Nachdem Infinity Ward mit der vierten „Call of Duty“-Auflage Modern Warfare große Erfolge feierte und verdientermaßen eine Spitzenwertung nach der anderen einheimste (gamona vergab damals satte 92 Prozent), wurde Episode 5 wieder einmal von Treyarch produziert.

Dafür hat man sich zwar die hervorragende Gameengine des Vorgängers gesichert, doch vom modernen Hintergrundgeschehen ist nichts übrig geblieben, und so findet man sich in World at War erneut im Zweiten Weltkrieg wieder. Ob sich dieser Bruch der Kontinuität ausgezahlt hat und inwiefern die neue Folge des Actionspiels mit dem höchst erfolgreichen Vorläufer mithalten kann, haben wir in einem ausgiebigen Fronteinsatz für euch herausgefunden.

Nicht verpassen: Nach dem Artikel das gamona Video-Review zu Call of Duty: World at War anschauen!

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Deja Vu

In zumindest einem Punkt bleibt sich die Serie auch diesmal treu: Der Spieler erlebt die Story aus zwei verschiedenen Blickwinkeln. So kämpft ihr zum einen als G.I. im Pazifik gegen die Japaner und zum anderen als Teil der Roten Armee gegen Nazi-Deutschland. Während jedoch die Einsätze auf heftig umkämpften fernöstlichen Eilanden noch eine gewisse Frische und Überraschungsmomente mitbringen (etwa die häufigen Banzai-Attacken der Japaner), wirken die Missionen an der Ostfront wie ein missliebiges Deja Vu - zu oft hat man schon den Sturm auf Berlin in dieser oder ähnlicher Form miterlebt. Treyarch gelingt es zwar, die Szenarien explosiv zu inszenieren. Ein schaler Beigeschmack des "einmal zu viel" bleibt dennoch zurück.

Call of Duty: World at War - Zurück im Zweiten Weltkrieg - jetzt auch mit Video-Review

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Wir erstürmen mal wieder Berlin.
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Überhaupt kann man über die Präsentation auch diesmal nur wenig meckern, optisch bleibt die fünfte Call of Duty-Auflage kaum etwas schuldig. Die Zwischensequenzen sind peppig-pathetisch gestaltet und versetzen euch durch eine ganze Reihe von Realfilm-Einsprengseln stimmungsvoll in das Geschehen des Zweiten Weltkriegs.

Mehr als nur etwas geschmacklos wirken jedoch die Kommentare eures russischen Kommandanten, der die Gegenseite (also die Wehrmachtssoldaten) beispielsweise als „Schlachtvieh“ bezeichnet. Selbst wenn das historisch korrekt ist und der Rachegedanke der Rotarmisten nach den Gräueltaten der Deutschen zweifellos vorhanden (und auch nachvollziehbar) ist, ist diese Art von Darstellung für ein Videospiel unangemessen.

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Es kracht und rummst ordentlich

Davon abgesehen kracht und rummst es nicht nur wieder ohne Unterlass, die Gefechte sind auf die typische CoD-Weise spektakulär und teilweise epischer Breite inszeniert worden. Natürlich wird auch weiterhin stark auf geskriptete Action gesetzt und so bestürmen euch die Gegner entweder so lange, bis ihr zu einem bestimmten Punkt vorgerückt seid oder ihr einfach eine Zeit lang die Stellung haltet.

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Immer auf der Lauer: Im Unterholz lauern Banzai-Krieger.
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Eure KI-Kameraden haben dabei jedoch nur einen geringen Anteil am Erfolg. In der Regel konzentriert sich das feindliche Feuer immer auf eure Position, egal ob das feindliche MG nun 20 oder 500 Meter von euch entfernt ist. Ganz anders ist das jedoch, wenn man den neuen Koop-Modus aktiviert, der gleich vier Spielern die Möglichkeit gibt, die Kampagne gleichzeitig zu absolvieren.

Man merkt in vielen Missionen, dass die Levels genau dafür ausgelegt sind. Zwar ist auch World of War ein streng linear ausgelegter Shooter, doch diesmal gibt es noch mehr "alternative" Lösungswege und die Umgebungen wirken daher auch breiter als in der Vergangenheit. Dabei handelt es sich in der Regel um Flankierungsmaßnahmen, die auch im Einzelspielermodus vorhanden sind und euch daher die Wahl lassen, ob ihr eine Stellung von links oder rechts ausheben wollt.

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Der Koop-Modus schickt euch gemeinsam in den Krieg.
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Je mehr menschliche Spieler sich an der Kampagne beteiligen, desto größer ist das Heer an Widerständlern. Allerdings hat die durchaus spaßige Koop-Angelegenheit auch einen Haken: Einige Solo-Einlagen lassen sich aufgrund ihres Designs (Sniper-Mission) tatsächlich nur als Einzelperson bewältigen und fallen dann für den Koop-Rahmen aus.

Es fehlt die Intensität

Vergleicht man WaW mit Modern Warfare, fällt auf, dass es Treyarch nicht gelungen ist, die Missionen ähnlich mitreißend zu gestalten. Vielleicht liegt es an dem abgekauten WWII-Setting und daran, dass die bekannten historischen Gegebenheiten keinen Spielraum für Spannung bieten. Doch die Vielzahl aus dem Vorgänger bekannten "Da hält man den Atem an"-Momenten wollen sich diesmal partout nicht einstellen. Die Entwickler versuchen zwar, das Spielgeschehen mit Fahrzeugmissionen aufzulockern, und das eine oder andere Mal steigt ihr in einen Panzer oder beschießt feindliche Schiffe und Flugzeuge aus der Sicht eines Bomberschützen, doch dies wirkt insgesamt einfach zu routiniert und beliebig.

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Die Atmosphäre ist selten so intensiv wie hier.
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Denkwürdige Ereignisse bleiben eigentlich nur - wenn überhaupt - sehr selten im Gedächtnis haften. Während der vierte Teil häufig Beklemmung auslöste, lässt uns der Zweite Weltkrieg diesmal weitestgehend kalt. Allein der Vergleich der beiden Snipermissionen zeigt, wie mitreißend modernes Spieldesign sein kann und wie altbacken dagegen WaW wirkt.

Trotz neuem Flammenwerfer war die Intensität des Geschehens im vierten Teil zündender.Fazit lesen

Und wenn doch Spannung auftritt, dann liegt das an teilweise einfach unfairem Spieldesign. Vor allem der völlig übertriebene Einsatz von Handgranaten sorgt für mehr Tode, als der Schwierigkeitsgrad auch nur Ansatzweise erfordern oder rechtfertigen würde. Gefühlte 90 Prozent aller Bildschirmtode werden durch diese Sprengsätze ausgelöst. Man ist zwar theoretisch in der Lage, die Granaten aufzuheben und an den Adressaten zurückzubefördern. Doch in der Praxis erweist sich das häufig als unmöglich, vor allem wenn gleich ein halbes Dutzend dieser fliegenden Ärgernisse vor unseren Füßen landen.

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Fahrzeugmissionen sollen für Abwechslung sorgen.
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Nur die im Gegenzug regelmäßig verteilten Checkpoints können diese perfide Unfairness überhaupt noch ausgleichen. Instant-Tode erlebt man daher also in vielen Missionen im Dutzendpack. Es wäre ohne diese ständige "Bombardierung" sicher auch möglich gewesen, das Game in weniger als sieben Stunden durchzuspielen (auf normal).

Neues Spielzeug: Flammenwerfer

Insgesamt wirkt World at War daher bisweilen eher wie ein Abklatsch des Vorläufers, der zudem nur wenige eigene Neuerungen integriert. Neben dem gelungenen Koop-Modus bietet man euch beispielsweise noch einen Flammenwerfer als neue Waffe. Als Spielerei ganz nett, erweist sich der "Brutzler" jedoch letztendlich in den offenen Feldschlachten als wenig effektiv, da die Reichweite einfach zu gering und auch seine Wirkung nur mäßig ist.

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Der Flammenwerfer ist eine der wenigen spielerischen Neuerungen.
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Alles andere haben wir bereits bei Modern Warfare genießen dürfen: Der Multiplayer-Modus dürfte euch daher sehr bekannt vorkommen. Eure Spielfigur steigt durch die unterschiedlichen militärischen Ränge auf und ihr erweitert eure Waffen mit dem Perks-System bzw. legt euch unterschiedliche Soldatentypen zu. Neu ist lediglich, dass ihr zum einen auf einigen Maps nun auch wieder Panzer einsetzen dürft, die Hubschrauberattacken wurden dagegen einfach durch Hundeangriffe ersetzt.

Zudem hat Treyarch die ersten Levels fürs Warmspielen reserviert, erst ab Level 8 dürft ihr euch in den beliebten Hardcorde-Modus bzw. Search & Destroy-Missionen stürzen. Die Maps sind jedoch bis auf wenige Ausnahmen unterm Strich sehr gut spielbar und bieten eine solide Plattform für ausgiebige Multiplayer-Gefechte.

Es soll an dieser Stelle zudem nicht verschwiegen werden, dass die deutsche Version des Spiels teilweise stark geschnitten wurde. So fehlt nicht nur eine ganze Reihe von Gore-Effekten, es wurde sogar ein ganzer Zusatz-Modus weggelassen. Außerhalb Deutschlands wird nach dem Durchspielen ein Survival-Modus freigeschaltet, bei dem man gegen ständig stärker werdende Wellen von Nazi-Zombis ankämpft.

Hierzulande muss man darauf genauso verzichten wie auf den Punktezähler im Mehrspieler-Modus und zudem ist es aufgrund der unterschiedlichen Versionen auch nicht möglich, den Koop-Modus mit Spielern anderer Länder zu zocken. Insgesamt sicher nichts "Lebenswichtiges" und auf einige fragwürdige Elemente kann man sicher ohnehin verzichten, für einige Spieler sind diese fehlenden Elemente aber möglicherweise ein wichtiger Atmo-Killer.