Clever & Smart (PC-Test)
(von Jörg Pitschmann)

Es gibt Comicserien, die einem so richtig das eigene Alter vor Augen führen, weil man sich noch sehr genau an seinen ersten Heftkauf erinnert. Clever & Smart ist so ein Fall. Anno 1977 kaufte ich mein erstes Album mit einem Abenteuer

der beiden vertrottelten Geheimagenten. Seither sind einige Jährchen vergangen - und ich kaufe noch immer gelegentlich Alben. Ok, der Humor in den Geschichten hat sich mittlerweile ein wenig abgenutzt, aber für einige

Lacher ist die schräge Serie immer noch gut. Und natürlich ist sie auch gut genug für eine Versoftung. Das ist mit dem vorliegenden Teil »A Movie Adventure« denn auch schon zum insgesamt neunten Male geschehen. Die Vorgänger sind jedoch entweder gar nicht in Deutschland erschienen oder zu seligen Amiga- und Atari-Zeiten. Insofern feiert die Reihe in unseren Gefilden mit dem vorliegenden Titel ihre Premiere auf dem PC. Grund genug also, die versofteten Jungs mal näher unter die Lupe zu nehmen.

Die Sache mit dem Teledingens

Wer die dem Spiel zugrunde liegende Comicreihe kennt, weiß um die durchgeknallten Geschichten und Typen, denen die beiden Agenten begegnen.

Da ist zunächst Mr. L, der cholerische Chef des Geheimdienstes, seine unfaßbar dicke Sekretärin Fräulein Ophelia sowie der unfähige Wissenschaftler Dr. Bakterius, dessen Erfindungen regelmäßig zu

Katastrophen führen und unsere beiden Helden ein ums andere Mal an den Rand des Wahnsinns bringen.

Wie so häufig in den gezeichneten Geschichten, geht es auch im Computerspiel einmal mehr um eine der gefürchteten Erfindungen des Hausgenies Bakterius. Der hat nämlich das Teledingens erfunden, einen Apparat, der Reisen in Spielfilme ermöglicht. Mit dessen Hilfe sollen die beiden Agenten das »Buch der Toten« aus dem Film »Die Mumie« finden. Und nebenbei müssen sie auch der bösen Mumie Impoteh, die nach der Weltherrschaft strebt, auf die ausgetrockneten Fingerchen hauen.

Wem das alles reichlich durchgeknallt vorkommt, täuscht sich nicht. In Punkto inhaltliche Nähe zum gezeichneten Vorbild bemüht sich das Spiel nämlich um größtmögliche Authentizität. Und das gelingt ihm recht gut. So schräg, wie die Handlung daherkommt, präsentieren

Clever & Smart - Wir bleiben standhaft, wir bleiben hart – und sie retten die Welt, Clever & Smart!

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sich auch die Rätsel im Spiel. »Clever und Smart - A Movie Adventure« ist ein lupenreines Point-and-Click-Spiel, bei dem es gilt, diverse Utensilien auf dem Bildschirm zu entdecken und miteinander zu kombinieren oder sonstwie abgefahren einzusetzen. Wer auf Rätselspiele im Stile von Myst steht, sollte von »Clever und Smart« besser die Finger lassen, denn die durchgeknallte Spiellogik, die den geplagten Adventure-Freak hier erwartet, dürfte bei jedem Nicht-Fan der Comicserie ein ungläubiges Kopfschütteln auslösen. Andererseits: wer die Bildergeschichten der beiden Agenten kennt und mag, für den bietet die Versoftung reichlich Knobelstoff und gute Laune.Es ist zum Klicken!
Leider hat »Clever und Smart - A Movie Adventure« nicht nur amüsantes zu bieten. Zwar kann man wahlweise entweder Fred Clever oder Jeff Smart steuern, doch das jeweilige Aktionsfeld ist sehr eingeschränkt, solange man nicht genau jenen Gegenstand findet, der die Handlung weiter voranbringt.

Packshot zu Clever & SmartClever & SmartErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Und das kann dauern, denn ein Hilfesystem gibt es nicht. So werden untersuchenswerte Gegenstände nicht hervorgehoben, und man entdeckt sie nur dadurch, daß man den gesamten Bildschirmausschnitt mühsam mit der Maus absucht.

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Findet man ein Item von Interesse, nimmt es der Charakter in sein Inventar auf. Hat man alle relevanten Dinge eingesammelt, kann man den nächsten Abschnitt spielen, oder man kann durch eine Kombination der gefundenen Gegenstände eine Aufgabe lösen.

Manchmal müssen auch für andere Charaktere bestimmte Aufgaben gelöst werden, damit diese den beiden Helden weiterhelfen. So kann beispielsweise im Western-Level der Wirt eines Saloons einen Betrunkenen wieder nüchtern machen, indem er ein bestimmtes Mittel braut. Die dazu benötigten vier Ingredenzien müssen Clever und Smart jedoch erst finden. Also gilt es wieder, die Bildschirme in gewohnter Manier abzusuchen, bis man die gewünschten Dinge zusammengetragen hat. Beziehungsweise, bis man Gegenstände gefunden hat, die man bei anderen Personen gegen gewünschte Items eintauschen kann.

Hartgesottene Adventure-Gamer mag das nicht abschrecken, denn auch hier bleibt der Humor nicht auf der Strecke. Mich hat die ermüdende Suche nach Details jedoch sehr schnell ermüdet, zumal sich die Sprüche der Figuren zunehmend wiederholen.Reden Sie mit uns!
Mindestens ebenso wichtig wie das sorgfältige Absuchen des Bildschirms nach verwertbaren Details ist die Kommunikation mit anderen Charakteren. Das Sprechen läuft dabei nach bekanntem Muster ab. Man rechtsklickt mit Fred oder Jeff auf die Person, mit der man reden möchte.

Hat sie einem nichts zu sagen, gibt sie nur eine allgemeine Phrase von sich. Besteht jedoch Gesprächsbedarf, so wird sich eine Unterhaltung entspinnen, in deren Verlauf man zumeist eine von drei oder vier möglichen Antworten auswählt. Je nachdem, für welche Entgegnung man sich entscheidet, erreicht man sein Ziel, oder das Gespräch endet unbefriedigend. Welche der möglichen Antworten die richtige ist, erfährt man jedoch nur durch reines Ausprobieren.

Ebenfalls wichtig: das Zusammenspiel von Fred und Jeff. So muß zum Beispiel in einer

Western-Mission Jeff einen mürrischen Sherrif ablenken, während Fred sich den an seinem Gürtel befindlichen Gefängnisschlüssel mopst. Dazu verwickelt man als Jeff Smart zunächst den Gesetzeshüter in ein Gespräch und wechselt in dem Moment zu Fred Clever, in dem die möglichen Antwortsätze auf dem Bildschirm erscheinen. Der pirscht sich nun heran und klaut blitzschnell den Schlüssel.

Danach wechselt man wieder zu Jeff und beendet die Unterhaltung. Derlei Aktionen sind nur mit beiden Hauptfiguren zusammen möglich. Versucht man es nur mit einem der beiden, ist ein solches Vorhaben zum Scheitern verurteilt. Das kombinierte Vorgehen beider Agenten bildet in vielen Missionen den Dreh- und Angelpunkt zur Lösung der jeweiligen Aufgaben. Es stellt auch den größten Rätsel-Anreiz dar, denn die Frage, wer von beiden was in welcher Reihenfolge zu tun hat, erfordert an einigen Stellen

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ziemlichen Hirnschmalz - oder führt zu heftigen Frustrationsreaktionen, je nachdem.

"Geht auch alles in die Brüche - wir klopfen weiter coole Sprüche"
Das beste an »Clever und Smart« ist die Lokalisierung. Da hat sich Entwickler Crimson Cow nämlich nicht lumpen lassen und professionelle deutsche Sprecher engagiert. Die Namensliste ist durchaus prominent besetzt. Bernd Stephan, bekannt als John Cleese' Stimme in »Monty Pythons Flying Circus«, leiht Mister L seine Stimme. Mit Tanja Schumann (»RTL Samstag Nacht«) wurde Fräulein Ophelias

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Stimme sehr treffend umgesetzt. Und den legendären Norman Bates, auf den die beiden Trottel-Agenten im Laufe des Spiels treffen, spricht Stephan Schwarz, bekannt unter anderem als deutsche Stimme von Tom Cruise oder Andy Garcia. Insgesamt wurden laut Herstellerangaben insgesamt fast 8000 Audiofiles mit mehr als 55000 Wörtern eingesprochen - da lohnt sich das Zuhören. Auch die Hintergrundmusik wurde dezent und sehr passend ausgewählt. Insofern gibt es aus akustischer Sicht nichts am Spiel zu kritisieren. Auch die Grafik ist gelungen, denn die Zeichnungen wurden sehr gut aus den Comics übernommen. Fans der Serie werden sich sofort im Geschehen zurechtfinden und besonders beim Intro schmunzeln, wurde es doch eins zu eins als Opener aus einem der frühen »Clever und Smart«-Alben übernommen. Und wer den durchgeknallten Humor der Comicvorlagen liebt, wird vermutlich auch dieses Spiel mögen. Für alle anderen gilt: erst Testen, dann - vielleicht - Kaufen. Ich habe gesprochen.Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:

+ Sehr gute, professionelle Synchronstimmen + Schräger Humor der Comics kommt gut rüber + Schön gezeichnete Grafik

Cons:

- Zum Teil wirres Bildschirm-Absuchen mit der Maus - Teilweise abgefahrene Rätsel, die nur für Fans lösbar sind - Kein HilfesystemPro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:

+ Sehr gute, professionelle Synchronstimmen + Schräger Humor der Comics kommt gut rüber + Schön gezeichnete Grafik

Cons:

- Zum Teil wirres Bildschirm-Absuchen mit der Maus - Teilweise abgefahrene Rätsel, die nur für Fans lösbar sind - Kein Hilfesystem