„No Fighting in the War Room“, hieß es vor drei Jahren in Modern Warfare und doch tobte die Schlacht durch enge Gänge eines Raketensilos, die knappe Zeitvorgabe und unerbittliche Feinde machten das Vorankommen bis zum nächsten Speicherpunkt im Veteranenmodus zur Hölle.

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Doch trotz aller Widrigkeiten war es keine unfaire Herausforderung, sondern eine fordernde Shooter-Erfahrung für Fortgeschrittene. Im vergangenen Jahr enttäuschte uns der höchste Call-of-Duty-Schwierigkeitsgrad - zerrt uns Black Ops wieder zurück ins Traumaland?

Eines vorweg: Das unmenschliche Verzweiflungskreischen aus meiner Wohnung mussten meine Nachbarn diesmal nur ganz selten miterleben. Etwa dann, wenn ich entdeckte, dass mein Süßigkeitenvorrat aufgebraucht war wenn ich mich wieder durch klaustrophobisch enge Tunnel ballern musste, in denen Tausende von Feinden keine andere Daseinsberechtigung zu haben schienen, als meine Flucht zu vereiteln.

Genau dieses Szenario finden wir am Ende von „Executive Order“, das mich stark an „War Room“ erinnerte - nur ohne einen an den Nerven zerrenden Countdown. Überall lungern fiese Feinde. Hinter Kisten, offenen Türen, Geräten. Kaum erblickt man per Adlerauge ihre hervorlugenden Körperteile, pfeifen mir die Kugeln bereits um die Ohren oder schlagen in meinen virtuellen Körper ein - tack, tack, tack - und ich erlebe alles von Neuem. Schönen Gruß vom Murmeltier!

Call of Duty: Black Ops - Aaargh! Fuuuck! Ihr miesen @!%=#!

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Die dumme KI schafft’s noch nicht einmal bis aufs Klo.
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Und täglich grüßt das Murmeltier

Normalerweise flitze ich im Veteranenmodus, was das Zeug hält, nur um ja so schnell wie möglich zum nächsten Kontrollpunkt zu gelangen. Doch hier ist das unmöglich, das Kreuzfeuer der Kontrahenten erbarmungslos. Erreiche ich endlich die kleine Deckung in der Mitte des Gangs, hinter der ich mich gerade so dem Beschuss entziehen kann, stürmen von rechts weitere Feinde heran. Bamm, Bamm, mit der Schrotflinte weggeputzt, aber plötzlich fällt eine Granate vor meine Füße. Zum Zurückwerfen ist jetzt keine Zeit mehr, Rückzug - und da erwischt es mich natürlich erneut! Hier darf ich dann doch mal wieder kreischen - Arrrrgh!

Aber in Black Ops sind Szenen wie diese leider Mangelware, spielerische Herausforderungen gibt es nur sehr wenige. Nur an zwei, drei Punkten halte ich mich deutlich länger auf als im normalen Schwierigkeitsgrad. Zur Weißglut bringen mich aber ganz andere Dinge, beispielsweise die dummen Kommentare meiner KI-Kameraden: „Du bist getroffen!“, rufen sie immer wieder. Ja, ihr @!%=?, das weiß ich selber! Nicht umsonst färbt sich der Bildschirm rot, atmet mein Alter Ego plötzlich schwer. Ihr müsst mir das nicht auch noch auf die Nase binden, verdammte Axt! Der Veteranenmodus entlarvt zusehends die Schwächen des Spieldesigns von Black Ops, die hanebüchene „KI“, schlecht gesetzte Kontrollpunkte.

Packshot zu Call of Duty: Black OpsCall of Duty: Black OpsErschienen für DS, PC, PS3, Xbox 360 und Wii kaufen: Jetzt kaufen:

Faules Pack, ihr...

Meine Freunde sollen mich eigentlich unterstützen. Doch laufe ich ihnen im sicheren Glauben hinterher, dass sie den einen Feind hinter der Tür ausgeschaltet haben, die sie eben selbst passiert haben, finde ich mich unter Garantie am letzten Speicherpunkt wieder. Sie hocken oft neben bösen Buben, ohne auch nur einen Finger krumm zu machen. Lassen mich munter ins feindliche Messer laufen. Oft stehen sie mir auch einfach im Weg herum: „Geh doch weg, ich muss hier durch!“, brülle ich den Pappkameraden auf dem Bildschirm an, da graben weitere gegnerische Geschossgarben Wunden in meinen Leib. Wenn ihr schon zu nichts taugt, geht mir verflixt noch mal aus dem Weg!

Schlecht gesetzt sind auch viele Kontrollpunkte. Das ist zwar auch im Modus für Normalsterbliche auffällig, richtig fies ist das aber für Veteranen. Hier haben wir viel weniger Zeit, um auf den plötzlichen Spieleinstieg zu reagieren, und es nervt viel mehr, wenn wir uns zum drölften Mal ein und denselben Spruch anhören müssen. Na ja, wenigstens hat Entwickler Treyarch mich diesmal vor dem unmenschlichen Granaten-Spam früherer Zeiten bewahrt, der mich in „World at War“ noch zu bestialischen Keifattacken trieb. Um voranzukommen, nutze ich nicht nur den stark geskripteten Spielablauf zum Vorteil, der gerade in diesem Modus so richtig zur Geltung kommt. Ich studiere das Verhalten der Feinde und wende es gegen sie.

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So richtig zum Ausflippen ist der Veteranenmodus in Black Ops nicht mehr.
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Außerdem passe ich aber auch meine Spielweise an. Während ich sonst praktisch nie Flashbangs einsetze, weil es einfach nicht nötig ist, greife ich hier sehr gerne zu diesem Mittel, um schwierige Situationen, Engpässe und Hinterhalte zu umgehen. Mit ein bisschen Glück erreicht man so manchen Kontrollpunkt, bevor sich die Feinde erholt haben. Natürlich hockt man auch viel häufiger hinter einer Deckung verschanzt, denn verglichen mit dem lachhaften „harten“ Modus (aka Kindergeburtstag) von Medal of Honor ist der Veteranenmodus von Black Ops immer noch ein Spießrutenlauf.

Insgesamt fehlt aber trotzdem der Biss früherer Tage. In vielen Levels - wie etwa „Project Nova“ oder „WMD“ - ist der gehobenere Spielanspruch kaum bis gar nicht spürbar, ich metzele mich problemlos durch die Reihen der Feinde, muss meine Taktiken faktisch nicht anpassen und die Herausforderung bleibt gering. Wenn ich nicht gezwungen bin, neue, optimale Routen zu suchen und Verhaltensweisen zu adaptieren, bleibt vom Veteranenmodus nur die höhere Sterblichkeitsrate übrig. Und das ist schade! Immerhin: Ich habe keinen weiteren Controller zerstört, einen „schuldet“ mir Treyarch aber immer noch...