Keine Terroristen, auch keine Elitesoldaten, weder Megabomben, Superwaffen, Präsidenten, Framerates, neue Perks oder Spielmodi standen im Mittelpunkt der ersten Präsentation von Call of Duty: Ghosts. Sondern Riley. Ein Schäferhund! Es war kein Wunder, dass sich massig Spott über Activision ergoss. Und am Ende stellt sich heraus: Die ganze Aufregung war völlig für die Katz - denn der Kläffer spielt tatsächlich nur eine kleine Nebenrolle.

Call of Duty: Ghosts - Season Pass Trailer28 weitere Videos

Es scheint beinahe, als hätte Entwickler Infinity Ward Angst vor der eigenen Courage gehabt, denn die Spielmechanik, um den Kampfhund ins Gefecht zu führen, ist gar nicht mal so übel. Sie kommt nur so gut wie nie zum Einsatz: Hier ein bisschen mit dem Wauwau schleichen, dort ein paar Attacken auf feindliche Soldaten – das war‘s. Etwas mau für das ganze veranstaltete Brimborium.

Aber sei‘s drum, schließlich ist CoD: Ghosts keine Hundeführer-Simulation. Denn abseits dieses selbst eingebrockten Kriegsschauplatzes bekommen wir selbstverständlich das gewohnte Action-Feuerwerk geboten. Und man kann von dem Blockbuster-Stil der Amis halten, was man will: Es ist einfach hervorragend inszeniert.

Von den Tiefen des Meeres hinauf ins All

Gerade im zweiten Teil der etwa sechsstündigen Kampagne brennen die Macher ein wahres Feuerwerk abwechslungsreicher Aufträge ab: Ihr kämpft auf einem Zug, erlebt eine sehr spannende Unterwasser-Mission, ballert euch mit Panzern durch feindliche Linien und liefert euch sogar Gefechte im All. Die Story um zwei Brüder, die gemeinsam mit ihrem Vater eine überlegene Invasionsstreitmacht aus Südamerika (...) zurückschlagen wollen: geschenkt. Hier geht‘s einfach darum, die bestmögliche Shooter-Unterhaltung zu bieten. Und das gelingt über weite Strecken.

Infinity Ward kommt sogar endlich einmal ohne sinnlose Folterszenen oder ähnlichen unnützen Quatsch aus. Klar, Soldatenpathos und Schwachsinnsdialoge gibt es immer noch zuhauf. Aber das kann man angesichts der Actioneinlagen getrost ausblenden.

Call of Duty: Ghosts - Und? Wie isses diesmal?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 48/521/52
Wargaming de Luxe: Wenn diese Raketen ins All gelangen, wird‘s auf der Erde brenzlig.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Weniger leicht gelingt mir das vor dem Hintergrund des augenscheinlich in die Jahre gekommenen technischen Unterbaus. Gerade wenn man den Konkurrenten Battlefield 4 direkt vergleicht, ist einfach nicht mehr zu übersehen, dass Call of Duty deutlich hinterher hinkt. Selbst die 60 Frames kann man nicht mehr als Alleinstellungsmerkmal vor sich hinschieben. In einigen Missionen fällt das weniger auf als in anderen - unterm Strich muss aber schleunigst aufgerüstet werden, wenn man den Anschluss nicht verpassen möchte.

Packshot zu Call of Duty: GhostsCall of Duty: GhostsErschienen für PC, PS3, Xbox 360, Xbox One und PS4 kaufen: ab 9,73€

Diesbezügliche Probleme hat "Ghosts" im Mehrspieler-Modus dagegen nicht. Die Gefechte spielen sich noch immer gewohnt kurzweilig. Zwar wendet sich Infinity Ward (natürlich) nicht vom altbekannten Erfolgsmodell kurzer und knackiger Spielrunden - dem Run and Gun - ab. Und das alljährliche Anpassen der Perks und Angriffs- oder Unterstützungspakete könnte mir egaler tatsächlich nicht sein. Das sind Feinheiten, die für mich nicht kriegsentscheidend sind. Aber man merkt, dass sich Infinity Ward Gedanken macht, wie sie den Spielablauf taktischer gestalten können. Etwa, indem sie dynamische Karten-Events einbauen.

Ihr könnt auf jeder Map leichten Einfluss auf den Geländeaufbau nehmen und damit Laufwege beeinflussen oder sogar Fallen implementieren. Das ist nett, aber für die Gefechtsführung längst nicht so gravierend wie in Battlefield 4 - aber definitiv ein Schritt in die richtige Richtung.

Call of Duty: Ghosts - Und? Wie isses diesmal?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden4 Bilder
Der neue "Extinktion"-Modus beschert euch anstelle der Zombie-Hatz eine spannende Alien-Jagd - mit den richtigen Koop-Mitspielern macht das enormen Spaß!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Davon abgesehen haben die Entwickler eher an subtilen Veränderungen gearbeitet: Zufällige Herausforderungen (Feldbefehle) belohnen euch bei der Erfüllung kleinerer Aufgaben mit Munition oder Ausrüstungsgegenständen. Das erweiterte Animationssystem hilft uns, Hindernisse geschmeidiger zu überwinden oder um sie herum zu lehnen. Außerdem rutschen wir nun aus vollem Lauf in Deckung und ballern dabei auch noch weiter.

Alles wie gehabt: bombastisch inszeniert, genial im Multiplayer. Aber nicht so überragend wie Battlefield 4.Fazit lesen

Bedeutender für Hardcore-CoDler wird wohl eher sein, dass sie ab sofort nicht nur eine Figur in Online-Partien aufleveln und nach dem Prestige wieder von vorne beginnen, sondern jetzt zehn Charaktere zur Verfügung haben, die ihre Ränge nicht verlieren. Das macht sich insbesondere dann bemerkbar, wenn man etwa den neuen Trupps-Modus nutzen möchte.

Meine Privatarmee gegen deine

Dort rüstet ihr mehrere eurer Squad-Kameraden (aka Bots) aus und zieht mit ihnen ins Gefecht. Dabei beharkt ihr euch in vier verschiedenen Modi entweder mit den KI-Truppen anderer Gamer, tretet gegen Spieler plus Bots an oder kämpft mit menschlicher Verstärkung gegen Bot-Armeen. Onlinephobe Spieler werden sich vielleicht darüber freuen, dass ihre Spielfigur genau so levelt, als ob sie in herkömmlichen Mehrspieler-Matches antreten würden.

Call of Duty: Ghosts - Und? Wie isses diesmal?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 48/521/52
Unten ist oben? Egal! Macht sie alle platt!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die Bots verhalten sich tatsächlich ziemlich clever. So verminen sie etwa Flaggenpositionen in Domination, um sie zu verteidigen. Und sie benehmen sich sogar klassenspezifisch: Rüstet ihr ein Squad-Mitglied mit Scharfschützengewehr aus, wird es eher zurückhaltend aus dem Hintergrund agieren. Figuren mit Sturmgewehr in den Händen suchen dagegen eher die Offensive. Und: Sie zielen vortrefflich. Wer sich von Angesicht zu Angesicht mit einem Bot befindet, zieht sehr oft den Kürzeren.

Ein paar neue Modi gibt es natürlich auch: Neben "Suchen und Retten" (ziemlich coole Weiterentwicklung von "Kill Confirmed") und "Aufgeputscht" (okaye Team-Deathmatch-Variation) hat mich vor allem "Blitzangriff" überzeugt. Ähnlich dem American Football muss man es praktisch bis in die Endzone des Feindes schaffen. Wer die meisten "Touchdowns" abliefert, gewinnt. Interessant, wie taktisch sich die Dynamik zwischen Angriff und Verteidigung entwickelt, wenn gut kommunizierende Teams aufeinandertreffen. Möglicherweise einer der neuen Fan-Favoriten - meiner auf jeden Fall!

Auf Zombiejagd müsst ihr in der zehnten CoD-Folge bekanntlich verzichten. Aber das ist nicht weiter schlimm, denn Infinity Ward legt euch diesmal eine wirklich fordernde Alien-Sause ins Nest. Oder, ähm, es ist wohl umgekehrt: Ihr sollt Alien-Nester ausräuchern und möglichst lange überleben. Dabei arbeitet ihr euch in diesem Koop-Modus mit bis zu drei Kumpels Stück um Stück voran, positioniert einen Bohrer an den Nestern und wehrt den Ansturm der ekligen Viecher ab.

Call of Duty: Ghosts - Und? Wie isses diesmal?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden4 Bilder
Das Unterwasserlevel gehört zu den spannendsten Aufgaben von "Ghosts".
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Je nachdem, für welche Klasse ihr euch entscheidet, kauft ihr vom verdienten Geld neue Ausrüstungsgegenstände, Waffen, Bomben, automatische Geschütze oder verteilt Booster an eure Kameraden. Außerdem lassen sich Feuerfallen aufstellen oder auch Zäune unter Strom setzen. Trotz dieser Feuerkraft ist "Extinktion" auch mit einem guten Team eine ziemliche Herausforderung, macht aber verdammt viel Spaß.

Übrigens: Eine App erlaubt euch auch bei Call of Duty: Ghosts, mobile Endgeräte als Second Screen einzusetzen - also eure Squads einzustellen, das Loadout anzupassen oder euren Clan zu managen.