Die Softwarepiraterie ist für die Spieleindustrie immer wieder ein Streitpunkt. Regelmäßig wechselt der Schwarze Peter vom Gebrauchtspielemarkt zu den nicht käuflich erworbenen Kopien der Spiele. Nun meldet sich CD Projekt zu Wort, deren Fazit lautet: Softwarepiraterie führt nicht zu Verlusten beim Verkauf!

CD Projekt RED - Softwarepiraterie führt nicht zu Umsatzverlusten

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Anfangs war The Witcher 2 mit DRM ausgestattet, wurde aber inzwischen davon befreit.
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Dafür sind die verschiedenen Kopierschutzmechanismen aber durchaus ein Grund für die Spieler, sich über sie zu ärgern. Das zumindest sagt Guillaume Rambourg, Managing Director für GoodOldGames. Ihn überraschte es nämlich, dass nicht etwa die DRM-freie Version von The Witcher 2: Assassins of Kings, sondern die Retail-Version mit DRM am meisten illegal kopiert wurde.

Die Gründe dafür sind, laut Rambourg und CD Projekts Geschäftsführer Marcin Iwinski, nicht etwa das Filesharing, sondern vielmehr die Anerkennung, die man dafür erhält, wenn man den Kopierschutz eines Spiels knackt.

"Wir erwarteten, dass die GOG.com-Version sofort kopiert wird, sobald sie veröffentlicht würde. Praktisch jeder hätte es direkt nach dem Release von GOG.com herunterladen und es direkt auf illegalen Seiten veröffentlichen können, aber genau das ist nicht passiert. Ich vermute, dass es nicht das große Ding ist, ein Spiel zu verbreiten, das gar nicht geschützt ist. Man muss es schon cracken, um den Respekt dafür zu bekommen und schreiben zu können 'gecracked von XYZ‘. Wie würde sich auch 'nicht gecrackt von XYZ, weil da nichts zum cracken war‘ anhören? Ein bisschen dämlich oder nicht?"

"In der illegalen Szene geht es meist m das Spiel und die Ehre: Wer wird der erste sein, der das Spiel liefern kann und wer ist der beste und intelligenteste Cracker? Die DRM-freie Version auf GOG.com passt dazu nicht all zu gut."

Erst im Dezember ermittelte Iwinski, dass das Spiel über 4,5 Millionen Mal illegal kopiert wurde und bis jetzt dürfte die Zahl vermutlich signifikant gestiegen sein. Trotzdem führen diese Zahlen noch nicht zu einem Verlust bei den Verkäufen, wenn es nach CD Projekts Geschäftsführer geht.

"Es verwirrt mich wirklich, wie seriöse Softwarefirmen annehmen können, dass jede illegale Kopie ein Verlust bei den Verkäufen sei. Möglicherweise sieht es ganz nett in den offiziellen Berichten aus, wenn man sagt, wie bedrohlich Softwarepiraten sind, aber das ist extrem weit weg von der Wirklichkeit."

"Es wäre besser, wenn ein großer Teil dieser 4,5 Millionen kopierten Versionen als eine Art von Testversion angesehen würden oder sogar als Demo. Spieler laden sie runter, weil es einfach, schnell und natürlich kostenlos ist. Wenn sie das Spiel mögen und anfangen Zeit zu investieren, dann werden einige losgehen und es kaufen. Beim ersten Teil von The Witcher wurden bis jetzt 2,1 Millionen Kopien verkauft und es macht sich immer noch gut, obwohl es schon fünf Jahre alt ist."

Weiterhin geht Iwinski davon aus, dass DRM keine Zukunft haben wird. Es wäre nur eine Technologie, die dazu gedacht war, die Investitionen einer Firma zu schützen, nicht nur, um innerhalb von ein paar Stunden nach der Veröffentlichung gehackt zu werden. Aber es macht nichts anderes, als die Konsumenten zu entfremden.

"In den meisten Fällen muss der Nutzer eine Seriennummer eingeben, seine Maschine bestätigen und mit dem Internet verbunden sein, während er die Authentifizierung durchführt - und wenn möglich, dann sogar wenn sie das Spiel spielen, das sie gekauft haben. Ziemlich oft verlangsamt der Kopierschutz das Spiel, weil die Ummantelung um die ausführbaren Dateien herum immer wieder überprüft ob das Spiel legal benutzt wird oder nicht."

"Darüber regen sich eine ganze Menge ehrliche Kunden auf, während diejenigen, die eine illegale Version herunterladen, eine saubere - und damit deutlich funktionalere - Version des Spiels haben. Es scheint verrückt zu sein, aber das ist genau die Art, auf die es wirklich läuft."