Gleißende Scheinwerfer erhellen die Dunkelheit mehr schlecht als recht. Motoren röhren auf, das Gaspedal wird nervös durchgedrückt, die Karosserien der Offroad-Vehikel zittern erwartungsvoll. Unerbittlich gibt die Ampel den Countdown vor, springt plötzlich auf Grün und gibt das Rennen endlich frei. Ein klassisches Rundenrennen, keine Rallye-Etappe.

Links, rechts, Wasserloch, dann ein gewagter Sprung, plötzlich schlittern die Räder nicht über auf Schotter, sondern Asphalt, enge Kurve, schnelle Kurve, kurz vorm Ziel eine knackige Rempelei und natürlich jede Menge Dreck. Nach wenigen Minuten ist schon alles vorbei, der Herzschlag nimmt wieder einen regelmäßigen Rhythmus auf. Willkommen bei Colin McRae: DiRT 2.

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Rallye minus Colin McRae = ?

Es ist sicher kein Zufall, dass der Titel in den USA schlicht auf DiRT 2 eingedampft wurde. Die Zusatzbezeichnung „Colin McRae“ dient in Europa eher als Lockruf für die Anhänger des Rallye-Sports, die sich noch gerne an den tödlich verunglückten Serienhelden erinnern. Ein reinrassiges Rallye-Spiel ist DiRT 2 jedoch mit Sicherheit nicht. Das heißt aber noch lange nicht, dass es keinen Spaß machen würde. Im Gegenteil. Wer sich auf die mitunter ziemlich störrische Fahrweise von Offroad-Fahrzeugen einlassen kann und will, wird prächtig unterhalten. Auf einen WM-Modus müsst ihr hingegen verzichten.

Colin McRae: DIRT 2 - Ohne Colin McRae: Mehr Dörte als DiRT?

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Nicht nur in dieser Szene wirbelt man mächtig Staub auf!
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Wer auf reinrassige und lange Rallye-Parcours steht, muss sich das demnach abschminken. DiRT 2 steht ganz im Zeichen kurzer, knapper Events, die eher im Stile der Skater/Offroad-Kultur aufgemacht sind und weniger im Hardcore-Rallye-Style. Ihr erhaltet kaum Zeit, um zu verschnaufen. Von London geht es nach Kalifornien. Hier steht ein Buggy-Rennen an. Zack - fertig!

Das nächste Event steigt in Kroatien. Ein Raid-Rennen. Über Stock und Stein mitten durch die Pampa, die Wegführung ist kaum zu erkennen. Welcher Weg? Dort warnt ein Schild sogar vor Minengefahr. Egal, wir jagen unseren Monster-Truck trotzdem durch diese Abkürzung, schleudern in der letzten Kurve noch mal richtig Staub und Steinchen auf und rasen dem Ziel entgegen. Wow! Lob von allen Seiten, die Konkurrenz ist lässig drauf. Man grüßt sich, klopft sich gegenseitig auf die Schulter. Alles cool!

Packshot zu Colin McRae: DIRT 2Colin McRae: DIRT 2Erschienen für PS3, PSP, Wii, Xbox 360, PC und DS kaufen: Jetzt kaufen:

Lass mich dein Kumpel sein!

Freundschaften solcher Art sind ein wichtiges Feature von DiRT 2. Im Laufe der Zeit erhaltet ihr Herausforderungen von KI-Kumpels, einige von ihnen steigen sogar in Teamrennen als eure Beifahrer in euer vermatschtes Auto. Disziplinen zum Austoben bietet das Codemasters-Werk zur Genüge: Standard-Rennen mit knallharter Rempel-Action, Rallycross, sogar einzelne Rallye-Etappen, Trailblazer, Elemination, Domination, Herausforderungen. Man kann sich vor Events kaum retten, der Levelaufstieg in der Dirt-Tour geht fix ohne Ende.

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Richtige Rallye-Etappen gibt es eher selten. Dafür liefert man sich spannende Offroad-Rennen mit sieben Kontrahenten.
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Für jedes Rennen erhaltet ihr eine bestimmte Anzahl von Erfahrungspunkten sowie Cash. Je nach Schwierigkeitsgrad variiert der Erlös für Siege oder Podest-Platzierungen. Zusätzlich hagelt es noch weitere Motivationshäppchen in Form von freischaltbaren Goodies wie neuen Lackierungen, Hupensounds und so weiter.

Zusätzlich werden ganz nebenbei weitere Schauplätze freigeschaltet, bis am Ende neun Regionen zugänglich sind. Vom UK und Kalifornien, Kroatien über Marokko bis hin zu Japan, China und Malaysia bietet DiRT 2 jede Menge Abwechslung. Die Szenerien unterscheiden sich teilweise beträchtlich voneinander und bieten Augenschmaus vom Feinsten. Während in Asien Dschungelparcours das Auge verzücken, rast die Meute in Amerika durch das ansehnliche Monument Valley oder in London durch Stadion-Parcours.

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DiRT 2 bietet zahlreiche abwechslungsreiche Szenerien, wie z.B. diese Dschungel-Etappe in Asien.
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Herausragend sind die Lichteffekte, die Vehikeln und Umgebung ein tolles Flair verleihen. Zusätzlich sorgen Staub, aufspritzendes Wasser, gleißende Sonnenstrahlen und/oder Sand für viel Rennatmosphäre. Schön dreckig. Unverständlich ist jedoch, warum auf Wettereffekte völlig verzichtet wird. Keine Schneerennen, kein Regen. Es herrscht immer eitel Sonnenschein. Zu viel Skater-Gute-Laune-Mief für meinen Geschmack. Dafür rockt der Soundtrack mit aktuell angesagten Bands wie Scars on Broadway allerdings die Hütte. Und die kernigen Motorensounds lassen das Zimmer erbeben. Schön röhrig und fett wummern sie aus den Boxen. So soll es sein!

Erstklassige Fahrphysik, bockige Karren

Die Fahrphysik ist ausgezeichnet gelungen und wirkt realistisch. Ich würde sie irgendwo zwischen Simulation und arcadig ansiedeln. Die Wagen brechen schnell aus, reagieren teilweise hypersensibel auf Gamepad-Eingaben. Eine kleine Berührung am Heck resultiert sehr schnell in Drehern oder katastrophalen Crashs.

Hier steckt mehr Offroad drin als Rallye. Spaß macht’s trotzdem!Fazit lesen

Die Strecken sind voller uneinsehbarer Haarnadelkurven, Sprüngen ins Nirwana, Schotterpisten und Asphalt wechseln wild, ständige Unebenheiten schütteln die Fahrzeuge durch und lassen die Fahrzeugkontrolle zum Vabanquespiel werden. Das ist oft zum Haare raufen, beschert aber doch ein sehr intensives und oft befriedigendes Renn-Feeling.

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Tolle Lichteffekte sorgen für ein atmosphärisches Renn-Ambiente.
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Insgesamt werden nur ca. 30 Wagen angeboten, viele davon unterscheiden sich im Handling deutlich voneinander. Wer Lust hat, kann zwar immer noch an den Fahrzeugen herumtunen, das Setup fällt jedoch nur sehr rudimentär aus. Den Gegensatz dazu bildet das detaillierte Schadensmodell. Es erlaubt hochgradige Zerstörung der Fahrzeuge, auf Wunsch wirken sich Schäden deutlich auf das Handling aus - sogar Totalcrashs unter Angabe der einwirkenden Fliehkräfte (44,34 G ...) sind dann keine Seltenheit mehr. Der Spitzname Kamikazepilot passt da zumindest bei mir wie die Faust aufs Auge...

Die Rückblende als Allzweckwaffe

Gamer mit kurzem/langem Geduldsfaden, wenig/viel Skill oder wenig/viel Ambition (sucht euch das Passende aus) regeln den Schwierigkeitsgrad in sechs Stufen. Von "leicht" über "lässig" bis "Hardcore" ist alles dabei. Das Driften und Ausbrechen der Fahrzeuge lässt sich damit jedoch nicht deaktivieren, es gehört einfach zum elementaren Spielprinzip dieses Racers wie das Ballern bei Ego-Shootern: Love it or hate it.

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DiRT 2 schickt euch quer über den Globus.
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Die Rückblende-Funktion verhilft euch nach kapitalen Schnitzern jedoch zu einer zweiten Chance. Bis zu fünf Mal pro Rennen spult ihr wie in GRID dann einfach maximal zehn Sekunden zurück und versucht die Kurve im nächsten Anlauf eleganter zu meistern. Wer jetzt ruft: "Boah, ist das casual!", hat Recht, muss dieses Feature aber auch nicht einsetzen. Belohnungen und Anreize gibt es auch während der Rennen zuhauf, Erfahrungspunkte bekommt ihr quasi hinterhergeschmissen: Weite Sprünge, Marathondistanzen, Überholvorgänge, natürlich Driften, aber auch Ausflüge ins Unterholz oder sogar Überschläge werden mit zusätzlichen Herausforderungspunkten belohnt.

Ähnlich läuft das übrigens im Online-Modus ab, wo ihr bereits für kleine Erfolge belohnt werdet und euren "Fame" erhöht. Hier hat Codemasters im Vergleich zum Vorgänger die Anstrengungen um ein Vielfaches erhöht und bietet deutlich mehr Online-Spielspaß. Bis zu acht Spieler treten in unterschiedlichsten Modi gegeneinander an und sammeln Punkte für die Online-Statistiken, Ruhmeshallen, Minimeisterschaften und ähnliche Wettbewerbe. Endlich sind auch Kollisionen möglich, sodass keine öden Geisterrennen mehr entstehen.

Wer das Ganze auf die Spitze treiben möchte, kann sogar die Cockpitansicht für alle Teilnehmer vorschreiben. Crazy! Merkwürdig ist hingegen, dass bei all den neuen Mehrspielermodi und so vielen Einstellungsmöglichkeiten darauf verzichtet wurde, einen Splitscreen-Modus einzubauen. Warum darf ich nicht mit einem Kumpel gemeinsam vor der Glotze dahindriften?