Mittlerweile ist es zwölf Jahre her, dass die Entwickler der Westwood Studios zum ersten Mal Tiberiumsammler, Mammutpanzer und Orcas auf die virtuellen Schlachtfelder von »Command & Conquer« entsandten. Damals noch in einer Auflösung von 320 x 200 Pixeln zog das Echtzeit-Strategiespiel alle Register, begeisterte unzählige Spieler auf dem ganzen Globus und trug wesentlich zur Etablierung des Genres bei.

Nach dem eher unbefriedigenden »Command & Conquer: Tiberian Sun« aus dem Jahre 1999 geht die Schlacht rund um das Tiberium nun endlich in die nächste Runde: »Command & Conquer 3: Tiberium Wars« begeistert schon seit einigen Wochen auf dem PC und feiert sein Comeback nun erstmals auch auf der Xbox 360. Mit einer ausgeklügelten Steuerung, voller HD-Unterstützung und dem guten Ruf des weltbekannten Franchise versucht das RTS endlich auf der Konsole zu punkten. Wie sich das Urgestein aller Strategiespiele dabei anstellt, zeigt unser Review.

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Gestatten: Mein Name ist Kane
Wir schreiben das Jahr 2047. Das selbst reproduzierende Tiberium breitet sich wie eine radioaktive Eiszeit auf dem gesamten Planeten aus. Die Global Defense Initiative (GDI), eine High-Tech-Allianz der fortschrittlichsten Nationen der Welt, kämpft darum, das Tiberium einzudämmen. Doch Kane, der größenwahnsinnige Anführer der Bruderschaft von Nod, hat andere Pläne für die Erde.

Command & Conquer 3: Tiberium Wars - Kane ist King: So muss ein RTS auf der Konsole aussehen!

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Teuflisch böse: Viele Nod-Einheiten sind schon aus den Vorgängern bekannt.
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Kanes geheime Supermacht hat sich darauf eingeschworen, das Tiberium zu nutzen, um die Kontrolle über die Menschheit zu erlangen und seine verdrehte Vision von der Zukunft zu realisieren. Dafür lässt er kurzerhand die Raketenabwehr der GDI hochjagen und macht der versammelten GDI-Führungsmannschaft an Bord der Philadelphia-Raumstation per Nuklearrakete den Garaus. Das Resultat: Der dritte Tiberium-Krieg bricht aus, und das Schicksal des Planeten steht auf dem Spiel.

Der Krieg hätte zu keinem unpassenderen Zeitpunkt ausbrechen können, schließlich haben es sich die Damen und Herren der GDI bekanntlich zur Aufgabe gemacht, die Ausbreitung des Tiberiums mit aller Macht zu stoppen. Mittlerweile bedeckt der fluoreszierende Rohstoff aus dem All aber bereits weite Teile der Erdoberfläche. Ein Leben ist deshalb nur noch in wenigen Regionen des einst so wunderbaren Planeten möglich. In den so genannten blauen Zonen ist von dem tödlichen Mineral glücklicherweise noch nichts zu sehen, so dass sich ein Teil der Weltbevölkerung vorwiegend in diesen Gebieten aufhält. Hier sorgt die GDI für Recht und Ordnung sowie eine NOD-freie Ideologie.

Packshot zu Command & Conquer 3: Tiberium WarsCommand & Conquer 3: Tiberium WarsErschienen für PC und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Die gelben Zonen zeugen schließlich von einer mittleren Verseuchung durch das Mineral, in denen sich aber immer noch ein Großteil der übrig gebliebenen Menschen aufhält. Der Bruderschaft von Nod dienen diese "sozialen Brennpunkte" vor allem als Rekrutierungslager für neue Soldaten, die als Marionetten die teuflischen Vorstellung Kanes verwirklichen sollen. In den roten Zonen ist an ein Leben hingegen gar nicht zu denken: Unwiderruflich durch das für den menschlichen Organismus tödliche Tiberium kontaminiert, sind in diesen Regionen wohl höchstens einzellige Lebewesen zu finden.

Die Qual der Wahl…
Bevor man sich als namenloser Commander in den actiongeladenen Alltag eines Truppenbefehlshabers hineinversetzt, steht erst einmal die Auswahl der Fraktion auf dem Programm: Wie in den Vorgänger-Teilen spielt man mit GDI-Truppen oder der Bruderschaft von Nod. Dafür stehen im Spiel 38 Einzelspielermissionen auf den verschiedenen Seiten des Tiberiumkriegs zur Verfügung, die aber leider nur einer einzigen Storyline folgen. Deshalb erlebt man viele Aufträge der zweiten gespielten Armee einfach nur aus einem anderen Blickwinkel. Egal mit welcher Partei man also beginnt, Überraschungsmomente bleiben bei der zweiten Fraktion leider aus - allein schon, weil oftmals die gleichen Maps verwendet werden.

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In zahlreichen Missionen brennt Tiberium Wars ein wahres Effektfeuerwerk ab.
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Die ersten Missionen führen in die blauen Zonen an der amerikanischen Westküste, in denen es strategische Ziele wie das Pentagon zu beschützen beziehungsweise zu vernichten gilt. Ein anderer Auftrag lautet hingegen, das Weiße Haus für die jeweilige Seite einzunehmen. Als GDI-Commander muss in dieser Mission die Stellung mit nur wenigen Ressourcen gehalten werden. Unter den Fittichen des glatzköpfigen Bösewichts Kane soll hingegen eine schlagkräftige Armee aus dem Boden gestampft werden, um erst das GDI-Kommandozentrum zu vernichten und dann das Machtzentrum der USA zu erobern. Hier erlebt ihr die Missionen also einfach nur stur aus einem anderen Blickwinkel.

Die Kampagnen gliedern sich in jeweils fünf Akte, die euch auf Schlachtfelder rund um den Globus schicken und zum Ende hin immer dramatischer werden. Einer der Höhepunkte stellt sich schließlich mit der Ankunft der außerirdischen Scrins ein, einer neuen Bedrohung aus dem Weltall, die durch das Tiberium angelockt wurde. In den folgenden Missionen muss alles daran gesetzt werden, die extraterrestrische Macht zu besiegen, um den Fortbestand der Menschheit zu sichern. Da man als Spieler nicht mit der Ankunft der Aliens gerechnet hat, gewinnt die Kampagne zu diesem Zeitpunkt noch einmal deutlich an Fahrt und fesselt vor allem durch eine bedrohlich-düstere Endzeitstimmung vor den Bildschirm.

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Die Aliens sind da: Im zerbombten Stuttgart müssen wir einen Konvoi beschützen.
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Als besonderes Schmankerl dürfen Hobby-Strategen gegen Ende der GDI- und Nod-Kampagne auch selbst Hand an die Alien-Fraktion anlegen. Dieser "Bonus"-Feldzug wird nämlich erst nach einer erfolgreichen Absolvierung der eigentlichen Missionen freigeschaltet. Wer jetzt aber denkt, in zahlreichen weiteren Feldzügen gegen die GDI und die Bruderschaft von Nod vorgehen zu können, wird enttäuscht sein. Die Scrin-Kampagne besteht lediglich aus vier Missionen, in denen die Kontrolle über Masterminds, Tripods und Co. übernommen werden darf.

Schaffe, schaffe, Häusle baue
Das Missionsdesign kann als recht gelungen bezeichnen werden, schließlich darf man neben dem gewohnten "Baue Basis X und überrenne dann Gegner Y"-Einheitsbrei auch schon mal einen Konvoi eskortieren oder einen wichtigen Stützpunkt verteidigen.

Darüber hinaus gibt es auch basislose Missionen der Marke "Commander durch die Stadt führen", "verschiedene Truppenverbände retten" oder "mit wenigen Einheiten viele Gebäude übernehmen", wobei die dazu benötigten Ingenieure natürlich nicht das Zeitliche segnen dürfen. Jetzt zieht auch der Schwierigkeitsgrad um einige Stufen an. War es bisher problemlos möglich, die Missionen zu erledigen, müssen jetzt zeitgleiche Angriffe an verschiedenen Fronten der eigenen Basis gemeistert werden.

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Von der Ostküste in die Wüste: Jeder Akt lässt euch auf einen anderen Kontinent der Erde agieren.
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Zwar ist die Basis mit einer dicken Mauer und zahlreichen Geschütztürmen für Infanterie, Fahrzeuge und Flugzeuge ausgestattet, zu allem Unglück gibt es aber nicht genügend Strom, um die komplette Verteidigung gleichzeitig zu aktivieren. Deshalb müsst ihr in dieser Mission fünf Minuten lang Geschütztürme den Strom entziehen oder zuführen, je nachdem von welcher der vier Seiten die Bruderschaft anrückt. Hektik pur, die ohne ausgeklügelte Steuerung auf einem Gamepad nicht machbar wäre.

Alles unter Kontrolle?
Was viele nicht für möglich hielten, scheint doch zu funktionieren: Die Steuerung von »Command & Conquer 3: Tiberium Wars« geht bei der Xbox-360-Version erstaunlich flüssig von der Hand. Nach nur wenigen Minuten Einarbeitungszeit durch das ausführliche Tutorial sind die Grundzüge des Gefechtsmanagements in Fleisch und Blut übergegangen: Mit dem linken Analogstick bewegt ihr den Auswahlcursor und somit auch die Kameraperspektive, die sich mit dem rechten Stick zusätzlich drehen und zoomen lässt. Sobald ihr damit eine Einheit oder ein Gebäude anwählt, öffnet sich mit Hilfe des rechten Triggers ein Auswahlmenü, in dem alle relevanten Optionen der Einheit oder des Gebäudes aufgelistet werden.

Per rechtem Trigger lässt sich außerdem eine allgemeine Menüleiste öffnen. Hier gibt es Informationen zu den einzelnen Einheiten, aber auch die Möglichkeit, spezielle Superwaffen wie die Ionenkanone zu aktivieren. Darüber hinaus könnt ihr hier verschiedene Einheiten in eine Gruppe einfügen. Die Auswahl der entsprechenden Icons erfolgt bei gehaltenem Trigger bequem per Steuerkreuz. Auch die Fronttasten haben eine nicht zu verachtende Funktion: So könnt ihr beispielsweise mit der Y-Taste direkt zu einem Ereignis springen, das euch per Sprachausgabe gemeldet wurde.

Ey Alter, wo ist mein Sammler?
Was die Entwickler von Electronic Arts allerdings nicht unter Kontrolle haben, ist die unglaublich dämliche Einheiten-KI. Auch im neuen Jahrtausend bleibt die Echtzeit-Strategiespielserie dieser Tugend treu und hinterlässt beim Stichwort "Tiberiumsammler" ein altbekanntes Bild - auf der Xbox 360 gleichermaßen wie auf dem PC: Ist das Tiberiumfeld neben der eigenen Basis abgeerntet, kann es schon mal vorkommen, dass die Fahrzeuge in der feindlichen Basis nach dem tödlichen Mineral suchen.

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Legendär aber gefährlich: Die Obelisken mähen noch immer eine ganze Armee nieder.
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Darüber hinaus ist auch das Wegfindungssystem im jüngsten »Command & Conquer«-Spross ein Graus, schließlich kann man seine Einheiten fast nicht unbeaufsichtigt zu einem Punkt auf der Karte schicken. Besonders die großen Einheiten wie Mammutpanzer blockieren sich oft gegenseitig und können so den ganzen Konvoi aufhalten. Am Ende kommen deshalb nur einige wenige Einheiten an dem Ort an, den man zuvor auf der Karte markiert hat.

It's movietime!
Wie auch schon in der Vergangenheit ist eine filmreife Inszenierung der Story für einen Ableger der »Command & Conquer«-Reihe Pflicht. Auch im jüngsten Spross der Echtzeit-Strategiespielreihe kamen wieder zahlreiche Schauspieler zum Einsatz, die das Geschehen rund um den Tiberium-Krieg in Szene setzen. Insgesamt finden sich in »Command & Conquer 3: Tiberium Wars« satte 90 Minuten an Zwischensequenzen, die kaum zu übertreffen sind, dem einen oder anderen aber vielleicht auch etwas zu trashig wirken. Zur Freude aller Fans hat Electronic Arts wieder einmal keinerlei Kosten und Mühen gescheut.

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Mittels solcher Zwischensequenzen werden euch immer die aktuellsten Missionsziele mitgeteilt.
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Oberbösewicht Kane wird wie auch schon in allen vorangegangenen Spielen der Serie von Joe Kucan verkörpert, sein militärischer Topexperte hingegen von Josh Holloway, der aktuell in der erfolgreichen TV-Serie »Lost« mitwirkt. Aber auch die GDI-Führung kommt so manchem bekannt vor: Oberkommandant General Jack Granger wird beispielsweise von Michael Ironside gespielt, der bereits aus dem Actionstreifen »Starship Troopers« bekannt ist. Zwar sind die zahlreichen Sequenzen natürlich nicht mit Hollywood-
Produktionen vergleichbar, dafür sorgen sie aber für eine ausgezeichnete Atmosphäre, die bis zum Ende des Spiels nicht abreißt.

Auch grafisch zeigt sich »Command & Conquer 3: Tiberium Wars« von seiner besten Seite. Die bereits von der PC-Version bekannte Präsentation wurde für das Xbox 360-Pendant komplett übernommen und hier und da sogar noch mit einigen sehenswerten Effekten bereichert. Der Übersicht der Spiels kommt vor allem eine HD-Auflösung von 1080p zu Gute, so dass ihr stets den Überblick über das Schlachtfeld behaltet. Per Analogstick lässt sich die Map auch auf der Konsole beliebig zoomen, so dass ihr beim Herauszoomen noch mehr Übersicht geboten bekommt, als es bei der PC-Version der Fall ist.

Fesselnde Schlachten über Xbox Live
Hobby-Strategen dürfen sich im Multiplayer-Modus von »Command & Conquer 3: Tiberium Wars« auf einige exklusive Features freuen: Für die Xbox-360-Version wurden die Mehrspielerspielmodi "Belagerung", "Capture the Flag", "Einnehmen und Halten" und "King of the Hill" konstruiert, die spannende und abwechslungsreiche Onlineschlachten versprechen.

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Scrins in Aktion: Die mächtigen Tripods löschen ihre Gegner mit Laserwaffen aus.
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Natürlich besteht auch die Möglichkeit, einfach nur im Gefechtsmodus gegen Spieler auf dem ganzen Globus anzutreten - und das auf circa 20 verschiedenen Maps. Spielspaßtechnisch bietet der Multiplayer-Modus sogar noch ein wenig mehr Anreize als die Solo-Kampagne, da hier die verschiedenste Taktiken gespielt werden und so immer wieder neue Überraschungen aufkommen.