Wie heißt es so schön: Der Weg vom Vertrauen zum Misstrauen ist nur ein Seitensprung. Da kann der arme Vincent ein Lied von singen. Vielleicht wäre sein Leben nicht ganz so schlimm, wenn er sich am nächsten Tag wenigstens noch an sein verbotenes Vergnügen erinnern würde...

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Gefangen im persönlichen Albtraum

So ist es nun mal. Immer wenn man denkt, nun kann es eigentlich nicht schlimmer werden, breitet das Schicksal die Arme aus, nur um sie dir links und rechts auf die Wangen knallen zu lassen. So, oder so ähnlich fühlt sich auch der Protagonist aus "Catherine".

Gerade eben führte Vincent noch ein behagliches Leben. Abends mit guten Freunden einen trinken gehen, am Tag einem anständigen Beruf nachgehen, und in den restlichen Stunden verbringt er eine schöne Zeit mit seiner langjährigen Lebenspartnerin Katherine. Doch als diese plötzlich mehr Verantwortungsbewusstsein von ihm verlangt und Anspielungen auf Ehe und Kinder macht, zittern dem Mittdreißiger die Knie.

Catherine - Mutig und kompromisslos anders

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Versteht die Welt nicht mehr: Vincent.
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Das ist auch der Moment, als seine Albträume beginnen. Zusammen mit einem Haufen ängstlicher Schafe muss er mit Geschick und etwas Glück und gekleidet in nicht mehr als eine Unterhose eine Art Turm erklimmen. Zeit, über seine Situation und die Bedeutung des Traums nachzudenken, hat er nicht. Unter ihm bricht alles zusammen und wenn er stürzt... Nun, man erzählt sich, dann würde er auch in der normalen Welt sterben.

Als wäre das alles nicht schon schrecklich genug – Bindungsängste, Schafe und der drohende Tod –, nein, da wacht er am nächsten Morgen neben einer bezaubernden jungen Frau auf, mit einem Lächeln, das die Welt noch nicht gesehen hat – und er kann sich an nichts erinnern! Welch unfaire Welt.

Hier beginnt das wunderbar alternative Rätselspiel "Catherine". Ein Mann mit Beziehungsproblemen, hin und her gerissen zwischen zwei schönen Frauen. Während um ihn herum immer mehr Männer von einem seltsamen Fluch befallen werden, der scheinbar nur untreue Männer in den Tod reißt, und die Stadt bereits vom "Zorn der Frau" spricht, wagt Vincent den gefährlichen Drahtseilakt zwischen Lügen, Liebe und Gewissensbissen.

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Ob es das wert war? Das weiß Vincent leider auch nicht mehr.
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Katherine darf niemals erfahren, dass er fremdgegangen ist, und Catherine darf unter keinen Umständen erfahren, dass er eigentlich schon vergeben ist. Das eine Szenario würde ihn seine große Liebe kosten, das andere... Nun, das will er sich nicht einmal vorstellen. Doch das hübsche Mädchen hat klar gemacht, dass ihm bei Untreue Schlimmes blühen würde.

Das Spiel hat noch eine andere Seite, einen Umschwung vom Albtraumhaften ins Alltägliche um Vincent herum, seine Freunde, seine Marotten. Wenn ihr nicht gerade in euren Albträumen Türme erklimmt oder Zwischensequenzen guckt, hängt Vincent meist in seiner Lieblingsbar ab. Zum Quatschen mit Bekannten und anderen Gästen des Etablissements.

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Ab und zu habt ihr die Wahl zwischen zwei Antwortmöglichkeiten. Meist steht eine für die treue und demütige Seite des Protagonisten, die andere für sein inneres Chaos und seine Bereitschaft, sich zu nehmen, was er braucht. In anderen Fällen entscheidet ihr euch entweder dafür, euren Gesprächspartner aufzumuntern, oder dagegen.

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Es gibt Situationen, da möchte man einfach nur verschwinden.
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Diese Entscheidungen haben Einfluss auf das Ende des Spiels und sorgen für eine maßgebliche Veränderung in Vincents Denken. Der größte Teil des Spiels zeigt Sequenzen, kleinere Videos und Unterhaltungen. Wie Vincent die hier gegebenen Informationen aufnimmt und geistig verarbeitet, wie er zu den einzelnen Themen steht und sich auf Veränderungen einstellt, hängt davon ab, wie ihr euch bei Entscheidungsfragen genötigt fühlt, zu antworten, und spiegelt sich in seinen Gedanken wider.

Auch das Schicksal der anderen Barbesucher hängt davon ab. Möglich, dass euch einige Schafe in der Albtraumwelt ungeheuer bekannt vorkommen und dass, wenn sie dort abstürzen, weil ihnen der Lebensmut gesunken ist, gewisse Leute nicht mehr in der Bar, sondern in den Medien erscheinen. Aber das kann man nie so genau wissen, wenn man sich am nächsten Tag an keine Details der Träume mehr erinnern kann.

Eine Frage der Einstellung

Einen großen Teil des Spiels machen also Videosequenzen, Unterhaltungen und Barbesuche aus. Von diesen drei Teilen ist die allabendliche Anbetung des großen Alkoholgottes die interessanteste. Denn hier könnt ihr nicht nur Unterhaltungen führen und entscheiden, was für eine Art von Mann Vincent ist, ihr könnt auch SMS von verschiedenen Personen beantworten, eure Freunde um Hilfe bitten und euch niedliche Fotos von eurer ungewollten Liebschaft angucken.

Jeder Besucher hier hat seine ganz eigene Persönlichkeit und dementsprechend seine eigenen Zeiten. Ihr könnt also schwerlich mit allen sprechen und dementsprechend nicht jedermanns Probleme lösen - falls ihr das überhaupt je vorhattet.

Der Barmann unterhält euch hier mit passenden Zitaten und interessanten Fakten zum Thema Alkohol (Überhaupt wird in "Catherine" ziemlich viel unnützes Wissen verbreitet). Gleichzeitig könnt ihr an der Jukebox rumfummeln oder eine Runde "Rapunzel" am Arcadeautomaten spielen.

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Wie wäre es mit einer Runde "Rapunzel"?
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"Rapunzel" ist im Grunde die liebenswerte Pixelversion dessen, was Vincent jede Nacht zu überleben versucht. In 69 bockschweren Leveln erklimmt ihr immer komplizierter werdende Türme um die langhaarige Maid aus den Fängen einer bösen Hexe zu befreien. Wie alles in der Welt von "Catherine" hält auch dieses Spiel Unmengen an Anspielungen auf Vincents missliche Lage bereit. Generell dreht sich alles, jedes Thema, jedes Zitat und jede Unterhaltung, um Liebe, Ehrlichkeit, Vergebung und Beziehungsprobleme.

Abgesehen von den Videosequenzen und den Albträumen jede Nacht, handelt es sich hier also um ein eher ruhiges Spiel. Man soll mit Vincent mitfühlen können, sich seiner Lage bewusst werden. Und genau das schaffen die Schöpfer dieser liebenswerten, chaotischen Welt auch wunderbar. Generell wirkt alles auf seine verdrehte und wahrlich merkwürdige Art und Weise lebensnah. Wenn man jemals in eine Situation wie diese gerät, ergeht es einem mit Sicherheit genau wie dem Protagonisten.

Der Weg ist das Ziel

Jede Nacht... Jede Nacht findet sich Vincent nur mit einem Kopfkissen bewaffnet in einer merkwürdigen Welt wieder. Hier erscheinen ihm alle anderen Besucher als Schafe und auch er wird von ihnen nur als solches gesehen. Jeder ist auf sich allein gestellt, wenn es darum geht, den Turm zu erklimmen. Den Turm in die Freiheit.

Der Turm besteht aus vielen quadratischen Steinen, die sich (zumindest in den meisten Fällen) von A nach B schieben und ziehen lassen. Und so muss sich der junge Mann Treppen bauen, mit seinem Verstand arbeiten, um Lösungswege zu finden, und sich gleichzeitig beeilen wie ein Sträfling auf der Flucht.

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Und jetzt schön Treppchen bauen...
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Der gruselige Turm bricht stets unter ihm zusammen, und so wird sein Kampf ums Überleben auch ein Wettlauf gegen die Zeit. Klingt erst einmal einfach? Weit gefehlt. Selbst auf "leicht" bietet das Spiel noch recht knackige Passagen. Auf "normal" könnte man schon öfters Mal den Controller durch den Raum pfeffern und "schwer" ist möglicherweise ein Grund, gepflegt auf der Straße Amok zu laufen.

Die Leveldesigner haben ein paar echt fiese Stellen eingebaut. Zusätzlich gibt es von Albtraum zu Albtraum immer mehr Steine mit unterschiedlichen Eigenschaften. Eisblöcke, mit denen ihr in den Tod rutschen könnt, Blöcke, die explodieren, brüchige Blöcke, Springblöcke, schwere Blöcke, wandernde Blöcke. Sogar Blöcke mit einem schwarzen Loch drin.

Damit es nicht ganz so schwer ist, gibt es immer wieder ein paar Checkpoints auf der Strecke. Eingesammelte Kissen dienen als "Continue" und abseits davon gibt es noch jede Menge Hilfsmittel, die euch auf die Spitze des Turms bringen sollen. Dafür klettern aber nach und nach auch andere Schafe neben euch her und versauen euch die eine oder andere Fluchtidee. Manche schubsen euch sogar ungefragt in die Tiefe.

Ein echter Hingucker

Wer all diese abgedrehten Schwierigkeiten lösen konnte und es wider Erwartens auf den Turm geschafft hat, darf sich zwischen den Leveln kurz ausruhen. Hier trefft ihr auch auf einige der andere Schafe, die ihr ähnlich wie in der Bar aufmuntern oder ignorieren könnt.

Und wenn ihr gerade der Meinung wart, dass es kaum schräger werden kann, befindet ihr euch auch schon in einem Beichtstuhl, müsst einer unbekannten Person Rede und Antwort stehen und schießt danach mitsamt Stuhl in die nächste Etage.

Am Ende eines jeden Albtraums personifiziert sich der gesamte Stress von Vincent: Seine größte Angst nimmt Formen an und jagt ihn in einem finalen Stage nach oben. Wer von einem blutigen Baby verfolgt wurde, das laut "Paaaaaaapaaaaaa" schreit, während es versucht, euch zu töten, muss sich auch nicht wundern, dass er nicht mehr so gut schläft.

Schade. Aber in "Catherine" wird es keine deutsche Tonspur geben. Fast noch schlimmer: auch keine japanische Tonspur. Nur Englisch mit deutschen Untertiteln. Warum das schade ist? Die Synchronsprecher machen doch eine solide Arbeit.

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Ein Schaf mit Krawatte. Ganz klar, ich bin verrückt.
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Das ganze Spiel hat einen eindeutigen Anime-Stil. Japanische Comics, wenn ihr so wollt. Die Ingame-Grafik macht das bereits mehr als deutlich, und die Videosequenzen lassen kein Rätselraten mehr aufkommen. Somit richtet sich das Spiel vor allem an jene, die Animes kennen und mögen. Und jeder Fan weiß, dass Animes im Original immer besser sind.

Wie bereits erwähnt, sieht die Grafik dafür alles andere als schlecht aus. Kommt man sich zu Beginn noch so vor, als würde man auf dem einen Bildschirm einen Anime gucken, während man auf dem anderen 3D-Tetris spielt, wird man doch nach und nach immer mehr von der spannenden Geschichte und den hinreißenden Animationen fortgerissen und verliert sich gleichermaßen darin, wie man sich in das Spielkonzept verliebt.

Und wer wie ich am Ende noch immer nicht genug hat, kann noch ganz besondere Herausforderungen annehmen. Entweder alleine oder im Doppelpack könnt ihr zusammen und gegeneinander verschiedene Herausforderungen meistern.

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Schöne Videosequenzen mit noch schönerer Aussicht.
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So gilt es entweder, in Teamarbeit und mit gekoppeltem logischen Denken das Ziel zu erreichen oder gegeneinander auf die Spitze hinaufzuklettern und sich auf dem Weg zu schubsen, zu beharken und gegenseitig zu sabotieren. Trotz weniger Level und deutlich weniger Lösungswege macht das unheimlich viel Spaß.

Wem das immer noch nicht genug ist, es gibt bis zu acht verschiedene Enden und drei Schwierigkeitsgrade. Wer also sehen will, in welche Richtung Vincents Leben noch treiben kann und wo seine Grenzen in diesem Logikspiel sind, der fängt einfach noch einmal von vorne an und schaut, ob auch in ihm ein kleiner Choleriker steckt, der raus will. Spätestens in den letzteren Leveln auf "schwer" trennen sich die Buddhisten von den Weltenvernichtern.