Hollywood ist zwar schon längst nicht mehr das Zentrum der amerikanischen Filmindustrie, doch Träume blühen (und platzen) dort heutzutage immer noch massenweise. Jungschauspieler und gescheiterte Existenzen verdienen sich auf dem weltberühmten Walk of Fame ein karges Zubrot, während eine ausgesuchte Schar internationaler Journalisten auf den Zugang zu einem höchst exklusiven Event wartet: Entwickler Infinity Ward hat nach Los Angeles geladen, um den Multiplayer-Modus von Call of Duty: Modern Warfare 2 vorzustellen. Wir haben es uns natürlich nicht nehmen lassen, ebenfalls ins sonnige Kalifornien zu reisen ...

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Limited Edition der Xbox 360

Bevor wir uns jedoch mit den anderen Pressevertretern aus aller Welt um einen Platz an den 36 Xbox 360-Konsolen kloppen durften, stellten Activision und Microsoft gemeinsam einige Neuerungen des ambitionierten Actionspiels vor "dass wir von Grund auf neu entwickelt und nur die Seele erhalten haben", so Infinity Ward-CEO Vince Zampella. Call of Duty-Fans dürften sich vermutlich die Finger lecken, wenn sie die Limited Edition der Xbox 360 zu sehen bekommen (Preis und Erscheinungsdatum in Europa noch nicht bekannt - USA: 399$).

Call of Duty: Modern Warfare 2 - Ausführlich angespielt: In L.A. haben wir uns ins neue CoD gestürzt

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Die Ruhe vor dem Sturm.
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Im militärischen Design gehalten enthält das Paket zwei Controller, eine 250-GB-Festplatte sowie natürlich Modern Warfare 2. Wie und warum es zu dieser Kollaboration der beiden Unternehmen kam und warum Sony bzw. die Playstation 3 auf diesem Event außen vor standen, wollte man auch nach hartnäckigen gamona-Fragen nicht beantworten. "Fragt doch Sony", war die etwas dünnhäutige Antwort während unserer Interviewsession mit Lead Designer Todd Aldermann. Fragen zu Spec-Ops-Modus oder Singleplayer-Kampagne wurden leider ebenfalls nicht beantwortet.

Glücklicherweise wurde die einführende Präsentation kurz gehalten. Schließlich hatten wir den langen Weg in die kalifornische Metropole nicht auf uns genommen, um lange Reden zu hören. Die versammelte Journaille scharte buchstäblich mit den Hufen, um endlich die Hände an die Gamepads zu legen. Kaum war die Pressekonferenz beendet, brach das Inferno los. Nein, es gab nicht das befürchtete Jahrhunderterdbeben in L.A. - das Unheil nahm auf den Bildschirmen seinen Lauf. Wer den Modern Warfare 2-Vorgänger gespielt hat, kann sich ungefähr ausmalen, was ihn erwartet. Zwei Teams, ein Ziel: Vernichte die Gegenseite, egal wie.

Kriegsinferno auf drei neuen Maps

Infinity Ward hatte uns drei Karten vorgesetzt, auf denen vom ersten Moment an bei Teamdeathmatch-, Capture the Flag- oder den neuen Demolition-Modus- Gefechten (Bombe platzieren bzw. abwehren) die Hölle losbrach. Wie kaum ein anderes Actionspiel versteht es Call of Duty, den Spieler intensiv in das Geschehen zu ziehen. Infernalischer Kriegslärm betäubt fast die Sinne, als ich mir die Kopfhörer überstülpe. Ein internationales Sprachgewirr macht eine Kommunikation fast unmöglich.

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Nur die Creme de la Creme der internationalen Spielepresse durfte dabei sein - und wir auch!
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Während die einen auf Deutsch palavern, antworten die anderen auf Französisch, Englisch oder Spanisch. Gleichzeitig. Dazwischen explodieren Semtex-Sprengkörper, herumsirrende Geschosse lassen Fensterscheiben geräuschvoll zerbersten, Luftangriffe bringen die Grundmauern der Gebäude ins Wanken, Granaten detonieren in unmittelbarer Nähe gleich Dutzendweise - der digitale Kriegswahnsinn trägt einen Namen. Und der lautet Modern Warfare 2.

Nach zwei Stunden Spielzeit ist klar: Modern Warfare 2 wird wieder explosiv!Ausblick lesen

Die Maps sind uns natürlich vollkommen unbekannt, daher irren wir zunächst ein wenig wie Falschgeld durch ein riesiges Wüstenschlachtfeld. Gleißend helles Licht verwandelt die Umgebung in eine unberechenbare Todeszone, in der abgestürzte Bomber sowie Bunker für ein wenig Deckung sorgen.

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Das neue Xbox 360-Bundle - militärisch, praktisch, gut?
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Dann wieder hetzen wir über das Dach eines Bürogebäudes, auf dem verborgene Gänge und Hubschrauberlandeplätze Schleichern und Snipern gute Jagd-Bedingungen bieten und dazwischen MP-Garben die Feinde von den Beinen holen. Als Dritter im Bunde begrüßt uns eine heruntergekommene Favela, die mit ihrem verwinkeltem Design jede Menge Raum für Scharmützel und Häuserkämpfe bietet und in dem sich das Nahkampfmesser hervorragend zum Sammeln von Kills dient. Schliiiiitz - ihr kennt das ja ...

Viele Detailänderungen

Am grundlegenden Spieldesign des Mehrspieler-Modus hat sich im Vergleich zum Vorgänger nicht viel geändert. Die Eingewöhnung fällt daher nicht schwer, vieles kommt mir sofort bekannt vor. Infinity Ward hat vielmehr an Details geschraubt, die das Spielerlebnis noch intensiver gestalten sollen. "Wir haben Tonnen an neuem Zeug ins Spiel gebracht", erzählt uns Aldermann in unserer Interviewsession denn auch enthusiastisch.

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Tod Aldermann: "Es gibt sicherlich jetzt viel mehr Wege, Modern Warfare an seinen Spielstil anzupassen"
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"Wir behandeln Modern Warfare 2 jedoch nicht als Fortsetzung, für uns ist es ein eigenständiges Spiel", behauptet der Game Designer, was spielerisch bisher nur bedingt nachvollziehbar ist. Die vielen kleinen Änderungen jedoch schon. "Es gibt nun Schalldämpfer für Schrotflinten, ihr könnt eure Ammo an toten Feinden auffrischen, viele neue Killstreak-Belohnungen, neue Deathstreaks, Semtext-Ladungen, Wurfmesser, die Predator-Missile, ein Care-Paket, Call-Signs, Sentry Weapons und vieles mehr", gibt der gute Mann zu Protokoll. Uff, wer soll da den Überblick behalten?

Also der Reihe nach: Es gibt nun viel mehr Belohnungen für Spieler. Beispiel? Am Ende jeder Partie erhält jeder Spieler nicht nur Erfahrungspunkte, mit denen wie gewohnt Perks aller Art freigeschaltet werden, sondern auch Auszeichnungen wie "Die meisten Granatenkills", "Die häufigsten Tode hintereinander" und so weiter. Wie viele solcher Mini-Achievements erreichbar sind und wie sie alle heißen, hält das Unternehmen geheim. Die neuen Rufnamen ("Call Signs") sind für alle Mitspieler sichtbar, müssen jedoch auf die harte Tour verdient werden. Viele werden wohl nur von Hardcore-Spielern freigeschaltet werden können und dienen als zusätzlicher Motivations-Anreiz.

Wichtiges Balancing

Ab sofort können übrigens auch sekundäre Waffen mit Upgrades versehen werden. Außerdem neu: Semtex- Haftsprengkörper, die auch als Wurfgeschosse einsetzbar sind. Sehr effektiv ist dieses neue Kriegsmittel beispielsweise gegen Schildträger. Wer sich mit dem "Riot Shield" als Primärwaffe ausrüstet, wehrt zwar fast alle von vorne kommenden Geschosse ab, kann jedoch nicht selber ballern. Das Umschalten auf die sekundäre Wumme kostet quälend lange Sekunden - Zeit, die man in den heißen Gefechten meist nicht hat. Das Schild ist also keineswegs allmächtig und das ist auch gut so.

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Zocken bis der Sanitäter kommt: Das Bildschirm-Inferno in L. A.!
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Stichwort Balancing. Wie will Infinity Ward die Chancengleichheit bei all den vielen neuen Individualisierungsmöglichkeiten wie z. B. bei Perks, Killstreaks und Rufnamen gewährleisten? "Es gibt sicherlich jetzt viel mehr Wege, Modern Warfare an seinen Spielstil anzupassen" erzählt Aldermann, "und so hat jede Waffe und jedes Tool auch gewisse Nachteile. Nehmen wir als Beispiel das Riot Shield. Es schützt zwar gegen fast alle Waffen, setzt ihr jedoch Semtex, Flashbangs oder die Sentry-Gun ein, dann kehrt sich der Vorteil ganz schnell ins Gegenteil um."

Deathstreaks für Dauertode

Bei all diesen Details die Übersicht zu behalten, wird schon den Spielentwicklern nicht leicht fallen. Als Spieler habt ihr tatsächlich deutlich mehr Möglichkeiten, mit "create a class" euren Lieblingscharakter zusammenzustellen und weist ihm eure Lieblingsperks-, Killstreaks- und Deathstreaks zu. Teilweise beeinflussen die neuen Gadgets sogar den Spielablauf.

Mit einer bestimmten Anzahl von Kills schaltet ihr wie gewohnt Spezialfertigkeiten frei. Neu ist z. B. das Care-Paket, das aus der Luft abgeworfen wird und euch (aber auch eure Widersacher!) mitten auf dem Schlachtfeld mit Ammo oder anderen Goodies versorgt. Außerdem kann die Truhe aber auch Killstreak-Belohnungen enthalten. Die Nachschubkiste ist daher ziemlich beliebt und lässt sich von cleveren Spielern auch als Lockmittel zum Snipern ge-/missbrauchen.

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Der Bildschirmtod hat im nächsten Teil auch Vorteile.
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Eine weitere Neuerung sind die Deathstreaks. Lasst ihr euch ein paar Mal umpusten ohne dazwischen selbst einen Abschuss vermelden zu können, dürft ihr eurem Gegenspieler als "Copycat" die Klasse klauen - mitsamt Bewaffnung und anderer Ausrüstungsgegenstände. Auf diese Weise erhaltet ihr unter Umständen Zugriff auf Fertigkeiten, die ihr noch gar nicht freigeschaltet habt. Euer Kontrahent verliert während dieser Aktion übrigens nichts, er soll für seine Überlegenheit ja nicht bestraft werden. Wer zu oft niedergemäht wird, kann sich alternativ auch für einen Lebenspunkte-Boost entscheiden, der ihm für zehn Sekunden nach dem Respawn einen kleinen Vorteil verschafft.

Viel Zerstörung, aber nix kaputtbar

Kill- und Deathstreaks könnt ihr in privaten Spielsitzungen übrigens abschalten, wobei wohl kaum jemand auf die neuen Luftschläge á la Predator-Missile verzichten wollen wird: Wer genügend Kills auf seinem Konto ansammelt, schaltet nicht nur Spionage-Tools oder das Care-Paket, sondern auch diesen lenkbaren Raketenangriff frei. Mit eigener Hand dirigiert ihr per Fadenkreuz einen tödlichen Luftschlag ins Ziel, der mitunter ganze Teams ausradiert.

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Viel Rauch um nichts. Selber zerstören ist nicht.
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Die vielfältigen Individualisierungsmöglichkeiten tun der Action jedoch keinen Abbruch. Im Gegenteil: Ohne Unterlass liefern sich die Teams heiße Duelle, sprengen sich mit Granaten, Semtex und Luftschlägen in die Luft und bewundern die zahlreichen neuen Auszeichnungen - und das alles bei nahezu konstanten 60 FPS. Nur sehr wenige Ruckler störten das Spielvergnügen. Bei dieser hohen Framerate müssen jedoch auch einige weniger hoch aufgelöste Texturen hingenommen werden, die vor allem aus der Nähe hässlich wirken.

Dabei hinterlässt die Kulisse insgesamt einen recht detailliert modellierten Eindruck und ist mindestens so hübsch wie im Vorgänger. Zerstörbare Objekte bzw. Gebäude sucht man in Modern Warfare 2 allerdings nach wie vor vergebens. Dafür will Infinity Ward die Modder-Szene weiter aktiv unterstützen. "Modder sind sehr wichtig für uns", beschreibt Aldermann die Firmenpolitik, "wir haben sogar einige von ihnen angestellt. Sie arbeiten jetzt bei uns als Leveldesigner und sorgen dafür, dass Modern Warfare 2 noch besser wird."