Als das Echtzeitstrategiespiel Command & Conquer der Spieleschmiede Westwood 1995 erschien, war es nicht, wie heutzutage, nur eines von vielen Spielen dieses Genres. Auf dem Gebiet solcher Strategiespiele hatte es bis dahin noch nicht allzu viele Vertreter gegeben.

Westwood selbst hatte 1992 mit Dune II einen der Urväter der Echtzeitspiele aus der Taufe gehoben (auch wenn diese Ehre genau genommen eigentlich dem 1983 erschienenen Stonkers zusteht), etwas später trat Blizzard mit WarCraft auf den Plan. Rückblickend lässt sich heute sagen, dass Command & Conquer richtungsweisend gewesen ist, Standards gesetzt hat und für Etablierung des Echtzeitstrategiegenres maßgeblich war.

Mehr als ein Jahrzehnt später erscheint nun bald der dritte Teil der Serie. Ein Zeitraum, in dem jedoch viel mehr Spiele dieser Reihe erschienen sind, als dies auf den ersten Blick den Anschein hat. Nicht nur die große Fan-Community und die damit verbundene riesige Erwartungshaltung sind ein Grund für uns, zurückzuschauen und die Command & Conquer-Historie Revue passieren zu lassen.

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Strategie-Urväter
Die Geschichte der Command & Conquer-Spiele lässt sich nicht ganz so stringent erzählen, wie das beispielsweise bei unserem Test Drive-Rückblick möglich war. Der Grund dafür ist vor allem die inhaltliche Abspaltung der Nachfolgespiele der Command & Conquer: Alarmstufe Rot-Games, die daher nicht als direkte Nachfolger angesehen werden. Doch dazu später mehr.

Command & Conquer 3: Tiberium Wars - Über zehn Jahre Echtzeitstrategie-Kult: Wir blicken zurück auf die C&C-Serie!

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Das verstand man damals unter High-End-Grafik: Command and Conquer 1.
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Was Command & Conquer so spannend machte, war zum einen natürlich das neue Setting. Eine interessante Geschichte eingebettet in ein vielschichtiges, forderndes Gameplay voller innovativer Ideen, bei dem alle Bestandteile wie aus einem Guss wirkten - inklusive der damals tollen Zwischensequenzen. Interessant ist auch, dass die ursprüngliche Version nur unter DOS lief und erst die 1997 veröffentlichte Gold-Edition eine lauffähige SVGA-Version ermöglichte.

Als Basis für die Geschichte dient das Tiberium, ein außerirdisches Mineral, das vielseitig verwendbar und daher höchst begehrt ist. Kein Wunder eigentlich, dass sich darum ein Konflikt entspinnt, in den der Spieler auf einer der beiden konkurrierenden Seiten eingreift. Dabei entscheidet er sich entweder für die westliche, multinationale Streitmacht GDI (Globale Defensiv-Initiative) oder die Bruderschaft von Nod mit dem Bösewicht Kane als Anführer. Dieser sieht sich selbst als Messias und will die Welt beherrschen, wobei man ihm helfen kann oder ihn bekämpft.

Packshot zu Command & Conquer 3: Tiberium WarsCommand & Conquer 3: Tiberium WarsErschienen für PC und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Bei den Auseinandersetzungen, die den Spieler erwarten, wird immer das wertvolle Tiberium als Rohstoff benötigt, so zum Beispiel für den Bau von Einheiten und Gebäuden. Dies alles diente jedoch nur als besonders durchdachter Hintergrund für die vielschichtigen Strategieschlachten, bei denen man selten zuvor so intensiv an verschiedenen Fronten gleichzeitig gefordert wurde und von einer Brandstelle zur Nächsten eilen musste. Ein weiterer Grundstein des großen Erfolgs und der Beliebtheit war der Soundtrack von Frank Klepacki, dessen Elektro-Stücke sehr gut zu dem Spielgeschehen passten. Interessant ist übrigens, dass in allen Teilen der Serie aus Jugendschutzgründen die Infanterieeinheiten der Menschen durch Cyborgs ersetzt wurden.

Alarmstufe Rot in Deutschland
Während der Rest der Welt bis zur nächsten Command & Conquer-Folge Tiberian Sun bis 1999 warten musste, wurde in Deutschland bereits Anfang 1996 das Addon "Der Ausnahmezustand" in Umlauf gebracht. Es enthielt neue Missionen, Einheiten und Multiplayer-Karten und wies einen deutlich gesteigerten Schwierigkeitsgrad auf. Ed Castillo, damals Teamchef von Command & Conquer sagte dazu: "Brett Sperry spielte an den Missionen im Schnitt 2 bis 4 Stunden. Und Brett gehört zu den Besten. Er lässt uns alle hier im Netzwerk-Modus wie die letzten Anfänger aussehen! Das Ganze ist ein wahres Himmelfahrtskommando." Doch das war nur ein Zwischenschritt. Im Herbst 1996 folgte der nächste Teil Command & Conquer 2: Alarmstufe Rot - und auch wieder doch nicht.

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Alarmstufe Rot spielte in einem Paralleluniversum mit alternativer Historie.
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Wie eingangs schon erwähnt, kann man nicht von einer richtigen Fortsetzung sprechen, weil der Spieler bei Alarmstufe Rot inhaltlich plötzlich ganz andere Voraussetzungen vorfindet. Er spielte zeitlich deutlich vor "Tiberiumkonflikt" und wurde ins Jahr 1946 versetzt - in den Kalten Krieg. Dort wollen Wissenschaftler unter der Führung Einsteins per Zeitreise den Zweiten Weltkrieg ungeschehen machen, was allerdings misslingt und so erneut ein Konflikt zwischen Ost- und Westmächten (NATO gegen Kommunismus) heraufbeschwört. Später tritt auch in einer Nebenrolle die Figur Kane in Erscheinung, was die Entwickler aufgrund verworrener Story-Fäden später als Fehler einräumten.

Zu diesem Spiel gab es gleich zwei Erweiterungen. "Gegenangriff" erschien im März 97, nur wenige Monate später im September reichten die Entwickler schon den "Vergeltungsschlag" nach. Auch hier gab es in erster Linie neue Missionen, Einheiten und Multiplayer-Maps. Insgesamt wurde das Gameplay des Spiels zwar als nach wie vor hochstehend angesehen, allerdings hatten sich nicht nur einige inhaltliche Schwächen eingeschlichen (falsche Weltkarten, Erwähnung der UNO). Auch die eher schwachen Video-Sequenzen wurden vielerorts kritisiert.

Kleine Pause
Bis Mitte 1999 herrschte zunächst einmal Funkstille, auch wenn zwischenzeitlich das in Deutschland nicht veröffentlichte Sole Survivor erschien (nur online spielbar). Command & Conquer: Operation Tiberian Sun bot den Spielern dagegen wieder den gewohnten Konflikt zwischen GDI und Nod, die sich abermals um das schöne, aber auch giftige Tiberium stritten. Neu war allerdings, dass man diesmal nicht mehr als namenloser Befehlshaber agierte, sondern die Rolle eines Helden einnahm (Michael McNeil vs. Anton Slavik), die Identifizierung mit dem Spiel verbessern wollte.

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Bei den Fans umstritten: Tiberian Sun.
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Neben einer deutlich verbesserten Spielengine, schönerer Grafik und neuen Technologien sorgten auch Science-Fiction- und Fantasy-Elemente für eine neue Atmosphäre. Umstritten ist bis heute die Qualität des Gameplays. Während viele Spieler Tiberian Sun als das beste Mitglied der Reihe ansehen, kritisieren andere die Unausgeglichenheit der Einheiten. Diesen Fauxpas behoben die Entwickler jedoch schon kurze Zeit später, denn im März 2000 kam das Addon "Feuersturm" auf den Markt. Es enthielt nicht nur die üblichen neuen Missions-Sets und andere Gimmicks, sondern bot auch eine Überarbeitung des Balancings im Mehrspieler-Modus.

Ein halbes Jahr später erblickte mit Alarmstufe Rot 2 auch der Nachfolger im parallel-Universum das Licht der Welt und sponn den Konflikt zwischen Ost und West weiter. Diesmal verschlug es virtuelle Hobby-Generäle ins Jahr 1972, wo ein wild gewordener Sowjet-General die USA überfällt. Erneut konnte man sich für eine der beiden Seiten entscheiden. Zwar wiesen die Story und die Videosequenzen wieder mehr Pepp auf, allerdings war die Grafik bei Erscheinen des Spiels schon ziemlich altbacken, stützten sich die Entwickler doch auf die schon merklich in die Jahre gekommene Game-Engine von Tiberian Sun.

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Generäle hatte nur noch wenig mit dem originalen C&C zu tun.
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Spielerisch hatte sich im Vergleich zum Vorgänger nicht allzu viel getan, dafür sorgte jedoch der Umstand kaum noch vorhandener inhaltlicher Verbindungen zum Urspiel Tiberiumkonflikt für Diskussionen unter den Fans. Bis zur Veröffentlichung des fälligen Addons mussten sich die Spieler diesmal ein ganzes Jahr gedulden, denn erst im Oktober 2001 gab es mit "Yuri's Rache" neue Spielinhalte. Neben der Einführung einer dritten Partei (Yuri) wurden mit der Erweiterung auch völlig neue Schauplätze wie Ägypten, Australien und sogar der Mond zugänglich.

C&C goes Ego
Völlig neue Wege beschritten die Macher mit Command & Conquer: Renegade, das im Februar 2002 veröffentlicht wurde. Dabei handelte es sich erstmals nicht um ein Strategiespiel, sondern um einen Ego-Shooter. In der Rolle des Kommando-Soldaten der GDI Nick "Havoc" Parker bewegt sich der Spieler zwar in der gewohnten C&C-Umgebung, nur eben aus anderer Perspektive und deutlich geradlinigerer Vorgehensweise - eben wie bei Shootern üblich. Besonders gut kam jedoch der Multiplayermodus an, der dem Genre viele neue Impulse verschaffte. Von den "Die Hard"-Strategiefans der Reihe wurde das Spiel trotz seiner durchaus vorhandenen Qualitäten jedoch nie wirklich akzeptiert. Ein in der Planung befindlicher Nachfolger wurde dem entsprechend zugunsten anderer Projekte eingestellt.

Nachschub für Strategen gab es erst ein Jahr später im Februar 2003 mit Command & Conquer: Generals. Doch Fans konnten es hierzulande nur ca. zwei Monate lang erwerben, bis es wegen eines angeblich zu starken Bezugs zum Irak-Krieg indiziert wurde. Erst nachdem statt Menschen Roboter zum Einsatz kamen, Selbstmordattentäter durch rollende Bomben ersetzt und Zivilisten komplett gestrichen wurden, kam das Spiel als "Generäle" neu auf den Markt. Inhaltlich hatte sich das Spiel aber ohnehin völlig von den Vorgängern gelöst und bot praktisch keine Bezüge mehr zum Tiberiumkonflikt vergangener Tage. Vielmehr stand ein Disput zwischen den USA, China und Terroristen auf dem Programm, wobei die Kampagne erstmals nicht durch eine Rahmenhandlung verknüpft war.

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In den Startlöchern: Tiberium Wars
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Technisch bot das Spiel erstmals in der Geschichte der Reihe eine frei dreh- und zoombare 3D-Grafik und bis dahin ungekannte optische Details der Einheiten. Kritisiert wurde jedoch neben der mangelnden Story, dass der Soundtrack nicht mehr von Frank Klepacki stammte und dem Spiel damit ein Stück Integrität verloren ging - bei Generäle dürfte es sich nicht zuletzt deswegen um die wohl unbeliebteste Fortsetzung handeln. Daran änderte auch das im September 2003 erschienene Addon "Die Stunde Null" nichts, das neben neuen taktischen Möglichkeiten, neuen Maps und Spielmodi kaum Neues bot.

Eine Dekade wird gefeiert
Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Reihe gab es schließlich 2006 eine Compilation mit (fast) allen C&C-Spielen der Serie. Dabei bot sich den Fans die Gelegenheit, gleich 12 Spiele auf einer DVD vorzufinden und diese endlich auch problemlos auf aktuellen Betriebssystemen wie Windows XP abspielen zu können. Allerdings merkte man vielen vor allem älteren Spielen an, dass sie mit aktuellen Genrevertretern nicht mehr mithalten konnten - was sich vor allem an nicht funktionierendem Netzwerkcode (später per Patch behoben) und qualitativ teilweise ziemlich schlechten Videosequenzen bemerkbar machte.

Vor allem für Nostalgiker war die Sammlung aber aufgrund einer Bonus-DVD eine durchaus gelungene Sache. Doch nun, im Jahre 2007, ist es endlich an der Zeit, eine neue Folge der Command & Conquer-Reihe zu genießen. Diesmal werden Fans wieder auf die alten Bekannten wie GDI, Nod und vor allem Mr. Oberbösewicht Kane treffen. Neben einer PC-Fassung wird es C&C auch auf der Xbox 360 geben. Wir dürfen gespannt sein!