Battlefield: Modern Combat hat in seiner zweiten Episode den qualitativen Abstand zur Call-of-Duty-Serie bedeutend verringert, der Reboot von Medal of Honor fällt dagegen noch deutlich ab. Aber was macht den besonderen Reiz, die spezielle Klasse von Activisions Shooter-Reihe aus, dass sie bisher den Genre-Thron verteidigen konnte? Womöglich lässt sie uns am besten erleben, was wir im wahren Dasein niemals am eigenen Leib erfahren wollen: die kompromisslose Darstellung und die unerbittliche Grausamkeit des Krieges.

Glücklicherweise verzichtet Entwickler Treyarch, der in diesem Jahr für die neue Call-of-Duty-Folge „Black Ops“ verantwortlich zeichnet, auf maßlos übertriebene Provokationen à la Flughafenlevel von Modern Warfare 2. Auch das nervig-klebrige US-Pathos wurde ein Stück weit zurückgedreht. Das heißt jedoch noch lange nicht, dass die siebte Episode des Actionspiels zu einem harmlosen Schaulaufen verkommen wäre. Im Gegenteil. Immer noch versteht man es perfekt, grandiose Schlachtenszenarien zu entwerfen, die uns den Schrecken des Krieges vor Augen führen, gleichzeitig aber auch zum Dauerballern animieren.

Call of Duty: Black Ops - Kurz, knackig, wummernd - alles beim Alten? Nachgereicht: Jetzt auch mit Multiplayer-Test

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Ab in die Wälder - mit Black Ops.
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Gewiss, gelegentlich übertreibt es auch Treyarch mit sinnlosen Gewaltdarstellungen, die in der deutschen Version gegenüber dem Original ein wenig entschärft wurden: Muss ich schlafenden Feinden die Gurgel durchschneiden? Ist es notwendig, Kopftreffer in Zeitlupe darzustellen oder von Kampfgasen langsam entstellte Gesichter bloßzustellen? Nicht wirklich. Meist geschieht das alles dank der brachial-rasanten Inszenierung glücklicherweise dermaßen schnell, dass ihr es kaum wahrnehmt: Zunächst treibt euch ein Gefecht nach Kuba in die berühmt-berüchtigte Schweinebucht, dann versucht ihr, einen Raketenstart im russischen Baikonur zu verhindern, erlebt in Flashbacks Einsätze in Vietnam und Laos, bis ... nein, mehr wollen wir an dieser Stelle nicht verraten.

Packshot zu Call of Duty: Black OpsCall of Duty: Black OpsErschienen für DS, PC, PS3, Xbox 360 und Wii kaufen: ab 19,02€

Es gibt eine Geschichte, juhu!

Das bringt uns aber zur Handlung von Black Ops, die - Trommelwirbel - diesmal tatsächlich einer positiven Erwähnung wert ist. Denn all diese Schauplätze stehen im Zusammenhang mit der mysteriösen Vergangenheit eines gewissen Alex Mason, einem Black-Ops-Elitesoldaten, dessen selbstverständlich streng geheimen Missionen ihn vor dem Hintergrundszenario des Kalten Krieges rund um den Erdball führen. Anders als noch bei Modern Warfare 2 wirkt die Handlung hier nicht wie aus zusammenhanglosen Puzzleteilen zusammengeschustert, obwohl sie ebenfalls stark fragmentiert ist. Das liegt an der kompakten, packenden Erzählweise, die euch eine Identifikation mit den tragischen Helden ermöglicht.

Die filmreife Inszenierung ist dabei so atemberaubend, die Wechsel der Locations so rasant, dass sich das sogar auf die Länge der Missionen auswirkt. Kaum habt ihr euch an eine Umgebung, etwa in Ruinen liegende Städte, dichte Dschungel, Schiffsbäuche oder Raketenabschusssilos gewöhnt, verschlägt es euch schon wieder woanders hin. Das ist kurzweilig, auch wenn die Stoßrichtung der Geschichte recht schnell ersichtlich wird und wenige Überraschungsmomente bietet. Doch angesichts der superben Präsentation lässt sich das locker verschmerzen:

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Die Action ist gewohnt rasant und brachial präsentiert.
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Tolle Zwischensequenzen (Achtung: bei den Konsolenversionen müsst ihr hinsichtlich des Detailgrades deutliche Abstriche hinnehmen!) begeistern mit ausdrucksstarken Gesichtern, die Morgenröte so mancher Locations steht im krassen Kontrast zu heftigen Detonationen in einer umkämpften Landezone, prächtige Partikeleffekte zeigen dichte Rauchverwehungen, Feuersbrünste lodern mitsamt bizarrem Funkenflug durch in Schutt und Asche liegende asiatische Städte - obendrein gibt es auch noch schneeverwehte russische Steppen und einiges mehr.

Gewohnt spektakuläre Kriegsinszenierung, jetzt auch mit gelungener Handlung.Fazit lesen

Allerdings täuscht diese bildgewaltige Szenerie auch darüber hinweg, dass man nicht allzu genau auf die Feinheiten achten sollte. Die etwas in die Jahre gekommene Modern-Warfare-Engine zeigt durchaus ihre Schwächen mit einigem Texturmatsch, liefert aber in den höchsten Einstellungen auf dem PC eine immer flüssige Bildrate ohne nennenswerte Einbrüche. Bezahlt wird diese Qualität aber scheinbar mit recht häufigen Pop-ups, viele Objekte werden schlicht zu spät nachgeladen.

Halbe Miete

Doch all das ist natürlich gerade bei einem Shooter nur die halbe Miete, vor allem spielerisch muss das Werk seine Fans überzeugen. Und hier zerrt uns Treyarch durch ein Auf und Ab der Gefühle. Eines vorweg: Am Handling gibt es nichts auszusetzen. Die Zielaufschaltung, die Präzision der Waffen, das exzellente Treffer-Feedback, das prächtig animierte Nachladen oder auch Durchschlagskraft der Wummen sind - typisch für die Serie - perfekt. Auch der stark wie nie geskriptete Spielablauf der „In your face“-Action, der Dinge erst geschehen lässt, wenn ihr unsichtbare Lichtschranken überschreitet, entspricht voll und ganz den Erwartungen.

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Die haben wohl noch nie was von Tiefflugverbot gehört.
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Aber leider schwankt die Qualität des Missionsdesigns sehr stark. Bei Aufträgen, in denen wir uns hinter das Ruder eines Kanonenboots klemmen, als Pilot und Schütze von Kampfhubschraubern den Dschungel unsicher machen oder riesige Kähne unter Beschuss nehmen, wo wir über Dächer fliehen müssen, wenn wir einen SR-71-Blackbird-Spionageflugzeug steuern und parallel das Bodenteam koordinieren oder wenn wir uns mit Gasmaske und Schutzanzug ausgerüstet durch Nervengas kämpfen, schlägt das Shooter-Fan-Herz schneller.

Andererseits begegnen wir aber auch wieder altbekannten CoD-Mustern, müssen uns durch WW2-ähnliche Gräben ballern, ballern in bewährter Rail-Shooter-Manier vom Heck eines Lkws Verfolger über den Haufen, fahren hier ein bisschen auf einem Panzer mit, watscheln dort im Schlepptau unserer omnipräsenten KI-Kameraden durch die Schlauchlevels. Auch die routinierten Einsätze im Kriegschaos sind zwar mit einem brachialen Sound- und Effektgewitter voller Detonationen, markerschütternder Schreie und satter Waffenakustik alle sehr spektakulär inszeniert, spannend ist das aber nicht immer. Manchmal sogar monoton.

Langeweile kommt in den etwa sechseinhalb Stunden trotzdem nie auf, dafür sorgt auch der moderat angezogene Schwierigkeitsgrad: Unser Held verträgt in Black Ops weniger Treffer als zuletzt, weshalb wir vorsichtiger agieren. Die Xbox-360-Fassung schien diesbezüglich nachgiebiger zu sein, womöglich ist das dem Controller-Handling geschuldet. Spaß bereitet auch das extrem gut sortierte Waffenlager, hier findet sicher jeder Ballerspieler etwas für seinen Geschmack: von diversen AK-47-Derivaten mit unterschiedlichen Aufsätzen für Granaten und Flammenwerfer über beidhändige Uzis, Schrotflinten mit „Drachenodem“-Munition (die Feinde im Flammen setzt) bis hin zu Raketenwerfer oder einer Armbrust mit alternativer Explosivmunition.

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Ist das hier die Mitflugzentrale für Helis?
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Und damit machen wir im wahrsten Sinn des Wortes auch keine Gefangenen, beobachten wir beispielsweise die Hinrichtung von Kriegshäftlingen. Allerdings müssen wir auch mit ansehen, wie unsere KI-Kumpels immer wieder an den verschiedenen Feinden wie Vietcong oder Russen vorbeirennen und uns so ins offene Messer laufen lassen. Die abermals schwachen KI-Kontrahenten, die kaum mehr sind als animierte Zielscheiben, die nun (wie wir auch) Hechtrollen ausführen können, sind jedoch nicht das einzige Ärgernis. Ein Skriptfehler führte etwa dazu, dass wir einen ganzen Level neu starten mussten, Clipping-Fehler sorgen darüber hinaus für Merkwürdigkeiten wie schwebende Tote oder Waffen. Euer Forscherdrang wird jetzt zudem noch weiter eingeschränkt als früher: Wer zu weit vom vorgegebenen Weg abweicht, stirbt häufig den Sekundentod.

Nachgereicht: Der Multiplayer-Test

Wenn ich oben von der halben Miete sprach, bezieht sich das selbstverständlich nur auf den Einzelspielermodus. Darüber hinaus bringt Black Ops einen unterhaltsamen Zombie-Überlebensmodus für bis zu vier (Koop-)Spieler mit, der auch deutschen Fans zugänglich ist. Auf drei Karten kämpft ihr gegen die Zombiebrut, erhaltet für Abschüsse Punkte und kauft euch dafür neue Waffen und Munition oder öffnet Türen zu weiteren Räumen - mit noch mehr und härteren Untoten. Gelegentlich kassiert ihr sogar das eine oder andere Extra, wie die kurzzeitige Verdopplung der Punktzahl oder "Jeder Schuss ein Treffer"-Boni. Das kommt zwar ein wenig wie ein Left 4 Dead Light daher, Laune macht’s trotzdem!

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Viel wichtiger ist allerdings der mächtige Mehrspielermodus für bis zu 18 Spieler. Wer grundsätzlich keinen Bock auf Online-Schlachten hat und deshalb bislang einen großen Bogen um diesen Modus machte, darf aufhorchen: Black Ops bietet volle Bot-Unterstützung. Ihr kämpft also auf Wunsch von nun an auch gegen in vier Spielstufen verfügbare computergesteuerte Feinde, macht euch mit den 14 exzellent designten Karten vertraut und kassiert sogar Upgrades oder die neuen CoD-Dollar - erhaltet also ein perfektes Trainingslager. Falls ihr euch dann doch oder sowieso online ins Gefecht stürzt, fallen die im Bot-Modus erzielten Errungenschaften natürlich weg.

Wie Modern Warfare bietet Black Ops unzählige Freischalt- und Personalisierungsmöglichkeiten. Anfangs seid ihr in euren Entfaltungsmöglichkeiten noch recht eingeschränkt, doch mit jedem kleinen oder größeren Erfolg in den extrem schnell inszenierten Scharmützeln steigt euer Punktekonto und ihr erhaltet Zugriff auf etliche Waffenupgrades, alle fünf Klassen und schließlich den Editor, mit dem ihr individualisierte Supersoldaten konfiguriert. Erweiterungen wie Perks, Symbole usw. bezahlt ihr ab sofort mit den hart erkämpften CoD-Dollar, dem Ingame-Zahlungsmittel von Black Ops. Im Vergleich zum Vorgänger hat Treyarch die Vielfalt der Addons sogar noch ein Stück weit erhöht.

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Klarer Fall von Deathmatch: Fans beim Mitternachtsverkauf in Berlin.
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Die CoD-Punkte investiert ihr jedoch nicht nur in eine verbesserte Ausrüstung, die Währung dient auch als Wetteinsatz in vier speziellen Modi, in denen jeder gegen jeden spielt. Ihr wettet auf den Ausgang der Partien: Wer unter den ersten drei Bestplatzierten landet, vermehrt seinen Einsatz, alle anderen gehen dagegen leer aus.

Im Vergleich zu den herkömmlichen Spielmodi wie TDM, FFA, Sabotage oder CTF verfügen die vier Wett-Spielbereiche eigenständige Ansätze: In "Stock und Stein" seid ihr beispielsweise ohne Schusswaffen unterwegs und müsst mithilfe von Nahkampfwaffen überleben. Trifft euch jedoch ein Gegenspieler mit einem Tomahawk, seid ihr alle erspielten Punkte los. Ähnlich spannend ist auch das "Waffenspiel": Mit jedem Abschuss steigt ihr im Waffenrang auf, arbeitet euch von einer simplen Pistole bis zu weitaus durchschlagskräftigeren Wummen hoch. Doch auch hier gibt es einen Haken: Fallt ihr einem Nahkampfangriff zum Opfer, büßt ihr einen Rang (und damit eine Waffenstufe) ein. Cool!

Davon abgesehen spielt sich der Mehrspielermodus überwiegend wie die vorherigen Modern-Warfare-Versionen: Vergleichsweise extrem schnelle Gefechte, in denen Stillstand meist gleichbedeutend mit dem eigenen Dahinscheiden ist. Nach wie vor erhaltet ihr für Killstreaks Unterstützung wie steuerbare Helis, Versorgungslieferungen, Aufklärungsflugzeuge oder jetzt auch ferngesteuerte Mini-Buggys, die ihr in der Nähe von Widersachern detonieren lasst - insgesamt sind diese Boni (und auch die meisten Perks) aber nicht mehr so übermächtig.

Auf Deathstreaks verzichtet Treyarch vollkommen, im Hintergrund ablaufende Herausforderungen schalten jedoch erneut verschiedenste Zusatzfertigkeiten frei. Das Design der 14 Maps ist herausragend gelungen, wenn sie auch teilweise etwas größer wirken als noch vor Jahresfrist und damit ein klein wenig das Tempo aus dem Spiel nehmen. Am chaotisch-hektischen Häuserkampf-Treiben ändert das jedoch nichts, Fans und CoD-Veteranen fühlen sich sofort wie zuhause.

Im Vergleich zu den Konsolen-Fassungen punktet die PC-Version mit der Unterstützung dedizierter Server. Hier werdet ihr nicht zufällig in bestehende Matches geworfen, ihr greift über einen vollwertigen Serverbrowser auf das komplette Angebot zu und wählt Sessions selber aus. In den Anfangstagen nach der Veröffentlichung kam es zwar gelegentlich zu Verbindungsabbrüchen und Lags, die den Spielspaß deutlich trübten, aber sicherlich nicht die Regel darstellten. Darüber hinaus bietet Black Ops einen Kino-Modus, der vielen Shooter-Fans aus Spielen wie Halo 3 bekannt sein dürfte.