Chibi-Robo (Gamecube Review)
von Jörg Pitschmann

Eigentlich müßte »Chibi Robo!« allen gamona-Schreiberlingen als Pflichttitel ans Herz gelegt werden. Denn das Spielziel klingt geradewegs so, als hätte es Boss Bayer persönlich formuliert: arbeite bis zum Umfallen und verbreite außerdem gute Laune.

Der Unterschied besteht freilich in der Art der Arbeit, denn während im Spiel ein kleiner, braver Roboter durch fröhliche, klaglose Hausarbeit seine Familie frohgemut stimmt, erfreuen wir unseren Chef durch fleißiges und vor allen Dingen termingerechtes Artikelschreiben. Für die niederen Hausarbeiten sind immer noch unsere Praktikanten zuständig.

Aber das ist eine andere Geschichte. Denn schließlich soll es hier um den neuesten, spaßigen Titel aus Nintendos Softwareschmiede gehen. Und so verbringt der Autor dieser Zeilen seine Zeit damit, in einem abgedunkelten, kalten Zimmer auf den Monitor zu starren und sich einen Text auszudenken, anstatt vor einer Großbildleinwand die nächsten Tore der WM zu bejubeln. Das Leben kann manchmal so grausam sein…

Familiensinn
Inhaltlich mag das Spiel so manchem Hardcorezocker fremdartig vorkommen. Kochen, Putzen, den Haushalt schmeißen - Dinge, für die normalerweise die Mutter und kleine Geschwister zuständig sind, bestimmen hier plötzlich das Leben. Und das soll man freiwillig in einem Spiel tun? Die Antwort ist: Ja, und es macht sogar viel Spaß. Denn mit »Chibi Robo!« liefern die emsigen Tüftler von Nintendo erneut einen Exklusivtitel für den Gamecube, in dem es von Ideen und schrägem Humor nur so wimmelt.

Chibi Robo - Kochen, Putzen, Aufräumen: Die Albträume aller Spieler können tatsächlich Spaß machen!

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Alles beginnt im Hause der Familie Sanderson. Mr. Sanderson, ein gutmütiger Tunichtgut, der gerade seinen Job verloren hat, hegt eine große Schwäche für Actionfiguren und verballert das letzte Geld für Spielzeuge. Seine Frau, die so gar nichts mit der Leidenschaft ihres Gatten am Hut hat, sorgt sich um die Zukunft der Familie und fungiert als Bedenkenträgerin aus dem Hintergrund. Töchterchen Jenny schließlich trägt eine merkwürdige Frosch-Kopfbedeckung und artikuliert sich ausschließlich mit Quak-Lauten. Und dann ist da noch Hund Tao, der stets und ständig eine Spur der Unordnung und des Schmutzes hinter sich herzieht. Kurzum, man muss die Sandersons einfach in sein Herz schließen.

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Denn ein Vater, der Actionfiguren und Spielsachen liebt, kann genausowenig ein schlechter Mensch sein wie eine Tochter mit Frosch-Tick oder eine Mutter mit sozialem Gewissen. Die Handlung beginnt an Jennys achtem Geburtstag, der im Familienkreis gebührend gefeiert wird. Und weil Töchterchen natürlich ein ganz besonderes Geschenk erwartet, hat Mr. Sanderson einen kleinen, acht Zentimeter großen Roboter samt Eigenheim besorgt, der von einem fliegenden Fernseher begleitet wird. Richtig geraten, hier kommt Chibi ins Spiel. Zusammen mit seinem Kumpel, der Flimmerkiste Telly Vision, wird er von nun an dafür sorgen, dass alle im Haus glücklich werden.Haushaltsführung
»Chibi Robo!« spielt ausschließlich im Haus der Sandersons. Zu Beginn gilt es, das nähere Umfeld zu erkunden. Denn das Eigenheim des kleinen Metallgesellen steht im Wohnzimmer, von wo aus er seine Erkundungsausflüge startet. Erst wenn man hier bestimmte Aufgaben gelöst hat, ist der Weg in andere Zimmer und den Garten des Anwesens frei. Damit man auch gleich einen Anreiz hat, sich möglichst gründlich umzuschauen, gilt es, jede Menge Müll aufzusammeln. Überall liegen Bonbonpapiere, kleine Zettel und ähnliches auf dem Boden. Die müssen eingesammelt und im Mülleimer deponiert werden. Außerdem kann man auf dem Boden verstreute Fußabdrücke des Hundes mit einer Zahnbürste wegpolieren oder Geldmünzen einsammeln, um die eigenen Reichtümer zu mehren.

Macht der kleine Metallgesell einen guten Job, werden die Sandersons immer zufriedener und glücklicher.Und das bedeutet für den Wohltäter viele sogenannte »Happy Points« und zusätzliches Geld, das später im Online-Shop benötigt wird, um Chibi neue Ausrüstung und Updates zu kaufen. Je mehr Glückspünktchen man sammelt, desto mehr steigt der Blechmann in der Rangliste der beliebtesten Haushaltsroboter nach oben. Und das bringt nicht nur Ansehen, sondern auch technische Vorteile, wie beispielsweise mehr Batteriepower. Hat man nämlich die benötigte Anzahl an Glücksmachern erreicht, wird Chibi mit der nächst stärkeren Batterie belohnt.

Die ist auch bitter nötig, denn leider verfügt der kleine Roboter zu Beginn offenbar nur über eine winzige Taschenbatterie, die er alle Naselang wieder aufladen muss. Steckdosen sind zwar reichhaltig im Haus verstreut, doch der permanente Blick auf den Akkuzustand bremst den Spielfluß ungemein. Denn besonders in der Anfangsphase bewegt sich Chibi nicht so zielgerichtet durch das Sanderson-Domizil, weil man die Örtlichkeiten noch nicht genau kennt.

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Und jeder Umweg kostet Energie. Das zehrt ein wenig an den Nerven, wird aber mit steigender Akkuleistung zum Glück besser. Da Chibi anfangs recht schnell auf der Erfolgsleiter nach oben klettert, bekommt man die erste stärkere Batterie schon nach kurzer Spieldauer. Für jede weitere werden dann immer mehr »Happy Points« fällig. Sollte der gute Blechkamerad einmal den Weg zur nächsten Steckdose nicht mehr rechtzeitig schaffen, macht er die Grätsche und wird von Mr. Telly in seinem Häuschen abgeliefert. Dort erwacht er leicht ramponiert und um ein wenig Kohle ärmer, aber ansonsten wohlauf.

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Insofern ist ein Blackout zwar ärgerlich, kostet aber nicht das virtuelle Leben. Das senkt das Frustrisiko und freut besorgte Familienväter und engagierte Pädagogen, die den Titel ihren lieben Kleinen vollkommen unbedenklich in die Wiege legen können.

Einfühlungsvermögen
Erfreulicherweise bekommt man sehr schnell ein gutes Gefühl für die Steuerung des kleinen Roboters. Schon nach kurzer Spielzeit dürften die Bewegungen und Aktionen des Helferleins in Fleisch und Blut übergegangen sein. Mit dem Analogstick läuft man, der C-Stick läßt die Kamera um den Silberling rotieren.

Mit A wählt man Gegenstände aus, setzt Ausrüstung ein oder springt in Gesprächen vorwärts. B bricht eine Aktion ab oder verstaut Gegenstände im Ausrüstungsmenü. X ist für den Inventarbildschirm zuständig, und mit Y gelangt man in die Ego-Perspektive. Die erleichtert das Identifizieren wichtiger Gegenstände, kann jedoch nicht zur Bewegung des Roboters genutzt werden.

Die rechte Schultertaste schließlich öffnet eine Übersichtskarte des jeweiligen Raumes, und mit dem Z-Button wirft sich der kleine Fidibus in Positur, wenn Das war's dann auch schon mit der Steuerung, die einem bereits nach wenigen Minuten gut von der Hand geht. Dafür mangelt es oft ein wenig an konkreten Aufgaben, die es zu bewältigen gilt. Wie schon erwähnt, zieht die mobile Blechbüchse anfangs nur im Wohnzimmer ihre Kreise. Die anderen Räumlichkeiten kann Chibi erst besuchen, wenn er im ersten Raum alle anstehenden Arbeiten erledigt hat. Welche das sind, erfährt man aber leider nicht unbedingt.Und so kann es passieren, dass man ein ums andere Mal durch das Zimmer irrt, ohne zu wissen, was als nächstes auf der Agenda steht. Nervig ist auch der ständige Tag- und Nachtrhythmus, der alle 15 Minuten für eine Zwangspause sorgt. Am Ende eines jeden Tages wird Chibi nämlich zurück in seine Hütte gebeamt. Dort gibt es einen kurzen Kassensturz, bei dem die aktuelle Punktzahl ermittelt und der aktuelle Rang auf der Roboter-Beliebtheitsskala angezeigt wird.

Leider gibt es keine Möglichkeit, diesen Zyklus zu verlängern oder durch Wegklicken zu verkürzen. Warum die Entwickler einen solchen Hemmschuh eingebaut haben, erschließt sich uns nicht wirklich. Schließlich kann sich Chibi an jeder Steckdose im Haus wieder aufladen und muss dazu nicht in seine Behausung zurückkehren. Außerdem birgt das Haus der Sandersons zwar eine Menge Geheimnisse - bedrohliche oder solche, die eine Flucht vor der Nacht rechtfertigen würden, sind jedoch nicht darunter.

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Es sei denn, man empfindet sprechende Spielzeuge als ernste Gefahr für Leib und Leben. er ein Kostüm angelegt hat.

Sprecherziehung
Eine der wichtigsten Aufgaben besteht darin, mit den diversen anderen Bewohnern des Hauses zu sprechen. Das funktioniert jedoch nicht ohne weiteres, sondern erfordert bestimmte Kostüme. So kann Chibi mit der quakenden Tochter nur reden, wenn er ein Froschkostüm überzieht. Das bekommt er allerdings erst, sobald er einen der süßen Grünlinge vor dem Austrocknen bewahrt hat. Familienhund Tao hingegen redet nur mit Chibi, wenn der sich als Hund kostümiert.Also sollte man alles tun, um an die diversen Verkleidungen zu gelangen, denn nur so hören Robbies Gesprächspartner auch zu. Je mehr unterschiedliche Kostüme man bekommt, desto einfacher gestaltet sich das virtuelle Leben. Ob dieses Prinzip auch im wahren Leben zu mehr Einvernehmen und Harmonie unter den Menschen führen würde, wissen wir nicht. Dass allerdings bei Beziehungsinhabern ein Anlegen unterschiedlicher Verkleidungen dazu führen könnte, dass die eigene Lebensabschnittsgefährtin endlich einmal zuhört, darf wohl ernsthaft bezweifelt werden. Dafür hat die Realität dem Spiel etwas voraus, was eine verbale Kommunikation überhaupt erst ermöglicht: die Sprache.

Die ist bei »Chibi Robo!« nämlich alles andere als gelungen und erinnert mit ihrem nervigen Phantasiegebrabbel entfernt an das berüchtigte, sinnfreie Sims-Gestammel. Dafür sind allerdings die Bildschirmtexte sehr gut gelungen. Ärgerlich nur, dass die Textpassagen durch Klicken auf den A-Button von Hand weitergescrollt werden müssen. Das und die etwas anstrengende Sounduntermalung können bei empfindlichen Zeitgenossen für eine leichte Nervenüberreizung sorgen.

Leider ist auch die Grafik nicht ganz auf dem Stand der aktuellen Möglichkeiten. Natürlich kann man bei einem Gamecube-Titel keine Xbox360-Highend-Bilder erwarten, doch Nintendos Würfel kann entschieden mehr, als die hier gezeigte Klötzchengrafik vermuten lässt. Das ist schade, denn es schmälert den an sich sehr guten Eindruck, den das Spiel bei uns hinterlassen hat.

Dies und die angesprochenen kleineren Macken verhindern deshalb auch ganz knapp, dass »Chibi Robo!« einen der weltweit begehrten, weil einzigartigen, gamona-Awards erhält. Wer sich daran jedoch nicht stört, den erwartet ein höchst unterhaltsamer und origineller Titel, der Gamecube-Besitzern allemal Freude bereiten dürfte. Und mit ein bißchen Glück klappt's hinterher auch besser mit der Hausarbeit.Also sollte man alles tun, um an die diversen Verkleidungen zu gelangen, denn nur so hören Robbies Gesprächspartner auch zu. Je mehr unterschiedliche Kostüme man bekommt, desto einfacher gestaltet sich das virtuelle Leben. Ob dieses Prinzip auch im wahren Leben zu mehr Einvernehmen und Harmonie unter den Menschen führen würde, wissen wir nicht. Dass allerdings bei Beziehungsinhabern ein Anlegen unterschiedlicher Verkleidungen dazu führen könnte, dass die eigene Lebensabschnittsgefährtin endlich einmal zuhört, darf wohl ernsthaft bezweifelt werden. Dafür hat die Realität dem Spiel etwas voraus, was eine verbale Kommunikation überhaupt erst ermöglicht: die Sprache.

Die ist bei »Chibi Robo!« nämlich alles andere als gelungen und erinnert mit ihrem nervigen Phantasiegebrabbel entfernt an das berüchtigte, sinnfreie Sims-Gestammel. Dafür sind allerdings die Bildschirmtexte sehr gut gelungen. Ärgerlich nur, dass die Textpassagen durch Klicken auf den A-Button von Hand weitergescrollt werden müssen. Das und die etwas anstrengende Sounduntermalung können bei empfindlichen Zeitgenossen für eine leichte Nervenüberreizung sorgen.

Leider ist auch die Grafik nicht ganz auf dem Stand der aktuellen Möglichkeiten. Natürlich kann man bei einem Gamecube-Titel keine Xbox360-Highend-Bilder erwarten, doch Nintendos Würfel kann entschieden mehr, als die hier gezeigte Klötzchengrafik vermuten lässt. Das ist schade, denn es schmälert den an sich sehr guten Eindruck, den das Spiel bei uns hinterlassen hat.

Dies und die angesprochenen kleineren Macken verhindern deshalb auch ganz knapp, dass »Chibi Robo!« einen der weltweit begehrten, weil einzigartigen, gamona-Awards erhält. Wer sich daran jedoch nicht stört, den erwartet ein höchst unterhaltsamer und origineller Titel, der Gamecube-Besitzern allemal Freude bereiten dürfte. Und mit ein bißchen Glück klappt's hinterher auch besser mit der Hausarbeit.