Jedes Jahr auf's Neue werden die Geldbeutel von Shooter-Spielern auf die Probe gestellt. Schließlich ist der Herbst die Jahreszeit, in der die virtuellen Waffen entstaubt und wieder in ein Spiel gepackt werden, das sich fast so spielt, wie der Jahresvorgänger. Alles gleich, aber ein bisschen anders eben. Spielbares Mikrowellenessen, das den meisten vermutlich schon mehr als einmal hochgekommen ist. Als sich die Entwickler von Call of Duty: Black Ops 4 dann auch noch angemaßt haben, den Singleplayer-Modus samt Story zu streichen und mit einem Battle Royale-Modus zu ersetzen, hat auch der letzte Shooter-Hype-Train-Fahrer die Handbremse gezogen oder sich der grauen Masse des CoD-Einheitsbreis ergeben. Oder war das etwa zu voreilig?

Blackout ist der neue Battle Royale-Modus von Call of Duty Black Ops 4 – doch wird er gegen Genreveteranen wie PUBG und Co ankommen können?

Call of Duty: Black Ops 4 - "Blackout" der neue Battle Royal - Modus - Beta Trailer10 weitere Videos

Denn nun haben wir Call of Duty: Black Ops 4 ein Wochenende lang gespielt, uns in den Multiplayer-Rängen nach oben geschraubt, Zombies verkloppt und versucht, an den Sieg im Blackout-Mode zu gelangen. Das Ergebnis: Der neue Ableger der leicht eingefahrenen Reihe spielt sich so frisch wie noch nie zuvor und dürfte eines der besten Call of Duty-Spiele seit Jahren werden. Ein Ableger, der womöglich die einjährige Haltbarkeitszeit endlich überdauert und nicht nur den kurzen Shooter-Hunger stillt.

Willkommen im Team! Die Zwischensequenzen geben Black Ops 4 ein wenig mehr Hintegrund.

Ein Hauch von Taktik

Als die Ankündigung von Call of Duty: Black Ops 4 erfolgte, nachdem „WW2“ den Shooter wieder geerdet hatte, waren die Befürchtungen groß. Befürchtungen, dass das Jumpsuit- und Jetpack-Gameplay vergangener futuristischer Teile (paradoxerweise) wieder aufleben würde. Doch dem ist gar nicht so. „Boots on the Ground“ ist auch weiterhin das Motto der Entwickler. Statt immer schneller zu werden, verlassen sie sich auf einen taktischeren Ansatz, der im Endeffekt auch mehr Spaß machen soll. Gelingt das mit Call of Duty: Black Ops 4?

Wir sagen ganz klar: Ja! Denn durch die erhöhte „Time to kill“, also die Zeit, die für einen Abschuss benötigt wird, werden die Kämpfe intensiver. Wenn zwei Spieler im direkten Zweikampf aufeinander treffen, entscheidet nicht immer, wer als Erster schießt, sondern wer es am Ende besser kann. Neu ist eine Heilfertigkeit, die zwischen den Kämpfen genutzt werden kann. Dadurch ist der taktische Rückzug nun auch endlich eine Option in Call of Duty, die dringend gefehlt hat. Natürlich gibt es immer noch Drop-Shotter, Quickscoper und Bunny-Hopper da draußen, die das Ganze ein bisschen negieren. Aber insgesamt ist auch Call of Duty: Black Ops 4 am Boden geblieben.

Mit Spezialist Recon können wir Gegner kurzzeitig durch Wände sehen. Perfekt, um das Ziel zu verteidigen.

Das liegt auch an den „Spezialisten“-Klassen, die im Multiplayer eingeführt wurden. Insgesamt gibt es zehn von den Söldnern, die allesamt eigene Gadgets und Spezialfertigkeiten mit sich bringen. So gibt es „einfache“ Klassen, wie etwa der Heiler Crash, der sein Team nicht nur wieder aufpäppelt, sondern auch noch besondere Munition verteilt. Daneben steht beispielsweise Torque, der Stacheldraht und eine Barriere mit Mikrowellenstrahlen auf der Karte verteilt. Letztere macht Feinde an Engpässen zu besonders langsamen Zielen.

Die Auswahl geht dann noch bis zu offensiven und abgedrehten Spezialisten wie Firebreak, der einen eigenen Atomreaktor mit sich trägt und damit Feinde der Strahlung aussetzt. Hier findet jeder Spieler etwas, was den entscheidenden Streich in einem knappen Match ausmachen kann. Wer lieber auf Run-and-Gun-Gameplay setzt, wird sich aber nicht benachteiligt fühlen. Denn am Ende entscheidet das Ballern eben doch noch, wer siegreich ist. So toben wir uns Match für Match auf den insgesamt 14 Karten aus und können einfach nicht genug davon bekommen.

Slums ist eine von vier Karten, die aus den vergangenen Black Ops-Teilen neu aufgelegt wurden.

In Sachen Spielmodi lässt sich der Multiplayer auch nicht lumpen und lässt neben herkömmlichen Deathmatches und traditionelleren Modi wie Search and Destroy oder Hardpoint auch neue Spielarten auf euch los. Heist und Control gehen auch mit dem taktischeren Ansatz von Black Ops 4 einher. In Heist geht es darum, ein Geldpaket auf der Karte zu schnappen und zum Abholpunkt zu bringen. Wer abgeschossen wird, ist für die Runde raus und steigt erst in der nächsten ein. Der Clou: Zu Beginn jeder Runde kann von dem geklauten Geld sowie Knete von Abschüssen (Counter-Strike lässt grüßen) neue Ausrüstung und Munition gekauft werden. Ähnlich CS-like fällt auch Control aus, bei dem ein Team zwei Punkte verteidigt, während das andere angreift und sie einnehmen muss. In beiden Modi ist Absprache gefordert, wenn man wirklich als Team funktionieren will. Einzelkämpfer sind auch in Call of Duty mittlerweile uncool geworden.

Das Herz von Black Ops 4?

Der Singleplayer-Ersatz, der Kompromiss, der PUBG-Killer: Dem Blackout-Modus von Call of Duty: Black Ops 4 wurden schon viele Titel verliehen. Die anfängliche Skepsis wurde den meisten bereits von der Beta vertrieben. Nun ist die finale Version des Battle Royale-Modus da und hat noch einmal ordentlich zugelegt. Denn jetzt gibt es Zugriff auf sämtliche Waffen, alle Gadgets und viele freischaltbare Charaktere. Das eigentliche Spielprinzip orientiert sich dabei an den „klassischen“ Battle Royale-Spielen. Ihr kommt also beispielsweise ohne das Errichten von Gebäuden aus. Treyarch kombiniert hier die bekannte BR-Formel mit dem, was Call of Duty groß gemacht hat: Flottes Gunplay und aggressive Aufeinandertreffen. Und dies auf einer Karte, die die bislang größte aller CoD-Ableger ist.

Am Ende von Blackout kann es nur einen Sieger geben. Wer wird hier gewinnen?

Im Grunde wurden hier viele Maps der Vergangenheit leicht abgewandelt und zu einer großen Karte zusammengeschweißt. So ergibt sich ein Wiedererkennungswert für die Veteranen der Reihe und die Umgebungen bleiben weiterhin kompetitiv und spaßig. Von Nuketown über das Container-Schiff bis hin zur zombie-verseuchten Anstalt gibt es keinen Punkt auf der Karte, der nicht irgendwann Schauplatz eines Feuergefechts wird, der euren Puls auf 180 bringt. Herzrasen bis zur letzten Sekunde, selbst, wenn es dann am Ende nicht für den Sieg reicht. Wir vermuten, dass Blackout das wahre Herzstück für die meisten Spieler von Black Ops 4 wird.

Ein erfrischend anderes Call of Duty, das neuen Schwung in die angestaubte Reihe bringt.Fazit lesen

Die Popularität von Fortnite und PUBG hat schließlich gezeigt, dass Battle Royale-Games nur einen eigenen Ansatz brauchen, um am Ende die Massen anzuziehen. Neben dem Gameplay ist dies bei Call of Duty: Black Ops 4 auch der reibungslose technische Ablauf sowie die coolen Waffen und Gadgets. Wir schnappen uns ein Perk, das uns den Atem länger anhalten lässt und schalten den letzten Spieler per Scharfschützengewehr aus. Oder wir schnallen eine Level-3-Rüstung an, nehmen uns eine Barrikade aus dem Multiplayer, platzieren diese mitten auf dem offenen Feld der letzten Zone und fordern jeden heraus, es direkt mit uns aufzunehmen.

Die Zombie-Schlachteplatte

Ob Entwickler Treyarch wohl vor etwa zehn Jahren mit Call of Duty: World at War und der Einführung des Zombie-Modus geahnt hat, welche Ausmaße dieser haben würde? Nach etwa zehn Jahren gehört dieser zu den CoD-Highlights für einen großen Teil der Spieler. Sie stürzen sich auf die Maps und versuchen jedes noch so kleine Geheimnis der Zombie-Geschichte zu knacken. Zum zehnjährigen Jubiläum des Spielmodus macht Treyarch keine halben Sachen und liefert gleich vier Spielplätze für die Zombie-Schnetzelei ab.

Der ganz normale Wahnsinn in einer Partie Zombie-Modus.

Zunächst stehen mit „Voyage of Despair“ und „XI“ die aktuellen Kapitel samt neuen Charakteren an. Ersteres führt euch auf die Titanic, kurz nachdem diese den Eisberg rammt. Nur, dass hier auch eine Zombiemagie ausbricht und sämtliche Passagiere vermodern lässt. XI orientiert sich am Kolosseum und versetzt euch in die Rolle eines Gladiators, der historisch inakkurat mit Bleispritzen um sich ballert. In „Blood of the Dead“ und „Classified“ (nur per DLC) hingegen werden alte Karten aus dem ersten Black Ops neu aufgelegt. Heißt: Ihr bekommt andere Rätsel, Räume und Gegner geboten, was selbst einigen Veteranen noch Herausforderungen bieten dürfte.

Gerade „XI“ ist prall gefüllt mit coolen Ideen und Easter Eggs.

Der Reiz aus all diesen Karten besteht aus schier unzähligen Easter Eggs, Rätseln und geheimen Events, die zwischen den Zombiehorden auf ihre Entdeckung warten. Dazu gesellen sich dann noch coole Power-Ups, bossartige Untote und ein Modus, in dem ihr euch selbst eine Zombie-Herausforderung zusammenschustern könnt. Wie lang könnt ihr als Team nur mit Zweitwaffen bestehen? Wie sieht es aus, wenn die Zombies doppelt so viel Leben haben? Oder wenn ihr direkt zu Beginn in Runde 50 mit einer ganzen Armee an Untoten startet? Die Kombination aus Altem und Neuen ist auch hier genau das, was Call of Duty: Black Ops 4 zu einem Hit macht.

So viel zu tun und so viel Zeit

Was haben die drei Modi von Call of Duty: Black Ops 4 also am Ende gemeinsam? Sie bringen uns immer wieder dazu, uns an den Shooter zu setzen, um neue Embleme, Callsigns oder Waffenaufsätze freizuschalten. Wer hier alles haben möchte, kann sich wirklich auf mehrere 100 Stunden gefasst machen. Da fällt es wohl kaum auf, dass ein Singleplayer fehlt, der nur als siebenstündiges Tutorial gedient hätte. Apropos: Zum Ende sei gesagt, dass Story-Fetischisten dennoch bei Call of Duty: Black Ops 4 kleine Happen serviert bekommen. Denn der Multiplayer hat eine grobe Geschichte und die Klassen bekommen dank eigener Tutorials, in denen ihr ihre Fertigkeiten lernt, coole Hintergrundzwischensequenzen spendiert. So bleiben sie nicht nur zweidimensional, sondern haben am Ende auch wirklich ein wenig Charakter. Genauso, wie sich Call of Duty: Black Ops 4 eben auch von den vorherigen Teilen der Reihe abhebt.