Was hat Call of Duty denn nun mit Bildern von Wellen und Entspannungsmusik zu tun? Eigentlich ja nichts, zumindest dachte ich das, bis ich mir die CoDumentary von Devolver Digital gestern Abend zu Gemüte führen durfte – und so einiges lernte. Ob sich die 12,99 Euro auf Amazon für die Dokumentation lohnen, beantworte ich euch in meiner Filmkritik.

Wir lieben Call of Duty. Zweifelsohne konnte der Shooter seit dem Release des ersten Teils 2003 etliche Spieler begeistern, allein mit Hilfe der bis dato revolutionären Soundeffekte und des Mehrspielermodus, der alsbald Geburtshilfe für die wachsende eSport-Community leistete – und das zu einer Zeit, in welcher der Begriff eSport noch nicht einmal existierte. Eine detaillierte Dokumentation über Call of Duty ist längst überfällig, weswegen ich mit Spannung und Vorfreude in die CoDumentary starte ... und von den bereits erwähnten Wellenszenen begrüßt werde.

CODumentary - Was beruhigende Wellenbilder und Call of Duty gemeinsam haben

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Hmmmm
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Huch?

Es ist ein beruhigendes Rauschen, das durch meine Kopfhörer tropft und ich verliere mich nahezu in den aufschäumenden Wasserdünen; ja, genauso habe ich mir eines dieser Relaxing-Videos auf YouTube vorgestellt. Bis die Kamera langsam auf den Strand schwenkt und die französische Normandie vorstellt; ein ehemaliges Kriegsgebiet aus dem zweiten Weltkrieg, durch das ihr auch im ersten Call-of-Duty-Teil streifen dürft.

Den etwas unangenehmen Kriegs-Pathos kann ich noch verkraften, doch nach und nach fallen weitere Ungereimtheiten auf: Angefangen von einer Titelschrift, die scheinbar frisch aus den 90ern in die Gegenwart katapultiert wurde über jede Menge aneinandergereihte Interviews, die immer wieder ruckartig wechseln. Technisch ist die CoDumentary wahrlich kein Meisterwerk und auch der traditionelle Aufbau von O-Tönen und Szenen aus dem Spiel wirkt bald langatmig und wenig innovativ.

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Auch eSport spielt eine Rolle; neue Informationen fallen jedoch mager aus
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Wenn Fans Filme machen

… ist das nicht immer gut. Ob Jonathan Beales tatsächlich ‘nur’ ein Fan ist, kann ich zwar nicht prüfen, doch die CoDumentary selbst schmeckt leider ganz genauso: Ein Liebhaberfilm aus der Sicht eines Fans, der vertuschte Details hinter den Kulissen meidet und stattdessen bekannte Ereignisse rund um das Franchise immer wieder durchkaut und dazu noch aufbauscht.

Ich muss schon ein wenig schmunzeln, als nach etwa 20 Minuten CoDumentary plötzlich mehrere Aufnahmen von London gezeigt werden; dazu eine melancholische, sich zuspitzende Musikuntermalung. Was folgt? Natürlich der Rechtsstreit zur Altersbeschränkung von Call of Duty: Modern Warfare 2; oder war es Black Ops 2? Wie jeder Shooter musste auch CoD sich der Frage nach bedenklicher Gewalt stellen; ein Fakt, der zwar in eine Dokumentation rund um die Spiele gehört, jedoch nicht mit pathetischen Zitaten auf dunklem Hintergrund enden muss, die sich dagegen aussprechen.

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Hach
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Solide, aber keine Offenbarung

Jonathan Beales CoDumentary ist eine Chronologie des Call-of-Duty-Franchises, die einige Ex-Mitarbeiter hinter der Shooter-Reihe zu Wort kommen lässt. Dabei fehlen jedoch die eigentlichen Call-of-Duty-Väter Vince Zampella und Grant Collier; was leider zum ganzen Film passt: Aufgewärmte Medienskandale der CoD-Geschichte zusammen mit nur wenigen wirklich informativen Beiträgen, wie einen Bericht über einen schwerstbehinderten Mann, der trotz vieler Hürden CoD spielt.

Am Ende erwarten mich die bekannten Wellenszenen, welche mich erneut in einen nahezu meditativen Zustand versetzen. Leider weiß ich auch da nicht so genau, was dieser Fokus auf das Meer mit Call of Duty gemein hat. Als dann jedoch kurz vor den Credits ein Denkmal des zweiten Weltkriegs eingeblendet wird und dazu eine tiefe Männerstimme “But as time goes by, the world must not forget…”, in mein Ohr flüstert, wird es mir zuviel: 12,99 für die CoDumentary? Nein, das lohnt sich leider nicht. Falls ihr aber Amazon-Prime-Mitglieder und am Thema interessiert seid, möchte ich euch nicht vom Streamen abhalten.