Es gibt da diese legendäre Anekdote im Freundeskreis eines hier nicht näher benannten Autors (Kleiner Tipp: Sein Name reimt sich auf Hein), nach der sich dessen Freundeskreis vor einiger Zeit zu einer großen LAN-Party verabredete, um die neuesten Grafikbretter der Saison im Mehrspieler-Modus auszutesten und stundenlangen NextGen-Spielspaß zu genießen.

Bis auf besagten Redakteur: Trotz genervter bis verzweifelter Aufforderungen seiner Freunde, er möge „jetzt gefälligst seinen Allerwertesten auf den Call of Duty-Server bewegen“ (Anm.d.Red.: Zitat kann von der Wahrheit abweichen), daddelte der unsoziale Klotz völlig apathisch einen alten Retro-Klassiker, den er auf dem Super Nintendo des Party-Gastgebers gefunden hatte. Das Objekt der Begierde: „Chrono Trigger“ - für manche eines der besten SNES-Rollenspiele aller Zeiten.

Und nun, dreizehn Jahre nach der Erstveröffentlichung, kommt es erneut in den Handel. Um die Spielwelt abermals im Sturm zu erobern. Und die Herzen abgebrühter Redakteure zu erweichen – von denen ein ganz bestimmter übrigens bis heute nicht mehr auf LAN-Parties eingeladen wird…

Chrono Trigger - Trailer

Zeitlos gut

Die Saga von Crono und seinen zeitreisenden Freunden gilt als kult, dennoch dürften viele Spieler den legendären Square-Titel gar nicht kennen: In Europa wurde „Chrono Trigger“ trotz riesiger Fanbase nämlich nie veröffentlicht – und dass, obwohl es 2001 sogar noch einmal in überarbeiteter Form für die Playstation erschien. Es besteht also viel Nachholbedarf, der nun gedeckt werden kann.

Chrono Trigger - Die Rückkehr eines Meilensteins

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So fängt alles an: Auf dem Millenium Faire verschluckt ein Zeitportal die arme Marle.
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Die DS-Version beinhaltet dabei sogar die aufgebohrte PSOne-Fassung, die den Handlungsfaden zum Teil in tollen Zwischensequenzen weiterführte. Dass diese zeitweise übrigens frappierend an den Anime-Klassiker „Dragonball Z“ erinnern, liegt an deren Schöpfer Akira Toriyama, der für das Art- und Charakterdesign bei „Chrono Trigger“ verantwortlich zeichnet.

Doch worin liegt denn nun eigentlich die Faszination dieses zeitlosen Schmuckstücks? Am genial-einfachen Kampfsystem, der drolligen Grafik, dem Soundtrack oder die mitreißende Geschichte? Vielleicht. Wahrscheinlicher ist jedoch das Zusammenspiel all dieser Komponenten. „Chrono Trigger“ war und ist ein großartiges Beispiel dafür, wie man die Grenzen eines Genres ausreizen und dessen Zutaten perfektionieren kann.

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Einer der ersten Bossgegner: der gefürchtete Dragon Tank.
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Vor allem die Charakterzeichnung gehört bis heute zum Nonplusultra der Japano-RPGs: Jede einzelne Figur hat spezielle Wesenszüge, eine Hintergrundstory und darf in toll geschriebenen Dialogen ihren Senf zur derzeitigen Lage geben. Die allgemeine Geschichte war darüber hinaus wendungsreich, spannend und mit großartigen emotionalen Höhepunkten gespickt – eine seltene Gabe, selbst in heutigen Rollenspielen.

Mehr Kopie als Remake

Die vorliegende DS-Version ist rein spielerisch also bereits über jeden Zweifel erhaben, die Umsetzung auf Nintendos kleinen Weißen wirkt jedoch eher beliebig. Natürlich setzt Square (neben der optional verfügbaren Originalbedienung) auf den Stylus, mit dem sich auf dem Touchscreen nun einzelne Menüelemente anwählen oder in den Kämpfen die Aktionen und Gegner bestimmen lassen.

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Die Kämpfe sind unglaublich dynamisch und machen dank der Combos ordentlich Spaß.
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Selbst zur Fortbewegung kann man den Stylus nutzen, wirklich konsequent gibt man sich hier aber nicht: Exakte Bewegungen sind kaum möglich, lediglich die ungefähre Laufrichtung lässt sich vorgeben. Manche Aktionen lassen sich gar nur per Buttons auslösen – man ist also in jedem Fall auf das DS-Tastenfeld angewiesen, kann sich daher die Nutzung des Stylus also eigentlich gleich komplett sparen.

Der Zusatzcontent bleibt ebenfalls belanglos: Ein zusätzliches Ende (bei ohnehin über zwölf Outros der Originalversion) lockt selbst Fans kaum hinter dem Ofen hervor, der neue Dungeon erreicht die Klasse der alten Areale nie und die Möglichkeit in der „Arena of Ages“ eine eigene Kreatur heran zu züchten, diese zu trainieren und in WiFi-Kämpfen zu testen, erinnert stark an Pokemon und Co. – ohne deren Tiefgang zu erreichen.

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Außer man trifft auf eine derartige Bestie - die späteren Bosskämpfe sind ziemlich happig.
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Fraglich bleibt auch, warum man dem sichtlich betagten Klassiker nicht auch ein grafisches Update verpasst hat. Mit „Final Fantasy 4“ hat Square im vergangenen Jahr schließlich gerade erst gezeigt, wie man selbst die alte SNES-Garde ansprechend auffrischen kann. Retro-Fans werden diesen Punkt aber wohl eher begrüßen – schließlich galt „Chrono Trigger“ bei Erscheinen als absolute Grafikbombe.