Call of Duty: Black Ops ist zurück mit dem dritten Ableger der Shooter-Serie. Und ich kann euch sagen: Wenn ihr die Story bislang nicht begriffen habt, wird es auch diesmal nicht viel besser. Das macht aber nichts: Dafür entschädigt Entwickler Treyarch in der Kampagne mit einer gewohnt typischen Blockbuster-Inszenierung, und einem Inception-mäßigen Mindfuck, der sich gewaschen hat. Doch das ist längst nicht alles, wie unser Test gezeigt hat.

Bleiben wir aber zunächst bei der Kampagne. Sie verfrachtet uns ins Jahr 2065. Menschen sind jetzt in der Lage, sich mit cybernetischen Verbesserungen ausstatten zu lassen. Naja, natürlich nicht alle, aber Supersoldaten der Black Ops gehören zu dieser auserwählten Spezies. Doch ihr könnt euch vorstellen, dass die Kombination von menschlichem Fleisch und robotischen Gliedmaßen oder einem neuralen Interface nicht von jedem so gut weggesteckt wird, wie die cleveren Wissenschaftler sich das in ihrem stillen Kämmerlein ausmalen. Denn die Hardware muss schließlich von einer Software kontrolliert werden - und genau diese Schnittstelle mit dem Hirn lässt sich manipulieren. Das führt nicht nur zu so manch unerwarteter (und für mich kaum nachvollziehbarer) Wendung - sondern auch zu einigen Ausflügen an spezielle Orte, die ich jetzt nicht spoilern möchte.

So ungefähr ist die Ausgangsgrundlage eines ziemlich verrückten, etwa achtstündigen Ritts, der mich diesmal überraschenderweise gar nicht so sehr um die halbe Welt jagt. Vielmehr konzentriert sich das ganze Geschehen auf einige Brennpunkte, bei denen ich es nicht nur mit menschlichen Kontrahenten zu tun bekomme, sondern auch mit Horden von Robotern und Drohnen. Oft kommt dabei so eine Art Terminator-Feeling auf, wenn halb zerschossene Bots mit letzter Kraft auf mich zurobben. Aber zum Glück bin ich schon von Haus aus nicht wehrlos und schleppe verschiedenste Waffen mit mir herum, mit denen ich Roboter und andere Feinde problemlos zerlegen kann. Cool: Vor den Missionen kann ich in einem Safehouse meine Bewaffnung auf gleiche Weise individualisieren, wie ich meinen Mehrspieler-Charakter mit verschiedenen Loadouts auf unterschiedliche Weise ausstaffiere.

Call of Duty: Black Ops 3 - Diesmal auch mit Neuerungen

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Das Zukunftssetting bringt einige Neuerungen mit sich.
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Dabei geht es aber nicht allein um Wummen - die neuen Implantate bringen drei Sets von Cybercore-Fertigkeiten mit. Bis ich Level 20 erreicht habe (was innerhalb eines Kampagnen-Durchgangs wohl nicht erreichbar ist), kann ich nur jeweils einen der drei Zweige (Chaos, Control, Martial) wählen. Dabei konzentriere ich mich auf etwa auf Spezial-Fähigkeiten, mit denen ich im Nahkampf schlagkräftiger werde, meine mechanischen Optionen ideal ausnutze, Roboter manipulieren oder feindliche Geschütze und Drohnen hacken und bemannen kann. Die Cybercore-Fertigkeiten bieten tatsächlich weitreichende Möglichkeiten, die es in einem Call of Duty bislang noch nicht gab - so werden mir etwa in der „Taktik-Sicht“ Feinde hervorgehoben - bei Mitspielern werden entdeckte Kontrahenten übrigens synchronisiert. Um die Cybercore-Talente freizuschalten, erhalte ich in den Missionen zur Belohnung „Fabrikations-Kits“.

Gemeinsam stärker

Da hört es aber noch nicht auf, denn Black Ops 3 ist im 4er-Koop spielbar. Wenn ich die Kampagne mit bis zu drei Kameraden an der Seite spiele, sehen wir uns gegenseitig im Safehouse und wir bequatschen das individuelle Setup. Auf diese Weise lassen sich die Loadouts aufeinander abstimmen, sodass z. B. von jeder Cybercore-Fertigkeit jeder Zweig vertreten ist. Oder ich gucke mich einfach ein bisschen in den Achievements und sonstigen Freischaltungen (also der Dienstakte) des Mitspielers um. Spielerisch beeinflussen die Cybercore-Fähigkeit das übliche Run-and-Gun von Call of Duty schon - ein wenig fühle ich mich wie ein Supersoldat, der hin und wieder einen Zauber loslässt und anschließend das Ballern aufnimmt. Außerdem sind die Level jetzt weitaus geräumiger als früher. Immer wieder habe ich die Wahl, ob ich links lang oder rechts lang gehen will, was auch der Tatsache geschuldet ist, dass man alles zu viert zocken kann. Man benötigt dann einfach mehr Platz, um sich auszutoben - entsprechend wird die Menge der Gegner hochskaliert. Letztlich ändert das aber nichts an der linearen Erzählweise.

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Die Effekte und der Sound sind bombastisch.
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Allgemein betrachtet ändert das natürlich nicht so viel an der üblichen CoD-Inszenierung, in der man von einem Schlamassel in das nächste gerät: Kaum wähnt man sich gerettet, stürzt das Flugzeug dann doch ab, wird man von Kumpels verraten oder das Haus bricht mit (herrlichem) Getöse über einem zusammen. Man kennt dieses Rezept - aber wer diese brachiale Hollywood-Darbietung mag und sich einen Mindfuck á la Inception dazu denkt, weiß, was auf ihn zukommt. Ich hatte auf jeden Fall meinen Spaß daran, auch wenn einige Passagen ein bisschen ZU ausgewalzt wirkten. Ein, zwei Wellen weniger hätten es in diesen Momenten dann auch getan. Insgesamt sind die Missionen länger als früher. Wenn ich mit KI-Kameraden zocke, sind diese leider keine große Hilfe - oft stehen sie daneben und gucken dumm in der Gegend rum. Zum Glück gibt es zusätzlich zu den Cybercore-Fertigkeiten, zwei Slots für Tactical Rigs (passive Fähigkeiten), die mir zumindest einmal pro Auftrag den Hals retten, indem sie mich wieder auf die Beine bringen.

Für mich ist Call of Duty: Black Ops 3 eine der besten CoD-Episoden der letzten Jahre.Fazit lesen

Ach ja, eine wichtige Info zur Kampagne: Für PS3 und Xbox 360 wird sie gar nicht angeboten! Wer noch auf den alten Konsolen unterwegs ist, sollte das beim Kauf unbedingt beachten!

Wenn die Kampagne nicht mehr reicht...

Aber, ihr wisst es selbst - so umfangreich und vielseitig die Kampagne auch sein mag, bei vielen steht der Mehrspielermodus von Call of Duty ganz klar im Mittelpunkt. Und der ist konsequenterweise voll und ganz auf „Zukunft“ dressiert. Alle Figuren sind mit Implantaten und cybernetischen Modulen ausgestattet. Das ermöglicht eine deutlich erhöhte Beweglichkeit und Koordination. Für mich als Spieler bedeutet das: Ich kann mich per Wandlauf und Powerslides über die Maps bewegen, schieße während des Sprintens oder beim Springen (oder Tauchen ...). Auf diese Weise eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten, weil auch die Karten auf die futuristischen Fertigkeiten ausgelegt sind. Ich kann also überraschende Situationen erschaffen (für mich und die Gegner), indem ich plötzlich in ihrem Rücken auftauche, weil ich einen Shortcut per Wandlauf genommen habe. Oder ich slide um die Ecke, womit auch nicht jeder rechnet und schnell genug reagiert. Wer Schiss hat, mit all den Neuerungen nicht klarzukommen, kann entweder mit Bots offline üben - oder den neuen Freerun-Modus ausprobieren. Dort hat Treyarch einige Parcours aufgebaut, die man im Kampf gegen die Zeit absolvieren kann und dabei nebenbei die Bewegungsmöglichkeiten erlernt.

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Im Kern bleibt das Gameplay im Multiplayer-Modus zwar unangetastet - wer zuerst schießt, gewinnt meist und die „Profis“ schalten viel häufiger Killstreaks frei, mit denen sie richtig Arsch treten. Doch unabhängig davon, für welche Ausrüstung man sich im bekannten Pick 10-System im Loadout entscheidet, gibt es eine weitere Neuerung, die das Ungleichgewicht zumindest zeitweise für Anfänger oder Unbegabte umschlagen lassen kann: die Specialists. Das sind neun verschiedene Charakterklassen, die wiederum zwei Spezialfertigkeiten besitzen (von denen jeweils eine vor dem Einsatz ausgewählt werden muss). Dieses Talent hat einen Auflade-Timer - unabhängig davon, ob man gut oder schlecht spielt, wird es mehrmals pro Runde aktiviert und gibt dem Spieler die Chance, so richtig abzuräumen. Bei der Wahl seines „Specials“ sollte man den Modus und die Map berücksichtigen: In engen Gängen mit Granaten um sich zu ballern, kann schnell zum Bumerang werden, aber auch für flotte Kills sorgen, wenn sich viele Widersacher an einem Ort verschanzen, um etwa in „Hardpoint“ die Stellung zu verteidigen. Meiner Erfahrung nach sind die Abklingzeiten gut genug gewählt, um ein Gespamme zu verhindern und den „normalen“ Spielablauf nicht zu krass zu beeinflussen, auch wenn sie im ersten Moment durchaus als overpowered erscheinen können.

Was die Modi betrifft setzt Treyarch überwiegend auf bekanntes Material, abgesehen von Klassikern wie TDM, Domination oder auch dem beliebten „Kill Confirmed“ hat sich lediglich „Safeguard“ in die Playlisten geschlichen. Dabei bewacht ein Team einen selbst vorwärts laufenden Roboter, der versucht, das Ziel in der Basis der Kontrahenten zu erreichen. Die Gegner versuchen, den Roboter innerhalb des gesteckten Zeitrahmens daran zu hindern, sabotieren ihn und töten nebenbei den Feind. Was die Maps betrifft, bin ich größtenteils glücklich mit dem, was Treyarch anbietet. Die meisten Karten eignen sich hervorragend für die typisch hektischen CoD-Scharmützel und können grafisch überzeugen.

Call of Duty: Black Ops 3 - Diesmal auch mit Neuerungen

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Grundsätzlich ist natürlich alles beim Alten: Schusswaffen sind immer noch eure erste Option im Kampf gegen Gegner.
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Mehr, mehr, immer mehr

Mit Black Ops 3 will man auch wieder stärker in den E-Sport einsteigen, weshalb die „Arena“ erschaffen wurde. Hier stürzen sich Spieler in Ranked Matches mit Ligensystem, in denen man auf- aber nicht absteigt! Als Besonderheit hat sich Treyarch das „Ban/Protect“-System einfallen lassen. Vor jeder Partie stimmen Spieler über Ausrüstungsgegenstände ab, schützen sie vor dem Abwählen oder verbannen sie - außerdem kann jede Specialist-Klasse nur einmal pro Seite ausgewählt werden. Das resultiert darin, dass man vor dem Start einer neuen Runde schnell sein Loadout anpassen muss (falls man keine geeignete Alternative vorgebaut hat) und sich so auf überraschende Partien gefasst machen muss. Während des Spielens sammele ich darüber hinaus virtuelle Kohle ein (Krypto Keys), mit der ich auf dem Schwarzmarkt neue Gegenstände kaufe - allerdings sind diese alle kosmetischer Natur und haben keinen Einfluss auf das Spielgeschehen. Ich könnte jetzt noch erwähnen, dass Black Ops 3 außerdem über einen Gunsmith und einen Paintshop verfügt, in dem sich die Ausrüstung weiter individualisieren lässt, einen Theater-Modus besitzt, in dem sich frühere Partien anschauen lassen oder auch den Codcaster-Modus für kommentiertes Gameplay nennen. Und ihr würdet vielleicht sagen: Wow, da steckt ja einiges drin! Und jetzt sage ich: Das ist aber noch längst nicht alles!

Neben einem Trainings-Simulator (eine Art Horde-Modus, den ihr im Safehouse auswählt) verfügt Black Ops 3 über einige weitere Modi. Da wäre zum Beispiel der Nightmares-Modus, der nach dem Durchzocken der Kampagne zur Verfügung steht. Hier lässt sich die gesamte Kampagne mit einer veränderten Erzählung neu zocken, aber in anderer Reihenfolge. Der Clou: Als Gegner treten vor allem Zombies in Erscheinung. Ein nettes Gimmick, das mich aber nicht allzu lange bei der Stange hält. Cooler finde ich da schon „Dead Ops 2“ - ein weiteres verstecktes Bonusspiel. Dabei handelt es sich um einen Twinstick-Shooter á la Commando, in dem ich gegen Scharen von Zombies kämpfe und ständig neue Waffen um die Ohren gehauen bekomme.

Das macht richtig Bock und ist wirklich gut inszeniert. Und dann gibt es ja noch die komplette Zombie-Kampagne mit einer vollständig eigenen Handlung, die für zig Stunden noch mehr Baller-Action bietet. Dieser Modus entfaltet vor allem im 4er-Koop seinen vollen Spaß - wenn es darum geht, Morg City Schritt für Schritt zu erkunden und gemeinsam verzweifelt gegen die Untoten-Horden ums Überleben zu kämpfen. Wer von dem Zukunfts-Szenario des übrigen Spiels genug hat, wird sich vielleicht über das 40er-Jahre Setting freuen - und über die vielen kleinen und großen Überraschungen sowieso. Was ich zudem gut finde ist, dass ich mit einer Gruppe von Freunden problemlos durch sämtliche Single- und Mehrspieler-Modi wechseln kann, ohne permanent ein neues Team zusammenstellen zu müssen.

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