Wenn unser Adventure-Spezialist Matthias ein Daedalic-Spiel an mich abtritt, hat er immer so einen schmerzhaften bis ungewissen Gesichtsausdruck. Der Grund ist, dass ich vor Äonen mal gewagt habe, in meiner insgesamt sehr positiven Vorschau zu „Harveys neue Augen“ die morbiden Aspekte des Spiels zu kritisieren, und seitdem irgendwie den Ruf weghabe, Daedalic nicht zu mögen.
Länger, besser, größer, schöner – wie soll der dritte Teil das nur steigern?FazitNichts könnte von der Wahrheit entfernter sein, aber der Ruf festigte sich, als Daedalic Deponia veröffentlichte, eine Science-Fiction-Klamotte auf einem Planeten aus Schrott. Die war mir nun wieder nicht kantig genug, zu seicht, charakterlich zu tief gestapelt. Ich gebe zu, man hat es nicht leicht mit mir.
Doch nun ist der zweite Teil der als Trilogie angelegten Reihe erschienen und... und ich habe nichts zu meckern. Das ist für einen Redakteur quasi ein Todesurteil, Meckern ist unser raison d'être, der Grund, warum wir morgens aufstehen oder betrunken aus dem Bett fallen. Es muss was Schlechtes da sein, muss, muss, muss! Begleitet mich also hier und heute auf der Suche nach einem Makel in einem anscheinend makellosen Adventure, verratet mir aber nicht, wen ihr heimlich bei diesem Wettstreit anfeuert – das verkrafte ich nicht.
Es geht zurück nach Deponia.Die Handlung setzt an, wo der Vorgänger aufhörte. Der sympathische Hobbybastler und Vollzeitversager Rufus hat die Elysiumselfe Goal mit der Information zur Rettung des Planeten Deponia auf den Heimweg geschickt. Sie soll verhindern, dass Deponia in die Luft gesprengt wird, indem sie bezeugt, dass es dort Leben gibt, doch der militärische Geheimdienst Organon will die Sprengung um jeden Preis durchsetzen. Rufus hingegen bleibt bei seinen Leisten: Er versucht weiterhin mit verrückten Erfindungen, das paradiesische Elysium zu erreichen.
Prompt zerstört er mit seinem ersten neueren Versuch die Fluchtkapsel von Goal und holt die Dame wortwörtlich auf den Boden zurück. Abermals ist ihr Implantat beschädigt und Rufus muss sich um die Reparatur bemühen, was aber ungleich komplizierter ist als beim letzen Mal. Als er es dann endlich doch schafft, reagiert Goal ganz und gar nicht so dankbar, wie er gehofft hatte. Doch ohne sie und die Informationen in ihrem Kopf ist Deponia verloren.
Fans merken schnell, dass das praktisch dieselbe Handlung wie beim ersten Teil ist, und warum auch nicht? Wenn der Plot von Deponia eine Schwäche hatte, dann jedenfalls nicht, dass er uninteressant oder langweilig gewesen wäre. Vielmehr ärgerte man sich darüber, dass zahllose Fragen aufgeworfen und aber kaum Antworten gegeben wurden. Erste Entwarnung: Die Geschichte entfaltet sich nicht nur ganz anders als beim Vorgänger, vor allem viel zügiger, sondern erzählt uns auch mehr über die Welt, lässt uns weiter reisen und besser verstehen, worum es überhaupt geht.
Die Hintergründe sind wie immer detailverliebt gestaltet.Die wahre und größte Freude an „Chaos auf Deponia“ ist, dass Daedalic uns zugehört hat. Wir, sowohl die Spieler als auch die Tester, hatten ja eigentlich wenig auszusetzen, aber selbst das wollten die Hamburger nicht auf sich sitzen lassen. Also schraubten und tüftelten sie, um jede kleine Schwachstelle nicht nur auszubügeln, sondern, so irre das klingen mag, in eine Stärke zu verwandeln. Feststellung die Erste: Es gibt Antworten auf die Kernfragen des ersten Teils, allerdings nicht so viele, dass die Spannung auf den obligatorischen dritten Teil verloren ginge. Eine perfekte Balance.
Mir persönlich ein Dorn im Auge waren die Figuren des ersten Teils, von denen ich die meisten bereits wieder vergessen habe. Abgesehen von den Hauptdarstellern, von denen eine bestimmte Dame auch noch größtenteils bewusstlos war, gab es kaum mal jemanden, der so richtig an den spleenigen, wenn auch urgermanischen Piefcharme der Edna- und Harvey-Ära heranreichte. Aber Deponia war nun auch ästhetisch ein völlig anderes Werk und musste vielleicht erst zu sich finden.
Gefunden! Chaos auf Deponia ist, das fällt schnell auf, bereits wesentlich bevölkerter und lebendiger als noch sein Vorgänger, was nichts wert wäre, wenn die Figuren nicht vor Persönlichkeit und Humor strotzen würden. Doch zu den alten Bekannten gesellen sich so viele Freaks, Loser und torpedobewehrte Delfine, dass es eine wahre Freude ist. Ich könnte jetzt anfangen aufzuzählen, aber dann wären wir alle morgen noch hier.
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Es ist definitiv kein schlechtes Spiel, das war auch Teil 1 nicht, es verfehlt nur meine Wellenlänge. Auch die Grafik ist nicht mein Fall. Nicht weil sie schlecht wäre, mir gefällt einfach der Stil nicht sonderlich und das ganze Müllplanetenszenario find ich relativ blah. Ausserdem find ichs schon lange schade, dass in Adventures seit Jahren hauptsächlich auf Humor und Skurrilität gesetzt wird...
Für mich ist das bisherige Adventure des Jahres daher klar Satinavs Ketten.
(Dafür bin ich sehr gespannt auf Rabbit's Apprentice).
aber , dass das Gerne wieder aufblüht.
hm offenbar langsam heute...
Zur Stelle.
Aber was will ich schon dazu sagen, ich lese mir den Test erst ganz durch, wenn ichs gespielt hab (Spoiler) und erhalten tu ichs anscheinend erst am 13.10. hier.
hm offenbar langsam heute...