Bei all den Querelen, die derzeit das "Modern Warfare"-Franchise und Entwickler Infinity Ward erschüttern, ist es wohl ein glücklicher Umstand, dass die Weiterführung der „Call of Duty“-Reihe in diesem Jahr turnusmäßig von Treyarch übernommen wird. Teil sieben erhielt den Untertitel "Black Ops" und wird als erster Titel des kalifornischen Entwicklers nicht im Zweiten Weltkrieg spielen.

Auf einem Pre E3-Event des Publishers Activision bekamen wir nun in London erstmals detailliertere Einblicke, für die kein Geringerer als Studio Head Mark Lamia verantwortlich zeichnete.

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Variable Spezialeinheit

"Unser Ziel ist es, eine möglichst große Gameplay-Bandbreite zu erschaffen mit vielen Variationen bei den Konflikten und Szenarios", erklärt Lamia im Gespräch gegenüber gamona den Ansatz, den Treyarch mit Black Ops verfolgt. "Spieler dürfen erwarten, mit ständig neuen Herausforderungen konfrontiert zu werden." Um das zu untermauern, bekommen wir zwei Level des Shooters zu sehen, die man teilweise auch bereits aus den ersten Video-Trailern kennt.

Call of Duty: Black Ops - Ist Modern Warfare noch zu toppen?

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Black Ops soll noch mehr "Gameplay-Bandbreite" bieten.
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Zunächst verschlägt es die von der CIA geführte, im verborgen agierende Spezialeinheit in die verschneite Sowjetunion. Im Zeitalter des Kalten Kriegs kämpft der Viermann-Trupp hier auf sich allein gestellt weit hinter feindlichen Linien.

Doch Moment - bevor sich die Protagonisten daran machen, eine Funkstation zu zerstören, erhalten sie Unterstützung durch eine Aufklärungseinheit weit über den Wolken. Als Spieler schlüpft man in diesem Moment in die Rolle eines Colonel Mitchel, der einen Blackbird SR-71 kommandiert und sogar selber starten darf. Aus dieser sicheren Beobachterposition heraus versorgt der Pilot seine Kameraden am Boden mit wichtigen taktischen Ziel-Informationen und dirigiert sie etwa vor anrückenden Feinden in Sicherheit, bevor ein plötzlicher Perspektiv-Schwenk uns in die Rolle eines Black-Ops-Soldaten versetzt, der mit einer Armbrust bewaffnet ist.

Was folgt ist eine Demonstration routiniert inszenierter „Call of Duty“-Actionsequenzen, wenngleich dieser Auftrag den Fokus zunächst auf unbemerkter Infiltration setzt, bevor es anschließend richtig knallt und die Squad den gegnerischen Widerstand mit allen Mitteln stoppt. Interessant ist der praktisch geräuschlose Einsatz besagter Armbrust, die auch mit Haftgranaten bestückt werden kann (dann aber nicht mehr lautlos ...).

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"Die Special Operations Group ist die Elite der Elite."
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"Es wird eine Reihe von alternativen Munitionstypen für die meisten Waffen geben, die Special Operations Group (SOG) ist schließlich die Elite der Elite, die Zugriff auf alle verfügbaren Ausrüstungsgegenstände hat - auch unkonventionelle Waffentypen", so Lamia. Nachdem das Transponder-Objekt außer Gefecht gesetzt wurde und dazu u.a. eine Tür aus ihren Angeln geschossen wurde, steht am Ende des Levels erneut eine weitere Aufgabe: die Flucht über einen kleinen Hüpfparcours, wobei die Sicht aufgrund von Schneeverwehungen á la Bad Company 2 deutlich beeinträchtigt ist, um schließlich in eine Free-Fall-Einlage zu münden.

Ab ins Schlachthaus!

Die zweite Mission "Slaughterhouse" zeigt uns einen Einsatz der Elitetruppe in Vietnam, genauer gesagt Hue City, in der das amerikanische Hauptquartier während der sogenannten "Tet Offensive" (31. Januar 1968) in Bedrängnis gerät. Call of Duty: Black Ops wird laut Lamia jedoch zu keiner reinen Vietnamkriegs-Episode: "Es wird verschiedene Zeitperioden geben, es geht hier um einen größeren Abschnitt der Geschichte, eine Ära, die wir darstellen wollen. Es handelt sich zwar nicht um eine historisch korrekte Nacherzählung dieser Geschehnisse, wir wollen jedoch eine plausible Rahmenhandlung erschaffen, in der der Spieler der Held ist."

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Wechselnde Protagonisten gehören bei Call of Duty mit dazu.
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Gleichzeitig soll allerdings eine zusammenhängende Geschichte mit wiederkehrenden Charakteren entstehen, die sogar eine Stimme haben: "Natürlich wird der Spielercharakter eine Stimme haben und auch Anweisungen geben. Die Spieler sind die wichtigsten Personen auf dem Schlachtfeld und das soll auch gleichzeitig versinnbildlichen, wie charismatisch diese Elitesoldaten waren - die Besten der Besten. Wie sollte man ein Anführer sein, wenn man niemals etwas sagt? Man wird definitiv immer wissen, wen man spielt", versichert Lamia auf gamona-Anfrage. Nach dem storytechnischen Chaos von Modern Warfare 2 hören wir solche Aussagen natürlich gerne, auch wenn die Stimme des Helden angesichts der um ihn herum tobenden Schlacht für meinen Geschmack etwas zu ruhig klingt.

Ob sich der sehr intensive und überzeugende Eindruck der Demo bestätigt, wissen wir erst, nachdem wir selber zocken durften.Ausblick lesen

Doch zurück zum Schlachthaus, in das die Spezialeinheit per Helikopter eingeflogen wird und sich mitten in die Kampfhandlungen abseilen soll. Da die Offensive der Nordvietnamesen bereits in vollem Gange ist, geht es von Beginn an im Tohuwabohu des tobenden Gefechts ums nackte Überleben. Das Szenario ist unglaublich eindringlich und führt einmal mehr vor Augen, warum die „Call of Duty“-Serie in Sachen Intensität bisher unerreicht ist. Reiner Wahnsinn, was hier an extremen Eindrücken auf den Spieler einprasselt.

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Spektakuläre Szenen werden natürlich auch in Black Ops auf den Spieler einprasseln.
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Während sich die Einheit ihren Weg durch die Straßenschlachten und in Flammen stehende Ruinen bahnt, kann sie beispielsweise on the fly Luftunterstützung durch einen Kampfheli anfordern, der Stellungen in Gebäuden oder sogar feindliche Panzer außer Gefecht setzt. In den Häuserkämpfen kommt eine weitere "unkonventionelle" Munitionsart zum Einsatz: Dragon's Breath. Dabei handelt es sich um pyrotechnische Schrotgeschosse, die Feinden auf spektakuläre Weise zusetzen und den Spielern ermöglichen, den Feinden so richtig "in den Arsch zu treten" (Lamia).

Heikles Thema: Zivilistenerschießung

Inmitten dieser tödlichen Szenerie laufen dem Trupp jedoch auch immer wieder Zivilisten über den Weg, wir werden sogar Zeugen von Hinrichtungen durch die Vietcong. Als Spieler werdet ihr diese Morde durchaus aktiv verhindern können. Nach dem umstrittenen Flughafenlevel in Modern Warfare stellt sich Lamia unserer zwangsläufigen Frage, ob es möglich sein wird, Zivilisten zu erschießen: "Es wird nicht zu den Aufgaben gehören auf Zivilisten zu schießen", betont Lamia ausdrücklich. Trotzdem werde es möglich sein sie zu erschießen, womöglich unbeabsichtigt - das gehöre zum Kollateralschaden eines Krieges und wird demnach auch keine Bestrafung für den Spieler nach sich ziehen.

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Modern Warfare machte durch moralisch fragwürdige Szenen auf sich aufmerksam - Black Ops auch?
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Ob das die deutsche USK auch so sehen wird, lassen wir erstmal dahin gestellt. Auffällig waren neben der gewohnt dramatischen Inszenierung auch eine Verschlankung des Interfaces, das nun weniger aufdringlich zu sein scheint. Änderungen am schwammigen Deckungssystem der Vergangenheit werden laut Lamia jedoch nicht vorgenommen, hier bleibt wohl alles beim Alten.

Inwiefern es Neuerungen im beliebten Mehrspielermodus geben wird, ließen die Kalifornier jedoch weitestgehend offen. "Wir wollen eine Art 'Create a Class 2.0' erschaffen und die Anpassungs- und Sozialisierungsmöglichkeiten noch weiter verbessern. Es wird auf jeden Fall 4-Spieler-Koop online und 2-Spieler-offline (Splitscreen) für die Kampagne geben", gibt sich Lamia in diesem Punkt noch zurückhaltend.