Rundenstrategie auf der Konsole? Unmöglich! Die komplexe Steuerung könne man nicht umsetzen, hieß es. Der Fokus auf Wertetabellen, Städtemanagement und Diplomatie würde actionverwöhnte Konsoleros langweilen, tönten sie. Sid Meier, seines Zeichens Starentwickler und Mastermind hinter Klassikern wie „Pirates“, lässt sich von derartigen Kritikerstimmen allerdings wenig beeinflussen.

Wenn also jemand dieses Genre auf den Heimspiel-Plattformen etablieren könnte, dann wohl Sid. Schließlich geht mit Civilization eines der Vorzeigespiele der Strategiesparte auf eben sein Konto. Die Vorzeichen stehen also auf Hit. Bleibt nur eine Frage: Sind die Konsolen überhaupt reif für die versprochene „Revolution“? Wir haben die Gamepads gezückt und Probe gespielt.

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Wir bau’n uns eine kleine Stadt

Behutsam tasten sich unsere Siedler durch unentdecktes Territorium, forschen nach Rohstoffen, spähen nach Feinden. Hier – in einer lauschigen Senke nahe dem Meer - wäre ein schöner Platz für unsere neue Hauptstadt. Wir errichten Gebäude, bauen Straßen, bestellen Felder. Auf den Zisternen unserer Stadtmauer postieren wir einen Krieger – nur für den Fall der Fälle. Noch wissen wir nicht, was uns in diesen Gefilden erwartet.

Civilization Revolution - Das erste Civ für Konsolen: Wir verraten, ob Sid Meier die versprochene Revolution bringt.

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Alles beim Alten: Am genialen Civ-Prinzip hat sich nichts geändert.
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In den Laboratorien herrscht derweil emsiges Treiben. Wissenschaftler forschen nach immer fortschrittlicheren Technologien - zunächst freuen wir uns über das Rad, später erleuchtet die Mathematik unsere kleine Zivilisation. Wahrlich, unsere Stadt gedeiht prächtig. Doch Unmut macht sich in den Straßen breit – die Steuern sind zu hoch, die Menschen rebellieren, es herrscht Anarchie.

Zum Glück verfügen wir über das Wissen der Staatsformen und rufen in aller Eile die Demokratie aus - das sollte die Lage beruhigen. Zumal unsere Baumeister gerade das erste Weltwunder fertig stellen. Unser kultureller Einfluss steigt, die Zufriedenheit der Stadtbewohner ebenso. Bald können wir weiter expandieren, neue, riesige Städte errichten. Dann ist die Welt unser.

Packshot zu Civilization RevolutionCivilization RevolutionRelease: PS3, Xbox 360: 13.6.2008
DS: 3. Quartal 2008
kaufen: Jetzt kaufen:

Wie die Zeit vergeht…

Wer schon jemals auch nur mehr als drei Runden Civilization gespielt hat, kennt die Faszination, den Suchtfaktor den Sid Meiers zeitloser Klassiker bewirken kann. Nur noch schnell eine Technologie erforschen, nur noch ins nächste Zeitalter gelangen, nur den Gegner von der Karte wischen. Ehe man sich versieht wird aus „nur mal eben noch“ im Handumdrehen eine ganze Nacht.

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Wie immer spielt Diplomatie eine wichtige Rolle.
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Firaxis tut also gut daran, das bewährte Gameplay auch für die Konsolenfassungen weitestgehend unangetastet zu lassen: Noch immer dreht sich alles um die Kolonisierung neuer Kontinente mit einem möglichst klugen Mix aus Forschung, Politik und Militär. Lediglich der Umfang wurde etwas entschlackt, dafür spielt sich Civilization Revolution deutlich flotter als das PC-Pendant.

So fehlen einige Verwaltungsmechanismen in den Städten, auch die Arbeiter kann man nun nicht mehr direkt steuern (was aber bereits in der Urfassung nur wenig Nutzen hatte), dafür wurde an anderer Stelle erweitert oder verbessert: Truppen lassen sich jetzt beispielsweise zu Armeen zusammenfassen und sind so noch schlagkräftiger, findet man auf den Karten spezielle Artefakte gewinnt er zusätzliche Boni.

Aufbau mit PhysX

Um das angesprochene Problem der „actionorientierten Konsolen-Zielgruppe“ zu lösen, hat sich Firaxis einen simplen Trick einfallen lassen: Die Kamera zoomt jetzt noch einen Tick näher an das Kampfgeschehen, vor allem aber die verbesserten Animationen sorgen für deutlich mehr Dynamik während der Schlachten. Kein Wunder: Eine eigene PhysX-Engine sorgt dafür, dass die Soldaten auch korrekt in Reih und Glied zu Boden purzeln.

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Große Schaltflächen, viele Infos: Die Steuerung ist gelungen.
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Generell ist die grafische Präsentation in „Revolution“ nun weniger schlicht bzw. zweckmäßig, sondern setzt eher auf knuffig-bunte Landschaften und Figuren im Comicstil. Die Menüs sind allesamt sehr großflächig und übersichtlich gestaltet, wirken aufgeräumt, transportieren dabei aber trotzdem genügend Informationen, um den Feldzug so angenehm wie möglich zu gestalten. Schön.

Und es funktioniert doch ohne Maus und Tastatur: Das erste Civ für Konsolen wird zwar keine Revolution, aber ein großes Spiel.Ausblick lesen

Die größte Neuerung der Konsolenumsetzung ist sicherlich die runderneuerte Steuerung. Die wurde in filigraner Kleinstarbeit perfekt auf die Gamepads abgestimmt und ging bei unserem Testmatch schon nach kürzester Zeit erstaunlich flüssig von der Hand. Mithilfe des Analogsticks scrollt ihr bequem über die Karte oder wählt eine Marschroute für eure Einheiten. Sämtliche Menüs sind meist durch einfachen Tastendruck zu erreichen.

Multiplayer-Zivilisierung

Überrascht waren wir übrigens von der hohen Gewichtung des Multiplayer-Modus: Der kommt nicht nur als „nette Dreingabe“ daher, sondern präsentiert sich äußerst durchdacht. Im „Free For All“-Modus dürfen beispielsweise bis zu vier Spieler gegeneinander antreten, per Hotjoin kann man selbst in bereits gestartete Spiele jederzeit ein- oder aussteigen. Fehlt ein Mitspieler übernimmt einfach die kluge KI.

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Der Mehrspieler-Part erhält auf Konsole eine besondere Gewichtung.
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Firaxis plant für die Zukunft eine Art „Game of the Week“. In diesem Turnier spielen jede Woche die besten Civ-Künstler um Ruhm und Ehre oder steigen in weltweiten Bestenlisten auf. Damit dabei die Kommunikation innerhalb der Community auch reibungslos funktioniert, unterstützt „Revolution“ Headsets und Kameras, zudem darf jederzeit per Chatfunktion geplaudert werden.

Einen Haken hat die Sache allerdings: Da Civilization Revolution auch online rundenweise gespielt wird, kann es schon mal zu erheblichen Wartezeiten kommen, wenn sich einer der Mitspieler zu lange mit Städtemanagement aufhält. Bei einer durchschnittlichen Spieldauer von gut zwei bis vier Stunden pro Online-Match kann es da schon mal zu ordentlich Leerlauf kommen.