Das Frühjahr ist scheinbar die Zeit der Strategiespiele: neben Empire: Total War, Dawn of War 2 und Endwar sowie Halo Wars für Konsoleros erscheint nun mit Codename Panzers: Cold War noch ein weiterer Titel für Hobbygeneräle. Eine vergleichbare Flut von Titeln eines Genres ist man sonst eher von Actionspielen gewohnt, die sich um die Gunst der Shooter-Fans streiten.

Allerdings kann man Cold War zumindest noch zugutehalten, dass die Veröffentlichung eigentlich bereits vor einem Jahr hätte erfolgen sollen. Damals kam die Pleite von Publisher 10tacle dazwischen. Jetzt muss sich der Taktik-Titel gegen starke Konkurrenz behaupten und wir haben herausgefunden, wie er sich dabei schlägt!

Codename: Panzers - Cold War - Was wäre wenn?4 weitere Videos

Kälter wird's nicht

Im dritten Teil der Strategieserie versetzt euch Entwickler Stormregion in das Jahr 1949, mitten hinein in den Kalten Krieg. Berlin ist von den Sowjets abgeriegelt und - anders als in der Realität - kommt es tatsächlich zum fiktiven Konflikt zwischen NATO und Sowjetunion. Durch diesen kleinen Knick in der Geschichtsschreibung erhofft man möglicherweise, sich der Kritik am ausgelutschten WWII-Szenario zu entziehen. Das funktioniert jedoch nicht wirklich, nur vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat sich die Welt auch in diesem Spiel noch nicht weit genug gedreht, um inhaltlich etwas völlig anderes bieten zu können.

Codename: Panzers - Cold War - Ich Krieg mich nicht mehr ein...

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 38/441/44
Man sieht sogar Fußspuren der Einheiten, mit sachdienlichen Hinweisen auf ihr Verschwinden...
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das Resultat: Die meisten Einheiten und das Drumherum wirken nicht viel anders als das, was man zu vermeiden bemüht ist und der dritte Weltkrieg wird überwiegend mit den Waffen des Zweiten geschlagen. Sei's drum: Wem T54-Panzer, Panzerfaust-Einheiten oder der M41 Bulldog noch nicht zu den Ohren herausgekommen sind, wird möglicherweise trotzdem viel Spaß mit Codename Panzers: Cold War haben. Das gilt vor allem dann, wenn ihr euch möglicherweise eher als Strategie-Neulinge bezeichnen würdet und mit der Komplexität eines "Empire" noch überfordert seid.

Anders als in der Vergangenheit verzichtet man in der dritten Episode vollkommen auf den Basisbau. Ohne langes Vorgeplänkel versetzt man euch mit einigen wenigen Einheiten in eines der Krisengebiete - beginnend mit verschiedenen Bezirken Berlins bis hin zu unterschiedlichen Schauplätzen in ganz Europa - wo ihr mit festen, vordefinierten Missionszielen versehen werdet und um euer Überleben kämpft. Vor dem Beginn jeden Einsatzes dürft ihr mehr oder weniger frei die Zusammensetzung eures Trupps bestimmen.

Codename: Panzers - Cold War - Ich Krieg mich nicht mehr ein...

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 38/441/44
Die Übersichtskarte inklusive festgelegter Einsatzziele definieren den Ablauf der Missionen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ob ihr euch eher für schwere Geschütze oder doch lieber Infanterie entscheidet, hängt zum einen von der Art des Auftrags ab und zum anderen von den Missionszielen. Bei der Infiltration einer gegnerischen Basis eignen sich Panzer natürlich eher schlecht, einer feindlichen Panzerarmee stellt man sich hingegen nicht ausschließlich mit Fußvolk entgegen. Die richtige Mischung nach dem Stein-Schere-Stein-Prinzip bringt euch auch hier Vorteile. Außerdem ist eure Auswahl abhängig von einem Einheitenlimit sowie zur Verfügung stehenden Prestigepunkten, die man durch Erfolge einheimst. Ansonsten geht es sehr schnell und direkt in das Schlachtengeschehen, nur selten vergeht mehr als eine Minute, bis sich die ersten Einheiten Scharmützel liefern. Ein großer strategischer Anspruch verbirgt sich hinter diesem Vorgehen jedoch meist nicht.

Nach Schema F

Zwar sind die Entwickler durchaus bemüht, euch mit einem abwechslungsreichen Missionsdesign bei Laune zu halten und so kämpft ihr abwechselnd um Prestigeflaggen, nehmt Stellungen ein, haltet diese gegen eine Übermacht oder baut sie zu kleinen Festungen aus, stürmt Bunker und jagt sie mit einer bildschirmfüllenden Explosion in die Luft, beschützt befreundete Konvois oder absolviert Einsätze gleich an zwei Fronten. Langweilig wird es dabei sicher nicht. Doch letztendlich laufen Aufgaben häufig nach einem vorgegebenen Muster ab, die euch kaum spielerische Freiheiten lässt.

Codename: Panzers - Cold War - Ich Krieg mich nicht mehr ein...

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 38/441/44
Die Explosionen sind wirklich ansehnlich.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Überraschungen erlebt man aufgrund der vorgestanzten Missionsbeschreibungen mit Primär- und Sekundärzielen plus Geheim- und Nebenaufträgen kaum. Das sehr beschränkte Einheitenlimit am Anfang jedes Levels der vier Akte (18 Missionen) von Cold War lässt sich immer wieder durch diverse Zusatzziele aufstocken und so findet ihr entweder feindliche Fahrzeuge, die ihr wieder flott macht, oder entdeckt versprengte Truppen und gliedert sie in eure übersichtliche Streitmacht ein.

Damit ihr die Soldaten und Vehikel nicht wie Kanonenfutter verheizt, steigen diese im Laufe des Spiels im Rang auf und werden auf diese Weise effektiver. Veteranen-Einheiten könnt ihr also, sofern sie die Einsätze überleben, immer wieder in die nächsten Missionen mitnehmen - mitunter der einzige Grund, nicht blindlings mit voller Truppenstärke ohne Rücksicht auf Verluste ins Gefecht zu ziehen. Taktische Tiefe ist jedoch nur bedingt vorhanden. Die meisten Einheiten verfügen beispielsweise über Upgrades, die man während der Kämpfe an seine Wünsche anpassen kann.

Codename: Panzers - Cold War - Ich Krieg mich nicht mehr ein...

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 38/441/44
Überhaupt geizt man nicht mit schönen Effekten.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Panzer lassen sich so etwa on the fly zu Flammen spuckenden Ungetümen umrüsten, Bodeneinheiten können manuell zum Granatwurf angehalten werden, legen oder entfernen Minen oder zaubern Sanitäts- und Werkstattzelte in die Pampa. Spielerisch notwendig sind diese Spezialfähigkeiten jedoch nur selten. Das liegt auch an der eher schwachen Gegenwehr des Feindes: große Schlachten erlebt man in Cold War eher selten, meist handelt es sich um kleinere Scharmützel, bei denen die Sowjets deutlich in der Unterzahl sind und sie ihre befestigten Stellungen verteidigen.

Kriegerisches Effektgewitter

Wenn doch einmal eine größere Streitmacht Aufstellung nimmt, stürmen die feindlichen Truppen nicht mit allen Mann, sondern kommen immer in kleinen Grüppchen, die man in der Regel spielend erledigt. Obwohl die KI des Ostblock-Widersachers prinzipiell solide programmiert ist und sich Truppen der Roten Armee grundsätzlich in schützende Deckung begeben, ist sie euch aufgrund der kaum organisierten Gegenwehr meist schnell unterlegen. Da stört es dann auch nicht weiter, dass man die eigenen Truppen nicht in Formationen antreten lassen kann und Sanitäter scheinbar immer als Erste an der Front sein wollen.

Codename: Panzers - Cold War - Ich Krieg mich nicht mehr ein...

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 38/441/44
Wer sich in den Schlachten gut schlägt, erhält schon mal einen kleinen Bonus.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Merkwürdig ist in diesem Zusammenhang auch, dass eure eigenen Einheiten schützende Bauten einfach überrollen - ohne Rücksicht auf Verluste. Nicht weniger oberflächlich ist übrigens die Geschichte um die beiden Weltkriegshelden Leutnant Kirkland und Oberst von Gröbel gestrickt. Zwar bekommt man immer wieder hübsche Zwischensequenzen serviert, doch so richtig ans Herz wachsen wollen einem die distanziert porträtierten Heroen nicht. Zudem ist der Inhalt - unabhängig von der alternativen Geschichtsschreibung - nicht immer historisch korrekt.

Actionhaltiges RTS für Genre-Einsteiger. Veteranen greifen lieber zur Konkurrenz.Fazit lesen

Dafür kann Cold War optisch fraglos überzeugen. Abgesehen von der fast komplett zerstörbaren Umgebung, deren Zustand sich auf die Fahrzeuge auswirkt (Einheiten werden z. B. bei Matsch langsamer), glänzt man mit schönen Explosionen, vielen Einheitendetails, Fußspuren im Sand, Abgasgeflimmer, Wettereffekten, sichtbaren Tarnnetzen und Einschlagskratern oder ähnlich liebevoll gestalteten Details. Es macht Spaß, den Einheiten beim Umherwuseln zuzuschauen. Leider ist jedoch der Zoomlevel nicht ausreichend, was in einem häufig ungenügendem Überblick über das Schlachtfeld resultiert. Relativ oft kam es außerdem zu Abstürzen beim Versuch, eine Mission neu zu beginnen.

Codename: Panzers - Cold War - Ich Krieg mich nicht mehr ein...

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 38/441/44
Vor jedem Gefecht bestimmt ihr den Aufbau eures kleinen Trupps.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Technisch solide kommt hingegen der Multiplayermodus daher, für den man allerdings einen Gamespy-Account benötigt. Bis zu acht Spieler können sich an den Gefechten beteiligen und sich in den üblichen Deathmatch- oder Dominion-Modi gegenseitig einheizen. Das ist recht unterhaltsam, große taktische Geplänkel darf man sich jedoch nicht erhoffen. Wer es weniger kompetitiv mag, findet vielleicht die Koop-Missionen spannender, auch wenn das Spiel den Teamgedanken höchstens rudimentär unterstützt.