Das erste Black Ops ist sicherlich als die smarteste und zugleich verworrenste Geschichte der „Call of Duty“-Serie in die Spielegeschichte eingegangen. Es war ein Mindfuck, vergleichbar mit dem Ende von BioShock: Infinite. Noch heute streiten sich Spieler, ob Mason damals Kennedy tötete. Black Ops 3 nutzt jetzt keine direkte Folter mehr zur Gehirnwäsche, dafür einen Neurotransmitter, um das Gedächtnis seiner Soldaten anzuzapfen. Oh, und es hat auf einem Event in München auch spielerisch deutlich mehr Kreativität zu bieten gehabt, als wir es eigentlich gewohnt sind.

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Gut, das ist neu: Ich schieße nicht nur, ich denke und spiele kreativ, nachdem ich mir den Controller in Call of Duty: Black Ops 3 geschnappt habe. Als sich mir in der Kampagne eine kleine Schar an Robotern nähert, entleere ich nicht einfach das Magazin meiner AAC Honey Badger, sondern werde kreativ: Drücke ich auf dem D-Pad herum, eröffnen sich zahlreiche Optionen, Cybercores genannt. Da die Einheiten in dichter Formation laufen, picke ich mir einen heraus, wirke einen Spannungsstoß, sein Chip-Herz explodiert und mit ihm gleich zwei Mech-Kumpels. In einer anderen Situation legt ein Scharfschütze auf mich an. Ich könnte ihm natürlich wie in allen anderen Shootern eine Kugel verpassen. Doch viel lustiger ist es, eine rollende Robo-Drohne zu hacken, die aussieht wie Wall-E, nur mit aufgeschraubter Gatling. Durch den Hack ziehe ich das Gerät auf meine Seite und es zerschreddert den Sniper im Kugelhagel. Das ist schon cool, so macht das Laune.

Ich könnte mich übrigens auch unsichtbar machen, wobei das Energie kostet wie in Crysis. Komme ich in Reichweite des Scharfschützen, aktiviere ich einfach per Fernzündung die Granaten, die jeder Soldat mit sich trägt. Das funktioniert ganz gut, weil wir dieses Level im Koop spielen. Sprich: Der Kollege zieht das Feuer auf sich, ich pirsche mich ran, aktiviere die Granaten – Bam. Dieses eher vorsichtige, defensive Vorgehen ist wichtig, wenn ihr auf Veteran oder gar dem neuen Ultra-Hardcore-Modus „Realistic“ spielen wollt – dort tötet bereits ein einzelner Treffer, was ziemlich unmöglich klingt. Aber hey, wir leben schließlich in einer Welt, in der tollkühne Youtuber einen A-Wing in „Star Wars: Battlefront“ mit einem Sniperschuss zur Explosion bringen oder in Battlefield 4 aus dem Jet aussteigen, einen Heli per Raketenwerfer aus der Luft killen und dann locker wieder in die F35 einsteigen. Zudem dürfte für diesen Modus eine Neuerung nützlich sein: Ihr könnt alle Missionen direkt zu Beginn ansteuern, spoilert euch damit natürlich, könnt so aber auch zu schwere Veteran/Realistic-Missionen einfach überspringen.

Ein bisschen fokussierter, ein bisschen weniger überdreht

Insgesamt wirkt „Call of Duty: Black Ops 3“ ein bisschen langsamer und nicht ganz so überdreht. Es bleibt zu hoffen, dass das im Spiel auch wirklich so ist. Denn in den meisten Call of Dutys, auch Advanced Warfare, kommt es bei mir immer irgendwann zu dem Punkt, dass ich einfach das Hirn ausschalte und mich blind durchballere. Ab dem Moment mache ich in der Regel privat die Konsole aus, weil es dann einfach zu viel wird. Beim Test können wir Spieleredakteure das aber in der Regel aus Zeitgründen nicht, man spielt die Kampagne in einem Rutsch durch. Natürlich lässt sich von ein paar Missionen, die ich bislang auf diversen Events gespielt habe, noch nicht auf das Komplettpaket schließen, aber es gibt gefühlt deutlich mehr Optionen sich auszutoben als in den letzten Teilen. Das hier ist im Grunde ein „Advance Warfare Unlocked“. Im letzten Teil gab’s auch viele Gadgets, aber die wurden nur sehr temporär und sehr begrenzt aktiviert. Hier hingegen kann ich immer alles tun und jede Cybercore-Option auskosten.

Call of Duty: Black Ops 3 - Was für ein Mindfuck

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Das Waffendesign ist recht ausgefallen und via D-Pad könnt ihr Maschinen hacken, euch tarnen, Gegner sich erbrechen lassen oder sie mit Hightech-Bienen anzünden.
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In Singapur beispielsweise klinke ich mich per Enterhaken an Stahlseile an und kann mich so recht frei von einem Baumhaus der Rebellen zum nächsten bewegen. Ob ich den Weg nach rechts oder links wähle, bleibt mir überlassen, so lassen sich Gegner flankieren. Ihr könnt übrigens auch gepanzerte Humvees hacken, denen ein Ziel zuweisen und sie einfach in die nächste Robo-Truppe preschen lassen. Die Droiden sind so ungelenk wie die aus Star Wars, menschliche Soldaten springen in so einem Moment hingegen in Deckung. Diese Menschen gehören entweder zum Winslow Accord oder der Rebellengruppe des brutalen Go-Xuilan, der mich ein bisschen an Pagan Min aus Far Cry 4 erinnert. Womit wir auch beim Thema wären: Zünden die Zwischensequenzen und wird die Story wirklich einen Mindfuck, wie Treyarch verspricht?

Project Mindfuck: wirklich wie das erste Black Ops?

„Bist du da drin, John?“ fragt Kollege Hendricks, während er mit seiner XM8 auf John Taylor zielt. Taylor ist Leiter der 54 Immortals, einer Spezialeinheit der CIA, die auf die Liquidierung von Zielpersonen ausgerichtet ist. Hendricks stellt diese Frage, weil Taylor augmentiert wurde. Allerdings weniger physisch als in Deus Ex: Mankind Divided, mehr psychisch. Ihm wurde ein Neuroimplantat eingebaut, wodurch das Militär direkte Informationen über Operationsgebiete und Feindbewegungen an das Hirn seiner Soldaten sendet.

Call of Duty: Black Ops 3 - Was für ein Mindfuck

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Speziell das Level in Singapur gibt euch die Möglichkeit relativ frei zu wählen, welche der Baumhäuser ihr in welcher Reihenfolge „säubern“ wollt.
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Übrigens eine Technologie, an der Militärs weltweit arbeiten, denn wenn man das Nervenzentrum eines Soldaten anzapfen könnte, würde sich etwa dadurch das Schmerzbewusstsein drastisch reduzieren lassen. So ein M4-Sturmgewehr oder gar ein schweres Maschinengewehr den ganzen Tag bei 40 Grad im Schatten rumschleppen zu müssen, geht eben auf die Kondition, da ist jede Hilfe recht. Ein direkter Zugang in unser Erinnerungszentrum lässt sich aber natürlich auch wunderbar manipulieren. So werden Taylor verstümmelte und aufgehängte Zivilisten ins Hirn gespült, um ihn an Gräueltaten glauben zu lassen, die sein Feind gar nicht begangen hat.

Activision mag es nicht besonders, wenn ich das Wörtchen Mindfuck benutze: aber, fuck, wir dringen tief in Mindfuck-Territorium vor“, meint Jason Blundel, der als Campaign Director auch Teile der Story geschrieben hat. Treyarch will noch nicht so recht verraten, wie die Geschichte strukturiert ist. Mit hoher Wahrscheinlichkeit aber werden euch über den Neuro-Chip Erinnerungen eingespielt, die lange zurückliegen – durch diesen recht cleveren Twist hat das erste Black Ops seine Retrospektiven mit Mason im Vietnamkrieg erklärt. Gleichzeitig hat ihn das einer solchen Gehirnwäsche unterzogen, dass er beinahe Präsident Kennedy getötet hätte, Reznov konnte das Attentat verhindern. Black Ops 3 nutzt jetzt eine ähnliche Inszenierung um euch die Eroberung Berlins gegen Ende des Zweiten Weltkriegs spielen zu lassen. Und noch ein bisschen mehr, doch das soll eine Überraschung bleiben.

Spielerisch ist das hier ein „Advanced Warfare All Unlocked“, ihr könnt also richtig kreativ werden. Bleibt abzuwarten, ob die Story erneut so bahnbrechend ist wie im ersten Black Ops.Ausblick lesen

Wie sind eigentlich eure Erinnerungen an die abgedrehten Geschichten von Black Ops und Black Ops 2?