Über Castlevania: Lords of Shadows 2 kann man nicht schreiben, ohne das Ende des vorherigen Teils zu spoilern. Wer den ersten Teil des Serien-Reboots noch nachholen möchte, der sollte vielleicht einfach ans Ende des Textes springen und sich die Wertung für Teil 2 anschauen. Alle anderen erfahren jetzt im Detail, weshalb sich auch das Zocken der Fortsetzung durchaus lohnt.

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Der Grund für die obige "Warnung": trotz des langen Kampfes der Hauptfigur Gabriel Belmont gegen die bösen Mächte Satans entpuppt sich gerade dieser als einer seiner größten Schergen: Dracula. In Castlevania: Lords of Shadows 2 erwacht er röchelnd aus einem Jahrhunderte währenden Schlaf und hat nur ein Ziel: Endlich den lang ersehnten Frieden finden, der ihn vielleicht auch wieder mit seiner Familie vereint. Um das zu erreichen, muss sich Gabriel erneut mit diversen Scheusalen auseinandersetzen, aber auch einen buchstäblichen Pakt mit dem Teufel eingehen.

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Der spanische Entwickler Mercury Steam hat sich insgesamt nicht allzu weit von der Erfolgsformel der ersten Episode verabschiedet und überwiegend kleine Veränderungen vorgenommen. Dazu zählt auch, dass mich die Handlung immer wieder zwischen Vergangenheit und Gegenwart pendeln lässt.

Leider ist dieser Ansatz nicht ganz so gut gelungen, wie sich das vielleicht anhören mag. Der Grund ist eine recht konfus erzählte Geschichte, die nur wenig Licht in die dunklen Machenschaften bringt. Ich tapse mit Dracula meist durch die vielen Level, ohne so richtig zu erfahren, was gerade abgeht. Das kann schon frustrierend sein.

Castlevania: Lords of Shadow 2 - Bram Stoker würde sich im Grabe umdrehen

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Gabriel Belmont ist zurück und möchte endlich seinen Frieden finden.
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Qualitativ stark schwankend

Dazu kommt, dass die Gestaltung der Welt(en) zu heterogen ausfällt, eine stringente Linie vermissen lässt und qualitativ außerdem zu starken Schwankungen unterliegt. Das Castlevania der Gegenwart ist beispielsweise architektonisch eher langweilig inszeniert - die Stadt kommt überaus trist daher und auch die vielen ähnlich aussehenden Innenräume wirken meist dröge und wenig inspiriert.

Sie stehen teilweise im starken Kontrast zu den sehr schönen gotischen Prachtbauen und Umgebungen von Draculas Schloss in der mittelalterlichen Vergangenheit, die offenbar mit sehr viel mehr Sinn fürs Detail realisiert wurden. Ein weiteres Problem dieser Art Spieldesign ist auch das ständige zeitliche und räumliche Hin und Her, das den Spielablauf zerreißt, weil der erzählerische Kit bisweilen fehlt: Aber das hatten wir ja schon, siehe oben. Ärgerlich sind auch die zu langen Ladezeiten nach einem Bildschirmtod oder zwischen den beiden Zeitaltern.

Castlevania: Lords of Shadow 2 - Bram Stoker würde sich im Grabe umdrehen

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Grafisch kann vor allem die Neuzeit nicht überzeugen.
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Allerdings muss man Castlevania: Lords of Shadows 2 zugutehalten, dass die Areale oft groß sind und später durchaus etwas von Open World haben. Im Prinzip wachsen die Gebiete mit steigender Spielzeit, weil ich neue Talente erlerne, mit denen ich vorher unzugängliche Geheimverstecke erreichen kann. Das macht die Suche nach neuen Gegenständen und Aufwertungen lohnenswert, neue Bereiche zu erkunden und alte noch einmal aufzusuchen, wird belohnt.

Nur so kann ich eine Menge der vielen Rätsel, um an Goodies zu gelangen, überhaupt erst lösen. Von Beginn an beherrscht Dracula aber verschiedene magische Fertigkeiten: So friere ich Wasserfälle ein, um an ihnen emporzukraxeln oder sprenge Hindernisse, die Türen oder Hebel blockieren. Manch unüberwindliche Blockade lässt sich auch bezwingen, indem ich mich in Nebel verwandele.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Die flotten Kämpfe des zweiten Teils überzeugen aber definitiv.Fazit lesen

Oder die Gestalt von Ratten annehme. Was sich cool anhört, ist aber leider meist auch nur dann Mittel zum Zweck, wenn es die Entwickler abverlangen. Im normalen Spielablauf bringen mir diese Features recht wenig. Und das, obwohl LoS2 eine Reihe von Stealth-Elementen beinhaltet, die aber unterm Strich ziemlich gezwungen wirken und die Rolle Draculas als das mächtige Böse doch eher konterkarieren.

Furiose Kampf-Choreografie

Die häufigen Kletter-Einlagen sind zwar animationstechnisch sauber umgesetzt, aber doch eher anspruchslos gehalten. So ein bisschen wirkt das wie bei Assassin‘s Creed, wo man ja auch nur in die richtige Richtung zu halten braucht, um sein Ziel zu erreichen. Hier erhält man sogar noch visuelle Hinweise, wo es weiter geht. Wer diesen Hilfen blind folgt, wird allerdings die meisten verborgenen Räume verpassen.

Castlevania: Lords of Shadow 2 - Bram Stoker würde sich im Grabe umdrehen

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Die Kämpfe sind das Herz des Spiels.
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An einem wird (und will) mit Sicherheit niemand vorbei kommen: den Kämpfen. Sie bilden das Rückgrat des Spielablaufs, gibt es doch kaum einen größeren Raum, den man nicht erst "säubern" muss, bevor es weiter geht. Das Grundprinzip dürfte bereits vom Vorgänger bekannt sein und erinnert oft genug an God of War.

Mit Button-Mashing ist hier aber in den seltensten Fällen ein Blumentopf zu gewinnen, denn die Gegner beweisen nicht nur Nehmerqualitäten. Sie können auch ausgesprochen gut austeilen. Egal, ob ich jetzt mit meinem "Schwert der Leere" attackiere, um Lebensenergie für Dracula abzuzapfen, oder mit der Dämonenpeitsche angreife - immer muss ich vor Gegenattacken auf der Hut sein.

Selbst meine Kombos werden häufig unterbrochen und meine Widersacher verfügen ihrerseits über fiese Hiebe, die ich nicht blocken kann. Da hilft nur eins: ausweichen. Deshalb muss ich ständig in Bewegung bleiben, Nadelstiche setzen, zur Seite springen und wieder ran an den Gegner. Zwischendurch schnappe ich mir angeschlagene Bösewichte und sauge sie in Vampir-Manier aus, um meinen Lebenssaft aufzufrischen. Das Kampfsystem funktioniert dabei so gut, dass oft ein hervorragender Fluss aus präzise geplanten Angriffen und Last-Minute-Rettungsaktionen entsteht.

Bei all dem Gehaue verdiene ich auch Erfahrungspunkte, mit denen sich verschiedene Talente aufleveln lassen. Einen allzu großen Effekt auf das Spielgeschehen habe ich dadurch aber nicht ausmachen können. Wichtiger ist vielleicht, dass die Entwickler eine frei bewegliche Kamera eingebaut haben. In manchen Situationen verhalf mir das sogar zu einer besseren Perspektive aufs Schlachtfeld.

Aufgrund des hohen Spieltempos in den Schlachten kommt man aber häufig gar nicht dazu, die Kamera im Eifer des Gefechts neu auszurichten. Am hilfreichsten empfand ich das Feature bei einigen (der vielen) Boss-Fights - und wenn es nur darum ging, die spektakulär aber schnell zu durchschauenden Strategien zu studieren.

Castlevania: Lords of Shadow 2 - Bram Stoker würde sich im Grabe umdrehen

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Bemerkenswert: die orchestrale Musikuntermalung und exzellente Sprecher lassen viel Atmosphäre aufkommen.
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Während das Spiel spielerisch und optisch also zwischen "Durchschnitt" und "sehr gelungen" schwankt, präsentiert es sich akustisch von seiner besten Seite. Zum einen sorgt der tolle, epische Orchester-Soundtrack für perfekte Untermalung. Zum anderen legt sich als Sprecher wieder u. a. Patrick Stewart ins Zeug, wovon die Atmosphäre zusätzlich profitiert.