Command & Conquer 3: Tiberium Wars (PC Preview)
von Sebastian Weidner

Wer ist der wohl fieseste aller Computerspiel-Bösewichte? Monkey Island-Piratenkapitän LeChuck? Vor dem fürchten sich doch höchstens Kinder! Die keifende, unzufriedene KI-Braut Shodan aus System Shock?

Pah, wer hat schon Angst vor einem Computer! Nein, das personifizierte Böse hat einen Glatzkopf und hört auf den Namen Kane. Als Frontmann der terroristischen Bruderschaft von NOD und selbst ernannter Messias macht er der Weltpolizei GDI das Leben schwer und will Mütterchen Erde mit dem energiereichen, aber tödlichen Tiberium verseuchen.

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In bisher zwei Spielen konnten Echtzeitstrategen unter der Führung des Finsterlings für Angst und Schrecken sorgen oder alternativ als GDI-General die Kohlen aus dem Feuer holen. Mit dem frisch angekündigten Command & Conquer 3 Tiberium Wars kehrt ihr nach jahrelanger Pause zurück auf die Schlachtfelder der Zukunft und besiegelt das Schicksal eurer Feinde.

Krieeeeeeg!
Zur Rahmenhandlung: 2047 hat das radioaktive, aber hochenergetische Tiberium große Teile der Erde unbewohnbar gemacht. GDI und NOD bekriegen sich bereits seit Jahrzehnten. Der Sieg der GDI scheint nahe, die Bruderschaft wirkt in viele kleine Splittergruppen zerstreut. Doch schon Star Wars lehrte uns "Unterschätze nie die dunkle Seite der Macht". Und so kommt es, wie es kommen muss: Durch einen Überraschungsangriff auf die Orbitalstation der GDI schalten die Terroristen mit einer Nuklearrakete deren sämtliche Führungsmitglieder aus.

Von einem Moment auf den anderen stehen alle GDI-Truppen ohne Vorgesetzte da. Was die Gamona-Redaktion sich seit Jahren wünscht, ist in diesem Fall allerdings verheerend. Den plötzlich einsetzenden, verheerenden Attacken von NOD kann die unorganisierte GDI nur wenig entgegen halten. Erklärtes Ziel der wahnsinnigen Bruderschaft: Die Welt in eine einzige Tiberiumwüste verwandeln und so eine neue Generation Mensch erschaffen. Das klingt nicht gut. Die Welt steht also einmal mehr am Abgrund bzw. aus der Sicht von NOD vor einem Neuanfang. Drei Kampagnen wollen die Entwickler in Command & Conquer 3 einbauen, jeweils eine für jede Kriegspartei. Aufmerksame Leser haben sicher gemerkt, dass wir bisher nur von zwei Gruppen gesprochen haben. Das liegt daran, dass Publisher Electronic Arts den Dritten im Bunde noch geheim halten will. Unsere Redaktionskristallkugel geht von Außerirdischen aus.

Inszenierung nach Maß
Fest steht allerdings schon jetzt, dass ihr euch auf reichlich Déjà vue-Erlebnisse einstellen dürft. Die gigantischen, schwer bewaffneten Mammuth-Tanks der GDI kehren ebenso zurück wie die Tarnpanzer von NOD. Und mit der mächtigen Ionenkanone, dem wohl coolsten Spielzeug für echte Männer, dürft ihr selbstverständlich auch wieder feindliche Basen einäschern. Fehlen eigentlich nur noch die kultigen Zwischensequenzen mit echten Schauspielern, die EA in Command & Conquer Generäle kurzerhand wegrationalisierte. Kein Grund zur Traurigkeit: Auch die sind wieder dabei, wenngleich diesmal eine Mischung aus vorgerenderten Videos, In Game-Sequenzen und dem so beliebten Einsatz von Schauspielern geplant ist. Die Rahmenbedingungen stimmen also. Bleibt die Frage nach coolen Gameplay-Ideen. Um es gleich vorweg zu nehmen, eine Genrerevolution steht uns mit Command & Conquer 3 Tiberium Wars kaum bevor.

Vielmehr wollen die Entwickler an den Stärken der Reihe (schnelles Gameplay, interessante Kriegsparteien und spannende Story) festhalten und diese um einige knackige Neuerungen erweitern. Die meisten davon hält Electronic Arts zwar noch geheim. Schließlich soll der Titel erst 2007 in den Läden stehen. Freuen dürft ihr euch aber bereits jetzt auf fesselnde Missionen. Diese sollen euch immer wieder vor schwierige Entscheidungen stellen, durch die sogar Folgeeinsätze maßgeblich beeinflusst werden. So habt ihr in einer Beispielmission etwa die Wahl, entweder einen Flugplatz oder einen Marinestützpunkt zu erobern. Je nach Entscheidung sichert ihr euch in den darauf folgenden Einsätzen Luft- oder Seeunterstützung, nicht aber beides. Es gilt also abzuwägen, was euch wichtiger ist. Ebenfalls wichtig in den Missionen ist der Grat der Tiberium-Verseuchung. In drei Zonen wird unterteilt. Gebiete mit blauem Status sind bewohnbar und weitestgehend frei vom tödlichen Kristall.In gelb gekennzeichneten Sektoren hat eine Verseuchung bereits begonnen und rote Zonen sind völlig kontaminiert. Hier gerät das Wetter temporär völlig außer Kontrolle. Ionenstürme machen Freund wie Feind zu schaffen. Wohl dem, der die Stürme durch bestimmte Maschinen beherrschen und gegen den Gegner einsetzen kann. Denkbar, aber nicht bestätigt: Auf NOD-Infanterie haben Tiberium-Wüsten heilende Auswirkungen, während GDI-Einheiten Vorteile in unverpesteten Gegenden haben.

Ork trifft Panzer
Technisch baut Command & Conquer 3 auf der bekannten Herr der Ringe: Schlacht um Mittelerde-Engine auf. Kräftig aufgemotzt, wollen die Programmierer eine wahre Effektflut auf euch nieder regnen lassen. Ihr dürft euch laut offiziellen Bekundungen schon einmal auf neue Rekorde im "Partikel pro Quadratmeter"-Bereich gefasst machen. Gigantische Explosionen, Rauchwolken, bei Beschuss berstendes Glas und spektakulär in sich zusammen fallende Gebäude sollen selbst überkritische Grafik-Junkies an den Bildschirm fesseln.

Auf den ersten Bildern sieht man davon freilich nichts. Sehr wohl sehen können wir indes die detaillierten Einheiten und fast endzeitlich anmutenden Schlachtfelder. Ohne krachende Explosionen und Kugelhagel wirken die aktuell zwar noch recht trist. Bis zum Release irgendwann nächstes Jahr haben die Jungs von EA aber noch reichlich Zeit, Leben in die Bude zu bringen.

Erster Eindruck
Wenn eine der bekanntesten Echtzeitstrategieserien zurückkehrt, ist die Erwartungshaltung gigantisch. Ob Command & Conquer 3 Tiberium Wars die Fans so glücklich macht wie die deutsche Fußballnationalmannschaft uns zuletzt im Jahr 1974, lässt sich im Moment noch schwer beurteilen. Mit dem Konzept Marke "Back to the roots" wird die C&C-Fangemeinde aber sicher im Sturm erobert. Ob das reicht, um auch anspruchsvolle Strategen zufrieden zu stellen, zeigt sich aber erst, wenn EA mehr Infos herausrückt und wir erste Probespiele absolvieren dürfen. Bis dahin heißt es abwarten, Tee trinken und auf einen neuen Genrekracher hoffen!