Dass die Mexikaner ein höchst skurriles Völkchen sind, weiß man spätestens seit dem erbitterten Kampf der beiden rivalisierenden Dörfer Villarriba und Villabajo, die sich im Wettstreit um die sauberste Paellapfanne den sprichwörtlichen Wolf putzten. Hätte damals ein hier nicht näher genanntes Fettlösemittel nicht den Krieg entschieden - wer weiß zu welchen Mitteln man hätte greifen müssen.

Denn was ein durchgeknallter, mexikanischer Sonnyboy alles mit schweren Geschützen und zuviel Adrenalin im Blut anrichten kann, zeigt Chili Con Carnage aus dem Hause Eidos auf äußerst stilsichere Art und Weise. Das quasi-Remake des 2005er Titels Total Overdose ist mindestens so abgedreht wie der mittlerweile indizierte Vorgänger und setzt die Messlatte für trashige Ballerspiele auf einen neuen Höchststand.

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Manche mögen's simpel…
Das Grundgerüst von Chili Con Carnage, nennen wir es mal vorsichtig "die Story", als solches zu bezeichnen, wäre schon ziemlich gewagt. Ganze 50 Sekunden flimmert das Intro über den Bildschirm. Ramiro "Ram" Cruz will seinem Vater gerade einen Karton voller Kätzchen zum Geburtstag schenken, als plötzlich ein Mähdrescher durch die Scheiben prescht und den alten Herren in mundgerechte Häppchen zerlegt - das schreit nach Rache.

Der Rest ist Nebensache: Fortan wird "die Story" völlig außen vor gelassen, einzig ein knapper Dreizeiler informiert euch während der kurzen Ladepausen darüber, warum ihr eigentlich gerade halb Mexiko in Schutte und Asche legt.

Chili con Carnage - Ballern bis der Daumen schmilzt! Dieses Action-Chili hat ordentlich Fleischeinlage.

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Ebenso wie die Hintergrundgeschichte locker auf eine Stecknadel passen würde, kann man das Spielprinzip in einem Satz zusammenfassen: Der Hauptakteur Ram ballert, sprengt und prügelt sich durch die linearen Levels als gäbe es kein Morgen - immer darauf bedacht möglichst "cool" dabei auszusehen. Bewaffnet mit einem der vielen Meinungsverstärker hechtet man auf Tastendruck, Depri-Cop Max Payne hat's vorgemacht, in Zeitlupe zur Seite, schlägt Salti und nimmt währenddessen die Gegner auf's Korn. Das sieht nicht nur toll aus, sondern bringt euch massig Punkte auf dem Kombobarometer. Nach besonders brachialen Manövern erklärt euch ein fetter Schriftzug, dass ihr gerade einen "Gringo Super Spicy irgendwas-Move" vollbracht habt.

Wird's mal richtig brenzlig könnt ihr per Rewind-Power-Up einfach die Zeit um ein paar Sekunden zurückspulen. Wesentlich einfacher wird die ansonsten recht knackige Ballerei dadurch zwar nicht, wirklich frustrierende Stellung gibt es aber keine.

Ballern bis der Daumen schmilzt
Wem abgesägte Schrotflinten, Molotowcocktails und Raketenwerfer nicht reichen, um sich der schnauzbärtigen Feinde zu entledigen, kann auf besonders effiziente Spezialmanöver zurückgreifen - die "Loco Moves". Die sind, wie der Name schon sagt, nicht nur verrückt, sondern auch extrem tödlich. Findet ihr eines der seltenen Loco-Power-Ups, könnt ihr Gegner z.B. dank des "Goldenen Schuss" mit einer Kugel töten, rennt mit "El Toro" wie ein wilder Stier durch die feindlichen Reihen oder mäht, Robert Rodriguez' "Desperado" lässt grüßen, als "Mariachi" mit zwei Gitarrenkoffern samt integrierten Maschinenpistolen den Zement aus den Wänden.

Chili con Carnage - Ballern bis der Daumen schmilzt! Dieses Action-Chili hat ordentlich Fleischeinlage.

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Ey, lass ma abhängen: Wer zuerst Höhenangst kriegt, hat verloren
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Natürlich ist der mitunter sehr ruppige Ton und gewalttätige Spielablauf, der bis auf Ballereien kaum bis gar keine anderen Inhalte bietet, moralisch recht fragwürdig. Für minderjährige Spieler ist Chili Con Carnage mit Sicherheit nicht zu empfehlen. Vor allem der Umstand, dass der Protagonist für besonders effektvolles Ausschalten seiner Gegner noch belohnt wird, dürfte Jugendschützern (und der BPjM) einiges Kopfzerbrechen bereiten.

Im Gegensatz zum indizierten Vorgänger verzichtet man jedoch auf allzu drastische Blutbäder. Erledigte Gegner verschwinden nach kurzer Zeit. Und auch überbordende Gewaltorgien im Blutrausch spart man sich dieses Mal.

Hast du Peperoni auf den Ohren?
Grafisch weiß Chili Con Carnage jedoch zu überzeugen: Die Figuren sind zwar mitunter etwas kantig, die Texturen ab und an recht trist, aber die Umgebung erstrahlt in gestochen scharfen, zum Teil quietsch-bunten Farben, die den comichaft abgedrehten Stil der wüsten Ballerei gekonnt einfangen. Dazu gibt's krachende Explosionen im Sekundentakt.

Chili con Carnage - Ballern bis der Daumen schmilzt! Dieses Action-Chili hat ordentlich Fleischeinlage.

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El Mariachi lässt grüßen: Mit zwei Gitarrenkoffern ballert man sich den Weg frei
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Das Ganze wird untermalt von heißen Latino-Rythmen und deftigem Mexiko-Hip-Hop, der dann und wann aus den Boxen der PSP dröhnt und den Coolness-Faktor noch mal erheblich steigert. Pate für die musikalische Untermalung standen unter anderem die Delinquent Habits, die schon im indizierten Vorgänger für süd-amerikanischen Flair sorgten.