Ich mag den Singleplayer von „Call of Duty“. Jedes Jahr wieder lege ich gerne die Disc ein, drücke auf Start und lasse mich berieseln. Berauschen von perfekt geskripteter Action, von komplett absurden Stunts, von einer Million und einer Nahtod-Erfahrung als virtueller Soldat.

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Call of Duty“ ist und bleibt wie ein guter Actionfilm: Hinsetzen, abschalten, Adrenalinstöße im Sekundentakt. Nicht viel nachdenken, einfach ballern, Effekte und Explosionsgewitter genießen. Natürlich mit voll aufgedrehter Anlage. Wer das will, der wird auch von „Call of Duty: Black Ops 2“ nicht enttäuscht. Doch Treyarch will dieses Jahr mehr als nur auf ausgetrampelten Pfaden wandeln.

Absurd, dämlich und genial wie Stirb Langsam

„Call of Duty: Black Ops 2“ erinnert mich wie schon so oft bei Treyarch oder Infinity Ward an Action-Movies der letzten Zeit. Etwa, wenn ich mit der US-Präsidentin in ihrer schwer gepanzerten Limousine sitze, auf LED-Touchscreens im Inneren der futuristischen Luxuslimousine herumspiele, plötzlich das Bild in Zeitlupe versetzt wird, eine Kugel ins Fahrzeug eindringt und sich in den Kopf eines Secret-Service-Agenten bohrt. Anschließend überschlägt sich die Limousine, durchschlagen Projektile die Außenwand, töten den Fahrer und wirbeln wie in Zeitlupe umher – genau wie in „Mission Impossible: Phantom Protokoll“.

Anschließend ziehe ich die Präsidentin aus der halbzerstörten Limousine, sehe, wie Secret-Service-Agenten um mich herum erschossen werden, und richte meinen Blick auf einen Polizeihubschrauber. Eine Rakete saust heran, der Pilot weicht aus, gerät ins Trudeln. Eine zweite Sidewinder wird auf ihn abgeschossen, er hat keine Chance und fegt wie ein Feuerball auf unsere Limousine zu.

Call of Duty: Black Ops 2 - Das Ende des Schlauchs

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Es beginnt wie jedes „Call of Duty“: Mit einem cineastisch inszenierten Angriff auf die Präsidentenkolonne.
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Ich muss spontan an „Stirb Langsam 4.0“ denken und diesen völlig absurden Stunt, wo Bruce Willis mit einem Polizeiwagen über eine Rampe fliegt und den Helikopter der feindlichen Terroristen abschießt. Wo ist das Popcorn?

Energie-Projektilwaffen wie bei „Eraser“

Drohnen rauschen heran und ergießen ihr Gatling-Feuer über uns. Jets versuchen, sie abzuwehren, feindliche Elitesoldaten seilen sich von futuristischen Black Hawks ab und die Schlacht um Los Angeles beginnt. Da die meisten Agenten der Präsidentenschutztruppe Secret Service im Kugelhagel sterben, ist es an uns, die Präsidentin in ein bereits gesichertes Kaufhaus in L.A. zu geleiten.

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Drohne steuern? CLAW-Mech hacken? Oder einfach nur ballern? Später öffnet sich das Gameplay.
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Dabei treffen wir auf eine der Neuerungen von „Black Ops 2“: Wollt ihr euch von der Highway-Brücke abseilen und den Feind im Deckungskampf Mann gegen Mann bekämpfen? Oder doch lieber auf sichere Entfernung den Scharfschützen mimen? Letzteres ist die sicherere Variante für das Staatsoberhaupt der USA und gibt uns die Möglichkeit, eine futuristische Variante des deutschen XM8-Sturmgewehrs mit ACOG-X-Ray-Visier von Heckler & Koch auszuprobieren.

Das X-Ray dient als Röntgensicht, um auch durch meterdicken Beton Gegner erspähen zu können. Die modifizierte Waffe basiert auf dem Metal-Storm-Prinzip, wie uns Treyarch erklärt, und kann daher in schneller Abfolge und mit extremer Geschwindigkeit elektrisch geladene Projektile abfeuern. Die durchdringen dann eben auch Häuserwände oder gar das Panzerglas der Präsidentenlimousine. Kennt hier noch einer „Eraser“ mit Arnold Schwarzenegger? In dem Streifen aus dem Jahr 1996 ballern die Söldner des Rüstungsunternehmens Cyrex mit solchen Railguns.

Der Krieg des Jokers

Die Geschichte indes klingt erstaunlich glaubhaft. So gehen im Jahr 2025 die Ressourcen langsam zur Neige, Polysilizium wird knapp. Silizium wird aber für alles gebraucht, was eine Platine hat – sprich Smartphones, PCs, technische Steueranlagen. China hält heute 95 Prozent der Vorkommen, weshalb US-Präsident Barack Obama sich im März offiziell bei der Welthandelsorganisation WTO beschwert hat. „China verstoße mit seiner Export-Politik gegen internationale Abkommen“, heißt es in dem Papier.

Black Ops 2 fühlt sich deutlich facettenreicher an als die Vorgänger. Es wird Zeit für das Ende der Schlauch-Shooter!Ausblick lesen

Treyarch spitzt das Szenario zu und lässt einen durchgeknallten Hacker namens Menendez die Firewall des Pentagon knacken, der daraufhin die gesamte Drohnenarmee der US Airforce umprogrammiert und zu seinen Vasallen macht. Damit greift er erst einige US-Städte sowie Stützpunkte der Nationalgarde an und entsendet dann eine zweite Welle gen China. Der Kalte Krieg wird plötzlich heiß und wieder mal rücken ausländische Truppen in Los Angeles ein.

Die Story stammt aus der Feder von David Goyer, und Treyarchs Studiochef wird nicht müde zu betonen, dass sie den ikonischsten Bösewicht der Spielegeschichte schaffen wollen. Schließlich hat Goyer mit dem Joker aus „The Dark Knight“ einen der ikonischsten Antagonisten der letzten Jahre geschrieben und auch in „Black Ops“ schon ein gutes Händchen für recht starke Charaktere wie Viktor Reznov bewiesen.

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Mal im Kampfjet über L.A., dann wieder mit der AK 47 zu Pferd im Jemen. Verspricht Abwechslung!
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„Wir geben Menendez das, was wir Screentime nennen. Ihr werdet ihn im Kalten Krieg der 80er-Jahre als Alex Mason kennenlernen und gut 50 Jahre später als dessen Sohn wieder gegen ihn kämpfen.“ Als Vorbild nennt Lamia Tony Soprano aus „The Sopranos“, „der als Charakter nachvollziehbar bleibt, hin und wieder aber Dinge tut, von denen man sich als Zuschauer klar distanziert.“ Eine erste echte Gameplay-Szene mit Menendez blieb uns Activision allerdings schuldig. Ob sie wohl einen Schauspieler finden, der so brillant ist wie Heath Ledger? Die Kriegskasse ist schließlich gut gefüllt: Unglaubliche 27 Millionen Einheiten hat Activision bis heute vom ersten „Black Ops“ verkauft.

Weniger Schlauch-Shooter, mehr Freiheit

Was uns Treyarch indes tatsächlich beweisen konnte, ist, dass sie den Spielern deutlich mehr Freiheiten einräumen wollen. Ihr entscheidet, ob ihr euch einfach nur durchballern wollt oder mit einem Hauch Taktik dahinter mit Drohnen agiert. Denen lassen sich entweder spezifische Angriffspunkte per Schultertaste wie in „Ghost Recon: Future Soldier“ zuweisen oder aber ihr springt per D-Pad direkt in die Drohne, fliegt mit den Sticks Kreise, Loopings und Ausweichmanöver vor Flakabwehrstellungen und zieht den chinesischen Soldaten mit der Gatling die Hose runter.

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Interessanter Story-Twist: Veteran Woods erzählt David, wie sein Vater Alex im Kalten Krieg Terrorist Menendez kennengelernt hat.
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Insgesamt fühlt sich das alles erstaunlich stark nach Ubisofts Taktik-Shooter an. Nur schneller, flippiger, actionreicher, Adrenalin-geladener. Ihr müsst weniger nachdenken, es gibt keine Teamkameraden in dem Sinne (nur die Drohnen), keine Synch-Shots, sondern letztlich wird doch nur geballert. Allerdings in deutlich größeren Arealen als bisher gewohnt. So verwandelt sich interessanterweise genau das Areal um das Staple Center in Los Angeles Downtown, also jene Gegend, wo die E3 stattfindet, in eine Kampfzone und wir können beliebig Deckungen wechseln, neue Routen versuchen, uns Schutz suchen und unsere Drohnen angreifen lassen oder aber vorstürmen, mit EMP-Granaten die feindlichen Drohnen ausschalten oder aber – sehr cool – einen der CLAWS mit Hightech-Darts hacken.

Die CLAWS sind kleine Kampfmechs, etwa so groß wie ein Mensch auf vier Beinen, die mit einer Gatling und zwei Raketenabschussvorrichtungen ordentlich Schaden machen. So halten wir letztlich den Evakuierungspunkt, eine große Mall mit verschiedenen Etagen, Treppen und Aufzügen, bis der Secret Service die Präsidentin in drei gepanzerten Truppentransportern aus der Stadt geleiten kann.

Dog-Fights wie in H.A.W.X.

Als das „Paket“, sprich die Präsidentin, mit ihrer Kolonne über den Highway rauscht, ist die Kacke aber schon wieder am Dampfen. Stealth-Bomber schießen aus den Wolken, bombardieren den Konvoi. Die Regierungschefin ist zudem schwer verletzt, muss also dringend ärztlich behandelt werden. Ein Countdown zählt herunter und uns bleibt nur eine bestimmte Zeit, um einen F-A 38 Kampfjet zu erreichen. Eine Weiterentwicklung des bekannten 35er-Modells von Lockhead Martin, die mit einer 25-Millimeter Gatling Gau-22 ordentlich Blei in die Luft pumpt und zudem hitzesuchende AIM-9x-Sidewinder zündet.

Und hey, Treyarch lernt aus den Fehlern von DICE, die uns in der „Battlefield 3“-Kampagne nur auf eine schnarchöde Railshooter-Flugeinlage geschickt haben. In „Call of Duty: Black Ops 2“ ist die FA-38 voll steuerungsfähig. Wir können Drehungen vollführen, Loopings fliegen, um Gegner zu verwirren, voll auf Wolkenkratzer zusteuern und in letzter Sekunde erst die Nase hochziehen, damit die chinesischen Drohnen an den Bauwerken zerschellen. Auch ist der Luftkampf null geskriptet, einzige Bedingung: Wir müssen die feindliche Luftüberlegenheit zerschlagen und Angriffe auf den Konvoi verhindern. Dessen Stabilität wird auf einem separaten Screen eingeblendet. Färben sich alle Bereiche rot, heißt es Game Over und die Präsidentin stirbt.

Strike Force: Missionen Marke Jack Bauer

Diese „Friss oder Stirb“-Missionen sollen sich aber nicht durch die ganze Kampagne ziehen, sondern immer wieder durch sogenannte Strike-Force-Missionen aufgelockert werden. Der Clou: Ihr entscheidet an welchem Hotspot ihr angreifen wollt. Vancouver, das gerade von Terroristen gestürmt wird? Oder Singapur, wo in wenigen Stunden ein Frachter auslaufen wird, der EMP-Waffen in die USA schmuggeln soll?

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CoD als Taktik-Shooter? In den Strike-Force-Missionen koordiniert ihr Mechs, Drohnen und Bodenstreitkräfte.
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Treyarch geht hier ein bisschen den Weg von CTU-Agent Jack Bauer und der TV-Serie „24“. Bauer ist hier auch immer die arme Sau, auf deren Schultern das Überleben einer ganzen Nation ruht. „Wir wollen euch zwingen, Entscheidungen zu treffen“, erklärt Studiochef Mark Lamia. „Entscheidungen, die manchmal weh tun.“ So wie Jack eben, der während der acht Staffeln immer wieder Freunde opfert, um sein Land zu schützen.

Versagen wir in den Strike-Force-Missionen, schaffen es in der gezeigten Operation beispielsweise nicht, den Frachter zu zerstören, heißt es in „Black Ops 2“ nämlich nicht „Game Over, bitte neu versuchen“. Stattdessen soll jedes Versagen Konsequenzen nach sich ziehen. Entscheiden wir uns den kanadischen Nachbarn nicht zu helfen, hat das Auswirkungen auf die diplomatischen Beziehungen und die kanadische Armee verwehrt uns eventuell später ihre Unterstützung. Damit müssen wir leben, denn mit einem EMP-Angriff könnte der Feind ganz Washington lahm legen und das Weiße Haus überrennen.

Ein Hauch Taktik-Shooter

Die Strike-Force-Missionen fühlen sich im Grunde an wie eine taktisch abgespeckte Variante von „Ghost Recon: Future Soldier“, nur dass die Drohnen hier aktiv angreifen können anstatt einfach nur Ziele zu markieren. Viel spannender ist, dass ihr ständig zwischen verschiedenen Einheiten und Perspektiven wechseln könnt.

Aggressive Naturen springen in den CLAW-Mech, stürmen an die Front und halten mit Gatling und Raketen drauf. Das ist allerdings keine gute Idee, da der gesamte Hafenbereich von Singapur massiv mit Raketenabwehrstellungen geschützt wird. Viel cleverer ist es ergo per D-Pad ruckzuck in eine Drohne zu springen, von oben die Lage zu checken, die Raketenabwehrstellungen auszumachen und sich dann effektive Angriffsrouten zu überlegen. Sogar eine richtige Kommandoperspektive mit einem Drahtgittermodell und Sektoren wie in einem Echtzeitstrategiespiel gibt es.

So könnt ihr aus der Vogelperspektive beispielsweise Scharfschützen auf Türmen platzieren, mit eurem schwer gepanzerten CLAWS ein Ablenkungsmanöver starten und den übermächtigen Feind dann durch Flankenangriffe von Links und Rechts durch Spezialeinheiten schwächen. So sind die menschlichen Truppen weitestgehend beschäftigt und ihr könnt eure Drohnen anweisen die Raketenabwehrstellungen zu zerstören, damit die US-Airforce ihre Jagdbomber losschicken und den Frachter auf den Meeresgrund bomben.