Autor: David Hain

Das Jahr 2007 ist das Jahr der Rückkehrer: Nach Rocky, Henry Maske und der Killerplautze (aka Stefan Raab) wird mit Tiberium Wars demnächst ein Urgestein der Spielebranche reanimiert. 12 Jahre ist es her, dass die Entwickler von Westwood zum ersten Mal kleine Mammutpanzer, Orcas und Commando-Einheiten über die Schlachtfelder der Erde schickten.

Nach dem eher unbefriedigenden Tiberian Sun und Ablegern der Reihe, die mit der Tiberium-Saga kaum noch etwas zu tun hatten, ist die Zeit nun reif für ein spektakuläres Comeback. Doch hat sich die Vorfreude wirklich gelohnt?

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Es grünt so grün…
Die Ausgangssituation ist hinlänglich bekannt: Seit in den 90ern eine mysteriöse, grün schimmernde Substanz namens Tiberium entdeckt wurde, tobt ein scheinbar endloser Krieg zwischen der Global Defense Innitiative (GDI) und der Terrororganisation "Bruderschaft von Nod". Seither kämpft man als namenloser "Commander" für eine der beiden Fraktionen, sprengt Ionen-Kanonen und weiße Häuser oder begräbt den selbsternannten Messias Kane unter den Trümmern seines eigenen Tempels.

Command & Conquer 3: Tiberium Wars - Kane ist zurück: Trotz dämlicher Sammler fesselt C&C wieder vor den Bildschirm.

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In kurzen Videobriefings werden wichtige Missionsziele erklärt
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Die Geschichte von Teil drei setzt im Jahr 2047 an: Das Mineral Tiberium hat beinahe den gesamten Planeten kontaminiert. Rote Zonen sind völlig unbewohnbar, in gelben Zonen toben schwere Stürme. Mutationen und Krankheiten fordern die Leben Hunderter. Lediglich die blauen Zonen (das Operationsgebiet der GDI) zeugen noch von etwas Zivilisation.

In den verseuchten Gebieten liefern sich beide Streithähne immer wieder kleinere Scharmützel, die wohl ewig so weiter gehen könnten, hätte nicht Kane, Ur-Vater aller Computerspiel-Bösewichte, extra für den dritten Teil einen neuen diabolischen Plan auf Lager. Der dritte Tiberiumkrieg beginnt - und dieses Mal hat noch jemand Anderes ein Wörtchen mitzureden.

Alles Gute kommt von oben
Also hinein in die Schlacht: Wie in den Vorgänger-Teilen spielt man mit beiden Fraktionen ein und dieselbe Kampagne durch. Zwar erlebt man viele der Missionen meist einfach stur aus einem anderen Blickwinkel, im Gegensatz zu Command & Conquer: Tiberiumkonflikt, wo Missionen der Gegenseite einfach durch einen alternativen Ausgang ad absurdum geführt wurden, folgen diesmal beide Kampagnen einer Storyline. Trotzdem: Egal mit welcher Partei man beginnt, die großen Überraschungsmomente bleiben bei der zweiten Fraktion natürlich aus. Allein schon, weil sogar die Karten oft einfach erneut verwendet werden.

Command & Conquer 3: Tiberium Wars - Kane ist zurück: Trotz dämlicher Sammler fesselt C&C wieder vor den Bildschirm.

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Die Ankunft der Aliens sorgt für ordentlich Stimmung und Science-Fiction-Flair.
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Etwa 34 Missionen in insgesamt fünf Akten gilt es auf beiden Seiten zu bewältigen, bis der Abspann über den Bildschirm läuft. Die ersten Aufträge führen in die blauen Zonen der USA, wo man strategisch wichtige Objekte wie das Pentagon erobern (bzw. beschützen) muss. In Akt 2 und 3 verschärft sich die Lage dann zunehmend, die Kämpfe werden dramatischer, bis sie spätestens im vierten Akt völlig eskalieren. Denn als plötzlich eine neue Bedrohung aus dem All auf die Erde einfällt, bricht auf den vom Krieg zerrütteten Schlachtfeldern die Hölle los.

Die Ankunft der Scrin, so der Name der Invasoren (oder Besucher, wie Kane sie zu nennen pflegt), hätte EA kaum besser hinbekommen können: Begleitet von unheilsschwangeren Zwischensequenzen versucht man der schier endlosen Alien-Übermacht Herr zu werden. Die bedrohlich-düstere Endzeitstimmung der folgenden Missionen dürfte selbst Science-Fiction-Gegner an den Bildschirm fesseln. Hier gewinnen die Kampagnen noch einmal deutlich an Fahrt und Spannung.

Übrigens: Hat man sowohl Nod als auch GDI zum finalen Sieg geführt, wird die dritte Kampagne frei geschaltet und ihr dürft erstmal selbst Hand an die neue Alienrasse legen. Wer jedoch dachte, er könne sich in 15 weiteren Missionen mit den Scrin richtig austoben, sollte seine Vorfreude lieber drosseln. Lediglich in vier Einsätzen kann man die Kontrolle über Masterminds, Tripods und Co. übernehmen. Ein schwacher Abschluss, wie wir meinen.

Schaffe, schaffe, Häusle baue
Das Missionsdesign kann man durchweg als recht gelungen bezeichnen. Neben dem gewohnten "Baue Basis X und überrenne dann Gegner Y"-Einheitsbrei, darf man auch schon mal einen Konvoi eskortieren oder einen wichtigen Stützpunkt für drei Minuten verteidigen. Das war zwar schon anno 1998 nicht mehr neu, motiviert aber durch den actionreichen Spielverlauf und viele kleine Videoschnipsel trotzdem. Auch der Schwierigkeitsgrad präsentiert sich recht moderat, von knackschwer bis viel zu einfach ist für jedes Spielerniveau etwas dabei.

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In besonders heißen Gefechten brennt Tiberium Wars ein wahres Effektgewitter ab.
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Allerdings haben die Entwickler in Punkto Balancing seit dem ersten Tiberiumkonflikt kaum etwas dazu gelernt: Immer noch reichen 4-6 Mammutpanzer um die gegnerische Basis in Schutt und Asche zu legen. Wozu also groß taktieren, wenn man durch simple Tank-Rushes viel schneller ans Ziel kommt? Der Multiplayer-Part dürfte da deutlich mehr strategische Tiefe bringen, existieren doch auf allen drei Seiten viele fintenreiche Einheiten mit denen sich auch herrlich unkonventionelle Taktiken anwenden lassen.

So teleportiert der Mastermind der Scrin einem unachtsamen Spieler einfach ein paar dick gepanzerte Brocken in den Rücken der Basis - und zwar über die gesamte Karte. Die GDI hingegen schmuggelt einen Scharfschützen in das Heiligtum des Gegners und nimmt diese dann mit den mächtigen Juggernaut-Mechs unter Artilleriebeschuss. Und die suizidgefährdeten Fanatiker der Bruderschaft machen selbst aus großen Panzeransammlungen schnell Kleinholz, wenn diese keinen Geleitschutz bekommen.

Gerade das Spiel mit den vielfältigen und vor allem spaßigen Einheitentypen ist ein großes Plus von Tiberium Wars. Wenn man dann noch mit der puren Freude am Zerstören eine Atomrakete in die Basis des Gegners schickt oder das Alien-Mutterschiff der Scrin von der Leine lässt, vergisst man schnell, dass die aufgewärmte Spielmechanik ansonsten eher wenig Innovatives bietet.

GZSZ im Krieg
Die trashigen Zwischensequenzen gelten seit jeher als Markenzeichen der C&C-Reihe. Aber warum die kurzen Videobriefings im Jahr 2007 immer noch aussehen, als wäre versehentlich eine CD des Ur-Command & Conquer in den Player gerutscht, ist unbegreiflich. Trotz großen Budgets agieren immer noch mehr oder weniger begabte C-Promis vor schlechten Kulissen oder wurden einfach (ähnlich schlecht) in CGI-Hintergründe eingesetzt.

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Dreibeinig und gefährlich: Die Tripod-Walker schießen in mehrere Richtungen gleichzeitig.
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Und wenn dann z.B. die GDI-Kommandantin Kircie James ins Bild stelzt und euch neue Aufträge derart lasziv ins Gesicht stöhnt, als wolle sie sich für ein Pornocasting bewerben, kann einem schon Mal eine Träne der Scham die Wange herabkullern. Auch Billy Dee Williams grinst selbst während der "dramatischsten" Szenen derart fröhlich in die Kamera, als hätte ihm jemand den Gehaltsscheck schon vor den Dreharbeiten überreicht. Gäbe es einen Award für schlimmes Overacting, Tiberium Wars bekäme zwei.

Vor allem aber, dass es die Entwickler erneut verpassen, endlich eine spannende und halbwegs epische Geschichte zu erzählen, kann man als größtes Manko des dritten Tiberiumkrieges bezeichnen. Viele der Briefings führen einfach nur von Auftrag zu Auftrag ohne Charakterbindung oder eine Hintergrundgeschichte zu erzählen. Diese bekommt man stattdessen in schmucklosen Textblöcken während der Ladezeiten vor den Latz geknallt. So ist es letztlich fast egal, welches Geheimnis Kane denn nun eigentlich mit den Aliens verbindet oder mit welchen internen Streitereien die GDI zu kämpfen hat.

Ey Mann, wo is' mein Sammler?
Wo wir gerade beim Thema Markenzeichen sind: Es gibt noch etwas, wofür die C&C-Reihe schon immer berühmt und leider auch berüchtigt war: die unglaublich dämliche Einheiten-KI. Beim Stichwort "Tiberiumsammler" läuft wohl jedem gestandenen Echtzeitstrategen ein kalter Schauer über den Rücken. Und man sehe und staune: Auch Tiberium Wars bietet wieder genügend Gelegenheit, vor Wut in die Tastatur zu verbeißen.

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Die legendären Obelisken von Nod mähen noch immer ganze Truppenverbände nieder.
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Da wären natürlich in erster Linie die legendären Erntefahrzeuge, die bei allen drei Fraktionen so herrlich blöd agieren, dass man spätestens dann, wenn die Paris Hilton unter den C&C-Fahrzeugen mal wieder in der gegnerischen Basis auf Tiberiumsuche geht, am liebsten einen Babysitter für die tumben Dinger engagieren möchte. Auch immer wieder gern gesehen: Gerade wenn man eine Finanzspritze am Nötigsten hat, stellt der Sammler einfach den Betrieb ein und harrt der Dinge, die da kommen mögen.

Überhaupt sollte man seine Truppen nie unbeaufsichtigt irgendwo ruhen lassen. Die Wegfindung ist auch im neuen C&C-Jahrtausend ein Graus, besonders die großen Einheiten blockieren sich häufig oder bleiben irgendwo hängen. Nicht selten kommen nach einem Klick auf die Karte nur die Hälfte der Einheiten an. Der Rest ist irgendwo unterwegs stehen geblieben oder wurde vom Feind dahin gemeuchelt.

Zucker für die Augen
Alles wie gehabt also, denkt der versierte Veteran und greift trotzdem zu. Die Frage ist: Können auch C&C-Unkundige den Kauf wagen? Die Antwort ist ein klares "ja". Die bombastische Präsentation ist über jeden Zweifel erhaben. Grafisch spielt Command & Conquer 3 zwar nicht ganz oben mit, bietet aber sehr detaillierte Schlachtfelder und liebevoll gestaltete Einheiten. Und wenn es in harten Gefechten richtig rummst und kracht, zeigt die effektreiche Engine ihr ganzes Können.

Einzig die festgenagelte Ansicht stört. Die Kamera ist selbst bei minimalem Zoom (also maximal herausgezoomt) viel zu nah über dem Schlachtfeld justiert, noch dazu in einem sehr gewöhnungsbedürftigen Winkel. So geht in heißen Gefechten schnell die Übersicht verloren - punktgenaues Micro-Management ist fast unmöglich.

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Die langsame Geschwindigkeit macht das Mutterschiff der Scrin mit extremer Feuerkraft wett.
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Besonderes Lob gilt an dieser Stelle der intuitiven Steuerung. Auch wenn der berühmte Linksklick der Vorgänger weichen musste, spielt sich Tiberium Wars wie in einem Rutsch. Besonders das Interface mit den verschiedenen Tabs und Reitern ist übersichtlich gestaltet und leicht zugänglich. Von hier aus lassen sich in sekundenschnelle mehrere Bauaufträge gleichzeitig verteilen. Das beschleunigt den Spielverlauf enorm.