Ich spiele Shooter. Mass Effect und so. Halo. Sogar eine Runde CS: Online habe ich schon gezockt, aber das war für eine wissenschaftliche Studie. Zugegeben, die Erfahrung hat mich traumatisiert, weswegen ich mir dachte: Nie wieder Online-Shooter. Dann kam der Key für die Call of Duty: WWII Beta und was soll ich sagen? Von wegen keine Online-Shooter: Call of Duty, du hast mich therapiert.

Schaut meinem Kollegen dabei zu, wie er im Kriegsmodus die Fetzen fliegen lässt:

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Der Hammer: Deathmatch

Die Shooter-Therapie begann mit einem Hammer und der hat richtig wehgetan. Erste Runde, erstes Glück: Deathmatch. Regeln waren klar, Runde war kurz, was konnte schon schiefgehen? Die Ladeblinker leuchteten auf und ich übte schon einmal das Zielen mit dem linken Trigger, Schießen mit dem rechten Trigger. Hey, das hier war immerhin kein CS, also durfte ein dritter Platz sicherlich drin sein. Oder ein vierter. Wie viele gab es überhaupt? Mein Herz klopfte schneller. Ich würde mich nicht blamieren, oder? Und hoffentlich brauchte ich kein Mikrofon. Ob die einen rausvoten können? Das Spiel begann. Shit.

Call of Duty: WW2 Beta - Wenn ein Shooter-Noob in den Krieg zieht

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Die meisten Screenshots habe ich von meinem eigenen Tod gemacht - so sehen sie alle in etwa aus
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Ich machte nicht einen Abschuss. Die Todeszahl möchte ich hier in der Öffentlichkeit nicht nennen. Als die Runde zuende war, kratzte mein Frustlevel bereits am Anschlag und ich war drauf und dran, den verf-; den blöden Controller wegzulegen. Aber eins musste man dem Spiel lassen: Die Musik war ziemlich cool. Und dieses Gefühl, direkt im zweiten Weltkrieg zu sein – COD: WWII war nicht blutig, aber doch irgendwie echt. Außerdem waren die Soundeffekte grandios; allein, wenn eine Granate neben mir zündete und der laute Tinnitus einsetzte. Wenn der Bildschirm verschwamm und ich mehrere Sekunden brauchte, bis ich wieder im Geschehen war. Dazu die ganze Zeit der Funk im Ohr: Die Deutschen rücken vor. Scharfschütze am Fenster gesichtet. Vorsicht, Bomber!

Ich will keine Grundsatzdiskussion starten, aber eins möchte ich loswerden: Ich bin kein Kriegs-Fan. Naja. Call of Duty hat mich trotzdem süchtig gemacht.

Erste Therapiestunde: Deathmatch Vol. 2

Später wurde mir einiges erklärt: Die Pros spielen Deathmatch, also Finger weg! Besonders in der Beta. Na, da habe ich mir ja einen guten Startmodus ausgewählt. Aber zurück zu meinen COD-Versuchen: Mein Stolz war angekratzt (durchlöchert) und ich konnte nicht einfach so aufgeben. Mich damit abfinden, dass ich der schlechteste COD-Spieler auf diesem Planeten war? Denen zeig Ichs, dachte ich mir. Also noch mal: Deathmatch. Beta. Es war 12 Uhr morgens an einem Samstag und ich war bereit: 1. Level Infanterie, keine Skills, aber immenser Wille.

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Zwei Abschüsse: JAAAAA!
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Zwei Abschüsse.

Noch nie in meinem Leben habe ich mich so sehr darüber gefreut, schlecht zu sein. Denn ich war nicht mehr grottenschlecht. Zwei Abschüsse bedeuteten in diesem Pro-Souls schon semi-gut. Also richtig gut. Für einen Shooter-Noob nahe an der Perfektion. Trotzdem nahm das Shooter-High langsam ab, die Endorphine lösten sich in Luft auf und zurück blieb ich; nun Level 2, auf dem letzten Platz. Ich entschied: Adieu Deathmatch, unsere Affäre war kurz, aber intensiv. Ich war nun bereit für den nächsten Schritt und erklärte Call of Duty den Krieg.

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Der Krieg hat es mir angetan
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Der Durchbruch: Krieg

Dass der Modus “Krieg” neu im COD-Online-Universum ist, wusste ich natürlich nicht. Auch die gehässigen Stimmen der Spieler, die “Abgeguckt von Battlefield!” schrien, kannte ich nicht. Ich war völlig unwissend als ich in den Krieg zog, einzig bewaffnet mit meiner M1 Garand und der bittersüßen Unschuld eines Noobs. Würde der Krieg mir die Unschuld nehmen?

Kämpft um den Kommandoposten! Die Rufe der Soldaten folgten mir, als ich blindlings loslief, ahnungslos und voller Adrenalin. Zielen, check. Schießen, check. Oh – mit dieser Taste duckte ich mich also! Gut zu wissen. Plötzlich ploppte eine rote Linie auf und mir wurde klar, dass Krieg anders funktionierte, als Deathmatch. Der Funk sagte, wir hätten den Kommandoposten eingenommen und müssten nun eine Brücke bauen. Die rote Linie hieß: Ab in den nächsten Abschnitt; hier kommst du nicht mehr durch! Ernsthaft? Wir bauen? Wie cool!

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Schnell wurde klar: Auf der anderen Seite der Schlucht hockte der Feind und knallte uns reihenweise mit Scharfschützengewehren ab, während wir im Offenen versuchten, die klapprige Brücke zusammenzuhämmern. Ein Todeskommando, das den Blutdruck in die Höhe trieb: Spawnen, rennen, mit Sprung eine Bauchlandung an der Brücke hinlegen, hämmern, tot. Ein ablaufender Timer gab uns vor, wie viele Minuten uns noch blieben, bis die Brücke fertig sein musste. Komm schon. Noch 45 Sekunden, Brücke zu 95 Prozent gebaut. Fast. 97 Prozent. Lauf schneller. 98 Prozent. Wie kann der mich dort gesehen haben?! 99 Prozent, 20 Sekunden.

Es fällt mir schwer, diese letzten Augenblicke in Worte zu fassen. Alles wurde lauter, schneller. Überall explodierten Rauchbomben, zwei MGs ratterten ohne Pause über die Brücke. Im Sekundentakt warfen sich die Jungs von meinem Team in den Dreck, hämmerten und wurden durchlöchert. Ich selbst war wie eine Maschine, alles passierte automatisch. Mein Level, mein Können, die Kills – das alles interessierte mich nicht mehr, ich wollte einfach nur die 100 Prozent schaffen. Und das habe ich. Mein Noob-Hammerschlag stellte die Brücke fertig, ich blieb tot neben meinem Werk liegen. SIEG.

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Gut gemacht, Soldat

Das alles ist schon eine Woche her, aber ich denke noch immer gern daran zurück. Mein erstes Shooter-High, das erste Mal nicht auf dem letzten Platz. Die zweite Beta-Runde ließ ich mir natürlich nicht entgehen; inzwischen bin ich Level 14 oder 15, meine Lieblingsdivision: Luftlande. Und Scharfschütze, je nachdem. Ihr werdet es nicht glauben, aber auch den ersten Platz habe ich schon einmal ergattert. Mittlerweile ist mir das aber nicht mehr so wichtig. Ich liebe das Adrenalin und die Abwechslung im Kriegsmodus: Gebäude einnehmen, Waffenlager verteidigen; sogar mit dem Panzer bin ich ein-, zweimal gefahren. Deathmatch ist mir noch immer zu Pro-lastig, aber vielleicht wird sich das nach der Beta ändern. Mein Fazit: Der COD-WWII-Onlinemodus hat mir auch als Noob verdammt viel Spaß gemacht, der Kriegsmodus ist exzellent und das, obwohl es in der Beta nur eine Karte gab.

Was ich mir für das fertige Spiel wünsche: Mehr Maps und vielleicht noch mehr verschiedene Ziele und Direktiven im Krieg. Mehr Skins, mehr Waffen, ihr wisst schon: Das Übliche. Bis zum Release bleibe ich gespannt und in Angriffsstellung. Mein CS-Trauma habe ich übrigens überwunden, COD:WWII hat mich erfolgreich therapiert. Wer weiß. Vielleicht muss ich mich in einem Jahr auch nicht mehr Noob nennen. Bis dahin: Salut!