Wasserblasen blubbern, kleine Fische kommen angeschwommen und gucken neugierig: „Hey Nemo, wer is’n das? Hast du die eingeladen?“ Die, das sind zwei amerikanische Kampftaucher. Sie tragen dunkelblaue Neopren-Anzüge, eine schwarze Maske und davon führt ein dicker Schlauch zu Sauerstoffflaschen. Die eine Hand ist leer, in der anderen tragen sie spitze Harpunen. Nemo ist das jedenfalls nicht geheuer, der haut lieber ab.

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Gute Idee, denn gleich bricht hier die Hölle los: Ein Kollege kommt mit seinem Unterwasser-Scooter auf uns zugeschossen, da knallt es spürbar über Wasser und mächtige Gesteinsbrocken eines Riffs rieseln auf den Kollegen herunter. Der schaut panisch nach oben, schreit ein „Oooh Shit“ ins Headset, weicht aus, wird erwischt, crasht und rast beinahe in uns hinein. Die scharfen Propeller ratschen haarscharf an uns vorbei, schneiden beinahe unseren Schlauch durch und da ist es wieder – das gute alte Call-of-Duty-Gefühl.

Call of Duty: Ghosts - Mehr Stealth, jede Menge Action und... ein Hund!

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Schallgedämpfte Waffen statt Explosionen all überall: Die vorgespielten Szenen haben einen deutlichen Stealth-Touch.
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Mit „Ghosts“ sucht Infinity Ward allerdings mehr die Balance: Vollgas-Action und Explosionen? Immer gerne, aber gemischt mit Stealth-Einsätzen und einer Spielgeschwindigkeit, die nicht jede Minute drei Black Hawks abstürzen lässt.

Geister rasen nicht mit dem Panzer durch die Tür

Die größte Neuerung von „Call of Duty: Ghosts“ dürfte das reduzierte Tempo sein. Es ist weniger dieses adrenalingeladene BAM-BOOM-BANG-Szenario, was wir sonst aus „Call of Duty“ gewohnt sind. In der Demo rasen wir nicht mit einem gepanzerten Jeep durch ein Pariser Einkaufszentrum, werden dabei von russischen Kampfhubschraubern verfolgt und alles um uns herum explodiert. Es ist nicht dieser Schleier aus Glasstücken und Betonbrocken, der besonders in „Modern Warfare 3“ sekündlich über uns hergefallen ist, sondern fast schon eine Atmosphäre, die an „Splinter Cell: Blacklist“ erinnert.

Auf einem Schiff schleichen wir uns an einen mit Sturmgewehr bewaffneten Soldaten heran, rammen ihm das Kampfmesser in den Rücken und hindern ihn mit der Faust am Schreien. In der kurzen Spielsequenz nutzen wir auch sonst ausschließlich schallgedämpfte Waffen wie eine AAC Honey Badger. Das ist eine sehr spezielle Waffe, die extra für Spezialeinheiten entwickelt wurde, um die in die Jahre gekommene MP5 abzulösen. Oder wir seilen uns bei starkem Regen zusammen mit einem anderen Elitesoldaten an der Glasfassade eines Wolkenkratzers ab und infiltrieren ein schwer bewachtes Regierungsgebäude.

Das ist ein durchaus neuer Ansatz, weil die Jungs nicht mehr mit dem Panzer durch die Eingangstür fahren, sondern taktisch vorgehen wie in „Rainbow Six Vegas“. Die Chancen stehen also nicht schlecht, dass Infinity Ward ein bisschen mehr Richtung Authentizität geht. Denn man höre und staune: Echte Spezialeinheiten infiltrieren ihr Missionsobjekt möglichst unerkannt.

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Adrenalin-Junkies werden aber auch glücklich: Wir purzeln durch einstürzende Wolkenkratzer und werden von Haien attackiert.
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Bang-Boom-Bang: Klar, darf auch nicht fehlen

Aber keine Sorge, Adrenalin-Junkies: Gebäude brechen zusammen und wir rutschen langsam durch die Gänge, während alles explodiert. Zumindest in der Präsentation funktioniert die Balance aus Stealth und Action sehr gut. Im einen Moment seilen wir uns noch an jenem Wolkenkratzer ab, der in den nächsten Minuten kippt und das Level in eine Rutschpartie mit munterem Ballerpart verwandelt. Auch das anfangs harmonische Treffen mit Nemo und seinen Freunden ist schnell vorbei und die Action übernimmt wieder.

Wir müssen eine Unterwasserstation erreichen, von der aus wir einen Torpedo auf ein Sonarschiff abfeuern können. Erst wenn der Pott Geschichte ist, kann der Rest des Teams nachstoßen. So soll jeder Charakter auf seine Fähigkeiten zugeschnittene Missionen bekommen. Als Navy-Seal werden wir dummerweise vom Sonarschiff entdeckt, Wasserbomben fallen, schlagen in Wracks ein und Trümmer schießen uns entgegen. Aber auch hier stimmt die Balance: Vorher mussten wir uns leise bewegen. Sobald das Echo des Sonars ertönte, verstecken wir uns hinter verrosteten Schiffswänden und hinter Riffs.

Zwei Brüder treffen auf Legenden

In „Call of Duty: Ghosts“ fungieren zwei Brüder als Protagonisten, die relativ zu Beginn des Spiels auf die „Ghosts“ treffen. Das ist eine streng geheime, neu geformte Eliteeinheit des US-Verteidigungsministeriums, die aus den Besten der Besten der US Navy Seals, Delta Forces sowie diverser Antiterroreinheiten besteht. Wird es ein Wiedersehen mit der Task Force 141 geben? Weder Produzent Marc Rubin noch Animation Lead Zack Volker wollen darauf eine Antwort geben, allerdings liegt der Gedanke sehr nahe.

Weniger Moorhuhn und dafür Schleichoperationen und Stealth-Tauchgänge? Die Präsentation lässt drauf hoffen. Auch auf Technologieseite ist dieses Jahr alles roger.Ausblick lesen

Task Force 141 war eine multinationale Spezialeinheit bestehend aus Amerikanern, Briten, Australiern und Kanadiern. Da die Ghosts unter anderem einen deutschen Schäferhund zu ihrem Team zählen, der Minen aufspürt und Gegner auf Befehl unschädlich macht, dürfte Infinity Ward hier wieder ansetzen. Bei unserem Besuch geben sich die Macher leider sehr wortkarg und verraten nicht, ob Simon „Ghost“ Riley letztlich die namensgebende Person für den Titel ist.

Der Marketing-Teaser-Trailer mit dem martialischen Skelett auf der Maske weist allerdings darauf hin. Riley, Codename Ghost, stammt aus Manchester, gehörte der britischen Spezialeinheit SAS (Special Air Service) an und wurde in „Modern Warfare 2“ für die Task Force 141 rekrutiert.

Achtung Spoiler!
Ghost wurde bei der Gefangennahme von Makarov vom Verräter Shepherd getötet. Infinity Ward ist allerdings berühmt dafür seine Helden gerne mal aus dem virtuellen Grab auferstehen zu lassen: Wie oft wurde Price jetzt schon abgeknallt? Ihr seht.

Wer, was, wo und warum? Setting und Story

Die Geschichte spielt einige Jahre nach dem Fall der USA als Supermacht. Die Vereinigten Staaten wurden angegriffen, Marine, Airforce und Großteile des Militärs vernichtet und das Land steht jetzt unter Kontrolle einer anderen Großmacht. Wer das ist? Infinity Ward schweigt, interessanterweise infiltrieren wir in einer Mission allerdings ein Gebäude, an dem das Banner der Europäischen Union weht. Kämpfen wir dieses Mal gegen Europa? Hoffentlich nicht gegen Deutschland, wir bekommen es nicht mal gebacken, ein paar Drohnen zu bauen.

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Wir spielen zwei Brüder, die sich der legendären Eliteeinheit mit Codename Ghosts anschließen.
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Wir erleben Sequenzen, in denen der Protagonist von einer Anhöhe auf eine völlig zerstörte Stadt blickt. Vermutlich handelt es sich um San Francisco, San Diego oder Los Angeles. Auf jeden Fall spielt die Szene in Kalifornien, denn hinter der wehenden US-Flagge liegt die kalifornische mit dem roten Streifen und Braunbär im Zentrum. In einer anderen Sequenz liefern wir uns eine Straßenschlacht in Austin, Texas. Vermutlich geht es aber wieder um die ganze Welt.

Der Hund im Zentrum: Snake-Cam auf vier Beinen

Ja, über den Hund wird viel geredet und viel gelacht. Aber schon mal darüber nachgedacht, dass sich daraus spannende Elemente erschließen könnten? Der Schäferhund trägt eine Kevlar-Weste, um ihn vor Beschuss zu schützen, rammt Türen ein und fällt Gegner an, um Ablenkungsmanöver zu starten. Außerdem ist er mit einer Telekommunikationseinheit ausgestattet, das Team kann so immer vom Satelliten getrackt werden.

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Licht- und Schatteneffekte sind jetzt zeitgemäß, kommen aber nicht an Grafikbretter wie „Crysis 3“ ran.
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Zudem könnte sich der Hund an ein feindliches Lager anschleichen und den Gegner abhören. Dank der Kamera am Kopf dürfte er sich außerdem als Snake-Cam auf vier Beinen anbieten. Die Möglichkeiten sind gegeben, allerdings hoffen wir, dass Activision etwas weniger auf die Tränendüse drückt als „Battlefield 4“. So beeindruckend die Demo auch war, der emotionale Part wirkte doch leicht aufgesetzt.

Die limitierende Technik ist Vergangenheit

Die Entwickler von „Call of Duty“ mussten gerade in den letzten beiden Jahren immer wieder mit Tricks arbeiten, um ihre technische Unterlegenheit gegenüber der Frostbite-Engine von DICE zu verschleiern. Und ganz ehrlich: Das haben sie famos hinbekommen. Wenn Wolkenkratzer in New York auf uns herabregnen, im Humvee einklemmen und im nächsten Moment russische Kampfhubschrauber aus den Wolken schießen und den Big Apple in ein Flammeninferno verwandeln, dann zählt nur die Inszenierung, und die hat in allen Teilen gut funktioniert.

Je mehr schnell geschnittene Bam-Boom-Bang-Szenen im Michael-Bay-Stil Infinity Ward und Treyarch aufgefahren haben, desto weniger haben wir mitbekommen von kaum noch zeitgemäßen Flammenanimationen und recht verpixelten Charakteren.

Je näher die Kamera allerdings die Action eingefangen hat, desto stärker fielen die technischen Unzulänglichkeiten auf. Denkt nur mal an die erste Mission aus „Black Ops 2“ in der afrikanischen Wüste, die nicht nur spielerisch vollkommen belanglos, sondern auch technisch grausig anzusehen war. Oder auch die Explosionen auf dem Flugzeugträger etwa in der Mitte des Spiels. Das ist Vergangenheit, denn Activision spendiert seiner Eine-Milliarde-Dollar-Marke (jedes „Call of Duty“ hat in den letzten Jahren inklusive DLCs mehr als 1 Mrd. eingespielt) endlich eine neue Engine.

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Geht’s wieder in die Zukunft? Die Touch-Computer am Arm der Soldaten erinnern stark an das Drohnen-Steuerungstool aus „Black Ops 2“.
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„Ghosts“ sieht viel besser aus als auf der Xbox-One-Pressekonferenz

In die Diskussion, ob die Next-Gen-Engine nun wirklich von Grund auf neu programmiert wurde (wie die Frostbite-Engine 2 von „Battlefield 3“) oder Code-Fragmente der alten enthält (wie die CryEngine 3 von „Crysis 3“), sollen die Coder und IT-Spezialisten dieser Welt analysieren. Da klinken wir uns mal aus, Fakt ist: „Call of Duty: Ghosts“ sieht in Spielgrafik deutlich besser aus als es die mies aufgelösten, verwaschenen 720-Trailer der Xbox-One-Enthüllung vermuten lassen.

Während der Präsentation fallen beispielsweise sehr realistisch wirkende Sonnenstrahlen durch die Baumkronen eines Waldes. Überall flirren kleine Insekten umher, die Schatten auf die unzähligen Pflanzen werfen, die sich im Wind leicht biegen. Auch eine Szene bei Nacht konnte beeindrucken, etwa als ein Sturm aufzieht, der Regen gegen die Farne des Dschungels peitscht und die Regentropfen das Licht eines Scheinwerfers eines Helikopters durchschneiden.

Auch die Flora und Fauna unter Wasser sieht hübsch aus: Das Riff wirkt nicht wie mit der Schablone gedruckt, sondern hat seine eigenen Konturen. Darauf wabert Seetang umher und je höher die Taucher steigen, desto mehr Sonnenstrahlen brechen durchs Meer hindurch.

Wir bewegen uns hier definitiv nicht im Bereich „Crysis 3“, aber „Call of Duty: Ghosts“ schließt langsam, aber sicher an die Konkurrenz an. Ein direkter Vergleich fällt aktuell schwer, weil Activision sein Spiel auf einem Next-Gen-Dev-Kit präsentiert und DICE „Battlefield 4“ bisher ausschließlich auf Highend-PCs mit AMDs HD 7990 vorgespielt hat. Die baut auf 6 Gigabyte DDR5-Grafikspeicher und kostet mit 1.124 Euro gut das Doppelte von Playstation 3 oder Xbox One.