Herrje! In Köln grassiert die Seuche. Volle Krankenhäuser, besetzte Arztpraxen, überall Tote. Was geht hier vor? Der Nordteil der Stadt ist ein Trümmerfeld und ich als Bürgermeister komme gar nicht mehr nach mit den Reparaturen. Häuser stehen leer; Menschen verlassen die Stadt und ziehen weg. Was für ein Desaster! Die Steuereinnahmen sinken, die Kassen sind leer. Ich tauge offenbar nicht zum Chef meiner eigenen kleinen Stadt. Aber glücklicherweise gibt es ja in Computerspielen den Neustart-Knopf – und so baue ich einfach ein zweites Köln. Besser, schöner, sauberer!

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Denn der Fehler lag nicht etwa im System, sondern bei meiner doofen Bauweise der Wasserpumpen. Abwasserrückläufe und Frischwasserpumpen waren falsch platziert. Deshalb stank es nicht nur aus den Hähnen. Meine virtuellen Kölner erkrankten und starben schneller als ich Krankenhäuser nachbauen konnte. Beim zweiten Versuch lief alles besser: Köln florierte und wurde zu einer riesigen Metropole mit Universitäten, familienfreundlichen Wohngebieten und stabiler Industrie.

Cities: Skylines ist das bessere Sim City. So viel sei gleich zu Beginn gesagt. Es ist nachvollziehbarer, konsequenter, größer und benutzerfreundlicher. Doch angesichts der Geschehnisse der vergangenen Wochen und der traurigen Schließung der Maxis-Firmenzentrale in Emeryville möchte ich an dieser Stelle keine Leichenfledderei betreiben. Dass bei Sim City einiges schief gelaufen ist, wissen wir wohl alle. Umso erfreuter sollten Städtebauer nun über Cities: Skylines vom finnischen Entwicklerteam Colossal Order sein. Denn so enttäuschend Sim City vielleicht auch gewesen sein mag, so nimmt Cities: Skylines doch enorm viele Anleihen beim einstigen Aufbau-König.

Cities: Skylines - Sim City, wer?

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Hilfe, das Haus brennt! Wenn die Feuerwehr nicht rechtzeitig eingreift, fressen die Flammen die Behausung komplett auf.
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Am Anfang war nur eine Straße

Der Aufbau jeder Stadt beginnt nach der Auswahl des Gebiets zunächst mit einem einfachen Highway. Über ihn kommen schließlich meine kleinen Computer-Bürger in die Stadt. In simplen Menüs lege ich zusätzliche Wege an und markiere sie als Wohn-, Gewerbe- oder Industriegebiete. Spätestens an dieser Stelle sind die Gemeinsamkeiten mit Sim City kaum zu übersehen. Die Farbgebung ist absolut identisch. Auch Cities: Skylines verzichtet auf ausufernde Tabellenwüsten oder komplizierte Infografiken. Stattdessen blendet es Informationen direkt in die Spielwelt ein. Platziere ich also beispielsweise eine Arztpraxis, färben sich die darum liegenden Straßen grün. Ein sicheres Zeichen dafür, dass die Patienten auch beim Doktor landen. Gleichzeitig ploppen beim Bau wichtiger Gebäude kleine Smilies über den betreffenden Arealen auf und zeigen so an, dass ich offenbar meinen Schützlingen eine kleine Freude bereitet und das Stadtgebiet aufgewertet habe.

Einen Haken gibt es aber bei Cities: Skylines zumindest zu Beginn dennoch: Es fehlt ein klassisches Tutorial. Zwar umgeht das Spiel dieses Hindernis, indem Funktionen erst Stück für Stück freigeschaltet werden. Doch wer es beispielsweise anfangs mit dem Straßenbau übertreibt oder sich gar zu viele Windräder leistet, baut sich rasch in eine Sackgasse. Allerdings passieren einem solche Missgeschicke auch nur ein Mal.

Packshot zu Cities: SkylinesCities: SkylinesErschienen für PC, Xbox One und PS4 kaufen: Jetzt kaufen:

Cities: Skylines ist als Sandkastenspiel ganz klar darauf ausgelegt, nur eine Stadt möglichst langfristig aufzubauen. Grundlage dafür sind die sogenannten Meilensteine. Abhängig von der Anzahl der Bürger schalte ich in 13 Schritten Gebäude und Funktionen frei. Bevölkern zum Beispiel mehr als 7000 Leute meine Ortschaft, erhalte ich U-Bahn-Stationen, Universitäten und Verbrennungsanlagen. Später folgen – für einen besseren Nah- und Güterverkehr – dann auch Bahnhöfe und Flughäfen.

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Mit neuen Gesetzen nimmt man Einfluss auf das Leben der Menschen und verhängt in einzelnen Vierteln beispielsweise ein allgemeines Rauchverbot.
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Die große Stärke von Cities: Skylines ist letztlich seine Nachvollziehbarkeit. Alle Rädchen greifen hier sinnvoll in einander. Wer schon einmal ein Aufbaustrategiespiel in den Fingern hatte, muss sich erst gar nicht durch die Texte quälen. Man weiß einfach, dass man beispielsweise eine Mülldeponie nicht mitten in ein Wohngebiet klatscht. Oder dass ein Flughafen vielleicht besser in die Außenbezirke der Stadt sollte, damit die Bürger vom Lärm nicht allzu sehr belästigt werden. In den ersten Stunden mit meiner neuen Stadt kämpfe ich vielmehr mit Faktoren wie der Energiegewinnung.

Kohlekraftwerke etwa liefern zwar mehr als ausreichend Strom, verpesten aber die Umwelt. Windräder und Turbinen kosten dagegen viel Geld und Platz. Und baue ich einen Staudamm allzu blöde und entferne ihn daraufhin, walzt im schlimmsten Fall plötzlich eine Flutwelle über meine Stadt hinweg. Im Gegensatz zu Sim City gibt hier jedoch weder Katastrophen noch Monster. Auch Tag-Nachtwechsel suche ich vergeblich. Das ist wirklich bitter, denn ich hätte gerne meine Metropole bei Dunkelheit begutachtet.

Glücklich und zufrieden!

Mit einer stetig wachsenden Stadt macht es zudem Sinn, diese in Viertel einzuteilen. Denn auf diese Weise erlasse ich Gesetze – „Dienstleistungen“ gennannt – und nehme damit Einfluss auf meine Bürger. So erlasse ich als fieser Ex-Raucher etwa in Wohngebieten ein generelles Rauchverbot. Das tut der allgemeinen Gesundheit gut, schadet aber der Zufriedenheit. Oder ich führe Rauchmelder ein oder zwinge meine Untergebenen zum Wassersparen. Alle Dienstleistungen haben Vor- und Nachteile. Entsprechend sparsam sollte man sie auch einsetzen.

Sim City ist (leider) tot. Es lebe Cities: Skylines. Endlich erhalten wir die Aufbausimulation, die wir uns so lange gewünscht haben.Fazit lesen

Gleiches gilt natürlich auch für Steuererhöhungen. Wenn ich die Steuerschraube zu schnell anziehe, flüchten die Bewohner flugs aus der Stadt. Praktischerweise besteuere ich die verschiedenen Gebietstypen individuell. Für meine Universitätsstadt beispielsweise lege ich eine hohe Besteuerung für Industrie- und Gewerbegebiete fest, gönne meinen Bürgern aber niedrige Abgaben.

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Sim City lässt grüßen: Nach dem Bau einer Feuerwehr zeigen aufploppende Smilies an, dass die Bürger sich über diese Aktion gefreut haben.
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Wer sich nicht am Sandkastenmodus versucht und dort über unendliche finanzielle Ressourcen verfügt, der wird in Cities: Skylines auf keinen Fall überfordert. Hat man die ersten kritischen Stunden überwunden, ist die Aufbausimulation ein Selbstläufer. Die Steuergelder fließen und fortan dominiert das Mikromanagement das Spielgeschehen. Und damit sind wir auch beim wichtigsten Unterschied zu Sim City angekommen: der Größe der Städte. Hatte ich in Maxis‘ Aufbausimulation die viel zu kleinen Areale innerhalb kürzester Zeit voll gestellt, stehen mir in Cities: Skylines pro Stadt neun Bauflächen mit jeweils zwei mal zwei Kilometer zur Verfügung. Welch Luxus!

Daher verbringe ich Stunden damit, ein zweite Innenstadt aufzubauen und beobachte, wie dort Hochhäuser wie Pilze aus dem Erdboden schießen. Gleichzeitig perfektioniere ich die Verkehrsführung. Denn wo mehr als 100.000 Menschen leben, ist immer etwas los. Nicht selten bildeten sich massive Rückstaus, die ich mit Hilfe von Kreisverkehren oder Umgehungsstraßen entknoten musste. Zugleich habe ich in Cities: Skylines aber auch die Möglichkeit, Straßen auf mehreren Ebenen zu verlegen.

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Bereits bei einer mittelgroßen Stadt von 11.000 Einwohner sieht das Panorama von Cities: Skyline beeindruckend aus.
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Das Spiel gönnt euch unzählige Möglichkeiten, Wege zu optimieren und offenbart dabei nur wenige Schwächen. Logiklücken gibt es vergleichsweise selten. In einer Partie etwa sank meine Einwohnerzahl drastisch, gleichzeitig war der Bedarf nach neuen Wohnungen weiterhin ungebrochen. Anscheinend wollten die neuen Einwohner nicht in Behausungen von Verstorbenen einziehen. Zudem hatte ich das Gefühl, dass Feuerwachen, Polizeihauptquartiere und Krankenhäuser nicht immer optimal genutzt wurden – ganz egal, wie gut ich sie auch platziert habe. Es schien ständig ein Mangel an Dienstleistungen dieser Art zu herrschen.

Aber diese kleinen Probleme erblassen förmlich aufgrund der schieren Masse an Möglichkeiten. Wer möchte, erstellte eigene Karten oder sogar neue Gebäude, die dann mit wenigen Klicks mit der Community geteilt werden können. Mods gibt es bereits jetzt wie Sand am Meer. So kann ich beispielsweise noch größere Städte bauen. Die Frage ist aber: Will ich das überhaupt? Oder will ich neben Cities: Skylines doch ein Privatleben haben?