Autor: Matthias Grimm

Beim Stichwort "Schule" denken die meisten von uns vermutlich als Erstes an nervende Lehrer, Hausaufgaben und Leistungsdruck im Dunstkreis der Pisa-Studie. Doch wir alle wissen, dass das wirkliche Gold nur auf der Kehrseite der Medaille glänzt.

Prügeleien, Streiche und der ewige Kampf um das Ansehen der Mitschüler und - natürlich - Mitschülerinnen: So sieht der Alltag nicht nur an eurer Lehranstalt aus, sondern um den Faktor 10 potenziert auch an der berüchtigten Bullworth Academy. Und deren Sitten erlebt ihr in "Canis Canem Edit", dem neuesten Titel der "GTA"-Macher, ein virtuelles Schuljahr lang aus erster Hand und am eigenen Leib.

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In China essen sie Hunde
"Canis Canem Edit". Nein, das ist nicht der Name des neuesten Haustier-Editors für "Die Sims", sonders Lateinisch und bedeutet: "Hund frisst Hund". Oder Englisch: "Dog Eat Dog". Selbiges ist das Motto der alt-ehrwürdigen Bullworth Academy, und wird im gleichnamigen Spiel zur (Über-)Lebensstrategie. Denn dass es an der Schule nur vordergründig ums Büffeln geht und ansonsten vor allem "Fressen und gefressen werden" angesagt ist, dürfte nicht erst Rütli-Schülern geläufig sein.

Canis Canem Edit - Wir haun die Pauker in die Pfanne: Die GTA-Macher schicken uns wieder an die Schule

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Mein erster Schultag: Jimmy vor der Bullworth Academy
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Als ihr in der Rolle von Jimmy Hopkins euren ersten Schultag an besagter Institution antretet, erwartet euch prompt ein schickes Begrüßungskomitee: allerdings nicht mit Blumenstrauß und Willkommens-Banner, sondern - Jungs eben - mit erhobenen Fäusten und Handkantenschlägen. Die erste Schulhofprügelei dient gleichzeitig als Tutorial, um den Spieler mit den grundlegenden Kampfkombos vertraut zu machen.

Hier zeigt sich zum ersten Mal, wie sehr sich "Canis Canem Edit" - abgesehen vom einzigartigen Setting - von vergleichbaren Titeln (wenn es die überhaupt gibt) abhebt: Wenn Jimmy zu seinen Finishing-Moves "Nasengrabscher" oder der allseits bewährten "Brennnessel" ansetzt, dürfte das auch dem verbissensten Streber ein süffisantes Grinsen ins Gesicht zaubern. Brennnessel? Ja genau: den Arm des Kontrahenten mit beiden Händen packen und einmal kräftig in entgegengesetzte Richtungen drehen. Bei manch einem mag das unangenehme Erinnerungen an die Pennälerzeit wach rufen; bei anderen bringt es lang verborgene sadistische Tendenzen wieder zum Vorschein.

Bloodhound Gang
Ob ihr in "Canis Canem Edit" zu denjenigen gehört, die eher Schläge einstecken oder selbst öfters mal den Nasengrabscher anwenden, ist - wie im richtigen Leben - ganz von euch und eurer Gesinnung abhängig. So lassen sich Konflikte meist auf mehrere Arten lösen. Das eine Mal nach dem Motto: "Wenn die Faust nicht aufs Auge passt, war sie beim Zuschlagen bloß zu langsam", ein anderes Mal auf die duckmäuserische Art mit Ausreden und Bestechungsversuchen.

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Ob in der Schulkantine auch Gammelfleich auf der Karte steht?
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In welche Richtung sich euer Charakter entwickelt, ist auch davon abhängig, mit welcher Jugendgang ihr euch gut stellt: Helft ihr den Strebern gegen eine Übermacht Halbstarker? Oder geht ihr lieber für die Greaser zum Pomadekaufen? Je nach Spielweise steigt euer Ansehen bei der einen oder anderen Gruppierung.

Das alte Mantra, dass wir "nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen" erhält so durch "Canis Canem Edit" endlich einen Sinn: Denn passt ihr im Englisch-Unterricht besonders gut auf, wird euer Jimmy immer erfinderischer, was das Ersinnen von Ausreden angeht. Und Chemie-Bewanderte wissen nicht nur über die Grundlagen des Periodensystems Bescheid, sondern auch viel über die Konstruktion effektiverer Stinkbomben.

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Es gibt auch richtig heiße Lehr-Körper
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Egal, für welche Fraktion ihr euch entscheidet, ein "Feind" ist allen gemeinsam: gemeint ist natürlich der Lehrkörper. Daher ist es immer sinnvoll, bei jedem Streich über das nächstgelegene Versteck informiert zu sein, um nicht zur Strafarbeit verdonnert zu werden. Dann müsst ihr nämlich in einem Mini-Game den Rasen mähen oder das Auto des Rektors aus einem Schneehaufen befreien. Zum Glück jedoch wimmelt es in der High School an jeder Ecke nur so vor uneinsehbaren Ecken. Vom aufgebrochenen Spind bis zum übergroßen Mülleimer: Es gibt kaum etwas, das nicht als Möglichkeit zur Flucht missbraucht werden könnte.

Dog Day's Afternoon
Doch natürlich steht ihr mit der Lehrerschaft nicht nur auf Kriegsfuß. Der eine oder andere hat auch so manche Quest für euch parat. So müsst ihr an einer Stelle des Spiels einem heimlichen Lustmolch den Schlüpfer einer Mitschülerin besorgen. Da schätze sich glücklich, wer zuvor bei Sam Fisher in die Lehre gegangen ist.

Das letzte Beispiel zeigt besonders gut den typischen Humor, den Rockstar auch in ihrem neuesten Titel wieder dick aufträgt. Im besten Sinne, versteht sich. Neben den hochfrequenten Zwerchfellattacken taugt "Canis Canem Edit" so gleichermaßer als bissiger Kommentar zur Pisa-Diskussion, als auch zur bösen Satire auf die Strenge angelsächsischer Bildungssysteme mit ihren Schuluniformen und Ehrenkodizes.

Über ein ganzes virtuelles Schuljahr - unterteilt in fünf Kapitel - spannt sich die Geschichte von "Canis Canem Edit". So lange habt ihr Zeit, um euren Ruf als Klassenkasper oder Raufbold aufzubauen und zu festigen. Nach und nach schaltet ihr so nicht nur den gesamten Campus, sondern auch die angrenzende Stadt mit ihren unterschiedlichen Locations frei.

Den Letzten beißen die Hunde
Ganz im Sinne der "Grand Theft Auto"-Reihe könnt ihr euch dort frei bewegen und eurem Gusto entsprechend Story- oder Nebenquests annehmen, in Minispielen eure Fähigkeiten verbessern oder einfach so aus Spaß eine Schlägerei anzetteln. Wem die Laufwege dann zu lang werden, der kann sich wie im großen Vorbild verschiedener Fahrzeuge bedienen. In einem Probelevel spielten wir ein wildes Fahrradrennen an, bei dem es neben einer flinken Beintechnik auch auf gut platzierte Tritte und Stüber in Richtung der Mitstreiter ankommt.

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Yo, mia san mim Radl do!
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Das Szenario erweist sich dabei als erfrischend unverbraucht und bietet viel Potenzial für innovative, schräge oder nur bewährte Ideen, die im neuen Gewand jedoch eine besonders gute Figur machen. Nach dem ersten Probespielen können wir es jedenfalls kaum noch erwarten, in der Vollversion nach langem mal wieder die Schulbank zu drücken und vielleicht all die Dinge zu machen, die man sich einst aus Angst vor dem Klassenbucheintrag nicht getraut hat.

Ausblick
Mit "Canis Canem Edit" blasen die Rockstars einmal mehr einen frischen Wind durch ausgelatschte Genrelandschaften. Wer keine Lust mehr auf den x-ten Weltkriegsshooter oder die nächste Klopperei mit Orks und Aliens hat, der wird sich über das unverbrauchte Szenario freuen. Die einzigartige Schulkulisse bietet viel Raum für innovative Ideen und abgefahrene Szenen. Merkwürdig, dass da noch niemand früher drauf gekommen ist.

Beim Probespielen hat uns vor allem die immense Liebe zum Detail begeistert, mit der die Entwickler zu Werke gegangen sind: An jeder Ecke des Schulgebäudes gibt es was zu tun und auszuprobieren. Die große Spielfreiheit versorgt euch überall mit neuen Quests, und der typische Rockstar-Humor versüßt das Pauken mit skurrilen Situationen und derben Gags. Selten hatten wir bei einem Game eine solche Maulsperre vom ständigen Grinsen, und der Schmerz in den Schenkeln vor lauter Klopfen wird vermutlich auch erst in ein paar Tagen nachlassen.

In der Vollversion, die uns am 27. Oktober erwartet, wird sich dann auch zeigen, ob es Rockstar gelingt, die vielen Einzelteile zu einem stimmigen Ganzen zu verbinden und in eine fesselnde Storyline einzuweben. Angesichts der aus den "Grand Theft Auto"-Titeln bekannten Qualitätsstandards haben wir diesbezüglich jedoch nur wenig Zweifel.