Untertanen ausbeuten, Prinzessinnen rauben, Zombiearmeen herbei beschwören und sich am Ende von einem strahlenden Helden mit einem +3 Schwert des Dämonenschlachtens über den Jordan befördern lassen – zumindest vorläufig, bis die Fortsetzung beschlossene Sache ist – all das dürfte in der Jobausschreibung zum fiesen Tyrannen zu lesen sein, nur eines nicht: als Held eines Adventurespieles die Welt retten. Doch Ceville stellt gängige Fantasy-Regeln auf den Kopf.

Fiese Rätsel? Unsere Ceville Komplettlösung hilft.

Ceville - Be Evil!Ein weiteres Video

Zu Beginn ist die Welt für Ceville noch in bester – respektive schlechtester – Ordnung: Als despotischer Herrscher über das Königreich Faeryanis verbreitet der üble Giftzwerg Angst, Schrecken und Steuererhöhungen. Weil der böse Wolf ihr Haus zerstört hat, verklagen ihn die drei kleinen Schweinchen. Weil diesem dabei ein Dachziegel auf den Kopf gefallen ist, verklagt der Wolf wiederum die Schweinchen. Der Spieler soll als Ceville den Urteilsspruch fällen – wir entscheiden uns dafür, beide einzukerkern. In dieser kurzen Einführung geben Ceville und das Spiel gleichen Namens ihre Marschrichtung vor – hier entscheidet ihr, ob ihr fies, fieser oder lieber so richtig gemein sein wollt.

Ceville - Fantasy-Parodie: Guybrushs fieser Vetter rettet die Welt

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Ceville auf dem Thron: Noch ist die Welt in schlimmster Ordnung.
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Doch das Leben zwischen Bosheit und Machtmissbrauch nimmt ein jähes Ende, als die Bürger von Faeryanis rebellieren und ihren einstigen Tyrannen in den Kerker sperren. Was sie jedoch nicht wissen: Der Putsch wurde im Hintergrund vom noch viel übleren Zauberer Basilius initiiert, der im Geheimen finstere Pläne für das Märchenland schmiedet. Für Ceville kann das nur eines bedeuten: Raus aus dem Knast, rauf auf den Thron, um Schlimmeres zu verhindern.

Unterstützung erhält er dabei natürlich vom Spieler – und von der kleinen Fee Lilly, die Ceville als das kleinere der zwei großen Übel ausgemacht hat und ihm daher bei der geplanten Thronwiederbesteigung unter die Ärmchen greift. Im späteren Spielverlauf gesellt sich zu der unfreiwilligen Gemeinschaft noch der eitle Paladin Ambrosius, der den Großteil seiner Zeit mehr an seiner Fönfrisur als an Heldentaten interessiert ist.

Packshot zu CevilleCevilleErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Der Imperator schlägt zurück

Dem Gefängnis entflohen, steht Ceville auf seinem Weg zur Machtergreifung allerdings das schrecklichste Monster im Weg, das sich kein Fantasy-Autor je hätte ausdenken können: die Bürokratie. Um einen neuen Herrscher zu wählen, müssen wir nämlich erst einmal alle Ratsmitglieder aus den entferntesten Ecken des Fantasy-Reiches zusammen trommeln…

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Le Chuck und der Dungeon Keeper in der Therapie: Der Humor lebt von den zahlreichen Anspielungen.
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Die meiste Zeit des Spiels steuert ihr Ceville und Lilly im Doppelpack, als wären sie ein einziger Charakter. Nur bei den Dialogen habt ihr die Wahl, ob ihr in Ceville-Manier einen gehässigen Kommentar von euch gebt oder lieber euer gutes Gewissen in Form von Lilly sprechen lasst. Gelegentlich trennen sich kurzzeitig ihre Wege – dann erlebt ihr das Geschehen wie Jack „24“ Bauer im Splitscreen. Im letzten Kapitel könnt ihr schließlich wie im Klassiker Day of the Tentacle zwischen dem kompletten Dreiergespann Ceville, Lilly und Ambrosius hin und her schalten und müsst die Rätsel im Team lösen.

Das ganze Spiel lebt denn auch von dem ungleichen Gespann und dem anhaltend bissigen Schlagabtausch zwischen den gegensätzlichen Charakteren. „Verbrechen lohnt sich nicht! Da mache ich nicht mit“, ermahnt Lilly etwa ihren Counterpart, als dieser gerade im Begriff ist, einen Kaugummi-Automaten zu knacken. „Umso besser“, erwidert dieser. „Dann kannst du Schmiere stehen.“ Leider kommt Cevilles Schnotterschnauze dabei jedoch nur selten an den hintersinnigen Zynismus der „Sam & Max“-Verbalattacken auf den guten Geschmack heran.

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Eine der originellsten Szenen: Ceville tritt im Torwandschießen gegen die Schweizer, äh, Druiden an.
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Ein Großteil des Humors speist sich dann auch aus gefälligen Anspielungen auf die Film-, Fernseh- und Spielewelt: Im Theater suchen lästermaulende Juroren nach dem „ShowStar“, ein Pirat auf „Schaaatzzz“-Suche krächzt wie Gollum nach seinem Objekt der Begierde, und der Horny aus Dungeon Keeper sitzt zusammen mit „Monkey Island“-Bösewicht Le Chuck in der Selbsthilfegruppe für anonyme Ex-Übeltäter, wo sie von der guten Fee zu ekligen Gutmenschen umerzogen werden.

Ceville verkocht sämtliche Zutaten guter Adventure-Spiele zu gelungener Genre-Kost, der jedoch der Beigeschmack des Formelhaften anhaftet.Fazit lesen

Seine besten Momente hat Ceville, wenn es sich weniger in einer Nummernrevue verballhornter Vorbilder ergeht, sondern einschlägige Genre-Standards gegen den Strich bürstet: So entpuppen sich die Elfen als militante Öko-Hippies, die heute gegen das Waldsterben demonstrieren und morgen vermutlich das Dosenpfand erfinden. Die Zwerge sind raffgierige Business-People, die ihre Sparbücher ebenso pflegen wie ihre Anglizismen. Am besten gefallen haben uns die Druiden mit schweizer Akzent, die sich – wäähhrr hat’s erfunden? – als Meister im Fußballspielen erweisen. Welchem Zweck sollten die seltsamen Stonehenge-Skulpturen sonst dienen wenn nicht als Fußballtor?

Die Drei von der Ankhstelle

Die Rätsel bewegen sich in einem gesunden Mittel zwischen clever ausgedacht und haarsträubend. Um einen Hamster aufzuwecken müssen wir beispielsweise einem Papagei beibringen, den Gongschlag einer Pendeluhr zu imitieren. Solcherlei Rätsel sind nur durch reines Ausprobieren zu lösen. Zumal das Spiel entscheidende Hinweise auf die aktuelle Aufgabe und deren Lösung gerne vermissen lässt, weswegen wir nicht selten zum Blick in die Komplettlösung verführt waren.

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"Mein Sssschaaatzzzz!" Der Herr der Ringe ist bevorzugtes Ziel der Humorattacken.
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Hinzu kommt, dass Gegenstände nicht selten ungeschickt in der dreidimensionalen Raumarchitektur platziert sind. Wir empfehlen gegen solcherlei Symptome die systematische Einnahme des Hotspot-Gegenmittels per Leertaste. Lobenswert: Auf Wunsch lassen sich dabei auch mögliche Gegenstandkombinationen farblich hervorheben. Sollte der Schlauch unter euren Füßen, also einmal knapp vorm Platzen stehen, schrumpft er auf die Weise wieder auf ein erträgliches Maß zusammen.

Leider lässt Ceville viel Knobel-Potenzial ungenutzt: Die Teamwork-Passagen können mit den brillant verschachtelten Abenteuern des „Day of the Tentacle“-Trios nicht mithalten, die Splitscreen-Szenen sind ein netter Gag, aber spielerisch unbedeutend. Gelegentlich müsst ihr auch Rätsel unter Zeitdruck lösen, etwa dann wenn Lilly die Sekretärin kurzzeitig zum Kaffeekochen wegbeordert und Ceville unterdessen ihren Schreibtisch durchwühlt, während ein Countdown unerbittlich tickt. Doch keine Angst vor Stressmomenten: Wer nicht rechtzeitig fertig wird, der erhält bei jedem weiteren Versuch mehr Zeit zugesprochen.

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Zwerg Rushmore: eine der schönsten Grafiken im Spiel.
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Der Grafik ist die Verwandtschaft zu Genre-Vetter und Engine-Bruder Ankh deutlich anzumerken. Auch der Comic-Look von Charakterkopf Ceville und seinen Untertanen – bzw. Kurzzeit-Mitbürgern – orientiert sich am Vorbild und ist wunderbar getroffen. Nur manche Gebäude wirken mangels feiner Texturen und Filtereffekte, als seien sie aus Origami-Papier. Der aus Ankh bekannte Glüheffekt auf den Oberflächen zeigt sich merkwürdigerweise (und meist etwas übertrieben) nur in der Nahansicht, was einen unschönen Bruch hervorruft.

Makellos hingegen die Vertonung: Giftzwerg Ceville spricht mit der deutschen Stimme von Joe Pesci (Goodfellas, Lethal Weapon). Auch die anderen Charaktere sind überzeugend, insbesondere die schwierig zu besetzende Rolle der Lilly, die genau den richtigen Tonfall zwischen gutherzig, aber bestimmt, naiv, aber aufgeweckt trifft. Die Musik geht ins Ohr, hält sich aber unaufdringlich im Hintergrund.