Etwa 9300 Kilometer beträgt die Distanz zwischen Berlin und Los Angeles. 4000 Quadratmeter umfasst das Gelände in Playa Vista, Kalifornien. Eine Million Dollar Preisgeld waren ausgerufen (allein 400.000 für das Siegerteam "Optic Gaming"), über 300 Medienvertreter aus aller Welt und laut offiziellen Angaben 6000 Besucher anwesend.

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Mit den Dropkick Murphys und Kayne West wurden zudem zwei völlig unterschiedliche Showacts engagiert, die die zwei Tage der Call of Duty: XP 2011 musikalisch abrundeten. Das sind nur die statistischen Rahmenbedingungen eines Events, in dessen Mittelpunkt die erstmalige öffentliche Zurschaustellung des Mehrspielermodus von Modern Warfare 3 (MW3) stand.

150 Dollar mussten Fans berappen, wenn sie sich auf dem riesigen Areal herumtreiben wollten, statt bei schönstem Sonnenschein am Strand zu liegen. Zugegeben, es ist verführerisch, lieber nach links abzubiegen und sich dem Lotterleben hinzugeben, als die Straße nach rechts zu nehmen (und dabei direkt am Electronic-Arts-Gebäude vorbeizufahren...) und sich in den Trubel der erstmals von Activision veranstalteten Messe zu stürzen.

Entlang an Palmen gesäumten Boulevards sieht man sich gedanklich Cocktail schlürfend auf einer Liege entspannen, doch schon von weitem grinst mir martialisch das Modern-Warfare-3-Emblem entgegen. Doch während am Pressetag die Straßen seltsam leer erscheinen für diesen Moloch von Stadt, zwängen sich bei der Anfahrt zum ersten der beiden Veranstaltungstage endlose Blechkarawanen zum Zielort und bringen die enthusiastischen Anhänger tröpfchenweise ins Call-of-Duty-Paradies.

Call of Duty: Modern Warfare 3 - A fistful of weapons

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Waffennarren konnten sich an allerlei Ausstellungsstücken sattsehen.
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Der heilige CoD-Gral

Hinter den Einlasspforten erwartet die gespannten Besucher ein Vergnügungsrummel der etwas anderen Art, vor Militaria nur so strotzend, keinen Hehl um die Waffengeilheit machend. In einem Bereich der weiträumigen Hallen macht es sich etwa die "Armory" bequem. Ausgestellt hat man so ziemlich alle Waffen, die es jemals in den Call-of-Duty-Titeln gab - von der Schrotflinte über Repetiergewehre, Revolver, Sturmgewehre aller Art, Raketenwerfer bis hin zu ausladenden Scharfschützengewehren, Schutzwesten und Mini-Guns.

Wer sich diese spezielle Show in der Show angesehen hat, wurde sogar mit einer "Armory"-Auszeichnung - einem Stofforden - belohnt. Dieses System hielt Activision übrigens bei vielen der Messe-Highlights für angebracht. Ob man sich durch das Paintball-Spiel ballerte und den berühmten "Scrapyard"-Level in einem 16-gegen-16-Match in der Realität nachspielte oder eine explosive Jeep-Tour mitmachte - oft gab es Anstecknadeln oder Stoffmedaillen als Belohnung.

Packshot zu Call of Duty: Modern Warfare 3Call of Duty: Modern Warfare 3Erschienen für DS, PC, PS3, Xbox 360 und Wii kaufen: Jetzt kaufen:

Eine Prämie fürs lange Anstehen hätten allerdings etliche Messebesucher verdient - fünf Stunden harrten einige nach eigenen Aussagen aus, nur um endlich einmal an die Reihe des ersten Mitmachspielchens zu gelangen. Und dabei hatten sie noch nichts anderes gesehen als Warteschlangen (im Stau, vor dem Eingang und vor den Events). Im Halleninneren vor den vielen Spielkonsolen gestaltete sich die Situation glücklicherweise viel entspannter. Keiner der Befragten stand sich länger als 30 Minuten die Beine in den Bauch, um entweder die neuen Mehrspielermodi spielen zu können oder sich die Zeit mit Black Ops zu vertreiben. Oft deutlich weniger. Aufgrund des Besucheransturms musste sogar die Eröffnungsrede von Activision-Boss Eric Hirshberg um eine halbe Stunde verschoben werden. Schließlich sollten möglichst viele Fans der Ankündigung zahlreicher frischer Inhalte lauschen.

Wie üblich zieht man während der Präsentation alle Register, hastig aneinandergereihte Bilder und Sound brüllen uns quasi die typischen CoD-Versatzstücke entgegen, und doch ist es anders als sonst. Nach wenigen Momenten wird klar, weshalb. Der Grad an Pathos, an selbstgefälligem Nationalbewusstsein, an Waffengeilheit, der bei jedem "our troops", jedem minutiös inszenierten Kopfschuss durch jubelnde Amis erreicht wird, ist für einen Mitteleuropäer nur mit Befremden aufzunehmen. Es ist schon fast gruselig, in einer solchen Atmosphäre den Kurzfilm "Operation Kingfish" anzuschauen, wo jeder Kill frenetisch abgefeiert wird - je menschenunwürdiger ("cooler"), desto lauter der Jubel.

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So sieht also ein Respawn im wahren Leben aus.
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Der Publisher führt nicht umsonst 100 Prozent der Einnahmen an die "Call of Duty Endowment"-Stiftung ab - eine Organisation, die amerikanische Veteranen bei der Jobhilfe unterstützt. Natürlich ist diese Art von dargestelltem Chauvinismus gleichzeitig eine geschickte Verkaufsshow, denn - seien wir ehrlich - um nichts anderes geht es bei Events wie diesen. Wer nach L. A. gepilgert ist, um sein Spiel aus nächster Nähe zu erleben, muss keinesfalls mehr überzeugt werden (die Hardened-Edition ist schließlich im Eintrittsgeld enthalten). Aber all die Unschlüssigen da draußen sollen noch indoktriniert werden von der Modern-Warfare-3-Qualität.

Vier Pfeiler des Erfolges

Diese basiert laut Hirshberg auf vier tragenden Säulen:

1. Epischer Realismus - realistische Kriegsdarstellung im überzeichneten Blockbusterstil

2. Ultimativer Adrenalinrausch

3. Einfach zu spielen, schwierig zu meistern (Bin ich der Einzige, der diese Phrase nicht mehr hören kann? ...)

4. 60 FPS - "Eine Religion für unsere Entwickler". Eine Maßgabe, der sich alle Spielelemente unterordnen müssen.

Kill Confirmed!

Obwohl man in vielerlei Hinsicht die Standards für heutige Mehrspielermodi mit Perks und weiteren motivierenden Elementen etabliert habe, sollen neue Features die Erfahrung auf "ein völlig neues Level anheben" (Robert Bowling, Creative Strategist bei Infinity Ward). Erreichen wollen das die Entwickler Infinity Ward und Sledgehammer Games unter anderem mit einer Neuausrichtung des Perk- und Killstreak-Systems.

Zukünftig sind die reinen "Kills" nicht allein entscheidend für den Erfolg in Modern Warfare 3, stattdessen will man laut Bowling eine größere Variabilität der Spielstile mit einer verbesserten Balance anbieten. Die Code-Tüftler nennen das "Strike Packages", die wiederum nichts anderes sind als eine Kombination aus Killstreaks und der Erledigung von spielimmanenten Herausforderungen, Support-Aufgaben und Zielvorgaben. Zusammen: Pointstreaks.

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Nach offiziellen Angaben strömten etwa 6000 Besucher in die heiligen Call-of-Duty-Hallen.
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Um das Ganze übersichtlicher zu gestalten, sind die Pakete in drei Untergruppen aufgeteilt:

- "Assault Strike Package": Punkteserien innerhalb dieses Paketes addieren sich miteinander und sind auf den direkten Schaden ausgerichtet, beinhalten sie doch Extras wie Kampfheli und Predator-Raketen. Insgesamt erinnert das sehr an Modern Warfare 2. Der Streak wird beim Tod zurückgesetzt.

- "Support Strike Package": Punkteserien verketten sich hier zwar nicht, dafür werden sie im Abschuss aber auch nicht zurückgesetzt. Skill-Extras sind eher für unterstützende Spielstile geeignet und stellen etwa UAV, Counter UAV, SAM-Geschütze, Drohnen oder sogar Stealth-Bomber bereit.

- "Specialist Strike Package": Diese Punkteserien sind für "Experten" gedacht, da die Belohnungen in Form von zusätzlichen Perks erfolgen. Nach zwei, vier und sechs Kills werden Fertigkeiten freigeschaltet, die neben den drei obligatorischen Perks einsetzbar sind. Nach dem Tod erfolgt auch hier die Herabstufung auf null.

Eine Rückkehr feiern die Death-Streaks, die Neulingen und schwächeren Spielern bei vier ("Juiced", schneller rennen), fünf ("Revenge", letzte Person, durch die man umgekommen ist, wird auf dem Radar sichtbar) oder sechs ("Dead Man's Hand", Last-Stand-Modus, aber mit C4-Sprengsatz) Toden hintereinander kurzzeitig spezielle Talente verleihen. Eine weitere Neuerung stellen dagegen die Waffenfertigkeiten dar - je öfter eines der über 40 Kriegsgeräte eingesetzt wird, desto effizienter werden diese in ihrer Anwendung. Möglich machen das teils einzigartige freischaltbare Attribute wie auch Fähigkeiten (z. B. verringerter Rückstoß) und Anbauteile wie Schalldämpfer oder Rotlichtvisier.

Call of Duty: Modern Warfare 3 - Bilder zum XP-Event 2011

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Inwiefern sich bei all diesen Änderungen die Abschaffung älterer Problemzonen (etwa keine "Commando"- und "Last Stand"-Perks mehr, keine Schrotflinten als Zweitwaffen) und die allgemeine Spielaustarierung bemerkbar machen, lässt sich trotz einer längeren Spielsitzung noch nicht sagen. Ich persönlich habe (als durchschnittlich erfolgreicher Spieler) jedoch nach wie vor das Gefühl, regelmäßig "von oben" ausgelöscht zu werden. Ob das jetzt eine Predator-Rakete verursacht oder ein Tarnkappenbomber, ist in diesen Fällen wurscht. Frustrierend ist es allemal. Ich bin gespannt, ob das finale Spiel in dieser Hinsicht langfristig tatsächlich von den Anpassungen profitiert.

Schon jetzt überzeugt jedoch einer der neuen Modi namens "Kill Confirmed", fügt er Modern Warfare 3 doch eine völlig neue taktische Komponente hinzu. Kassiert man in klassischen Deathmatch-Partien für jeden Abschuss Punkte, müssen hier die zurückbleibenden Dogtags eingesammelt werden, um siegreich zu sein. Der strategische Clou: Seid ihr schneller als der Feind an der "Hundemarke" eines abgeschossenen Teamkameraden, verwehrt ihr diesem den erfolgreichen "Kill" - wer clever ist, späht daher zunächst die "Crimescene" aus und lauert auf den Punkte heischenden Widersacher.

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Das Ami-Team "Optic Gaming" sicherte sich 400.000 Dollar Preisgeld.
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Übrigens muss niemand um eigene Abschusspunkte bangen. Sammelt ein Kumpel den Dogtag eines gefallenen Gegners ein, landen auf beiden Konten Zähler. Eine durchdachte Mechanik, die aufkommendem Unmut bereits im Vorfeld den Wind aus den Segeln nimmt. Kill Confirmed gehörte unter Spielern und Medienvertretern zu den eindeutigen Highlights der Call of Duty: XP 2011 und wird, da bin ich mir sicher, auch nach Release zu den meistgespielten Modi gehören.

Apropos Modi: MW3 stockt die Möglichkeiten für die Erstellung privater Spielsessions bedeutend auf. Eigene Spielbedingungen, Regelsets und spezielle Modi erweitern laut offiziellen Angaben die Vielfältigkeit abseits der Standard-Server, die anfänglich mit 16 Karten bestückt sind. Über den neuen Online-Service "Elite" können beliebte Eigenkreationen übrigens sogar auf öffentliche Playlists gewählt werden. Und Call of Duty: Elite bietet zum Preis von 49,99 Dollar eine riesige Anzahl von Statistiken, Analyse-Tools, Tipps, Informationen, mobilen Zugang auf allen Plattformen und noch einiges mehr und ist außerdem für die Verwendung auf Konsole optimiert.

Die meisten dieser Funktionen sind laut Activision kostenlos, die Premium-Mitgliedschaft umfasst jedoch unter anderem alle Download-Inhalte eines Abo-Jahres (die bisher 60 Dollar kosteten) und ist auch bei Erwerb der Hardened-Edition inklusive. Allerdings soll es die Zusatzinhalte zukünftig häufiger (monatlich) und mehr (20) geben, Bezahl-User (und Xbox-360-Besitzer) erhalten die DLCs früher, nehmen an regelmäßig stattfindenden lukrativen Wettbewerben teil und können ihre Clans im Level steigern. Ob Letzteres Vorteile abseits von Statistiken und Auszeichnungen einbringt, ist noch unbekannt.

Fazit

Die Call of Duty: XP 2011 ist eindeutig eine Messe für Fans, und die bekommen für ihr Eintrittsgeld einen mehr als fairen Gegenwert: die Hardened-Edition, zwei prominente Showacts, viel verschenktes Merchandise und vor allem auch etliche Anspielstationen zum neuen Mehrspielermodus - nur im Bereich der Live-Action-Events muss sich Activision noch steigern. Fünf Stunden Wartezeit, um zehn Minuten mit einem Jeep herumgekarrt zu werden oder sieben Minütchen in der Paintball-Arena zu verbringen, sind dann doch etwas happig. Abgesehen davon mangelt es ein wenig an der Vielfältigkeit dieser Spielelemente. Trotz einiger Anfangsprobleme darf die Erstauflage des Events als gelungen bezeichnet werden.

Was Modern Warfare 3 betrifft, haben sich Infinity Ward und Sledgehammer Games durchaus Gedanken gemacht, wie sich der Multiplayer-Modus nach all den Jahren sinnvoll aufpeppen lässt. Die Neuerungen hinsichtlich Killstreaks und Waffenfertigkeiten sind vielversprechend, doch der Langzeittest muss zeigen, ob das Balancing tatsächlich auch den Durchschnittsspielern entgegenkommt. Ein Zugewinn ist aber definitiv der neue Modus "Kill Confirmed", der bis dato kaum gekannte taktische Anleihen hinzufügt. "Elite" konnte mich dagegen nach wie vor nicht begeistern - aber ich gehöre auch nicht zu den klassischen DLC-Käufern. Diese Gruppe profitiert greifbar von der Premium-Mitgliedschaft. Alle anderen dürften auch mit den kostenlosen Elite-Bestandteilen glücklich sein.

Call of Duty: Modern Warfare 3 - Bilder zum XP-Event 2011

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