Wunderschön. Mit einem langen „Ahhh“ und einem ernstgemeinten „Ohhh“. Wenn die Kreativität von Menschen sich gen Himmel schlängelt und die Wolken durchbricht, sind die so geschaffenen Kunstwerke oft von einem mysteriösen Leuchten umgeben. Fassungslos und mit offenem Mund sind viele dann nicht mehr imstande, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen und sie treiben mit diesem Meisterwerk auf Wolke 7.

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Eine Meinung – So sieht es aus

Dieses Gefühl kann man nicht erzwingen und wer beim Schaffen dieses Ziel vor Augen hat, kommt leicht vom eingeschlagenen Weg ab und verläuft sich in einem Wald aus Unsinnigkeiten. Es muss sich entwickeln, ausbreiten und im Herzen einnisten. Einige kleine Entwicklerstudios arbeiten noch so und haben daher Meisterliches abgeliefert. Andere halten sich an bekannte Muster für den schnellen Verkauf. Und auch damit kann man erfolgreich sein.

Doch was, wenn sich Spieleentwickler dazu entscheiden, beide Vorgehensweisen miteinander zu kombinieren? Den „Aha“-Effekt auf Gedeih und Verderb erzwingen wollen? Kann man Kunst wirklich planen? Kann man sich zum Ziel setzen, den geneigten Käufer zu erstaunen und es auch tatsächlich schaffen? Ihn geplant überraschen? Vielleicht ja. Aber nur mit einer Portion Glück.

Child of Light - Eine wunderschöne Fassade

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"Child of Light" ist wunderschön. Doch was kann es noch?
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Und diese Portion Glück kann Ubisoft jetzt wirklich gebrauchen. Denn „Child Of Light“ hat großes Potenzial. Doch es ist auch ein Kind, der systematisch durchgeplanten Verkaufsstrategie eines Konzerns, der aus dem Erfolg anderer zu lernen weiß. Eine Kombination, die selten zum gewünschten Erfolg führt, da die Enttäuschung oft viel größer ist, als bei anderen Titeln. Wer Großes verspricht und wunderschöne Bilder präsentiert, liefert besser auch ein Opus von schöpferisch erstklassigem Wert ab.

Und? Kann man das von „Child Of Light“ behaupten? Ohne Frage, sieht es fantastisch aus. Das ganze Spiel ist ein Kunstwerk. Ein zum Leben erwachter Traum, gemalt mit Buntstiften und kindlicher Fantasie. In seiner Schlichtheit so faszinierend, dass die ersten Trailer für Begeisterung, einem Lächeln im Gesicht und bei manch einem sogar für ein wohlig warmes Gefühl im Magen gesorgt haben.

Packshot zu Child of LightChild of LightErschienen für PC, PS3, PS4, Wii U, Xbox 360, Xbox One und PlayStation Vita kaufen: Jetzt kaufen:

Die Musikuntermalung? Wunderbar. Klassische Musik, die sich kunstvoll in ein Ganzes schmiegt und dem Spiel eine feine Note von Inspiration und liebevollem Gedankenspiel gibt. Akustik und Optik liefen bereits beim ersten Anspielen Hand in Hand und versprachen jeden, der die höheren Künste zu lieben weiß, bestens zu unterhalten.

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Die Musikuntermalung im Spiel ist ein Traum.
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Und wenn wir uns hier über ein Musikvideo unterhalten würden, wäre das auch alles was ich zu wissen bräuchte. Tolle Optik, toller Sound; was soll jetzt noch schiefgehen? Aber „Child of Light“ ist eine andere Art von Kunst. Es ist ein Videospiel. Und hinter den tollen Ideen und optischen Ablenkungen, darf man nicht den Kern eines Videospiels vergessen. Doch gerade hier schwächelt der Gesamteindruck.

So schön die Welten auch sind, so eintönig wirken sie. Ein heftiger Kontrast. Schönheit und graue Langeweile überschneiden sich, sorgen dafür, dass „Ahhh“ und „Hmmm“ sich abwechseln und lassen einen ratlos zurück. Der Titel sieht fantastisch aus, ja. Wenn man diesen Stil mag. Doch was in den ersten Leveln zu sehen war, ähnelte sich zu sehr um wirklich zu beeindrucken. Auch die schönste Welt verliert an Farbe, wenn sie viel zu klein wirkt.

Wunderschön, doch auch sehr eintönig.Ausblick lesen

Ein paar relativ leichte Rätsel, die (sehr coole) Fähigkeit mit dem niedlichen Hauptcharakter zu fliegen und Kämpfe, die sich in ihrem Ablauf und Schwierigkeitsgrad fast nie und wenn doch, zu gering unterscheiden. Hübsche Zaubereffekte und ein umfangreiches Levelsystem sind ja sehr nett … Doch wenn Langeweile aufkommt und man sich wünscht, schneller zu leveln, weil die momentanen Abläufe und Fähigkeiten zu simpel erscheinen. Dann muss das Spiel vielleicht etwas an Fahrt aufnehmen – Was jedoch nicht passiert.

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Leider wirkt "Child of Light" schnell recht ... eintönig.
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Zwar gefällt der ruhige, melancholische Aspekt des Spiels, doch das allein kann keinen Vollpreistitel stemmen. Das sollte zwar jeder für sich alleine entscheiden können und muss es letztendlich auch tun, doch ein Videospiel ist immer die Summe seiner Einzelteile. Und davon sind momentan nur Grafik/Effekte und die Sounduntermalung wirklich fantastisch. Alles andere lässt sich wie ein genervter Hund über den Teppich schleifen.

Die rundenbasierten Kämpfe laufen also fast immer gleich ab und lassen Umfang vermissen. Die Rätsel sind schlichtweg zu einfach und die Welt zu eintönig. Hinzu kommt die Übersetzung, die mich schockierte. Denn sie lies den Zauber und die Genialität ihrer Idee stets erahnen, doch niemals nachvollziehen.

Es sollte wohl romantisch, mysteriös oder einfach nur schön klingen, wenn sich die Charaktere in reimender Form - an Shakespeare erinnernd - unterhalten. Und auch wenn das im Original vielleicht so ist, in der deutschen Form war davon nicht mehr viel zu spüren. Zähflüssig lasen sich die Texte, merkwürdig kamen die vertonten Passagen rüber.

Eine Wertung – Im Detail betrachtet

Ein kleines Mädchen liegt krank im Bett. Der arme Vater bereits voll Trauer. Und dann ist das kleine Mädchen plötzlich nicht mehr da. Eine Metapher? Eine Versinnbildlichung der Dinge, die auszusprechen einfach zu traurig wäre? Aber mitnichten. Das Mädchen öffnet die Augen erneut. Nur nicht mehr in dieser Welt …

In einem märchenhaften Land erwacht die kleine Protagonistin mit den feuerroten Haaren. Gefangen in einer Umgebung, die sie nicht kennt, die sie nicht versteht. Doch es gibt einen Ausweg. Die böse Herrscherin des Reichs, die Königin der Nacht, muss aufgehalten werden. Und die kleine Aurora könnte nach Hause zurück. Ein Abenteuer muss beginnen. Ein Schicksal will erfüllt werden.

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Eine faszinierende Reise in einer erstaunlichen Welt.
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Bis zu diesem Punkt, ist „Child Of Light“ einfach nur wunderschön. Eine Ode an die Einfälle und Kreativität, zu denen Menschen im Stande sein können.

Ihr durchstreift fortan die fremde Welt und ergötzt euch an der bezaubernden Umgebung, die wirkt, als wäre ein Gedicht zum Leben erwacht. Untermalt mit wunderbarer, klassischer Musik. Bevölkert von Wesen und Menschen, die fremd, aber bezaubernd wirken.

Wenn ihr einem Wesen der Nacht begegnet, wechselt der Bildschirm in guter alter „Final Fantasy“-Manier und ein rundenbasierter Kampf beginnt. Leider laufen diese Kämpfe stets nach dem gleichen Schema ab: warten, bis man an der Reihe ist, Zauber oder Fähigkeit auswählen und dem Gegner den Hintern versohlen.

Netter Twist: ihr erreicht zuerst einen Punkt, an dem ihr eure Auswahl trefft. Je nach gewähltem Zauber/Fähigkeit/Objekt, braucht es nun noch eine gewisse Zeit, bis die Aktion ausgeführt ist. Wenn euch der Gegner in dieser Zeit seine Krallen um die Ohren haut, wird eure Aktion zurückgesetzt und ihr verliert eure Chance Schaden anzurichten.

Das Gleiche gilt natürlich auch für eure Feinde. Wer diesen Umstand geschickt ausnutzt, kann seine Widersacher schnell und einfach erledigen. Doch es fordert etwas Geschick und Übung, bis man den Dreh raus hat … Was leider nicht länger als eine knappe Stunde dauert. Danach laufen die Kämpfe alle nach dem gleichen Muster ab und es beginnt sich das erste Mal Langeweile einzustellen.

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Die Kämpfe lassen weitgehend Vielfalt vermissen.
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Der Rest eurer Reise besteht – Zumindest in der Anfangsphase des Spiels – aus Kugeln einsammeln, kleine Rätsel lösen, Kisten öffnen und durch die Gegend fliegen. Alles sehr schön und bezaubernd, keine Frage. Aber funktioniert diese Idee für ein ganzes Spiel? Was kommt da noch? Was soll euch Gamer bei Laune halten und für Langzeitspielspaß sorgen? Eine berechtigte Frage, wenn bereits nach einer Stunde das erste Achselzucken auf den Plan tritt.

Besonders negativ fiel auch das kleine Glühwürmchen auf, das euch von Anfang an begleitet. Irgendwie niedlich und mit einem traurigen, Mitleid erregenden Charme … Aber auch nervig. Um an manche Objekte zu gelangen, müsst ihr dieses kleine Wesen zusätzlich zu Aurora steuern, was sich als sehr umständlich erweist.

Seine Fähigkeit, die Gegner im Kampf zu blenden und damit ihre Aktionszeit zu verlangsamen, macht die Auseinandersetzungen mit den Kindern der Nacht noch einfacher, als sie eh schon sind. Und die ewige Reimerei mag im Ansatz ja sehr nett sein. Doch gerade in der deutschen Übersetzung wirkt es, als würde mich der Pumuckl begleiten. „Reim dich oder ich fress' dich“.

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Mit Pumuckl Rätsel lösen.
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Das Levelsystem ist eine recht „komplexe“ Ansammlung von Fähigkeiten und Zaubern, die eure Spielfigur und deren Begleiter dauerhaft verbessern. Diese wirkt sehr umfangreich und hält sicherlich noch einige nette Überraschungen parat. Vor allem, da der eingeschlagene Weg andere Optionen unerreichbar macht. Wie sehr sich die Entscheidungen letztendlich wirklich auf das Spiel auswirken, muss abgewartet werden.

Unterm Strich – und um auf die Einleitung der ersten Seite zurückzukommen – ist „Child Of Light“ ein bildschönes Gedicht. Aber kein Meisterwerk. Zumindest scheint solch starkes Licht bis jetzt noch nicht durch die leicht vergrauten Fenster der Erwartung. Echte Kunst sollte bis ins Detail verzaubern und nicht auf wenige Features vertrauen. Bis jetzt fasziniert die grafische Darstellung und die Sounduntermalung. Der Rest … ist so lala.