Spaghetti-Western adé! Als Call of Juarez vor knapp einem Jahr für den PC erschien, war sich die Fachpresse einig: Der bisher definitiv beste Wildwest-Shooter hat endlich seinen Weg in die Regale gefunden, zumal man zuvor nicht gerade mit Western-Qualitätsware bedient wurde. Zeit also für einen Nachfolger? Mitnichten, zuerst wird es portiert und zwar auf die Xbox 360. Ob die Umsetzung gelungen ist, oder wir doch lieber den Rechner angestöpselt haben, erfahrt ihr im Review.

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Weisse Bescheid?!
Macht man sich die Mühe und sucht bei Wikipedia nach dem Begriff "Schizophrenie", stößt man auf folgende Erklärung: "Die Bezeichnung "schizophren" ist nicht nur in die psychiatrische Diagnostik eingegangen, sondern auch in die Umgangssprache und bedeutet dort so viel wie Scheinheiligkeit, Doppelbödigkeit oder Widersprüchlichkeit." Was das mit Call of Juarez zu tun hat?

Call of Juarez - High Noon auf der Xbox 360: Der Western-Shooter macht auch auf Konsole eine gute Figur.

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Die Umgebungen wirken auf Xbox 360 noch stimmiger.
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Nun, hinsichtlich der Protagonisten - wir schlüpfen in zwei Rollen, statt nur in eine - passt es sogar hervorragend, über Persönlichkeitsspaltung zu reden. Da wäre zum Beispiel der alte, aber noch kaum eingerostete Priester Ray, der seine blei- und blutgeladene Vergangenheit hinter sich gelassen hat, um nun lieber Sonntagspredigten nahe des kleinen Dörfchens "Hope" nachzugehen.

Statt des Revolvers bedient sich Ray nun lieber der Stärke der biblischen Schrift, auch wenn dies trotz des hoffnungsvollen Namens des Dorfes wegen einiger verruchter Gestalten mehr und mehr zur Sisyphosarbeit verkommt. Dies ändert sich aber plötzlich, als er während eines Gottesdienstes Schüsse vernimmt, die aus der Richtung der Farm seines Bruders kommen.

Auf zur Jagd!
Ray ist der Erste am Tatort und entdeckt neben dem Verbrechen auch den jungen Mexikaner Billy am Ort des Geschehens, der sogleich die Flucht ergreift und Ray mit dem Verdacht zurücklässt, er sei der Mörder. Der eigentlich sittenabstinente Pfarrer dreht nun völlig durch, holt die verstaubten Colts aus der alten Moderkiste und macht sich auf die Jagd nach dem Verdächtigen. Hilfe bekommt er dabei nicht: Als der Orts-Sheriff ihn aufhalten will, bricht in "Hope" eine Revolte der Kriminellen aus, die sogleich den einzigen Rechtsvertreter erschießen und nun auch scharf auf uns sind.

Call of Juarez - High Noon auf der Xbox 360: Der Western-Shooter macht auch auf Konsole eine gute Figur.

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Nicht nur zu Fuß, sondern auch auf dem Pferd beschert Ihr den Gegnern Albträume.
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Statt sich wieder stumm in die Kirche zu begeben, handelt Ray nun kaltblütig, vergisst dabei aber nicht die Jagd auf Billy. Die Rachestory ist Dreh- und Angelpunkt von Call of Juarez: Das war sie schon auf dem PC und das ist sie auch auf der Xbox 360. Demnach unterscheiden sich beide Versionen nur marginal: Am Meisten freuten wir uns über leveltechnischen Kniffe, u.a. um Billys teils frustrierende Passagen zu erleichtern.

Werdet Ihr in den anfänglichen Nachtmissionen entdeckt, werdet ihr zwar verfolgt, ein Neustart des Levels ist hier aber nicht mehr erforderlich. Da ihr mit Billy die meiste Zeit im Verborgenen bleiben solltet, machen Änderungen in Bezug auf den Schwierigkeitsgrad der Rechenknecht-Fassung wie diese vor allem auf Konsole den größten Sinn.

Irgendwie anders ist - bedingt durch eine Abkehr von Tastatur und Maus - natürlich auch die Steuerung der beiden Charaktere, dank guter Standardbelegung sollten selbst Anfänger gleich warm mit dem Handling werden. Nervig: Obwohl Entwickler Techland es dem Spieler nun gestattet, per Knopfdruck beide Pistolen nach zu laden, sorgt die Waffenauswahl über das Steuerkreuz für beide Hände des Öfteren für Stirnrunzeln, vor allem wenn ihr zwei unterschiedliche Waffen simultan bedienen wollt.

(Fast) Alles beim Alten!
Das Gameplay des Shooters blieb unverändert: Mit Billy auf leisen Sohlen unterwegs, mit Ray das Gleiche undenkbar. Der rustikale Diener Gottes ballert sich auf der Suche nach der Wahrheit in bester Wildwest-Manier durch die Levels. Fragen werden dabei keine gestellt, Ray kann sogar Zitate aus der Bibel vorlesen um Gegner zu verunsichern, nur um ihnen danach ein drittes Nasenloch zu verpassen. Halt! Ganz so brutal ist Call of Juarez natürlich nicht: Wie schon auf dem PC, so wurde auch die 360-Ausgabe des Spiels hierzulande zensiert.

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Na, erkennt Ihr den Feind? Jetzt schnell den Colt ziehen!
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Statt auf Revolver und Shotguns setzt Billy standardgemäß auf Pfeil, Bogen und Seil. Mit letztgenanntem kann er in den scheinbar riesigen Umgebungen tiefe Abgründe überwinden. Wieso scheinbar? Die störenden, unsichtbaren Levelgrenzen haben es leider auch auf die Konsole geschafft, dafür gab es jedoch sichtlich Besserungen in Bezug auf die ehemals störrischen Ladezeiten.

Nach wie vor gelungen ist übrigens die imposante Grafik von Call of Juarez: Trotz der teils mimikarmen Gesichter der Figuren, können die detailreichen Levels mitsamt Flora & Fauna sowie die superben Effekte dank Facelifting nun noch mehr überzeugen. Hinzu kommt hübsch anzusehendes Schnickschnack á la HDR-Lightning und Tiefenschärfe, die Performance leidet glücklicherweise nur selten. Schade nur, dass das Programm die hohe optische Qualität nicht dauerhaft halten kann, etwas lieblos wirkende Abschnitte wie die Minenlevel versalzen die wohlschmeckende Suppe.

Gut getroffen…
Unverändert klasse ist aber die dramatische Musikuntermalung, die vor allem die Schleich-Abschnitte spannend macht. Auf die Auslieferung einer multilingualen Version wurde wie schon vor knapp einem Jahr verzichtet, stattdessen muss man sich allein mit den eher mittelmäßigen deutschen Synchronsprechern begnügen. Nur gut, dass uns hier die knackigen Effekte der Blechbüchsen nicht im Stich lassen.

Call of Juarez - High Noon auf der Xbox 360: Der Western-Shooter macht auch auf Konsole eine gute Figur.

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"Es fährt ein Zug, nach nirgendwo..."
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Fast unverändert wird dem Spieler der Mehrspielermodus vorgesetzt: Neben dem allseits bekannten Deathmatch gibt es noch den an Counter-Strike angelehnten Skirmish-Modus, das so genannte Goldfieber sowie den Raubüberfall. Während man beim Goldfieber auf sich allein gestellt ist, in einer Partie soviel wie möglich Gold einzusacken, geht es den Kostbarkeiten bei Raubüberfall teamweise an den Kragen. Neu auf Xbox 360 sind lediglich drei zusätzliche, an historische Ereignisse angelehnte Abschnitte, die es zu erforschen gilt.