Cold Winter (PC-Test)
von Patrick Streppel

Im Auftrag ihrer Majestät? Schicker Smoking? Ausgestattet mit Q's Gadgets? Das ist für Andrew Sterling Vergangenheit. Doch während die begehrte Bond-Lizenz allein bei EA liegt, macht Entwickler Swordfish das Beste draus und

liefert mit Cold Winter das, wozu 007 sich zu fein ist. Doch auch ohne die Lizenz zum Töten nietet der britische Ex-Agent zu Hauf fiese Terroristen um!

Wir alle wissen: James Bond ist der Vorzeigeagent des MI6, der Weltenretter und Frauenschwarm, der immer einen Ausweg und immer eine Verführungstaktik im Ärmel hat - für viele von uns einfach viel zu langweilig.

Das dachte sich auch EA und lieferte nach zahlreichen, politisch korrekten (wenn auch zuletzt richtig guten) 007-Titeln mit GoldenEye: Rogue Agent einen Abstecher auf die dunkle Seite - als Ex-Agent durften wir all das tun, was der MI6 uns nicht erlauben würde. Ob das Spiel dadurch besser wurde, mussten wir im Test leider klar verneinen. Doch die Formel hat Potenzial, dachten sich zumindest die britischen Swordfish-Studios, und präsentieren mit Cold Winter einen kompromisslosen Shooter mit jeder Menge Action.

Murmeln
"Ein Wort: Information!" Mit diesen Worten beginnt das klasse inszenierte Intro von Cold Winter, in dem wir Andrew Sterlings Geschichte erfahren. Der britische Agent beschreibt seine Suche nach

Informationen als Spiel um Murmeln, die von einer Seite zur anderen wandern - wer am Ende genug hat, der gewinnt. Doch so einfach ist es nicht, denn für Sterling hat das Spiel eine bedrohliche Wendung genommen: In China aufgeflogen, wird er im härtesten Gefängnis des Regimes eingesperrt und über Wochen gefoltert. Der Geheimdienst hat uns abgeschrieben, jeden Verweis aus den Computern gelöscht - Game Over?

Anders als beim PS1-Titel In Cold Blood hat der gefesselte Sterling gar keine Zeit, uns seine bisherigen Abenteuer nachspielen zu lassen - es geht vielmehr gleich in der Gegenwart weiter. Die hübsche Kim, Ex-Kollegin und gute Freundin, stürmt herein und päppelt Sterling zunächst mit einem Medipack wieder auf.

Dann drückt sie uns das erste Schießeisen in die Hand und deutet Richtung Ausgang, wo wir uns schließlich treffen wollen - was uns nicht umbringt, macht uns ja bekanntlich nur stärker. Und so gelingt die Flucht aus China:

Cold Winter - Gerührt, nicht geschüttelt – Bonds ruchlosem Halbbruder auf den Zahn gefühlt

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Unser Held ist frei und offiziell im Ruhestand, doch für die faule Haut ist es noch zu früh (und das Bankkonto zu leer). Ein alter Freund aus Militärzeiten, der Sterlings Rettung veranlasst hat, bietet ihm einen Job in seiner privaten Sicherheitsfirma an. Der erste Auftrag führt nach Afrika, das Ziel ist ein Waffenhändler, der Terroristen versorgt - mit chemischen und biologischen Kampfstoffen. Schon bald finden wir heraus, dass nicht alles so ist wie es scheint…

Packshot zu Cold WinterCold WinterErschienen für PS2 kaufen: Jetzt kaufen:

Fokus auf Action
In einem Interview sagt der zuständige Vivendi-Produzent: "Andrew Sterling trägt keinen Smoking und verführt keine Frauen -

Cold Winter - Gerührt, nicht geschüttelt – Bonds ruchlosem Halbbruder auf den Zahn gefühlt

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er baut Molotowcocktails und steckt Leute in Brand!" Diese für das USK-regulierte Deutschland sehr gewagte Aussage, bringt die Unterschiede zu anderen Agenten-Titeln jedoch genau auf den Punkt: Cold Winter ist ein reinrassiger, actiongeladener Ego-Shooter, der sich schnell und unkompliziert spielt - und dennoch einige nette Ideen spendiert bekommen hat.

Die verwendete Karma-Physikengine kommt zwar nicht an die Havoc-Technologie heran, erfüllt aber ihren Zweck. Während Kisten und Fässer ein wenig unrealistisch hopsen, sacken Gegner realistisch in sich zusammen. Oder fliegen hoch durch die Luft, wenn wir hinter ihnen ein explosives Fass zünden. Dazu passt die umfangreiche Interaktion mit der Umgebung: So dürfen wir Kisten aufnehmen und werfen, große Tonnen beiseite schieben oder Tische umstoßen um Deckung zu schaffen - diese Dinge tragen viel zur Atmosphäre bei, auch wenn sie spielerisch nur begrenzt sinnvoll sind. Denn wer sich einfach voran ballert, kommt in der Regel genauso weit.

Die Level sind groß und abwechselungsreich: Neben China und Nordafrika kämpfen wir auch in einem Steinbruch, einer alten Forschungsanlage sowie einer eingeschneiten Militärbasis. Die insgesamt 16 Abschnitte sind mit interessanten Missionszielen ausstaffiert, die auch mal schnell umgeworfen werden: So sollen wir erst ein Haus mit Kameras sichern und dann herbeistürmende Gegner ausschalten, nur um kurz darauf durch die Kanalisation zu kriechen und ein Apartment zu durchsuchen.

Viele Wege gehen wir auch zweimal: Nachdem wir die Pläne einer Basis stibitzt haben, heißt es zunächst zurück zum Treffpunkt. Nach einem Gespräch mit Kim geht es dann gemeinsam wieder vorwärts - diese de facto Spielzeit-Schinderei fällt aufgrund der sinnvollen Story und neuer Gegner aber nicht sonderlich negativ auf, zumal der Umfang der Solo-Kampagne beachtlich ist. Damit wir uns nicht verlaufen, zeigt eine Zielanzeige stets die richtige Richtung. Cold Winter ist trotz der großen Level also ein recht lineares Spiel.

Adrew McGuyver
Aus dem umfangreichen Waffenarsenal, das aus schallgedämpfter Pistole, abgesägter Schrotflinte, Maschinengewehr, Raketenwerfer und Scharfschützengewehr besteht, dürfen wir stets nur zwei Schießprügel mitführen. Hinzu kommen Rauch- und Splittergranaten und auch die blanke Faust eignet sich im Nahkampf. Einen Führerschein hat Sterling nicht bekommen, jedoch stehen hin und

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wieder stationäre Geschütze bereit. Wem das nicht reicht, der kann sich jedoch selbst ein paar nützliche Waffen bauen - z.B. die besagten Molotowcocktails. Dazu werden im Level einfach leere Flaschen, Benzin und ein Docht eingesammelt, via Menü zu einem explosiven Ganzen verbunden und schließlich zur flächendeckenden Gegnerrodung in die Menge geworfen.

Doch McGuyver kann noch mehr: Aus Zange und draht basteln wir einen Dietrich, um damit verschlossene Lagerräume und Kisten zu öffnen - darin befinden sich oft wertvolle Waffen und Munition. Oder wir kombinieren Wecker und Sprengstoff zu einer effektiven Zeitbombe. Wer kreativ werden will, muss also die Augen offen halten und zudem sorgfältig alle Gegner durchsuchen: Leichen hinterlassen Munition, nützliche Goodies und vor allem dringend benötigte Rüstung - ist die am Ende, geht es an die Lebensenergie.

Entwarnung für alle Anfänger: Sterling hat ein unbegrenztes Medipack dabei, das den Gesundheitszustand auf Knopfdruck wieder auffrischt. Einziger Nachteil ist, dass wie bei Pariah das Aufladen seine Zeit benötigt. Man sollte sich also in Deckung befinden, wenn die Waffe zur Seite gelegt und die Spritze injiziert wird. Segnen wir dennoch das zeitliche hilft das effektive Checkpoint-System - es ist sogar möglich, den Fortschritt innerhalb der Level auf Memory Card zu bannen.

Q in Rente
So wie wir auf die Bond-typischen Gimmicks verzichten, so wenig ist Cold Winter ein technisches Highlight: Die verwendete Renderware-Engine macht auf der PS2 aber dennoch eine gute Figur, zumal sich die Designer Mühe gegeben haben, die Level abwechselungsreich auszugestalten. Aber vor allem die Gegner hätten mehr Details vertragen können. Das wird vor allem in den Zwischensequenzen deutlich, die ansonsten gut inszeniert sind: Die vorgerenderten (!) Videos zeigenkantige, hölzern animierte Figuren, die lediglich durch die gelungene deutsche Sprachausgabe mit Leben behaucht werden. Klasse ist auch die Soundkulisse, die mit ihren dramatischen Orchester-Stücken an beste Hollywood-Soundtracks erinnert. Zusammen mit der dichten Story, den zahlreichen Zwischensequenzen und den sympathischen Charakteren wird man dadurch an den Bildschirm gefesselt.

Neben dem Einzelspieler-Modus verfügt Cold Winter über Splitscreen- und Online-Modi. Einen Koop-Modus vermissen wir jedoch, stattdessen werden nur die üblichen Deathmatch und Team-Varianten geboten - wenig kreativ. Hier wirkt sich auch das realtiv ungenaue Zielsystem aus, das bei Cold Winter immer an den Nerven zieht: Trotz Großbildmonitor haben wir so manches Mal mit unserer Waffe ins Nichts geballert oder konnten einem vorbeieilenden Feind nicht schnell genug mit dem Fadenkreuz folgen. Wollte man damit das ansonsten recht einfache Spiel schwerer machen?

Pro&Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ spannende Geschichte und sympathische Charaktere + Ausrüstung selbst basteln + kompromisslose Action + Physik-Engine und Interaktion mit Umgebung + gelungene Sprachausgabe und Soundtrack + abwechselungsreiche Missionsziele + umfangreiche Solo-Kampagne

Contra:
- zielen ungenau - kantige Charaktermodelle - auch in den Zwischensequenzen - kein Koop-Modus - keine Fahrzeugekantige, hölzern animierte Figuren, die lediglich durch die gelungene deutsche Sprachausgabe mit Leben behaucht werden. Klasse ist auch die Soundkulisse, die mit ihren dramatischen Orchester-Stücken an beste Hollywood-Soundtracks erinnert. Zusammen mit der dichten Story, den zahlreichen Zwischensequenzen und den sympathischen Charakteren wird man dadurch an den Bildschirm gefesselt.

Neben dem Einzelspieler-Modus verfügt Cold Winter über Splitscreen- und Online-Modi. Einen Koop-Modus vermissen wir jedoch, stattdessen werden nur die üblichen Deathmatch und Team-Varianten geboten - wenig kreativ. Hier wirkt sich auch das realtiv ungenaue Zielsystem aus, das bei Cold Winter immer an den Nerven zieht: Trotz Großbildmonitor haben wir so manches Mal mit unserer Waffe ins Nichts geballert oder konnten einem vorbeieilenden Feind nicht schnell genug mit dem Fadenkreuz folgen. Wollte man damit das ansonsten recht einfache Spiel schwerer machen?

Pro&Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ spannende Geschichte und sympathische Charaktere + Ausrüstung selbst basteln + kompromisslose Action + Physik-Engine und Interaktion mit Umgebung + gelungene Sprachausgabe und Soundtrack + abwechselungsreiche Missionsziele + umfangreiche Solo-Kampagne

Contra:
- zielen ungenau - kantige Charaktermodelle - auch in den Zwischensequenzen - kein Koop-Modus - keine Fahrzeuge