Monte Cristo kleckert nicht, sondern klotzt mit Cities XL noch einmal ganz gewaltig ran. Wo einst öde Naturwüsten standen verwandeln Spieler nun riesige Areale in blühende Zivilisationslandschaften – das erinnert an die Versprechungen gewisser Altkanzler. Natürlich brennt uns da die Frage unter den Nägeln, wie genau es denn dieses Mal mit der Wahrheit bestellt ist. Also wechseln wir die Seiten des Schreibtisches und lassen uns kurzerhand zum Stadtvater wählen – wenn auch nur im Spiel.

Dass dieses Genre immer wieder seine Fans zu neuen Begeisterungsstürmen bewegt, liegt sicherlich auch daran, dass keine Stadt gleich aussieht, kein Spiel sich wiederholt und die Möglichkeit bietet, politische Macht am Keyboard hautnah zu spüren. Nebenbei ist es ein reichlich befriedigendes Gefühl, aus einer Pixelwüste sein eigenes Reich erschaffen zu haben, das wie ein geschlossener Mikrokosmos funktioniert. Modellbauer müssen sich genauso fühlen, wenn sie das letzte Miniaturbäumchen auf ihr Werk gesetzt haben. Die müssen sich allerdings nicht online registrieren, um ihrem Hobby nachzugehen.

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Die Welt ist nicht genug

Ungewöhnlich für eine Städtebausimulation ist der Einstieg. Es werden mitnichten sofort die Infrastrukturen festgelegt, das Konzept für ein urbanes Gesicht erarbeitet oder an den Begebenheiten des Spielfeldes gedreht. Zunächst gibt man sich selbst ein Gesicht, indem man einen Avatar erstellt. Es ist sozusagen die Geburtsstunde des Siegertyps, der später die gesamte Region regieren soll.

Cities XL - Städtebauspiel mit eingebautem MMO-Modus

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Die Einwohner von Cities XL wirken leicht comic-artig.
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Dabei setzt Monte Cristo auf Humor, denn die Figur erinnert in allen Einstellungen eher an eine Comicfigur, denn an einen ernstzunehmenden Politiker. Zudem kann man das Oberhaupt auch in Jogginghose und Kapuzenpulli die Geschicke der Stadt lenken lassen.

Das geeignete Plätzchen wird auf einem Planeten ausgewählt, der immer wieder neue Möglichkeiten, Landschaften und Herausforderungen bietet. Ungewöhnlich für Citybuilder ist hier die verstärkte Konzentration auf Handelswege. Handel mit anderen Städten ist ein wichtiges Element, von dem auch in hohem Maße der Wohlstand der eigenen Region abhängt. Im Tutorial erlernt man schnell die einzelnen Kniffe, um sich ein beschauliches Städtchen aufzubauen, bevor man sich an die erste eigene Wohngegend heranwagt. Experten können diesen Punkt natürlich auch überspringen.

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Krumme Straßen sorgen für ein realistisches Stadtbild.
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So ist es anfangs wichtig, genügend Arbeiter heranzuziehen. Dafür müssen Wohngelegenheiten und Produktionsstätten bereitstehen. Auch die Wege zur Arbeit sollen möglichst kurz sein. Reichen zu Beginn noch ruhige, einfache Straßen, müssen diese bei wachsender Population und Städtewachstum erweitert werden. Trotzdem darf nicht zu viel Zeit beim Pendeln aufgewendet werden, sonst verziehen sich auch die qualifizierten Kräfte schnell ins Umland und wandern somit zu konkurrierenden Regionen ab.

Mit den Aufgaben wachsen

Hat man seinen Ort erst einmal zum Erblühen gebracht, so muss man sich den neuen Anforderungen stellen. Plötzlich geben sich die Bürger nicht mehr mit der Deckung der Primärbedürfnisse zufrieden. Sie wollen auch bespaßt werden, eine gut funktionierende medizinische Versorgung um sich herum wissen und die innere Sicherheit darf auch nicht zu kurz kommen.

Also müssen Krankenhäuser her, Polizeistationen und am besten auch gleich eine Feuerwache für den Brandfall. Wie in jedem Spiel dieser Machart werden die Kosten dafür durch die eingenommenen Steuern gedeckt.

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Attraktionen locken neue Einwohner und Toruisten an.
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Auch der Tourismus will erschlossen werden. Die Gebiete, die für Besucher besonders attraktiv sind, können in einer speziellen Ansicht markiert angezeigt werden. Dort sind ebenfalls Bodenschätze wie Erdölvorkommen oder andere Elemente eingezeichnet, mit denen sich Geld machen lässt. Zusätzlich kann auch mit den produzierten Erzeugnissen Handel getrieben werden. Wer sich auf den Online-Modus einlässt, kann auch mit vernetzten Spielern ins Geschäft kommen. Hier bestimmen wie im richtigen Leben Angebot und Nachfrage den Markt.

Wer allerdings seine Industriekomplexe allzu stark expandieren lässt, riskiert eine hohe Umweltverschmutzung. Für angelockte Touristen ist das ebenso Gift wie für die Erholungsgebiete der eigenen Bürger. Daher muss möglichst klug und strategisch die Wirtschaft angekurbelt, Vollbeschäftigung und eine hohe Lebensqualität für jedermann erreicht werden.

Kein schlechtes Spiel, aber der eigene Größenwahn ist den Bauherren von Cities XL offenbar ein wenig zu Kopf gestiegen.Fazit lesen

Glücklicherweise macht das Spiel es einem dabei nicht allzu schwer. Selbst blutige Genre-Neulinge können innerhalb kurzer Zeit auf Erfolge zurücksehen und stolz auf die eigenen Errungenschaften sein. Echte Experten dürften dagegen schnell den Anspruch vermissen.

Kein Ende in Sicht

Später sollen noch Erweiterungen ins Spiel kommen. Diese „Gameplay Extension Modules“ oder kurz GEMs erweitern die Managementseite von Cities XL. Hier müssen Attraktionen wie das Wintersport- oder das Strand-Ressort verwaltet und geführt werden. Diese eignen sich besonders gut für den Tourismus, der durch Erholungszentren einiges an zusätzlichen Gewinn erwirtschaften kann.

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Schön und reich: Die Optik von Cities XL ist zeitgemäß.
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Aber auch durch Bauwerke kann so mancher Taler nebenbei gemacht werden. Dabei standen Touri-Attraktionen aus dem realen Leben Pate. Eine Freiheitsstatue oder Monument Valley müssen sich aber durch Wettbewerbe verdient werden. Dazu muss man sich in den kostenpflichtigen Online-Modus begeben.

Der Preis für den MMORPG-Einschlag beläuft sich zwischen 5,33 und 7,99 Euro, abhängig vom gewählten Zahlungszeitraum. Ärgerlich, dass man ab eines bestimmten Entwicklungsstand nicht mehr ohne diese Anbindung an die Community auskommt. Rohstoffe stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung, einige Features werden nur im Bezahlmodus nutzbar und die Interaktion mit anderen Spielern kann Vieles erleichtern. Dabei läuft die Online-Komponente noch immer nicht ganz einwandfrei. Hier versteckt sich leider noch der eine oder andere Bug.

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Der Tag- und Nachtwechsel sorgt für Atmosphäre.
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Will man aber noch eine Weile seinen Spaß mit seiner eigens errichteten Metropole haben, so ist das ohne weiteres möglich. Hat man eine bestimmte Größe erreicht, so macht ein Rundgang durch das eigene Städtchen auch schon Laune. Dabei ist der Wechsel der Tageszeiten schön anzusehen, wie er sich an den Wolkenkratzern spiegelt und das Tageslicht Spielstunde um Spielstunde weiter wechselt.

Die Realität hat allerdings auch einen kleinen Knacks, da die Gehsteige sehr aufgeräumt wirken, die Einwohner äußerst friedlich sind und eigentlich so gar nicht typisch großstädtisch wirken. Ein wenig mehr urbanes Feeling hätte gerne aufkommen dürfen.