Wenn man den Internetforen glauben darf, ist Call of Duty wohl eines der schlechtesten Spiele aller Zeiten: Mehr als geskriptetes Tontaubenschießen ist das Ballerspiel scheinbar für die wenigsten. Doch die schweigende Mehrheit scheint auch in diesem Fall einfach zu genießen - mehr als 100 Millionen Spieler haben sich in den vergangenen Jahren mit den diversen Ausgaben vergnügt - und das Spiel ungeachtet aller möglichen Hasstiraden, berechtigter Vorwürfe und Kritik für Activison zu einer Goldgrube gemacht. Jetzt hat man zusammen mit Entwickler Infinity Ward in Los Angeles die Details zum Mehrspielmodus des zehnten Teils "Call of Duty: Ghosts" vorgestellt.

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Wie weit darf man sich von einem Erfolgsrezept entfernen, damit der Kuchen am Ende noch schmeckt? Infinity Ward steht vor der schwierigen Aufgabe, einem bereits ausgereiften Spielprinzip frischen Wind zu verpassen, ohne mit zu gravierenden Neuerungen die Anhänger zu verprellen. Es ist also kein Wunder, dass bei der Vorstellung der Multiplayer-Features keine Risiken eingegangen werden. Gewiss: Geschraubt wird an vielen Ecken und Enden, etliche Details überarbeitet, massig neues Zeug eingeführt.

No Risk - Big Fun?

Die ersten Stunden an Controller und Maus mit "Ghosts" sind aber spielerisch nur selten spektakulär - vielmehr stellt sich im Handumdrehen das bekannte CoD-Gefühl ein: hektische, schnelle Gefechte, in denen man von Blei-Garben schneller umfällt, als man sich umdrehen kann. Die Maps folgen ebenfalls dem bekannten Schema und sind meist rettungslos verwinkelt - hinter jeder Ecke lauert der virtuelle Tod.

Infinity Ward führt Neuerungen massiv dort ein, wo sie zunächst keinem wehtun. Etwa bei der Individualisierung der Spielfiguren. Mit "Ghosts" erhaltet ihr Slots für bis zu zehn Charaktere, die ihr völlig frei gestalten könnt. Ihr entscheidet euch an diesem Punkt nicht mehr für einzelne Klassen, sondern erstellt eure eigenen Elite-Soldaten. Mehr als 20.000 unterschiedliche Körperteile, Ausrüstungsteile und zig Waffen stehen euch laut Activision dazu zur Verfügung. Sogar weibliche Kämpferinnen ziehen jetzt für euch in den Krieg - ein Novum in der modernen Call-of-Duty-Geschichte.

Übrigens: Sobald einer der Charaktere den Prestige-Status erreicht, geht er nicht mehr verloren. Ihr könnt also alle zehn Soldaten nach oben leveln. Infinity Ward führt zudem eine neue Waffen-Klasse ein: die Marksman-Schießprügel. Das entspricht einer Mischung aus Sniper und Sturmgewehr. In der Praxis hatte ich jedoch das Gefühl, dass die Visiere beim Zoomen relativ träge reagierten und in den schnellen Gefechten häufig unterlegen waren. Infinity Ward behauptet außerdem, die Umgebungsschärfe beim Benutzen solcher Scharfschützen-Aufsätze deutlich zu erhöhen. Im Praxis-Test war davon aber noch (?) nicht viel zu sehen.

Call of Duty: Ghosts - Innovation: Jetzt auch mit Frauen!

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Die Spieler-Charaktere können so individuell gestaltet werden wie nie zuvor: Für die bis zu zehn konfigurierbaren Soldaten-Figuren stehen mehr als 20.000 Ausrüstungs-Optionen zur Verfügung.
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Auch das Perk-System für die vielen Spezial-Fertigkeiten erfährt eine Überarbeitung. Auch in diesem Punkt herrscht das Gefühl vor, dass lediglich die Zählweise für die Auswahl angepasst wurde, letztendlich aber keine nachhaltigen Änderungen für den Spielablauf zu erwarten sind. Allerdings fallen die Deathstreaks weg, von denen bislang vor allem unterlegene Spieler profitierten. Eine willkommene Anpassung ist jedoch die Reduzierung der Luft-Attacken - in "Ghosts" greift ihr stattdessen vermehrt auf bodengestützte Angriffe zurück. Darunter auch den Kampfhund "Reilly", der euch über die Map folgt und Gegner attackiert.

Packshot zu Call of Duty: GhostsCall of Duty: GhostsErschienen für PC, PS3, Xbox 360, Xbox One und PS4 kaufen: Jetzt kaufen:

Doch da, wo Änderungen tatsächlich wehtun könnten, beim Gameplay, gehen die Entwickler keine großen Wagnisse ein. So wirken die Scharmützel nach wenigen Stunden Spielzeit eher wie ein verhaltenes Update und nicht ein neues Spiel. Zwar sagte Mark Rubin von Infinity Ward, dass bei den Arbeiten an "Ghosts" "nichts heilig war" und man sich jedes Fitzelchen des Spiels zur Brust genommen hätte.

Daraus folgen aber nicht zwangsläufig gravierende Umwälzungen. So sollen etwa die Animationen der Spielcharaktere flüssiger ablaufen, das Springen über Objekte oder das Rutschen so gut gelingen, dass es keine störenden Hackler gibt. Mir ist das beim Ballern aber noch nicht sonderlich aufgefallen - an Hindernissen und kleinen Ecken bin ich aber ziemlich häufig hängen geblieben.

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Ist dieser Gegner "menschlich" oder computergesteuert? Im neuen "Squad"-Modus können Spieler auf beide Arten von Kontrahenten treffen. Spieler können dabei wählen, ob sie lieber gegen selbsterstellte Feinde antreten oder die Teams anderer Spieler bekämpfen.
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Trotzdem: In dem Wust der vielen kosmetischen Anpassungen, von denen man als Spieler zunächst gar nicht so viel mitbekommt, verstecken sich auch einige potenzielle spielerische Perlen. Etwa der neue Spielmodus "Cranked" - einer von sieben neuen Modi. Kennt ihr den Actionfilm "Crank" mit Jason Statham? So ungefähr müsst ihr euch das vorstellen: Eigentlich handelt es sich um stinknormale TDM-Partien. Aber sobald ihr einen Feind abballert, geht es ab wie auf Speed.

No Risk - Big Fun? 'Ghosts' setzt die Reihe sicherlich solide und mit einigen gelungenen Neuerungen fort. Doch ob das ausreicht, um auf dem Shooter-Thron zu bleiben?Ausblick lesen

Ihr habt nur 30 Sekunden, um weitere Abschüsse zu landen. Scheitert ihr dabei, sprengt euch eine satte Explosion in tausend Teile. Eine coole Version von Search and Destroy bzw. XYZ ist Search and Rescue. Wer die Dogtags seiner gefallenen Kameraden einsammelt, sorgt für ihren unmittelbaren Respawn. Holt sich aber der Gegner das Abzeichen, heißt es für den Rest der Runde Zugucken.

Dynamische Dauer-Geballer

Dass Battlefield bei seinen Fans so beliebt ist, liegt neben den Vehikel-Schlachten auch an den weitgehenden Zerstörungsmöglichkeiten. Auch Call of Duty soll zukünftig dynamischere Schlachtengemälde liefern, indem die Maps interaktive Elemente erhalten. So lasst ihr mit Explosiv-Waffen beispielsweise Teile einer Tankstelle einstürzen oder verändert das Map-Layout durch andere Aktionen so stark, dass neue Deckungsmöglichkeiten oder Wege entstehen. Auch versteckte Nachschubkisten befördert ihr auf diese Weise ans Tageslicht.

Apropos Deckung: Neu ist auch ein kontextualer Mechanismus, der die Figuren ohne Tastendruck automatisch um die Ecke herumlugen lässt, wenn man sich in Deckung befindlich zur Seite neigt. Momentan scheint dieses Feature aber noch nicht zuverlässig zu funktionieren, denn bei einigen Objekten klappte das gut, oft genug aber auch nicht.

Ganz neue Wege geht Infinity Ward mit dem neuen "Squad"-Spielmodus. Er stellt eine Art Bindeglied zwischen Single- und Multiplayermodus dar, denn er kann sowohl online als auch offline, solo oder im Team gezockt werden. Das Erschaffen der bis zu zehn Soldaten-Figuren ergibt hier besonderen Sinn, denn diese von euch kreierten Kämpfer ziehen mit und gegen euch in die Schlacht. Wer sich seine Sporen lieber im Kampf gegen KI-Bots verdienen will, kann sich hier voll und ganz ausleben.

Denn in "Squad" erhaltet ihr genauso Erfahrungspunkte, als würdet ihr gegen menschliche Kontrahenten antreten. Aber: Auch das ist hier möglich. Denn ihr könnt nicht nur gegen eure eigenen Soldaten antreten, sondern auch mit ihnen gegen die Trupps anderer Spieler kämpfen oder kooperativ die Waffen sprechen lassen. Oder eure Recken sogar aktiv werden lassen, während ihr offline seid. Sie lassen es dann selbstaktiv gegen andere Teams krachen und holen für euch Punkte heran.

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Viele der Call-of-Duty-Karten sind extrem verschachtelt und verwinkelt. Einen so guten Überblick über die Lage erhält man als Spieler selten.
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Neues Audio-Design

Änderungen verspricht Infinity Ward auch hinsichtlich des Sound-Gewandes. Die Amis nennen es "Tactical Audio Design". Damit wollen sie ausdrücken, dass sich jede Umgebung von der anderen unterscheiden soll. Außerdem soll die Technik die präzisere Ortung von Kontrahenten auf dem Spielfeld erleichtern. Sowohl die (kaum auszumachenden) grafischen Upgrades wie auch spielerische und akustische Neuerungen sollen übrigens auch auf der auslaufenden Konsolengeneration zum Tragen kommen.

Zu guter Letzt springt man auch bei Call of Duty auf den mobilen Zug auf. Ihr habt also per App nicht nur alle eure Statistiken und Soldaten dabei und bereitet sie von unterwegs auf ihre/eure Einsätze vor, außerdem ist euer Spielkonto innerhalb einer Konsolenfamilie zukunftssicher: Wer freigeschaltete oder bezahlte Inhalte auf der Xbox 360 besitzt, wird alles auch auf der Xbox One (oder PS3 -> PS4) nutzen können.

Clan-Spieler sollen darüber hinaus von einer soliden Unterstützung profitieren, die das Formieren, Führen und Organisieren von Spieler-Vereinigungen erlaubt. Egal, in welchem Modus ihr spielt - ihr sammelt immer auch Erfahrungspunkte für euren Clan. Ein Meta-Game namens "Clan Wars" lässt euch außerdem gegeneinander antreten und um Territorien kämpfen. Spezielle Bonus-Inhalte gibt’s zur Belohnung obendrauf.