eine einzige Einheit geben, die alle drei Klassen gemeinsam haben – nämlich den Ingenieur. Die restlichen Einheiten sind für jede Klasse einzigartig. Die spielen sich beinahe wie eine eigene Fraktion.

gamona: Tiberium und Strom werden beide nicht mehr als Ressourcen dienen. Nun stellt sich für uns aber die Frage: Was dann?

Jim Vesella: Da haben wir noch keine finale Entscheidung getroffen. In unserer Beispielmission genügt es, einen Knotenpunkt einzunehmen, der eure Truppen dann mit Geld versorgt. Wir diskutieren derzeit im Team aber mehrere Möglichkeiten. Vielleicht könnte die Zeit eine gewisse Komponente sein, vielleicht die Zahl der erledigten Gegner. Es gibt sogar einige total abgefahrene Ideen, die absolut spaßig wären. Noch ist aber der Entschluss nicht gefallen. Es sollte aber so einfach wie möglich zu verstehen sein.

C&C wird casual

gamona: Wenn wir eine Einheit benennen müssten, die uns am meisten am Herzen liegt bzw. die uns am ehesten in Erinnerung geblieben ist, dann dürfte das wohl der Tiberiumsammler sein. Gibt es wirklich kein Wiedersehen mit dieser legendären Einheit?

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"Leider werden wir den Tiberiumsammler nicht zurückbringen."
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Jim Vesella: Leider habe ich keine guten Nachrichten für euch, denn wir bringen den Sammler definitiv nicht zurück. Wir haben unser Ressourcensystem komplett überarbeitet und da wäre einfach kein Platz für den Sammler. Aber ihr könnt uns glauben, dass es gar nicht so einfach war, den Sammler zu streichen – er war von Anfang an dabei, nicht nur in den Tiberium-Teilen. Sogar in „Renegade“ hatte er seinen Auftritt. Aber wir glauben auch, dass der Sammler als solches einfach überholt war. Nicht alle Spieler wussten das Ressourcensystem optimal zu nutzen und fragten sich: „Wie viele Raffinerien muss ich bauen?“, „Wo ernte ich?“, Wie viele Sammler baue ich?“. Und dann musste man auch noch die Sammler-KI beachten. Für Einsteiger war das zu viel.

gamona: Aber mal ehrlich: Das sind doch essentielle Elemente eines Echtzeitstrategiespiels. Wer nicht einmal in der Lage ist, für das Ressourceneinkommen zu sorgen und die richtige Anzahl an Raffinerien/Sammlern zu bauen, hat sich doch wohl eher im Genre vergriffen, oder nicht?

Jim Vesella: So könnte man das natürlich sehen, aber nicht jeder Spieler ist ein RTS-Profi und möchte vielleicht trotzdem „Command & Conquer“-Spiel antesten. Und für diese Klientel wollen wir die passende Plattform bieten.

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"Joe Kucan ist immer noch sehr stark involviert. Er erweckt Kane zum Leben."
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gamona: Joe Kucan ist wieder in der Rolle des Kane dabei. Ursprünglich war er a bei Westwood als Regisseur der Zwischensequenzen beschäftigt, heute ist er nicht mehr beim Team. Hat er da überhaupt noch Einfluss auf seine Rolle?

Jim Vesella: Ja natürlich. Das coole an Joe ist ja, dass er seit Anfang an dabei ist und dementsprechend kaum jemand besser über das C&C-Universum bescheid weiß als er. Und ganz speziell natürlich über den Charakter Kane. Wir schreiben zwar vorher ein Drehbuch, aber es gibt während des Drehs immer wieder Situationen, in den Joe sagt: „Ich glaube, Kane würde jetzt eher so reagieren.“ Er ist also sehr aktiv in den Entstehungsprozess involviert.

gamona: Bei „Tiberium Wars“ hattet ihr noch eine Konsolenfassung veröffentlicht, jetzt haltet ihr euch mit derartigen Äußerungen zurück. Heißt das, C&C 4 wird ein „PC-only“-Titel? Waren die Konsolenteile nicht erfolgreich genug?

Jim Vesella: Nein, dass nicht. Nur möchten wir uns für das große Finale auf ein Spiel konzentrieren. Wenn wir gleichzeitig an der Konsolenfassung arbeiten, müssen wir auch Kompromisse eingehen. Das Spiel wird dann bereits im Designprozess stark limitiert, weil wir die Steuerung, die Grafik und sämtliche Spielelemente auf beiden Systemen zum Laufen bringen müssen. Für C&C 4 wollen wir aber keine Kompromisse eingehen. Das heißt, wir stecken all unsere Kreativität und Energie zunächst in die PC-Fassung. Was dann passiert ist noch unklar – derzeit steht eine Konsolenversion nicht zur Debatte.