Von den ganzen Turbulenzen rund um die Entlassung der Infinity-Ward-Chefs Jason West und Vince Zampella soll an dieser Stelle keine Rede sein, dazu ist - zumindest bis auf weiteres - alles gesagt.

Die verbliebenen Mitarbeiter werkeln gemeinsam mit dem neu gegründeten Studio Sledgehammer Games an dem heiß erwarteten Shooter-Nachfolger Call of Duty: Modern Warfare 3, der in diesem Herbst (8. November) aufschlagen wird. Publisher Activision hat die Fortsetzung einer der erfolgreichsten Spieleserien aller Zeiten nun in London erstmals der Weltöffentlichkeit vorgestellt.

Call of Duty: Modern Warfare 3 - Alles beim Alten?

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Es kracht wie immer ohrenbetäubend, aber was hat Modern Warfare 3 außer dem Üblichen zu bieten?
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Teil drei führt uns erneut auf eine erlebnisreiche und vor allem sehr krachig-laute Ballerfahrt rund um den in Aufruhr befindlichen Globus. Diesmal sollen aber in erster Linie Städte im Mittelpunkt des schießwütigen Interesses stehen. Neben Weltmetropolen wie New York und London sind auch viele andere Schauplätze in Europa und Afrika teil des explosiven Geschehens, das direkt an den inhaltlichen Vorgänger Modern Warfare 2 anschließt - Black Ops wurde schließlich von Treyarch produziert.

Die Lage der Marines ist abermals verzweifelt. Überall herrscht Krieg, die Russen haben in der vorherigen Episode das amerikanische Hinterland be- und sich jetzt dort festgesetzt. Insbesondere die Ostküste ächzt unter den der Aggression des russischen Bären, ein verlässliches Delta-Team soll nun in Manhattan das Steuer herumreißen und eine Gegenoffensive initiieren.

Kraftvolle Inszenierung

Was ich während der nächsten Minuten zu sehen bekomme, ist Call of Duty at its best - aber andererseits erlebt man auch praktisch nichts Neues. Mission "Black Tuesday" wirft mich in eine unglaublich intensiv geführte Schlacht inmitten New Yorks. Ich werde Zeuge, wie ein unter Beschuss stehender Wolkenkratzer teilweise einstürzt, Trümmer auf die Straßen fallen und dazwischen heftige Gefechte toben.

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Es wird dunkel und feindselig.
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Wer keine Betonbrocken abbekommt, kassiert Blei. Die Einheit der Protagonisten wird im Herzen des urbanen Ruinenfeldes in beinharte Häuserkämpfe verwickelt, begleitet von einem dröhnenden Schützenpanzer. Das Knattern und Kreischen des Tanks wird jedoch locker übertönt von einer kraftvollen Geräuschkulisse, die von umhersurrenden Kugeln und Querschlägern, Raketeneinschlägen und ohrenbetäubendem Fliegerlärm im Hintergrund verursacht wird. Wahnsinn, wie intensiv diese Eindrücke wirken können, wenn sie vom passenden akustischen Inferno untermalt werden.

Sehr routinierte, mitreißende Inszenierung, der aber noch die Überraschungsmomente fehlen.Ausblick lesen

Kaum schießt sich die Truppe den Weg durch ein Gebäudeteil frei, erwartet sie plötzlich ein attackierender Kampfhubschrauber der Russen. Eine Alternativroute soll dieses heikle Problem umgehen, doch auch hier trifft das Team auf massiven Widerstand, setzt schließlich Flashbangs ein, um der Übermacht Herr zu werden.

Intensives Erlebnis trotz alter Engine

Um eine Kommunikationszentrale auszuschalten, stürmt die eingespielte Einheit sogar die Räume der weltberühmten Wall Street, und dabei fliegen auch so richtig schön die Fetzen. Doch es wird allzu deutlich, dass wir wohl auch in der dritten Modern-Warfare-Episode mit der alten Engine leben und beispielsweise auf eine zerstörbare Umgebung nach wie vor verzichten müssen. Und auch die Levelgestaltung fällt nach den bisherigen Eindrücken unverändert linear aus.

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Es geht hinab ins kühle Nass.
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Was möglicherweise noch ein bisschen besser klappt als beim Vorgänger, ist nach diesen ersten Impressionen ein noch nahtloserer Übergang zwischen verschiedenen Spielsequenzen - auf dem Dach angekommen sehen sich die Marines etwa nach der Erfüllung ihres Auftrags erneut mit einer Vielzahl von Feinden auf gegenüberliegenden Dächern konfrontiert, die nun via Reaper-Drohne gleich im halben Dutzend ausgeschaltet werden.

Was früher ganze Missionen füllte, ist nun normaler Bestandteil des Spielablaufs. Selbstverständlich lässt sich dieses gefährliche Spielzeug auch gegen anfliegende Kampfhelis einsetzen, nur um danach die Minigun eines eigenen Black Hawks im Luftkampf zur Weißglut zu bringen. An unglaublich intensiv inszenierten Szenen mangelt es Modern Warfare 3 sicher nicht.

Dünne Nachrichtenlage

Leider halten sich die Macher mit detaillierten Spielinformationen sehr zurück - mehr als Allgemeinplätze wie "Wir bauen nach wie vor auf 60 FPS!", "Der Spec-Ops-Modus wird richtig, richtig groß und massiv ausgebaut!" oder auch "Wir wollen die Art und Weise verändern, wie die Leute über Mehrspielermodi denken!" sind so kurz vor der E3 scheinbar nicht drin.

Nach dem minutenlangen Dauergeballer bin ich fast froh, als mit "Mind the Gap" eine in London stattfindende verdeckte Mission angekündigt wird. Die Atmosphäre ist zunächst dicht und packend: Eine dunkle, verregnete Nacht könnte genau das richtige Szenario für einen hinterhältigen Spezialauftrag darstellen.

Call of Duty: Modern Warfare 3 - Reveal Trailer10 weitere Videos

Doch Pustekuchen, bereits nach wenigen Sekunden ballert die Einheit samt Unterstützern aus allen Rohren - subtil geht hier niemand vor. Das lässt sich aber noch locker steigern, denn plötzlich trifft auch noch ein befreundeter Kampfheli ein, der mit seinen mächtigen Waffensystemen gehörig unter den Kontrahenten aufräumt.

Klar, das macht visuell ganz schön was her. Ständig explodiert etwas, allerlei Geschosse fliegen einem vor der hell erleuchteten Hochhauskulisse nur so um die Ohren - in Sachen brachialer, monumentaler Dramaturgie könnte die dritte Episode tatsächlich noch einen draufsetzen.

Das beweist der Abschluss dieser Mission, in der die Marines auf einer Truck-Ladefläche einen U-Bahn-Zug durch den Untergrund der englischen Hauptstadt verfolgen, diesen mit ihren Schießeisen zu stählernem Schweizer Käse verarbeiten und sich ein wahnwitziges Rennen in Tunnels und Stationen voller Zivilisten liefern. Mitsamt bombastischem Finale, das diese Präsentation auch gleichzeitig beendet.