Ihr hasst große goldgelockte Hünen, die schmachtende Prinzessinnen aus den Verliesen grimmiger und gemeiner Zauberer befreien? Ihr seid Märchenkönigreiche leid, in denen ein guter König über ein friedfertiges Fantasy-Reich regiert? Dann schnappt euch einfach selbst das Zepter und lasst euren königlichen Unmut mit viel Schabernack und Bösartigkeiten an euren rebellierenden Untertanen aus. Klein, giftig und gemein: So ist Ceville. Dem Spiel, welchem der kleine König in einem unbedachten Moment der Großmütigkeit seinen Namen lieh, kann man das aber nicht nachsagen.

Da sitzt man gemütlich auf seinem Thron, lässt den lieben Teufel einen guten Mann sein und dann das: Man muss sich um die kleingeistigen Streitigkeiten der Bewohner seines eigenen kleinen Reiches kümmern. Der etwas kurz geratene Ceville greift also flugs zu den Beschwerdebriefen. Die drei kleinen Schweinchen sind mal wieder im Streit mit dem großen bösen Wolf. Und schon sind wir gefragt und müssen die erste Entscheidung im Spiel fällen. Was soll mit den Streithähnen geschehen?

Ceville - Be Evil!Ein weiteres Video

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Wo andere Spiele euch vielleicht ein paar uninteressante Optionen bieten, könnt ihr hier so richtig den Tyrannen raushängen lassen. Wir haben uns einfach einmal für die Option „Wolf und Schweinchen werden zu lebenslanger Zwangsarbeit im Bergwerk verdonnert“ entschieden. Und siehe, der nächste Beschwerdebrief ist damit auch schon bearbeitet, denn dort fordert ein Minenvorsteher weitere Arbeitskräfte an.

Ceville - Rätselspaß mit giftigem Gnom

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So kanns gehen. Gestern König, Heute Gefangener.
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Aber natürlich ist nicht alles so simpel im Leben eines raffgierigen Herrschers und so kommt es wie es kommen muss. Der Pöbel (neudeutsch: die Einwohnerschaft des Reiches) rebelliert. So schnurstracks geht denn das Adventure auch zu Werke und wirft euch mitten ins Geschehen. Da ihn selbst seine Wachen verraten haben begibt sich Ceville auf ein skurriles Abenteuer, um seinen Thron zurück zu erobern.

Zunächst einmal ein paar grundlegende Dinge. Ceville erfindet das Rad nicht neu. Interaktion verschiedener Charaktere, Kombination von Inventarobjekten oder abgedrehte Dialoge gab es schon bei der Konkurrenz zuhauf. Trotzdem verspricht Ceville ein spritziger Vertreter seines Genres zu werden.

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Die Arme sind deutlich zu kurz. Charakterinteraktion heißt das Zauberwort.
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Zum Beispiel verzichtet der Titel größtenteils auf längere Zwischensequenzen und bleibt stets in der schicken Spielgrafik, um euch möglichst selten das Gefühl zu vermitteln, das königliche Handlungsszepter aus der Hand geben zu müssen. (Ceville verfügt übrigens von Anfang an über ein solches – das so genannte Multifunktionszepter zum Erreichen hoher Gegenstände, welches auch als Hebel einsetzbar ist.)

Held wider Willen

Das Gegenbild zum großen strahlenden Helden zu sein, bringt leider einige Nachteile mit sich. So ist Ceville eine viel zu kleine Witzfigur, um an einige Gegenstände zu gelangen. Hier schaffen Nebencharaktere Abhilfe, die ihr im Laufe des Spiels antrefft. So wird Ceville schon nach kurzer Spieldauer eingekerkert und kommt mit Hilfe eines Mädchens namens Lilly wieder frei.

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Lilly und Ceville helfen LeChuck im Urlaub bei der Schatzsuche.
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Fortan begleitet ihn die Gute und setzt seinen fiesen verbalen Attacken in allerlei Situationen ein gutes Gewissen entgegen. Ob sich Ceville davon beeindrucken lässt, wird sich erst im Test zeigen. Wir können euch aber jetzt schon sagen, dass lebendige Charakterisierung kein Fremdwort für die Entwickler ist.

Ganz ohne echten Bösewicht möchte auch dieses Spiel nicht auskommen und so enthüllt das Spiel alsbald eine Verschwörungs, deren Fäden vom ehemaligen Hofmagier Cevilles gezogen werden. So müsst ihr dann das von allerlei skurrilen Kreaturen bevölkerte Reich vor wirklich Schlimmem bewahren.

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"Mein Name ist Diablo und ich glaube manchmal, dass alle mich töten wollen."
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Denn gerade die Nebendarsteller sind es, die das Adventure schon jetzt liebenswert erscheinen lassen. Eine Selbsthilfegruppe für verschiedene Erzschurken anderer Spiele parodiert da schon einmal Diablo und Monkey Island in einem und die ständig in Wirtschaftsdeutsch redenden Zwerge und Öko-Elfen bringen Alltagsthemen witzig verpackt im Spiel unter.

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

Bei all der nett gemeinten Dialog- und Spielvielfalt in prächtigen Schlössern, zwergisch technisierten Bergwerken, unheimlich-skurrilen Friedhöfen und Urlaubsoasen zeichnet sich aber schon jetzt ein Trend ab, der sich im Spielverlauf hoffentlich nicht verstärken wird. Die Dialoge sind teils etwas langatmig ausgefallen und reiten bisweilen auf Klischees herum.

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Schick und abgedreht: Die CO2-neutrale Pilzbauweise.
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Die Qualität der Spracheinblendungen und bissigen Charakterkommentare eines „Edna bricht aus“ scheint hier zwar nicht erreicht zu werden, aber immerhin wird es wohl für solide Unterhaltung reichen. Dafür schmeichelt die Grafik aber schon jetzt dem Auge. Auch wenn die von uns gespielte Version grafisch noch nicht final war, kann Ceville mit detaillierten, witzig animierten Figuren aufwarten, die sich mit der schön modellierten 3D-Umgebung wie aus einem Guss zusammenfügen.

Die Rätsel schienen uns ebenfalls größtenteils ausgereift und auch mit einer genügenden Portion Abgedrehtheit versehen. Schließlich kann man nicht alle Tage einen kleinwüchsigen Herrscher per Hängemattenkatapult in ein Fenster feuern. Da kündigen sich noch weitere witzige Aktionen an.