Egal ob knallbunter Wasserpark, hoch über der Skyline von Zürich schwebende Polizeistation oder Zombie-überrannte Burganlage in den österreichischen Alpen: Awakening, die erste von insgesamt vier Download-Erweiterungen für Call of Duty: Black Ops 3, überrascht mit zahlreichen interessanten Szenarien. Doch ist das vorerst bis Anfang März exklusiv für PS4-Spieler erhältliche Paket aus vier Mehrspieler-Maps und einer Zombie-Episode wirklich jeden der geforderten 14,45 Euro wert?

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Hier findet ihr unseren Artikel zum Hauptspiel: „Call of Duty: Black Ops 3"-Test

Angeführt wird das Quartett aus Mehrspieler-Inhalten von „Rise“, der meiner Meinung nach schwächsten Map in Awakening. Dreh- und Angelpunkt des dort stattfindenden Kugelhagels ist eine noch im Bau befindliche Forschungseinrichtung der Coalescence Corporation. Also derjenigen fragwürdigen Fraktion, die Fans bereits aus der Story-Kampagne von Black Ops 3 kennen. Das Treyarch-typische, in drei Routen gegliederte Kartendesign ist auch hier präsent, gewinnt aufgrund der tristen Umgebung allerdings keinen Blumentopf. Schaut man genau hin, fallen immerhin zahlreiche Wallrunning-Passagen ins Auge, die dem Ganzen ordentlich Tempo einimpfen – etwa, weil man dadurch Schwimmpassagen abkürzen kann. Dennoch: So richtig warm bin ich mit „Rise“ allerdings auch nach der x-ten Runde nicht geworden. Echte Sehenswürdigkeiten fehlen komplett, die Baustellen-Optik habe ich gefühlt schon dutzende Male in Call-of-Duty-Spielen gesehen, und auch in Lobby-Votings schnitt die Karte nicht sonderlich gut ab.

Shooter-Spaß im Wasserpark

Wesentlich kreativer und vor allem bunter wird „Slush“ präsentiert, eine Karte mit stillgelegtem Wasserpark als Setting. Das sogenannte „Hydro Paradise“ begeistert mit einer tollen Mixtur aus verwinkelten Gängen, einladenden Schwimmbecken, interessanten Tauchabschnitten und abwechslungsreichem Drumherum. Gleich nach dem Durchschreiten der nicht besetzten Besucherkassen grinst mich zum Beispiel ein mehrere Stockwerke hoher, pinkfarbener Tintenfisch an. Seine imposanten Tentakel erstrecken sich in mehrere Bereiche des Levels und spritzen an einigen Stellen sogar kleine Wasserfontänen auf vorbeirennende Kämpfer.

Call of Duty: Black Ops - Awakening - Wenn das erst das Erwachen ist, was kommt dann noch?

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„Splash“ bietet wilde Gefecht vor quietschbunter Wasserpark-Kulisse. Schade nur, dass die Riesenrutschen hinten rechts im Bild nicht betretbar sind.
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Aufmerksame Spieler können darüber hinaus eine Vielzahl von Plastik-Schwimmtierchen, witzig animierte Parkaufbauten, Geschäfte mit Plansch-Zubehör und ein Sammelsurium an interessanten Hinweisschildern entdecken. Netter Nebeneffekt: Durch diese und andere, klar erkennbare Orientierungspunkte finde ich mich trotz verhältnismäßig komplexer Levelarchitektur schnell zurecht. Was bleibt, ist eine wirklich fantastische Mehrspieler-Umgebung, die ich ziemlich sicher auch in mehreren Wochen immer noch gerne zocken werde. Dass die Macher die ganz großen Wasserrutschen mit starren Schwimmreifen verbarrikadieren, kann ich dagegen nicht nachvollziehen. Hier hätte man der Architektur mit zusätzlicher Vertikalität zweifelsohne noch den letzten Feinschliff verpassen können.

Über den Wolkenkratzern von Zürich

Serientypisch darf das Remake einer besonders populären Multiplayer-Karte nicht fehlen. Für das Hauptspiel wurde bekanntlich „Nuketown“ aus Call of Duty: Black Ops 2 neu aufgelegt. In Awakening ist nun „Hijacked“ an der Reihe – ebenfalls ein Community-Liebling aus Black Ops 2. Größter Unterschied: Die Fußballfeld-große Luxusyacht aus „Hijacked“ weicht einem sehr, sehr ähnlich aufgebauten, fliegenden Helicarrier. Genauer gesagt einem VTOL der Schweizer Polizei. Laut Beschreibungstext wurde das „Vertical Take-Off and Landing“-Gefährt über der Skyline von Zürich „geparkt“, um eine Revolte am Boden zu zerschlagen. Den Aufstand selbst sehe ich aus dieser Höhe zwar nicht, wohl aber die zahlreichen Wolkenkratzer der Eidgenossen – ein imposanter Ausblick, keine Frage. Und in Kombination mit der bewährten Mischung aus engen Gängen und kompakten Knotenpunkten ein weiterer Grund, warum „Skyjacked“ so einen blendenden Eindruck hinterlässt.

Packshot zu Call of Duty: Black Ops 3Call of Duty: Black Ops 3Erschienen für PC, PS3, PS4, Xbox 360 und Xbox One kaufen: ab 30,20€

Abgerundet wird der Fundus an kompetitiven Karten von „Gauntlet“. Die Militär-Trainingseinrichtung sieht im Auswahlmenü vergleichsweise langweilig aus, punktet in der Praxis aber mit einer gelungenen Grundidee. Denn alle drei Levelbereiche repräsentieren völlig andere Kriegsgebietsszenarien, zwischen denen die Schlacht dank zahlreicher Verbindungsgänge ständig hin und her tobt. Den Anfang macht ein im nördlichen Außenbereich verortetes Dschungelareal mit riesigen Farngewächsen und tropischen Bäumen, hinter denen sich Spezialisten mit clever gewählter Rüstung prima verstecken können.

Call of Duty: Black Ops - Awakening - Wenn das erst das Erwachen ist, was kommt dann noch?

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Hoch hinaus: „Skyjacked“ spielt auf einer schwebenden Basis der Schweizer Polizei und lockt mit faszinierenden Ausblicken auf die Skyline von Zürich.
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Im Zentralbereich der Karte dreht sich dagegen alles um zwei arktische Plateaus, die durch eine Brücke in der Kartenmitte verbunden werden. Vor allem in teambasierten Modi erlebte ich hier immer wieder fantastische Stellungskämpfe. Südlich der Zentralhalle geht's schließlich in einem verregneten, urbanen Kampfgebiet zwischen parkenden Autos und rostigen Feuerleitern ans Eingemachte.

Wadenbeißer auf Burg Hohenwerfen

Originelle Versus-Karten hin oder her: Am meisten Spaß hatte ich in Awakening mit der Survival-Karte „Der Eisendrache“. Zusammen mit „The Giant“ – die sich alle Käufer des 50 Euro teuren Season Passes gratis herunterladen dürfen – bildet sie den Auftakt einer neuen Zombie-Geschichte, die im Laufe der nächsten Monate im Rahmen der noch folgenden DLC-Packs weitergesponnen wird. Ich will nicht zu viel verraten, aber vielleicht so viel: Hauptfiguren sind erneut die Black-Ops-Fans hinlänglich bekannten Zombie-Schlitzer Doktor Edward Richthofen, Takeo Masaki, „Tank“ Dempsey und Nikolai Belinski. Dem in Scherenschnitt-Optik inszenierten Intro-Video zufolge fliehen sie vor einem turmhohen Kampfroboter, der nach einem Panzerfausttreffer frontal auf die Nase klatscht. Das Fluchtfahrzeug wird dabei übel in Mitleidenschaft gezogen, was letztlich dazu führt, dass das Quartett seine heikle Mission zu Fuß fortsetzen muss.

Drei von vier Mehrspieler-Karten haben mich voll überzeugt, gleiches gilt für die Zombie-Episode. Ein vielversprechender Auftakt für die aktuelle DLC-Saison!Fazit lesen

Dass das Chaos-Gespann wenig später Horden von Untoten in die Arme läuft, versteht sich von selbst. Szenario diesmal? Eine mysteriöse, „Griffin Castle“ genannte Burg in der österreichischen Alpenregion Werfen. Die Festungsanlage selbst ist etwa um die Hälfte größer als die eben erwähnte Zombie-Karte „The Giant“ und wie zu erwarten in zahlreiche Bereiche unterteilt, die sich erst durch den Einsatz von Geldeinheiten öffnen.

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Wadenbeißer im Anmarsch: Die Untoten in „Der Eisendrache“ sind unnachgiebig wie eh und je. Wohl dem, der die Plage mit drei verlässlichen Koop-Partner in Angriff nimmt.
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Aber auch sonst tickt „Der Eisendrache“, wie Zombie-Liebhaber es erwarten würden. Abschüsse spülen Credits in meine Kriegskasse und lassen mich neue Waffen kaufen, Fallen aktivieren, Extras freischalten und so weiter. Während Hirnfresser, Höllenhunde und andere Missgeburten der deutschen Kriegsforschung aus allen Himmelsrichtungen anrücken, plaudern die Helden nebenbei mit loser Zunge aus dem Nähkästchen und treiben die skurrile, für Serien-Neueinsteiger manchmal nicht ganz nachvollziehbare Geschichte voran. Ein Riesenspaß.

Der namensgebende Eisendrache kommt natürlich auch vor und heizt Feind und Freund mit seinem Feueratem ordentlich ein. Gleiches gilt für den Schwierigkeitsgrad: Regelmäßiges Ableben ist keine Seltenheit – insbesondere im Solo-Modus ohne Teamkameraden muss ich spätestens ab Runde zehn hochkonzentriert spielen und darf mir keinen Fehltritt erlauben. Die Befriedigung, wieder eine Welle geschafft zu haben, ist dafür umso größer und sorgt zusammen mit den unzähligen Geheimnissen sowie zwei mächtigen Wunderwaffen (ein Flammenbogen und eine Abwandlung der aus dem Hauptspiel bekannten Gravitationsstacheln) für ungeahnte Motivationsschübe.

Größtes Manko allerdings: die nervigen Ladezeiten von bis zu 30 Sekunden vor Levelbeginn. Spätestens nach dem zehnten Missions-Neustart wünscht man sich, dass Treyarch endlich einen Weg findet, dieses altbekannte Däumchendreh-Problem zu den Akten zu legen.