Es gibt drei Dinge, die man bei der Veröffentlichung eines überteuerten Expansion-Packs für sein Lieblingsspiel machen kann. Erstens: Man regt sich auf, verdammt den Kram und wendet sich ab. Zweitens: Man kauft immer jeden Scheiß und schlägt sofort zu. Und drittens: Man regt sich auf und investiert trotzdem etwa 15 Euro (1200 MS-Punkte) in vier neue Maps und einen zombiehaften Zusatz zum Überlebensmodus.

Activision wäre ja ehrlich gesagt auch ziemlich blöd, vom eigenen Erfolgsrezept abzurücken, schließlich ging dieses Konzept bereits beim ersten Black-Ops-DLC "First Strike" voll und ganz auf...

Und damals hatten sie noch nicht einmal George Romero mit an Bord. Der cineastische Zombie-Großmeister ist diesmal höchstpersönlich Teil der blutigen Fressarie. Bei aller Kritik am Preis dieses Zusatzinhalts muss ich sagen, dass mir die Präsentation dieses speziellen Spielteils sehr gut gefällt. Aufgemacht als schieflaufender Filmdreh, bei dem sich die Schmink-Untoten plötzlich selbstständig machen, trägt "Call of the Dead" das Horrorszenario mit der passenden Prise Selbstironie vor. Und Romero mittendrin. Nur ohne Kaufhäuser oder andere Vorzeigeprojekte der westlichen Konsumgesellschaftsformen, die in seinen Filmen ja regelmäßig kritisiert werden sollen.

Call of Duty: Black Ops - Escalation: Call of the Dead

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Neuer DLC, neue Karten. Wie immer eben.
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Diesmal findet ihr euch in einer sibirischen Einöde wieder. Nebel wabert umher, ein zerstörtes Schiff liegt am Ufer, ein Leuchtturm verspricht trügerischen Schutz. Und dann gibt es da noch einen kleinen See, dem Romero als eine Art Bossmonster entsteigt, wobei er einen riesigen, blitzenden Hammer schwingt. Egal, wohin ihr euch in eurem Kampf gegen die Monsterhorden wendet, welchen Weg ihr auch freischaltet - er dreht sich euch immer zu, schlurft euch langsam, aber sicher hinterher.

Ballert ihr auf ihn, wird er wütend und rennt auf euch zu, seine Schläge sind brutal - lähmen euch gar sekundenlang. Nicht schön, wenn ihr gerade ein halbes Dutzend Menschenfresser am Hacken habt. Aufgrund dieser Erschwernis ist die Zombiehatz ein Stück strategischer ausgefallen, ihr müsst eure Schüsse ein bisschen besser aussuchen und Romero möglichst umgehen.

Packshot zu Call of Duty: Black OpsCall of Duty: Black OpsErschienen für DS, PC, PS3, Xbox 360 und Wii kaufen: Jetzt kaufen:

Vier Maps für ein Halleluja?

Der Hauptbestandteil des Escalation-Packs verbirgt sich aber selbstverständlich in den vier neuen Karten, die ausgehungerten Call-of-Duty-Seelen über die nächsten Monate helfen sollen. Diesen Job verrichten "Hotel", "Convoy", "Zoo" und "Stockpile" sicher und routiniert - wenn auch der große Überraschungseffekt ausbleibt. Stockpile gefällt mir persönlich am Besten. Hier verschlägt es uns in ein altes verschneites Forschungslabor in Russland. Verlassene Werksgebäude bieten hervorragende Hinterhaltmöglichkeiten, verwinkelte Häuser und enge Gassen stellen die perfekte Grundlage für flotte Scharmützel und überraschende Schusswechsel. Obendrein könnt ihr noch ein Tor öffnen oder schließen, was allerdings nicht unbemerkt bleiben dürfte...

Ein völlig anderes Ambiente erwartet euch in Hotel, das entfernt an "Highrise" aus Modern Warfare 2 erinnert. Hier spielt die Vertikalität des Mapdesigns jedoch eine noch größere Rolle für den Spielablauf. In dem Wirrwarr aus Pool- und Saunalandschaft sowie eines Kasinos und Bühnenaufbauten bieten auch einige Fensteraussichten ideale Jagdgelegenheiten für Scharfschützen. Die für CoD-Verhältnisse recht weitläufige Map eignet sich insbesondere für spannende Capture-the-Flag-Sessions, doch auch alle anderen Modi passen gut. Ein lustiges Highlight sind vielleicht die funktionierenden Fahrstühle, mit denen man sich aber auch den Gegner leicht ins Bockshorn jagen kann.

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Fast alle neuen Gebiete sind mit solchen Gimmicks ausgestattet, so auch Convoy, das einem verlassenen Schlachtfeld gleicht: eine zerstörte Brücke, zurückgelassene Militärfahrzeuge inklusive Raketenbewaffnung und eine Tankstelle, die beim Betreten einen Glockenton verursacht und damit jedem signalisiert, dass sich hier womöglich ein Kontrahent verschanzt. Wer clever ist, nutzt das aber zu seinem Vorteil, ein Jäger lässt seine Beute schließlich zu sich kommen. Eine Reihe gewundener Treppen und unübersichtlicher Übergänge bieten auch hier reichlich Gelegenheiten, unaufmerksame Rambos niederzuschießen.

Last but not least: Lädt Zoo zum munteren Dauerballern ein. Diese Map kommt hektischen Naturen wohl am besten entgegen, sie enthält eine Menge enger Durchgänge und Abkürzungen, die euch schnell in den Rücken des Gegners lenken - und umgekehrt. Offene Areale gibt es hier eher wenige, die Gefechte beschränken sich meist auf plötzliche Aufeinandertreffen zwischen verrotteten Käfigen und heruntergekommenen Buden, die mit heißen Garben im Nahkampf entschieden werden. Alternativ verbergt ihr euch in einer idealen Scharfschützenposition auf den Gleisen einer alten Bahn oder sprengt Vehikel genau dann in die Luft, wenn sich ein Kontrahent dahinter verschanzt.

Fazit

Was Ordentliches für wenig Geld sieht meiner Meinung nach anders aus. Die vier neuen Maps sind zwar sicherlich durchweg eine Bereicherung für den bestehenden und überwiegend hochwertigen Kartenkatalog von Call of Duty: Black Ops. Vor allem Stockpile und Hotel stechen mit einem ausgeklügelten Design und netten Gimmicks heraus, doch wirklich essenziell ist diese Nachschublieferung absolut nicht.

Dagegen überzeugt mich "Call of the Dead" mit seinem Hauptdarsteller George Romero deutlich mehr, denn dieses Schmankerl bringt tatsächlich eine taktischere Note in das muntere Zombiegemetzel und liefert sogar ein bisschen schwarzhumoriger Story-Ummantelung. 15 Euro wären mir dafür aber trotzdem zu viel.

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