Am Wochenende traf sich die Elite der Call-of-Duty-Gamer in Los Angeles, um den aktuellen Weltmeister zu erballern. 32 Teams von sechs Kontinenten, mit einem Ziel: den größten Happen von den 1 Million Dollar Preisgeld zu ergattern. gamona war dabei - und musste sich ständig irgendwo das Wort "Nice!" um die Ohren hauen lassen. Es ist das geflügelte Wort der CoD-Gamer, die damit gute Aktionen kommentieren. Auf Dauer ist das aber ganz schön ... nervig!

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Die Szenerie der "Call of Duty Championship" mitten in der Innenstadt von Los Angeles ist weit weniger eindrucksvoll, als der Titel des Turniers. Ein riesiges, klimatisiertes Zelt auf dem Dach eines Parkhauses im Herzen der Millionenmetropole Los Angeles dient drei Tage lang als Heimstätte für die Duelle der weltbesten Call-of-Duty-Gamer. Der allgemeine Eindruck vieler Beobachter: "Ist das alles?" Das wirkt schon ziemlich billig für eine Weltmeisterschaft, denke ich mir. Auch das Wetter hält sich an diesem letzten März-Wochenende für kalifornische Verältnisse ein wenig zurück, die Sonne wärmt die Straßen der US-Metropole nur zaghaft - als wolle sie die Cyber-Athleten nicht zu sehr ins Schwitzen bringen.

Der große Traum: Pro-Gaming

Doch zum Faulenzen oder Hautschädigen in der Sonne sind die Mannschaften ohnehin nicht nach L.A. gepilgert. Einfach nur rumzulungern, wo doch der große Reichtum lockt, wäre ja auch unprofessionell. Und das wollen die meisten schon sein - Pro-Gamer. Ihren Lebensunterhalt mit Zocken bestreiten. Wer träumt nicht davon?

"Call of Duty" - Weltmeisterschaft 2014 in L.A. - "Niiiiice!" - USA lässt dem Rest der Welt keine Chance

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Das Zirkuszelt der Weltmeisterschaft - leider wenig beeindruckend.
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Doch davon sind wohl die meisten Spieler in Los Angeles ziemlich weit enfernt. Das trifft vor allem auf die nicht-amerikanischen Teams zu, insbesondere auch die beiden deutschen Teams, SK Gaming und Killerfish. Zwar liegen sie altermäßig mit ihren Anfang 20 noch voll im Trend. Doch anders als die Amis können sie von einem Lebensunterhalt durch eSport nur träumen. Während das Team von SK Gaming schon erfahrene Spieler dabei hat, setzt sich Team Killerfish überwiegend aus Newcomern zusammen. Das drückt sich auch in den Resultaten aus: Zwar scheiden beide Mannschaften bereits in der Vorrunde aus, doch während Killerfish die Grenzen deutlich aufgezeigt werden, scheitert SK Gaming denkbar knapp. Die Mitfavoriten "Faze" (am Ende Rang 6) bringen sie an den Rand einer Niederlage und auch gegen das australische Überraschungsteam (sogar 5.) wäre ein Sieg möglich gewesen.

Im Gespräch mit gamona versuchen die vier Mitglieder (und ihr Coach, Daniel Berger) von SK Gaming das frühe ausscheiden zu erklären. Zum einen hätten äußere Umstände, wie eine späte Anreise (inklusive Jetlag) und technische Probleme die Vorbereitung erschwert. Vor allem wird aber - das bestätigen auch Spieler von Killerfish - deutliche Defizite der deutschen und europäischen eSport-Gemeinschaft angeprangert. Während die US-Teams unter Profi-Bedingungen antreten könnten, und ihr Geld mit Pro-Gaming verdienten, wäre man diesbezüglich in Deutschland noch Lichtjahre von solchen Bedingungen entfernt. Unter diesen Umständen hätte man sich sogar sehr gut geschlagen, wobei auch eigene Fehler im Spiel eingestanden werden.

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"Nichtsdestotrotz denke ich aber auch, dass wir mit ein bisschen mehr Glück aber auch eigenem Können hätten weiterkommen können", sagt etwa Kevin Kreutzberg von SK Gaming - und damit liegt er wohl auch goldrichtig.

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Ein Ring, sie zu knechten. "Complexity" verlor kein einziges Match, beliebt waren sie aber wegen ihres arroganten Auftretens aber nicht wirklich, so schien es.
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Mittlerweile können Profi-Gamer im eSport aber schon ganz gut Geld verdienen, 15 Millionen Dollar wurden 2013 weltweit auf Turnieren ausgeschüttet - das entspricht einem plus von zwei Millionen im Vergleich zum vorherigen Jahr. Die steigende Popularität unter Jugendlichen, die starke Verbreitung auf Social Media-Plattformen, auf Twitch & Co. ist natürlich auch der Industrie nicht verborgen geblieben. Aus reiner Nächstenliebe veranstaltet auch Activision diese WM nicht - der Werbe-Effekt (auch mit diesem Artikel) ist nicht zu unterschätzen. Die Million Dollar zuzüglich Ausrichtungskosten zahlt der Publisher sicher aus der Portokasse - oder naheligender, aus dem Werbeetat.

Stay Frosty
Im Zelt ist es - typisch amerikanisch - eigentlich zu kalt, um im Shirt abzuhängen oder zu zocken. Es fröstelt mich, während ich die Matches beobachte. Sie laufen viel taktischer ab, als man es gemeinhin von CoD-Spielen erwarten würde. Im Hintergrund dröhnt die Stimme der Kommentatoren durch das Zelt, überall tummeln sich Presse- und Community-Vertreter. Normale Fans haben aber leider keinen Zutritt zu der Veranstaltung. Wie man eSport richtig ins Rampenlicht rückt, hat erst ein paar Monate zuvor an beinahe der gleichen Stelle Riot Games gezeigt: Innerhalb einer Stunde war das nur wenige Meter entfernte Staples Center ausverkauft.

11000 Fans wollten die besten League-of-Legends-Spieler beim US-Finale sehen. Ein bisschen armselig ist der gesamte Eindruck schon. Hier dagegen hat man den Eindruck, die CoD-WM würde ein wenig unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen. Was natürlich nicht stimmt, weltweit könne Fans die Partien per Stream verfolgen. Richtig Stimmung kommt aber selbst unter den Spielern nur selten auf, viele treten sehr emotionslos auf. Dafür kann Ausrichter Activision letztendlich zwar nichts, doch man hat hier auch nicht das Gefühl, die Firma wolle den eSport so richtig pushen. Erst bei den Finalspielen zwischen "CompLexity" und "EnvYus" die vor ca. 600 Zuschauern stattfinden, kommt halbwegs Stimmung auf.

Woher kommt das wachsende Interesse der Industrie?

Pro-Gaming ist in Asien noch deutlich größer, als in Europa, wo man den Entwicklungen hinterher rennt. Aktuell versucht ja der in Berlin beheimatete Web-Sender ESGN neue Begeisterung zu entfachen. Ob das klappt, wird man wohl abwarten müssen. Das Potenzial ist ohne Zweifel vorhanden, denn weltweit gucken sich Millionen interessierte Spiele der großen Pro-Ligen an. Blizzards Mike Morhaine behauptet sogar, insgesamt würden mittlerweile mehr Menschen eSport (Starcraft II) gucken als die NHL. Kein Wunder, dass die Spiele-Hersteller immer stärker auf diese Zielgruppe zielen und Millionensummen hineinpumpen.

Natürlich sind die eSport-Veranstaltungen verglichen mit großen Sport-Events immer noch recht überschaubar. Bei der CoD-WM habe ich, wie beschrieben, das Gefühl, die Veranstaltung liefe sogar ein bisschen versteckt ab. Doch der Trend nach oben ist unverkennbar. In den USA sind Pro-Gamer im Sinne von Profi-Sportler nun auch beruflich anerkannt - wer als nicht-Amerikaner an Turnieren einreisen möchte, benötigt seit kurzem sogar ein Arbeitsvisum. Im bürokratisch verknöcherten Deutschland ist Pro-Gaming aber noch nicht mal als Sport anerkannt - es fehle der Nachweis der motorisch eigenständigen Leistung, heißt es in offiziellen Erklärungen in etwa. Die damit einhergehende gesellschaftliche Anerkennung wird denn auch von Kevin Kreutzberg und seinen Mitstreitern kritisiert.

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Denkbar knapp schied SK Gamig aus - bei beiden Niederlagen hätten sie mit ein bisschen mehr Glück durchaus auch gewinnen können.
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"Ich finde auch, in Deutschand ist man nicht so offen für neue Dinge, Gamer und eSportler werden noch zu oft ins falsche Licht gerückt", sagt Kreuzberg in Los Angeles, nachdem sein Team knapp gegen den Favoriten FaZe in der Vorrunde ausgeschieden ist. "Deshalb interessieren sich die Leute auch nicht so sehr dafür. Meistens werden Gamer als etwas dargestellt, die sonst nichts anderes in ihrem Leben tun und einfach nur aus Spaß spielen. Aber wenn Leute wirklich mal sehen würden, was eSport ausmacht und was dahinter steckt, wäre das öffentliche Bild vielleicht anders. Fußball ist total anerkannt, jeder will Fußball spielen, wenn er jung ist und deswegen haben wir in der Nationalmannschaft auch viele gute Spieler. Wäre die Begeisterung für Call of Duty als eSport größer, hätten wir auch viel mehr gute Spieler."

Doch die Paragrafenreiter in den Verbänden werden, ähnlich wie andere Institutionen, vermutlich bald so schnell von der Wirklichkeit überholt, wie tradierte Medienhäuser von Youtubern, Let's-Playern und anderen aktuellen Szene-Erscheinungen.

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Keine schlechte Ausbeute für ein Wochenende daddeln, oder?
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Traditionelle Spiele-Hersteller wie Activision müssen zudem aufpassen, nicht von neuen Strömungen überrollt zu werden. Free-To-Play-Games wie League of Legends sind ungemein pupulär und haben den Platzhirschen bereits eine Menge Wasser abgegraben. World of Tanks zeigt auch, wie es gehen kann, dort werden bei der WM Preisgelder von 2 Millionen Euro ausgeschüttet. Eher träge und vorsichtige Firmen wie Activision reagieren, indem sie ihre Spiele für den eSport anpassen. Black Ops 2 bekam etwa deshalb spezielle eSport-Features verpasst, mit CodCast ermöglichte man Zuschauern und Kommentatoren, das Spiel zu verfolgen und zu übertragen.

Doch die Entwicklung der Mannschaften zeigt auch, wie ähnlich eSport dem "richtigen" Sport sein kann: Zwei Mitglieder von SK Gaming waren im vergangenen Jahr noch bei Killerfish am Start - es gibt offenbar eine lebhafte Transferpolitik, von der man öffentlich nicht so viel mitbekommt. Teilweise sollen dabei sogar auch Handgelder fließen, wenn auch nicht in Deutschland.

Das Finale der CoD-WM bestätigt die Rahmenbedingungen - es ist fest in US-Hand. Keines der europäischen Teams schafftes es, eine Top 8-Platzierung zu sichern und damit einen Teil des Preisgeldes zu sichern. Bemerkenswerter Weise sind mit FaZe und dem australischen Überraschungsteam Trident T1dotters (am Ende Fünfter!) die beiden Mannschaften dabei, gegen die SK Gaming denkbar knapp gescheitert sind. Das sollte den Deutschen Hoffnung geben. Denn trotz deutlich schlechterer Bedingungen (die Amis sind Voll-Profis, die nach eigenen Aussagen mindestens sieben Stunden am Tag CoD zocken, während die Deutschen das als Hobby nebenbei betreiben), konnte zumindest SK Gaming sehr gut mithalten.