Das Call-of-Duty-Franchise setzt seinen Triumphzug mit jeder Veröffentlichung fort und mäht die Konkurrenz mit weiteren Fortsetzungen nieder. Selbst noch so profane Zusatzinhalte wie die Map-Packs verkaufen sich millionenfach - Zahlen, von denen auch hochgelobte Triple-A-Titel nur träumen können.

Wer glaubt, dass eine überzogene Preispolitik daran etwas ändern würde, täuscht sich. Fünfzehn Euro (oder 1200 MS-Punkte) für vier neue Mehrspielerkarten und eine Erweiterung des Zombie-Modus waren den enthusiastischen Käufern schließlich auch bei den bisherigen beiden Map-Packs nicht zu viel, warum sollte "Annihilation" das revidieren?

Call of Duty: Black Ops - Annihilation: Die totale Zerstörung oder Empörung?

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Im Kampf gegen die Zombies kann's im dichten Urwald trotz Wasserrutsche auch ganz schön heiß werden.
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Wird es eben nicht, da können wir nörgeln, soviel wir wollen. Und wenn man den saftigen Preis mal außen vor lässt, war ja in den vorherigen Zusatz-Downloads nicht alles schlecht. Vor allem die zweite Episode "Escalation" brachte neben einigen interessanten Karten auch das grausig-schön inszenierte "Call of the Dead" mit. Leider kann Entwickler Treyarch das Niveau dieser "Auskopplung" nicht halten und tischt uns mit "Shangri-La" doch ziemlich gewöhnlichen Überlebenskampfstoff auf.

Gut, es verschlägt uns zwar in diesen sagenumwobenen Tempel inmitten eines abgelegenen, exotischen Dschungels. Ein wirklicher Unterschied zu den bisherigen Zombie-Abenteuern lässt sich aber jetzt nicht ausmachen. Der Spielablauf besteht im Großen und Ganzen nach wie vor darin, so lange wie möglich gegen immer neue Wellen von Untoten zu überleben.

Zwar gelingt es durchaus, die ungewöhnliche Ruinenlandschaft für einige kleinere Gags zu nutzen - so stolpert ihr durch ein mechanisiertes Labyrinth oder benutzt eine natürlich anmutende Wasserrutsche und hechelt sogar einem geheimen Bonusziel nach. Auch neue Feinde wie der Kreisch-Zombie oder die Wunderwaffe 31-79JGb215 (mit der ihr Gegner in Duke-Manier verkleinert und per Fußtritt plättet) sorgen für ein paar frische Impulse. Letztendlich ist man von dem spannenden und amüsanten George-Romero-Auftritt in "Escalation" aber doch weit entfernt.

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Den Empfang bei seinem Comeback hatte sich Tiger Woods sicher ganz anders vorgestellt...
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Was die vier neuen Maps für die kompetitiven Multiplayer-Modi betrifft, lässt man zugegebenermaßen nichts anbrennen. Ihre Qualität schwankt aber erneut zwischen solide und sehr gut. Vor allem das "Cliffside"-Remake "Hazard" punktet nicht eben in Sachen Originalität, dürfte aber gerade mit seiner offenen Zentrale die Sniper-Fans unter euch ansprechen. Das Ambiente eines Golfclubs, direkt an einer schroffen Steilküste gelegen, mit satten Grüns, Sprinkleranlagen, einigen Sandhindernissen und umgestürzten Wägelchen, passt natürlich überhaupt nicht zu dem hektischen Treiben.

Vielleicht bezieht es daraus auch seinen Reiz, mir ist die Ballerei auf dieser Karte aber zu vorhersehbar und eintönig. Wer nicht das Scharfschützengewehr auspackt, schleicht auf dem betonierten Rundweg umher, nutzt eine leerstehende Bar mit Che-Guevara-Bildnis oder einen Klamottenladen als Deckung, um den Präzisionsschützen, die in einem Turm oder unter einer Brücke lauern, in den Rücken zu fallen.

Haaalt, Sperrgebiet!

Weitaus interessanter gestalten sich die Gefechte in "Hangar 18", das ein militärisches - selbstverständlich streng geheimes - Sperrgebiet nachbildet. Auch hier steht der Mittelpunkt der sehr verwinkelten Map im Zentrum des Interesses. Aber nicht weil sie so offen wäre, vielmehr hat irgendjemand dort einen SR-71-Blackbird mit laufenden Triebwerken abgestellt. Er ist natürlich der größte Anziehungspunkt, verleitet aber manch einen zu übermäßigem Leichtsinn.

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Wer sich den Flieger aus der Nähe anschauen möchte, landet mitten in der Todeszone.
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Wer an mannshohen Generatoren vorbei flitzt, die engen Gänge oder Laboratorien (voller Leichen und einer mysteriösen, schwebenden Kugel) für Hinterhalte nutzt, lebt meist deutlich länger. Na ja, was man in CoD-Mehrspielerpartien halt als "lang" bezeichnen kann.

Nicht gerade kurz ist dagegen die Attraktion in "Silo" - ein hoher Turm, der wie geschaffen ist für ausgedehnte Sniper-Abenteuer. Die Position eignet sich mit ihrer Weitsicht hervorragend für eingespielte Zweierteams, denn der Zugang lässt sich fast mühelos verteidigen. Wer allerdings ein Scheibenschießen erwartet, hat die Rechnung ohne die vielen kleinen Deckungsmöglichkeiten der Raketenabschussbasis gemacht.

Das Schussfeld ist weit, und wer im falschen Moment in eine andere Richtung guckt, ist tot. Wer sich lieber auf dem Erdboden, in der leicht vereisten Umgebung herumtreibt, muss ständig auf der Hut sein: Es gibt etliche Ecken und kleinere Räume, die sich für gemeine Hinterhalte eignen. Zudem schreckt die mittig gelegene Baustelle mit ihrem ohrenbetäubenden Lärm die unter Hochspannung agierenden Spieler immer wieder auf und ermöglicht damit überraschende Attacken.

Deutlich gewöhnlicher spielen sich da die Schießereien im abgewrackten Open-Air-Kino, dem "Drive-in", ab. Die Gäste sind zwar längst weg, aber der Projektor läuft noch und bildet zusammen mit alten Monster-Filmplakaten die Kulisse für solide Mehrspielereinsätze.

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Dieser Kinobesuch ist realer als jede 3-D-Vorstellung.
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Die Karte liefert eine Mischung für alle Lebenslagen: Zwei, drei Sniper-Stellungen (die jedoch leicht infiltriert werden können), wenige verwinkelte Räume und Wohnwagen, knarzende Holzböden in einem verkommenen Diner, mehrere Zugänge in einer zerfallenden Spielhalle und natürlich ein Mittelpunkt, der sehr schnell zur Todeszone umfunktioniert wird. Auch hier solltet ihr eher fix zu Fuß sein, wenn ihr Erfolg haben wollt.

Fazit

Ja, was soll ich sagen? Zumindest drei der Karten (Silo, Hanger 18, Drive-in) sind gut bis sehr gut gelungen und stellen bleihaltige Parcours für alle möglichen Spielstile dar. Die Überlebenskampf-Erweiterung Shangri-La fällt im Vergleich zu Call of the Dead jedoch, ungeachtet einiger interessanter Neuerungen, signifikant ab und unterhält auch mit neuen Achievements kaum länger als ein, zwei Durchgänge.

Fünfzehn Euro sind mir aber trotz der souverän-soliden Performance nach wie vor deutlich zu viel Geld - doch die Millionen DLC-Käufer vergangener Ausgaben wird das wohl in diesem Fall genauso wenig von einer Investition abhalten wie in dem gerüchteweise kolportierten vierten Map-Pack "Retaliation", das die Wartezeit bis Modern Warfare 3 gänzlich überbrücken dürfte.

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