Nur ein kleiner Moment reicht – schon ist man mittendrin in seiner eigenen Vergangenheit. Wie bei der berühmten Madeleine aus Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“: Einmal den Geruch des frischen Backwerks eingeatmet und sogleich befindet sich der Erzähler gedanklich in seiner Kindheit. Für andere mag einen ähnlichen Effekt der erste Satz im „Herr der Ringe“ haben oder die ersten Takte von „Fear of the Dark“. Bei mir ist es der süße Klang zersplitternder Knochen.

Seit zwanzig Jahren begleitet mich die Castlevania-Reihe. An der Grundkonstellation des allerersten Spiels aus dem Hause Konami hat sich auch in Castlevania: Order of Ecclesia nichts geändert: Horden von Gegnern, allesamt dem Fundus aller Horrorromane und -filme entsprungen, müssen mit Peitsche, Schwert und sonstigen Mitteln bekämpft werden. Dazwischen gibt es viel Gespringe, Gerenne und die üblichen Rätsel.

Castlevania: Order of Ecclesia - Trailer: Gameplay

Schuster, bleib bei deinen Leisten

Es ist allerdings gut, dass die Formel auch nach zwei Dekaden nicht verändert wurde. Alle Versuche, Castlevania in die dritte Dimension zu verfrachten, sind kläglich gescheitert und dienen als Abschreckung dafür, wie man es nicht machen sollte. Die schönsten Momente sind eben doch immer noch in 2D. Das gilt für Mario wie für Castlevania.

Castlevania: Order of Ecclesia - Das ist mal Hardcore...

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Untote werden in Castlevania noch toter gemacht.
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Besonders auf dem DS ist die Serie zur wahren Reife gelangt. Der Einstieg auf dem DS mit Castlevania: Dawn of Sorrow brachte ein paar Neuerungen mit sich, die nun auch im dritten Teil wieder vorhanden sind. So ist es möglich, mittels Items den Charakter aus einer Energienot zu befreien, Waffen müssen gesammelt und eingesetzt werden, ein Shop bietet Rüstungsteile sowie nützliche Gegenstände an. Im Prinzip also alles wie gehabt? Nicht ganz.

Denn Castlevania: Order of Ecclesia wartet mit einem unbarmherzigen Schwierigkeitsgrad auf. Bei Konami geht man offensichtlich davon aus, dass Fans bereits die ersten zwei Teile durchgeackert haben und nun nach einer echten Herausforderung suchen. Order of Ecclesia ist ein echtes sadistisches Monster ohne Anzeichen von Milde gegenüber dem Spieler.

Packshot zu Castlevania: Order of Ecclesia Castlevania: Order of Ecclesia Erschienen für DS kaufen: Jetzt kaufen:

Unbarmherziger Schwierigkeitsgrad

Kaum hat man sich durch den ersten Level gekämpft und die Basics gelernt, wandelt sich das Spiel und zeigt die Zähne. Hier kommt nur weiter, wer seine Kämpferin perfekt im Griff hat und keinen Fehler begeht. Zwar sind die einzelnen Gegner für sich genommen nicht direkt tödlich – in der Masse jedoch ist jeder Energieverlust ein herber Rückschlag und summiert sich in sekundenschnelle zum Coup de Grâce.

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Kombiniert sind die Glyphen mächtige Waffen.
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Um sich seiner Haut zu erwehren, kann der Spieler auf die Glyphen zurückgreifen – eigentlich nichts anderes als das Waffensystem in der Welt von Castlevania. An verschiedenen Stellen sind diese Symbole zu finden und lassen sich von der hübschen Hauptfigur durch ein schmuckes Rückentatoo aufsaugen. Dadurch erhält man eine neue schlagkräftige Waffe – sei es Schwert, Streitkolben oder Degen.

Eine nette Sache: Die Tasten für diese Bewaffnung lassen sich frei belegen. Jeder kann so individuell seinen Stil pflegen und auf die eher schnellen und leichten Waffen setzen oder die schweren, langsamen bevorzugen – wie immer zahlt sich die goldene Mitte und eine Mischung aus beidem aus. Ein etwas mächtigerer Angriff kann, wie von der Serie gewohnt, über Steuerkreuz und Angriffstaste ausgelöst werden – doch der kostet die wertvollen Herzchen, die nur begrenzt gesammelt werden können.

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Die Story ist nicht wirklich spannend, dafür stimmt die Action.
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Das Angreifen mit den Glyphen steht zudem nicht unbegrenzt zur Verfügung – die Magiepunkte sinken bei jeder Attacke. So ist es wichtig, dass jeder Schlag sitzt. Die Punkte erholen sich glücklicherweise recht schnell, doch im Gewimmel kann es schon einmal passieren, dass ein Angriff kurzzeitig nicht möglich ist – fatal in der Hektik. Der Balken mit den Magiepunkten sollte also immer mit einem wachsamen Auge beobachtet werden.

Castlevania liefert Gewohntes – in Hardcore-Ausführung. Ein schönes Spiel mit einer finsteren Fratze, denn nur durchtrainierte Gamer sehen hier mehr als lediglich die ersten Level.Fazit lesen

Ohnehin hat Castlevania: Order of Ecclesia einen ganz eigenen Rhythmus, den man entdecken muss, um den einzelnen Gegnertypen mit der richtigen Attacke Paroli zu bieten. Für ein schnelles Ausweichen dient die rechte Schultertaste – Angriff und Ausweichen wollen miteinander in Harmonie gebracht werden. Das Zen von Castlevania sozusagen.

Zudem können die Glyphen für neue Angriffe kombiniert werden. Mit Experimentierfreude kommen so neue und vor allem verheerende Schlagvarianten zustande. Ebenfall recht offen gehalten ist die Umgebung: Geht es anfänglich noch stringent von A nach B, löst sich das Schema im Laufe des Spieles auf und verschiedene Aufgaben wollen erfüllt werden – nicht immer ganz zur Freude des Spielers, denn einige der typischen Quests sind etwas nervig ausgefallen.