„Wie, was'n das für ein Spiel?! Man rauscht nicht mit Vollkaracho irgendwelche Pisten entlang, nirgends sind Hubschrauber zu sehen, ein Deckungssystem hat es auch nicht, das kann ja nichts werden!“ Ja, wir Spieler und auch Redakteure treiben gerne monate- oder auch jahrelang in der innovationslosen Industrieblase der Spieleszene, machen die immer gleichen Aliens nieder, wehren uns gegen karikativ übertriebene Unterdrücker-Regime und warten auf die nächste Grafikbombe.
Ein einzigartiger und audiovisuell umwerfend ästhetischer Trip, der für einen Vollpreistitel aber spielerisch und inhaltlich zu dünn auf der Brust ist.FazitDoch dann kommt ein kleines Studio auf die Idee, unserer Wahrnehmung einen Stock in die Speichen zu werfen, indem es einen besonderen Titel veröffentlicht. Einen Titel wie Flower oder Braid – oder eben Child of Eden.
Als in der Redaktion herumerzählt wurde, dass der musiklastige Rail-Shooter mit dem klangvollen Namen von Tetsuya Mizuguchi entworfen wurde, war eigentlich alles klar. Ein Spiel vom geistigen Vater von Rez bzw. seinem Studio Q Entertainment, in dessen Titel auch noch das Wort „Eden“ vorkommt? (Rez war seinerzeit auch als „Project Eden“ bekannt).
Bunt, bunt, bunt.Jupp, es ließ sich erahnen, was folgen würde. Ein Trip. Ein audiovisuell abgefahrener Trip, angefüllt mit abstrakt-minimalistischen Formen, leuchtenden Farben, japanischer Elektromucke und einer ästhetischen Güte, die wir niemals würden vollends in einem Test vermitteln können. Wir Redaktionsleute sind nun mal voller Vorurteile, die sich manchmal sogar bewahrheiten.
Wie etwa in diesem Fall, denn Child of Eden ist tatsächlich der geistige Nachfolger des Cyber-Flugsimulators Rez aus dem Jahr 2001. Auch spielerisch ähneln sich beide Titel stark, heute wie damals fliegen wir auf einer festen Schiene durch einen virtuellen Raum, während sich vor uns diverse Formen und stilisierte Lebewesen entfalten.
Diese Quallen, Rochen, Phoenixvögel, Wale und so weiter sind verschiedene Viren, die den menschlichen Computer Project Lumi befallen haben. Wir müssen die verschiedenen Ebenen von Lumi säubern, indem wir die diversen infektiösen Schädlinge mit zweierlei „Waffen“ beharken.
Und noch ein bisschen bunter.Zum einen können wir auf bis zu acht Ziele aufschalten und dann gleichzeitig zielsuchende Geschosse auf alle Viren abfeuern (spätestens hier entfleucht jedem Rez-Spieler ein „A-ha!“). Zum zweiten haben wir noch eine Art Maschinengewehr... -strahler... -gatling... -waffe, deren violette Projektile auch feindliche Raketen und ähnliche Gefahren, die uns entgegenkommen, vom VR-Himmel holen.
Besiegte Viren lassen zweierlei Power-ups fallen, eines füllt das Leben des Spielers auf, das andere ist Euphoria, eine Smart-Bomb, deren Benutzung einmal den Bildschirm sauberputzt. Im Gegensatz zu Rez, wo wir mit einem sich entwickelnden Avatar durch den Raum glitten, passiert bei Child of Eden alles aus der Ego-Perspektive.
Das eigentliche Ziel, abgesehen vom reinen Absolvieren des jeweiligen Levels, ist es, eine hohe Punktzahl zu erreichen, denn am Ende der Ebene werden dem Spieler bis zu fünf Sterne verliehen. Diese schalten, neben diversen Dekorationselementen für die Spielmenüs und Grafiken in einer Galerie, vor allem die nächsten Level frei.
Um aber dementsprechende Punktestände hinzulegen, muss man eine bestimmte Mechanik zunächst lernen, dann meistern: Markiert man acht Objekte und löst im Takt mit der elektronischen Hintergrundmusik den Schuss aus, dann hagelt es einen Punktebonus. Kann man dieses Kunststückchen wiederholen, geht der Multiplikator für die Wertung noch weiter nach oben. Je öfter, besser und regelmäßiger man diese rhythmische Attacke anbringt, desto höher klettert der Highscore.
Hat schon jemand bemerkt, wie bunt alles ist?Und... rein spielerisch war es das eigentlich auch schon. Der tatsächliche Reiz dieses Konzeptes entfaltet sich jedoch erst, wenn man glotzäugig und ungläubig vor der Mattscheibe sitzt und die Grundidee des Spiels realisiert. Child of Eden ist, wie auch schon Rez zuvor, ein synästhetisches Experiment. Tetsuya Mizuguchi ist seit jeher stärkstens daran interessiert, akustische und optische Erlebnisse möglichst eng miteinander zu verknüpfen. So kommt es, dass jede Aktion in Child of Eden, jeder Abschuss, jedes Aufschalten, jedes Power-up sowohl optisches als auch akustisches Feedback zum Spieler schickt.
„Höhö, na das ist ja'n toller Trick, das macht ein explodierendes Fass in einem Shooter auch!“, mag da mancher sagen. Aber besagtes Fass steht eben nicht in einer fluoreszierenden Cyber-Welt, irgendwo zwischen „Der Rasenmähermann“ und dem trippigsten Rave des Universums gefangen, begleitet von dem mal minimalistischen, bald wieder hart pumpenden Trance der Band Genki Rockets, deren fiktive Frontdame wiederum besagte Lumi ist. Wieso fiktiv? Weil ihre Schauspielerin zwar existiert, aber Lumi eine eigene Person mit Biographie ist... oder so. Fragt mich nicht, ich seh auch nicht durch.

Holgi29.06.2011 21:33
firsthomunculus26.06.2011 20:56
monnor22.06.2011 15:22
Lyasa22.06.2011 11:51
Rixe22.06.2011 11:30
Na der Tim!22.06.2011 10:52
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